Red Jeans ist einer der Düfte, die mich seit den 90er Jahren verfolgen. Er hat mich immer gereizt, wobei ich nie wusste, warum. War es der Name? War es die Aufmachung? Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Immer wieder habe ich ihn in der Drogerie aufgesprüht, immer wieder habe ich den Gedanken an einen Kauf verworfen, weil er mir zu nichtssagend war. Dennoch spukte er mir immer wieder im Kopf herum. Apropos Kopf: vor Kurzem habe ich Nägel mit eben diesen gemacht und mir einen Flakon bestellt. Andernfalls hätte der Spuk vermutlich nie ein Ende genommen!
Ehrlich gesagt, ich bin verliebt in den, zugegebenermaßen ein bisschen kitschigen, Flakon. Und in die Dose. Da hat Versace sich vor vielen Jahren etwas Schönes einfallen lassen. Ob man sich da ein bisschen an Gaultiers Classique orientiert hat? Man weiß es nicht und es spielt auch keine Rolle. Aber was nützt mir ein schönes Äußeres, wenn das Innere nichts taugt?
Heute ist der große Tag des Testens. Die Sonne scheint pausenlos vom Himmel und die Temperaturen bewegen sich im zweistelligen Bereich. Der Frühling ist da und damit die Zeit für Red Jeans!
Beim Aufsprühen weht mir ein süß-fruchtiger Duft um die Nase. Pfirsich kann ich deutlich erkennen, Johannisbeere eher weniger. Da bin ich auch ganz froh darüber, denn Johannisbeere ist seit Armanis Sì eher ein Schreckgespenst für mich. Der leckere Pfirsich vermischt sich mit einer sanften Rose, die mich an die Rosen auf der Terrasse in meiner Kindheit erinnern. Keine langstieligen Baccara-Rosen, eher gelbe Gartenrosen, die unermüdlich blühen, sobald es wärmer wird. Ein Veilchen lugt frech hervor. Maiglöckchen kann ich wiederum nicht riechen und darüber bin ich froh, denn ich mag den stechend-grünen Duft dieser hübschen Blumen überhaupt nicht. Der Auftakt und die Herznote sind genau das, was man unter blumig-fruchtig versteht. Und genau das, was ich eigentlich hasse. Warum es mir hier trotzdem gefällt, ist mir ein Rätsel!
Langsam gesellen sich Moschus und Sandelholz dazu und geben dem Ganzen ein bisschen Würze. Die Vanille sorgt dafür, dass der Duft süß bleibt. Süß, aber nicht erschlagend. Eher im Gegenteil: der Duft umgibt mich wie ein Frühlingshauch, unaufdringlich und ganz zart. Ich bin überrascht! Von der typischen stechend-dumpfen Basisnote, die 90% aller Drogeriedüfte besitzen, ist hier nichts zu merken. Nun, Versace ist auch keine typische Drogeriemarke. Warum die alten Düfte in den Drogerien verramscht werden, erschließt sich mir nicht wirklich.
Die Haltbarkeit ist mittelmäßig. Nach 4 bis 5 Stunden darf schon mal nachgesprüht werden. Ich bin sicher, dass dies in den 90er Jahren deutlich besser war! Aber inzwischen sind Haltbarkeit und Sillage bekanntlich eher unerwünscht, leider. Viel Sillage besitzt der Duft nämlich auch nicht, er ist sehr körpernah.
Mein Fazit? Nun, ich verstehe die eher schlechten Bewertungen hier nicht so ganz, denn der Duft ist wirklich nicht schlecht. Für mich verkörpert er absolut den Frühling, wobei er leider ein bisschen schwach auf der Brust ist. Andererseits kann bei dem Preis (zwischen 16 und 20 € für 75 ml) bedenkenlos nachgesprüht werden. Zur Belohnung umweht einen ein fruchtig-blumiger Dufthauch, der nicht nervt und gute Laune macht. Ein idealer Freizeitduft, auch im Berufsleben gut tragbar. Lediglich zum Ausgehen ist er zu brav und naiv, da bevorzuge ich dann doch schwerere Kaliber. Ich bereue es jedenfalls nicht, den Duft nach 20 Jahren endlich in meine Sammlung aufgenommen zu haben!
Der war auch in den 90ern recht schwach auf der Brust.