Die Farmaceutica di Santa Maria Novella macht sich und ihre Produkte sehr rar. Online bestellen kann man nichts, man müsste sich da schon selber nach Florenz bemühen. Zumindest in Deutschland scheint es keine offizielle Verkaufsstelle zu geben. Immerhin haben Sie jetzt endlich mal Inhalt hinter Ihre Webadresse gelegt - das müssen ja prächtige, museale Räume sein! Als Florenz-Besucher mit Interesse für feine Düfte muss man unbedingt da hin.
Mit dem Herrenduft Ottone und dem weiblichen Gegenstück Porcellana feiert SMN nun ihr 400jähriges Jubiläum. Ein paar Flakons davon haben sie in die große, weite Welt entlassen, und so konnte ich Ottone im Berliner Departmentstore testen.
Ein Blick auf das Sortiment sagt mir, dass es wohl alles alte, traditionelle Düfte sein müssen - die Namen deuten es an. Und Ottone ist vor allem eins: ein klassisch-konservatives, italienisches Herrenparfum. Mit Ottone empfiehlt sich SMN einer ebensolchen Kundschaft, die Traditionelles ohne jegliche Ambition zu Duftexperimenten schätzt.
Nach etwas zitrischer Kopfnote haben wir einen dezent-würzigen Duft vor uns. Die verhaltene Würze ist eingebettet in eine dunkle, warme, nur leicht süße und ambrierte Umgebung. Ich empfinde im Stil Ähnlichkeiten zu würzigen Herrendüften, wie man sie etwa von Halston kennt - jedoch steht die Würze bei Ottone nicht so hervor.
Nach etwa zwei Stunden tritt die Würze ab, zusammen mit einem guten Teil der ambratischen Wärme. Der Duft wird nun schlanker, trocken und rauchig; Weihrauch wird jetzt dominant. In dieser Phase entspricht Ottone weitgehend den weihrauchlastigen Parfums L‘Homme Sage von Divine und Pontevecchio von Nobile 1942. Es folgt ein langer Drydown über einige Stunden, in dem aber nichts weiteres mehr passiert.
Also, das ist alles ganz in Ordnung, solide Qualität eben - aber hinlegen braucht man sich für dieses Parfum wirklich nicht! Mich stört etwas der Bruch zwischen der warm-würzigen Herznote und dem rauchigen Drydown. Deutliche Duftentwicklungen können interessant sein, aber der Gesamteindruck muss stimmig bleiben. Hier aber verändert der Duft recht unvermittelt seinen Charakter. Mir persönlich gefällt der Stil der Basisnote besser als die Herznote, doch da greife ich lieber zu Pontevecchio oder L‘Homme Sage, welche sich dieser rauchigen Richtung komplett annehmen.
In den herrlichen, mit verschnörkeltem Mobiliar ausgestatteten Verkaufsräumen von SMN wird Ottone vermutlich weggehen wie geschnitten Brot. Das Verkaufserlebnis scheint schlicht Teil des Produkts zu sein, und so passt das dann auch. Doch als purer Duft kann mich Ottone nicht ganz überzeugen.
Was die Räume angeht, kann ich dir nur Recht geben. Was die Düfte angeht, Ottone konnte ich nicht testen, gibts nicht mehr, aber obwohl ich mir Mühe gab, viel Zeit investiert habe, um die doch inzwischen reichlich vorhandene Auswahl wenigstens auf Papier kennenzulernen, hat mich auch keiner überzeugt. Finde auch, dass einige heftig die Richtung wechseln, was die Sache n. grade einfach macht. Obwohl ich Ottone n. kenne, glaube ich auch, dass mir Nobile, das was ich gerochen habe, besser gefällt.
Interessanter Kommentar! Inzwischen kann man die Düfte in einem niederländischen Shop online bestellen. Läßt sich die Geschlechtszuordnung nicht nachträglich ändern?