Vitriol- assoziiert erst mal eher etwas ziemlich chemisch-medizinisch-Apothekenmäßiges denn ein Parfum, finde ich. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Vorurteile muss man ja nicht plakativ hätscheln. Vitriol besitzt offenbar eine konservierende Eigenschaft, wenn man Johann Peter Hebels Anekdote "Unverhoffte Begegnung" Glauben schenken darf. Eine junge Frau verliert ihren Verlobten an ein Eisenbergwerk. Nach mehr als 50 Jahren taucht er wieder auf, durch die Substanz jung geblieben. Eine Art Zeitmaschine läuft hier ab: Die Braut, nun alte Frau, wirft sich erschüttert über den Jüngling.- Meine Chemiekenntnisse reichen nicht aus, dies zu verifizieren. Nelken als Blumen mag ich in Parfums (lieber als in der Vase! ) , aber Gewürznelke liebe ich, beim Kochen und in Düften, meinem "Spellbound" bin ich bis heute treu geblieben und habe es immer wieder nachkaufen müssen! Nelken UND Gewürze - große Spannung. Der VO ist ein Wirbelwind, der erst mal die Pfeffermühle strapaziert, Nelke verfremdet, aber schon in der Nähe wähnen lässt. Und diese Mischung mit dem Muskat ist es, die hier zusammen mit der Blumigkeit eine ganz ungewöhnliche Allianz entstehen lässt. Beide nehmen sich dadurch die Spitze. Die warme Muskatnuss gewinnt Kühle, die Nelke an Wärme. Sehr eigenartige Symbiose, bei der das Thermometer dennoch eher in milde Wärme aus- und den Pfeffer zunächst schnell aus dem Feld schlägt und ein Schrittchen in Richtung Wildleder geht, das ein bisschen eingeseift wurde. Fast ein wenig schrullig wird er am Ende der Herznote. Er gleitet dann allmählich in eine gemäßigtere, aber immer noch pikant-unterlegte , fast pudrige Basis. Der Muskat verschwindet nicht ganz, dadurch wird der Nelke etwas Fremd-Bekanntes auf den Weg gegeben. Und merkwürdig: Nach Stunden bläht sich plötzlich auch der Pfeffer nochmals auf, er fühlt sich wohl unentbehrlich - zu Recht! Metallisches kann ich nicht wahrnehmen. Die Nelke als Hauptdarstellerin mit der Pikanterie der Gewürze , insbesondere der Muskatnuss als Förderer und Bremse zugleich, hat einen imposanten Auftritt, noch viel "angespitzter" als Louce sie empfindet, ist sie in "Spellbound" von Estee Lauder. Stephan Jellinek beschrieb die verhexende Nelke in seinem Buch "Parfum. Der Traum im Flakon" sehr treffend mit "metallischer Härte". Dort hat sie nämlich keinen wirklichen Gegenspieler und ist absolutistische Herrscherin.- Ich mag beide, die eiskalte wie die umflorte, machtbeschnittene Nelke. Nelken als Königinnen kann ich ertragen und finde sie nicht entbehrlich.
Bei Deinen einleitenden Worten machte es *pling!* und sofort fiel mir doch Wilhelm Buschs Ladenjüngling Fritze wieder ein, der unfreiwllig eine alte Jungfer mit Vitriol in den Tod schickt - der Effekt von Vitriol ist sehr drastisch dargestellt: http://de.wikisource.org/wiki/Die_Haarbeutel/Fritze
Das hast Du total toll beschrieben, ich erkenne den Duft in Deinen Worten wieder! Allerdings habe ich seinerzeit tief Luft geholt und im Glauben, meine Nase in einen Strauß Nelkenblüten zu drücken, eingeatmet: Gewürzschock!
Da liegt also der Hase im Pfeffer... ;-)
Wirklich umgehauen hat er mich nicht, aber vielleicht kram ich wegen Dir mal wieder meine Probe raus und versuche es erneut!
Wirklich umgehauen hat er mich nicht, aber vielleicht kram ich wegen Dir mal wieder meine Probe raus und versuche es erneut!