Als Greenhorn in Sachen Oud habe ich mir vorgenommen, mich an Oud Düfte heranzutasten. Unbescheiden wie ich manchmal bin, schreibe ich jetzt hier mal den ersten Kommentar zu Terryfic Oud Extrême und beginne vergleichenderweise ebenso unbescheiden mit dem im Moment wohl teuersten und meistgerühmten Oud–Duft: Oud Stars Fars von Xerjoff. In der Schweiz sind wir momentan bei ca. 650 Franken pro100ml, und das Furchtbare ist, er fühlt sich auf meiner Haut an wie Engelsflügel. Da kann ich Geschirrspülmaschine, Kühlschrank und Fahrrad (alle leider nicht mehr ganz neu) in einem verscherbeln und komme noch immer nicht hin. Oud Stars Fars ist ohne Fehl und Tadel, aber etwas fehlt mir dennoch, und zwar die olfaktorische Herausforderung. Ich habe damit gerechnet, dass sich meine Nase beim Zusammentreffen mit handfestem Oud erst einmal quer stellen würde, aber nichts da, Fars geht runter wie Sirup. Der Duftforscher Roman Kaiser sagt, ein neuer Duft würde sich immer durch Verunsicherung manifestieren. Mit Fars fühle ich mich hundertprozentig sicher. Also weiter zu Colonia Oud von Acqua di Parma. Auch hier werde ich enttäuscht: Ich habe gelesen, Oud Düfte wären animalisch, schweissig, kratzig und warm. Dieser hier ist glatt und kühl. Sozusagen gebuttertes Oud aus dem Kühlregal. Gekonnt, aber absolut nicht das, was ich suche. Nächster Kandidat: Oud von la Réminiscence. Gefällt mir im ersten Augenblick fast eben so gut wie Fars. Noch viel besser gefällt mir sein Preis. Während Fars aber trotz seiner alles umhüllenden Wärme über Stunden, oder soll ich schreiben Tage, beeindruckend frisch bleibt, driftet la Réminiscence für meinen Geschmack etwas zu sehr ins Schokoladige ab. Nichts gegen dieses dunkle, unbittere Kakao-Oud, das riecht sehr lecker, aber hier komme ich auch nicht auf meine Kosten. Am wenigsten kann ich mit Oud Wood von Tom Ford anfangen. An sich kein schlechter Duft, aber wenn der nach Oud riecht, dann riechen 99% der holzigen Männerparfums ebenfalls nach Oud.
Bleiben meine momentan vorrätigen Gunzburgs, Terryfic Oud l’Eau und Terryfic Oud Extrême. Die Proben habe ich ohne einen Blick auf die Preise zu werfen in einer Bahnhof-Apotheke geschnorrt und bin ehrlich gesagt aufgrund ihrer etwas beliebigen Präsentation davon ausgegangen, sie würden zu 100% nach Mainstream duften. Nachdem ich die beiden nun ausgiebig getestet habe, muss ich sagen: Boah, da wird dem Mainstream aber ganz schön was ins Gesicht geblasen! Vor allem beim Extrême fand ich exakt das, wonach ich gesucht hatte: Tiergeruch, frisch gezapften Schweiss und Verunsicherung hoch zwei. Mit dem, wie ich inzwischen festgestellt habe, nicht einmal halb so teuren L’Eau kam ich einigermassen klar, das Extrême hingegen habe ich mir beim zweiten Test mit den Worten „also wirklich, das geht dann aber doch ein bisschen zu weit“ von der Haut geschrubbt (oder vielmehr: es versucht). Der mit dem Parfum getränkte Leinenfetzen durfte auf meinem Schreibtisch liegen bleiben. Und verströmte noch tags darauf einen derart ungewohnt frischen, rosigen, heimeligen und zugleich geheimnisvollen Duft, dass ich gar nicht anders konnte als mit der Testerei fortzufahren. Mit Schweiss ist es so eine Sache. Wenn ich im Sommer mit dem Fahrrad den Fluss entlang flitze, empfinde ich meine schwitzende Haut als etwas durchaus Sinnliches. Frischer Schweiss kann im Gegensatz zu abgestandenem sehr lebendig riechen. Und sehr sexy. So sehr ich mich aber auch anstrenge, ich kann beim besten Willen nicht herausfinden, ob ich mich mit dem Schweissgeruch in Extrême anfreunden kann. Er stösst mich ebenso ab, wie er mich anzieht. An Silage und Haltbarkeit gibt es nichts zu bemängeln. Eine heisse Dusche steckt L’Extrême locker weg und auf Stoff hält es sich 3-4 Tage lang. Die Rose ist ein Röschen, das ausserordentlich bestimmt daherkommt und vor allem in ein paar Zentimetern Hautabstand sehr gut wahrnehmbar ist, auch Zedernholz und Früchte kann ich ausmachen, allerdings scheinen sie mir von Anfang bis zum Ende lediglich als Hofstaat seiner Majestät des Königs Oud in Erscheinung zu treten. Da sitze ich nun, bin olfaktorisch verunsichert und fühle ich mich in der Folge ausserstande, eine Bewertung abzugeben. Immerhin wage ich zu behaupten, dass Terryfic Oud Extrême seinem Namen alle Ehre macht. Und dass sich Terry de Gunzburg ganz schön was traut.
"Oud Assam" ist der einzige noch recht günstige Duft, den ich kenne und der wirklich nach Oud riecht. "Ambre Dore" auch noch, aber der hat noch viel Amber drin. Alles andere ist entweder sehr teuer oder riecht nicht nach Oud :-)