Ach Roja, du und deine hochpreisigen Duftwässerchen. Im Verhökern bist du ein König, nur die Eigenständigkeit deiner Düfte anzupreisen, gelingt dir nicht immer (vortrefflich). Ja, es ist leicht zu behaupten, wenn auch nicht leicht zu analysieren, was deine Düfte von anderen qualitativ abheben soll. Zu verlegen und schwülstig kommst du dann daher, was deinem kaufmännischen Ansinnen nicht gerade zum Vorteil gereicht. Ohnehin mutet da vieles…nun ja…irgendwie seltsam an, wenn man mal von deiner teils maßlos überzogenen Selbstinszenierung absieht, diese ganz und gar auszu*blenden* versucht. Deiner gutbetuchten Kundschaft mag das natürlich egal sein und sollte es im Zweifelsfall auch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Raffinesse ist dir gewiss ebenso wenig abzusprechen wie ein gewiefter Blick fürs Wertige - das ist selbst deinen größten Kritikern nicht verborgen geblieben. Und ja, mit Amber ist dir wirklich mal ein großer Wurf gelungen, fernab von deiner zumeist überteuert angebotenen Durchschnittsware. So präsentierst du uns hier einen wundervoll austarierten Gourmand, einzig und allein der Name dürfte für Irritationen sorgen. Doch dazu an anderer Stelle mehr.
Amber eröffnet zunächst mit einer deutlich im Vordergrund stehenden Kakao-Note die, so viel sei vorweggenommen, fein aufgelöster kaum sein kann. Zumindest ist mir bisher nichts qualitativ Vergleichbares präsentiert worden. Ein charakteristisches Aroma bestehend aus malzigen, leicht karamellartigen Nuancen, veredelt mit einer nicht allzu süßen Vanille: Toll!
Die Basis ist zwar durchaus lieblich, gewinnt jedoch zunächst durch den Lavendel und im späteren Duftverlauf dank der würzigen Harze, insb. aber durch den immer stärker werdenden Patchouli, einen eher dunkleren Charakter, was der Sillage durchaus zugutekommt und wohl auch die letzten Zweifler verstimmen lässt, die bereits zu Beginn eine allzu schwere Basis befürchtet hatten. Nein, hier detoniert nichts im Süßwarenlager deines Vertrauens!
Umgarnt von einer leichten Sandelholz-Note entfaltet sich nach 4-5 Stunden das Labdanum nebst dem Benzoe, wodurch die gourmandige Ausrichtung einen orientalischen Einschlag erhält. Für manch einen hätte diese Phase sicherlich einen Tick voluminöser ausfallen dürfen, um dem Namen gerecht zu werden, den Roja seinem Extrait vorangestellt hat.
Im Drydown gewinnen die Harze dann die Überhand. Das Benzoe gibt die Marschroute vor und weiß zu gefallen: sehr cremig, warm und feinfühlig – anschmiegsam wie eine zweite Haut. Ein Traum.
Als Heritage Collection (wieder) verfügbar ist Amber definitiv einen Blick wert und für Liebhaber kakaoartiger Duftkompositionen ohnehin eine absolute Kaufempfehlung. Ich liebe ihn!!!
Die Sillage fällt vor allem in der (nicht mehr erhältlichen) Extrait-Version hervorragend aus. Da reichen 1-2 Sprühstöße, alles darüber hinaus: ohne Gewähr. Haltbarkeit? Ebenfalls außerordentlich: Er verblasst - je nach Feuchtigkeit und Wärme - erst nach 10-14 Std. auf meiner Haut.
Na, der hört sich aber sehr vielversprechend an. Warm, kakauartig und nicht übertrieben schwer. Jetzt wo die kühlere Jahreszeit anfängt, kommen solche Düfte bei mir wieder viel mehr zum Zug.
Dann werde ich dieses Meisterwerk mal testen.
Dann werde ich dieses Meisterwerk mal testen.
Fein!