Tabak- und vanillegeschwängerter 600 Euro-Cognac - "Bentley Intense" in etwas edlerer Ausführung?
An den Hype um "Bentley Intense" vor etwa 2 Jahren erinnern sich sicher viele der dienstälteren Parfumos noch. Gepusht, bejubelt, gefeiert. Am Ende - so ging es mir und nicht wenigen anderen - stellte sich die anfängliche Freude damals über den rumgeschwängerten Gourmand als überzogen heraus und der Duft relativierte sich erkennbar. Mir war er nach mehrwöchigem Gebrauch auch zu penetrant, dicht und aufdringlich süß.
Warum nun der Bogenschlag zum aktuell hochgelobten "Enigma", dem bis dato teuersten Herrenduft in meinen Fingern - 100 ml, die den Gegenwert einer guten Schweizer Uhr oder eines einwöchigen Mallorca-Urlaubs haben?
"Enigma" kommt mir - das gleich vorweg - ein wenig edler, wertiger und komplexer vor als der damals gehypte Bentley. Aber ich habe trotzdem ein bisschen das Gefühl im linken Nasenloch, dass auch dieser Preisriese sich noch erkennbar "normalisieren" wird und irgendwann auf dem Teppich des Parfumoalltags ankommt.
Er legt gleich ausladend gourmandig los - die oben gelistete Bergamotte taucht gar nicht auf, man steigt aromatisch direkt in einen Mix aus Herz und Basis ein: Neroli als kleiner Fruchtakzent und ein Tupfer Rose, die alsbald von sattem, süßlichem Cognac umdampft werden. Wir sind hier mittendrin im Herbst, "Enigma" verströmt Wärme in Form von gourmandiger Grundstilistik, die nur an den Rändern von sehr weichem Pfeffer tangiert wird.
Der Cognac ist wirklich recht prägnant, ähnlich dem süßlichen Rum beim "Bentley", vielleicht etwas eleganter verpackt. Die Sillage ist für einen Gourmand recht moderat, dezenter jedenfalls als eben genannter.
Nach rund 45 min. dämpft sich die Cognac-Kraft und lässt mehr Raum für die dann ausdauernde und längste Phase von Enigma, das Zusammenspiel von Tabak und Vanille. Leicht ambriert wirkt das Ganze, der Tabak ist ein sonnengtrockneter, bräunlicher, der allerdings durch eine ausladende, zum Glück nicht übermäßig süß geratene Vanille gedeckelt wird und dadurch wenig ins Pflanzliche rutscht, sondern im Gourmandigen verhaftet bleibt.
In der Summe - und gerade mit Blick auf den monströsen Preis - empfinde ich die langgezogene Basis aber als relativ platt und nicht sonderlich facettenreich. Über Stunden ein Mix aus 30 % Cognac, 30 % Tabak und 40 % Vanille.
Das sind nun nicht eben die raren Parfumöle, die einen Preis dieses Niveaus rechtfertigen, aber Leimbacher schrieb ja schon mal völlig zurecht an anderer Stelle, dass wohl kein Duft der Welt in dieser Zahlendimension gerechtfertigt ist. Alles in allem ein angenehmer, aber letztlich überbewerteter Gourmandduft, der das Rad nicht neu erfindet.
Hmm... habe mir alle "Roja~Pour Homme" -Proben bestellt, viele probeweise getragen ~ mir gefällt das alles nicht, will so etwas nicht an mir; Ausnahme "Vetiver", alt + neu. Mir gefallen die "Aoud's", die flippigen "Tutti Frutti's" (!) ~ das hier ist ja furchtbar! Natürlich gibt's dafür Komplimente! Habe ich für den auch bekommen... im Hotel Lift, zu später Stunde, wahrscheinlich weil's nach Cognac riecht... na, ich weiß ja nicht... :)
Ich kann Dir in vielen Teilen zustimmen! Ich mochte den Duft Anfangs sehr, finde er ist auch ein extrem feiner Duft, aber die Begeisterung war bei mir nach 2 Wochen bereits erloschen..muss aber zugeben, dass ich ihn im Sommer hatte, was nicht die perfekte Jahreszeit dafür ist. Der Preis..ohne Worte...aber wie immer natürlich sehr subjektiv..
@MrWhite
Nicht nur die Parfumo-Damen... heut zum ersten Mal in der Arbeit getragen... selbst meiner Kollegin, die meine Parfums als "bähhh" einstuft, findet Enigma sehr gut. Mir taugt Enigma auch ;)
Ich kann das nur bestätigen. Er ist nichts besonderes! Die Preise vom Herrn Roja Dove sind sowieso unter aller Kanone für das, was letztendlich bei rumkommt.
Nicht nur die Parfumo-Damen... heut zum ersten Mal in der Arbeit getragen... selbst meiner Kollegin, die meine Parfums als "bähhh" einstuft, findet Enigma sehr gut. Mir taugt Enigma auch ;)