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loewenherz
14.12.2014 - 12:36 Uhr
28
Top Rezension
8.5Duft 7.5Haltbarkeit 5Sillage 10Flakon

Tribute to Julianne

Es darf angenommen werden, dass Herr Ford ein Verehrer der wunderbaren Julianne Moore ist. Zumindest fiel seine Wahl auf sie für die Rolle von Colin Firths bester Freundin in seinem Erstlingsfilm 'A Single Man', elegisch erzählt in verstörend schönen Bildern. Und fast erscheint dieser Duft wie sein Tribut an Julianne Moore und die Frauen, die sie spielt - sie, die eine Frau ist und kein Mädchen mehr, porzellanern-rothaarig, gleichermaßen schwermütig wie zart und fragil, am Herzen beschädigt und dabei voller Wärme, 'damaged but not broken'.

Santal Blush, errötendes Sandelholz (ein gutes Beispiel, wie einfach und schön ein Name in der einen und wie hölzern in einer anderen Sprache klingen kann), bleibt Tom Ford und seinem Muster treu. Fast keiner seiner Düfte ist leicht, ist unbeschwert - das Schwermütige, das Verletzbare oder Verletzte haben sie mehr oder weniger alle. Manche sind heller, andere dunkler, manche nachgerade schwarz, doch alle spielen sie in Moll, sind ernsthaft, tief- oder sogar abgründig, die vordergründig helleren - White Suede und Oud Fleur etwa - beinahe noch mehr als die dunklen.

Santal Blush. Die Sämereien und Pflanzenteile in seiner Kopfnote weben gleichsam ein feines Netz, unter dem die Blumen - und derer sind es viele - gefangen bleiben. Mitunter versucht die Rose auszubrechen, doch das Balsamische, das Dichte, das die Kopfnote gelegt hat, erlaubt dies nicht. Dies ist kein Duft von Knospen und von jungen Trieben, kein Frühlingsduft. Hölzer und Moschus transformieren das Cremige dann in einen weichen Hautakkord - wunderbar dazu die nudefarbene Flüssigkeit in der klaren Flasche - mit einem kaum merklichen mineralischen Akkord dabei, wie Blut - ein Tropfen nur - auf nackter Haut.

Santal Blush ist von schleppender Trägheit, erzählt in gebrochener Farbigkeit von Schönheit und deren Vergänglichkeit und Verlust. Von einer Rosenblüte, noch wollüstig und überquellend, doch am Stiel beginnt das erste Blatt am Rand leicht welk zu werden, man sieht es nur noch nicht. Wie eine letzte Viertelstunde in einem Raum voller Erinnerungen und verhängter Möbel, jetzt tanzen nur noch Staubpartikel im schwindenden Licht einer sinkenden Sonne, wo einst noch Menschen tanzten. Wie ein wehmütiger Blick voll Zärtlichkeit auf den Rücken eines Schlafenden, von dem man weiß, dass man nicht zu ihm zurückkehren wird. Wie Julianne Moore als Amber Waves in 'Boogie Nights', die im Hinterzimmer eines Porno-Sets ihren kleinen Sohn am Telefon anfleht ihr zu glauben, dass sie ihn lieb hat.

Fazit: vordergründig hell und seidig. Hintergründig pulsierend wie eine offene Wunde. Keiner für zwischendurch.
3 Antworten
HyazintheHyazinthe vor 7 Jahren
wie immer wunderbar geschrieben. Mir wurde ganz wehmütig.
SalanderSalander vor 8 Jahren
Oh lala - 'damaged but not broken'. Eine tolle Charakter- und Duft-Studie.
MichelangelaMichelangela vor 10 Jahren
Ich bin gerade dahingeschmolzen...... Merkliste!