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Hilfreiche Rezension
Ungewollter Flashback
XerJoff, eine prominente Marke, die in der Parfumwelt vor allem für (Mainstream) Luxus steht. Stolze 270 Euro kostet aktuell der 100ml Flakon zur weißen Dame. Selbst mit dem Wissen zu den schon obszön hohen Margen im Luxusparfüm Segment erwartet man da doch ein bisschen Parfumkunst und Qualität, oder?
Als ich also meinen ersten XerJoff richtig testen konnte, freute ich mich auf ein gehaltvolles Dufterlebnis. Dama Bianca, das klingt elegant, das klingt nach High Society im weißen Leinenkleid auf Capri "Nimm mich mit in eine Welt voll Glanz und Galmour" flüstere ich sanft mit geschlossenen Augen und sprüh.
BAMM Ball in die Fresse, Zweifelderball, Teamauswahl, der Albtraum für jedes unbeliebte Kind wie mich. Nach einer Stunde Schwitzen und gesellschaftlich akzeptierter Demütigung ab in die Umkleide. Wir schreiben das Jahr 2006, ich um meine Klassenkameradinnen sind um die 12. Die Brüste wachsen, erste Haare sprießen fern des Hauptes und in den Köpfen herrscht noch die völlig unsinnige Vorstellung, dass der Eintritt in die Pubertät etwas Tolles sein (Arme Dinger, sie wussten noch nicht, was kommen wird). Stolz wie Bolle, dass Mama und Papa nun erlauben Deo zu benutzen und man damit ja so erwachsen ist, wird sich kräftig eingedieselt. Und was war 2006 (noch immer) voll im Trend: Das Impulse Vanilla Kisses Deo. So gut wie jede Schülerin der 6. Klassenstufe hatte es und um zu zeigen, dass man richtig doll erwachsen ist, musste man minimum bis 20 zählen, während man den Sprühknopf betätigte. Mädels, die im immer dichter werdenden Synthetiknebel keuchend und um Atemnot ringend zu Boden gingen? Egal, Kollateralschaden, nur die Harten kommen in den Garten! Und nur wer ohne mit der Wimper zu zucken 10ml nebulisierte Vanilla Kisses auf Ex durch die Nase einsaugen kann wie ein Staubsauger mit Glitzerlippgloss, darf sich Teenagerin nennen, so die vorherrschende Meinung.
Ich hole schnappend Luft, bin wieder im Hier und Jetzt. Ich zittere etwas, das Trauma von 12 Jahren Schulsport und dem generellen gesellschaftlichen Spießrutenlauf in der Schulzeit sitzt tief. Ich versuche die unliebsame Erinnerung abzuschütteln, aber das eklige Vanilledeo, dass ich damals schon nicht leiden konnte, klebt mir immer noch wie Sirup in der Nase, wo kommt das blos her? Verstört suche ich die Quelle und bleibe an meinem Handgelenk hängen. Nein! Doch! Oh!
Das Luxusparfum versprüht doch tatsächlichen den herzallerliebsten Charme dieser 90er/2000er Synthetikvanillebombe und das in einer Potenz, die als einziges den Titel gehaltvoll verdient hat.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da gibt man 270€ aus, um wie ein 99 cent Deo zu riechen (ok 1,15€ eigentlich heute).
Und es ist noch nicht mal ein gutes Deo. Diese eklig künstliche Vanille, die die Vanille-Duftkerzen aus dem Ein-Euro-Shop wie frisch ausgeschabte Schoten duften lässt und die alle anderen Duftnoten wie ein Profiwrestler in die Mangel nimmt und niederringt, war weder in der pfirsichfarbenden Aludose toll, noch jetzt im sündhaft teuren Flakon.
Ich selbst stelle die Probe vorsichtig in den Giftschrank. Vielleicht würde eine Therapeutin mir raten, mit ihm meine Schulzeit aufzuarbeiten und vielleicht würde das sogar funktionieren und irgendwann sitze ich lachend mit meinen neuen BFFs in einer Synthetikvanillewolke und denke "Hach ist die Welt doch schön". Aber ganz ehrlich: Null Bock drauf!
Als ich also meinen ersten XerJoff richtig testen konnte, freute ich mich auf ein gehaltvolles Dufterlebnis. Dama Bianca, das klingt elegant, das klingt nach High Society im weißen Leinenkleid auf Capri "Nimm mich mit in eine Welt voll Glanz und Galmour" flüstere ich sanft mit geschlossenen Augen und sprüh.
BAMM Ball in die Fresse, Zweifelderball, Teamauswahl, der Albtraum für jedes unbeliebte Kind wie mich. Nach einer Stunde Schwitzen und gesellschaftlich akzeptierter Demütigung ab in die Umkleide. Wir schreiben das Jahr 2006, ich um meine Klassenkameradinnen sind um die 12. Die Brüste wachsen, erste Haare sprießen fern des Hauptes und in den Köpfen herrscht noch die völlig unsinnige Vorstellung, dass der Eintritt in die Pubertät etwas Tolles sein (Arme Dinger, sie wussten noch nicht, was kommen wird). Stolz wie Bolle, dass Mama und Papa nun erlauben Deo zu benutzen und man damit ja so erwachsen ist, wird sich kräftig eingedieselt. Und was war 2006 (noch immer) voll im Trend: Das Impulse Vanilla Kisses Deo. So gut wie jede Schülerin der 6. Klassenstufe hatte es und um zu zeigen, dass man richtig doll erwachsen ist, musste man minimum bis 20 zählen, während man den Sprühknopf betätigte. Mädels, die im immer dichter werdenden Synthetiknebel keuchend und um Atemnot ringend zu Boden gingen? Egal, Kollateralschaden, nur die Harten kommen in den Garten! Und nur wer ohne mit der Wimper zu zucken 10ml nebulisierte Vanilla Kisses auf Ex durch die Nase einsaugen kann wie ein Staubsauger mit Glitzerlippgloss, darf sich Teenagerin nennen, so die vorherrschende Meinung.
Ich hole schnappend Luft, bin wieder im Hier und Jetzt. Ich zittere etwas, das Trauma von 12 Jahren Schulsport und dem generellen gesellschaftlichen Spießrutenlauf in der Schulzeit sitzt tief. Ich versuche die unliebsame Erinnerung abzuschütteln, aber das eklige Vanilledeo, dass ich damals schon nicht leiden konnte, klebt mir immer noch wie Sirup in der Nase, wo kommt das blos her? Verstört suche ich die Quelle und bleibe an meinem Handgelenk hängen. Nein! Doch! Oh!
Das Luxusparfum versprüht doch tatsächlichen den herzallerliebsten Charme dieser 90er/2000er Synthetikvanillebombe und das in einer Potenz, die als einziges den Titel gehaltvoll verdient hat.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da gibt man 270€ aus, um wie ein 99 cent Deo zu riechen (ok 1,15€ eigentlich heute).
Und es ist noch nicht mal ein gutes Deo. Diese eklig künstliche Vanille, die die Vanille-Duftkerzen aus dem Ein-Euro-Shop wie frisch ausgeschabte Schoten duften lässt und die alle anderen Duftnoten wie ein Profiwrestler in die Mangel nimmt und niederringt, war weder in der pfirsichfarbenden Aludose toll, noch jetzt im sündhaft teuren Flakon.
Ich selbst stelle die Probe vorsichtig in den Giftschrank. Vielleicht würde eine Therapeutin mir raten, mit ihm meine Schulzeit aufzuarbeiten und vielleicht würde das sogar funktionieren und irgendwann sitze ich lachend mit meinen neuen BFFs in einer Synthetikvanillewolke und denke "Hach ist die Welt doch schön". Aber ganz ehrlich: Null Bock drauf!
23 Antworten
Völkerball war auch so eine Nummer ...
Ich bin eine andere Generation, aber das Trauma sitzt tief ...
Ach ja und Dama Bianca hat mich auch nicht umgehauen...und Xerjoff allgemein sowieso nicht. Zu synthetisch und zu "möchte gern". Bin nur dem Lira vor ein paar Jahren verfallen.
Finde das layert sich einfach toll mit jedem Gourmand Duft, ist günstig und überdeckt wirklich jeden üblen Geruch!
Vielleicht gefällt mir Dama Bianca deswegen auch so gut, auch wenn ich sie doch ein wenig harmlos finde.
Aber ja, der Trend kam ja nicht aus dem Nichts, also bist du auch nicht allein, nicht umsonst gibt es dieses Ungetüm (sorry, nimm mich nicht so ernst 😉) ja nach über 20 Jahren immer noch.
Gern gelesen!
Sind das noch Restbestände oder wird das noch produziert?