
ElAttarine
95 Rezensionen

ElAttarine
Top Rezension
49
Die stille Wildheit - am Puls der Cistus Ladanifer
Mein Gesicht in dein harziges Fell bergen, am Abend des langen Tages, bei der Weißdornhecke... Ohne Worte schmiege ich mich an deinen Hals. Alles fühlt sich so richtig an bei dir. So lange ersehnt. Die Stimme bleibt mir weg, mein Herz läuft über, aber ich brauche gar nicht zu sprechen. Du weißt es alles auch so. Eine Hülle um uns, gewebt aus Tiefe, Nähe, Wärme und Zärtlichkeit. Wohin mit so viel dunklem Glück, gleichzeitig wie von einem köstlichen kopfigen Blütenduft… Lakritzig-würzig spüre ich deinen atmenden Puls unter meiner Nase, die Sonnenwärme des Tages auf deiner Haut unter meinen Lippen. Wir wissen beide um all das Schwere. Und es ist doch gut so. Geborgen im dunkelharzigen Gold. Jetzt.
-----
Als große Labdanumliebhaberin wollte ich „Ládano“ natürlich kennenlernen, gerade weil ich das Haus sympathisch finde, auch den „Cistus“ schon richtig gerne mochte und überhaupt die Arbeiten von Delphine Thierry sehr schätze. Der erste Dufteindruck ist hier von Anfang an robuster als erwartet, geprägt von den dunklen Harzen, dabei vielfältig, tief und warm, auch leicht süßlich, aber trotzdem nicht schwer. Ergänzt durch ganz zarte Würze von Selleriesamen und Immortelle, aber weit weg von Curry. Hedychium (Zieringwer) mit köstlichem, leicht süßlichem Blütenduft und zart-indolischer Weißdorn mischen sich erst dann dazu, die entstehende leichte Süße wird von Honig und etwas Lakritzigem verstärkt, bleibt aber mild. Auch die Animalik ist deutlich (das namensgebende Labdanum und Zibet), aber sanft. Ein Hauch von Zimtpuder ist auch noch dabei. Im Ganzen deutlich harzig, aber unklebrig, eher dunkel mit einzelnen helleren Aspekten und dabei ganz weich.
-----
Das Berliner Haus D:SOL XXVI von Dennis Werner hat als erklärtes Programm, Düfte „zwischen Mallorca und Berlin“ zu entwickeln, die die mediterrane Sonne und Kräuter mit der urbanen Lebendigkeit von Berlin verbinden und alle auf jeweils unterschiedliche Weise Spannungen zwischen Polen thematisieren. Bisher hatten Marie Urban Le Febvre und Delphine Thierry schon für das Haus als Parfümeurinnen gearbeitet, neuerdings ist mit „Isleta“ auch ein Duft von Michael Nordstrand hinzugekommen.
Im Dossier des Hauses zu „Ládano“ wird Delphine Thierry zitiert: „In der Kreation von Ládano wollte ich den Puls der Cistus Ladanifer erforschen — ihr Harz, ihre Schönheit, ihre stille Wildheit.“ Diese stille Wildheit hat sie hier wirklich gut getroffen. Und Delphine sagt weiter: „In Labdanum liegt eine menschliche Wärme, etwas, das von Nähe und Fürsorge spricht. Das Briefing sprach von Textur – vom Gewicht der Wolle, vom Atem der Sonne, der durch das Harz dringt.“
Die beiden Seelen der mediterranen Lack-Zistrose (Cistus Ladanifer) werden in den beiden zusammengehörigen Düften „Cistus“ und „Ládano“ thematisiert: Zum einen die hellere ätherische Seite im eher transparenten, silbrig-ambrierten hell-weihrauchigen „Cistus“, und die dunklere, wärmere Seite, das Labdanum-Harz, das in der uralten traditionellen Herstellung aus dem zotteligen Fell der durch die Zistrosen streifenden Ziegen und Schafe gekämmt wurde und daher ziemlich animalisch und/oder nach Wollfett riechen kann. Das ist hier in „Ládano“ sehr schön eingefangen: Es stimmt, wenn es im Dossier heißt, „unter der Hand von Delphine Thierry verwandelt sich das Harz in eine texturale Form von Nähe“.
Dankeschön nochmal an Knopfnase für die Probe!
Diese schöne stille Wildheit und texturale Form der Nähe finde ich auch in Händels „Ombra mai fu“, gesungen vom jungen Valer Sabado im Arrangement von Christina Pluhar:
www.youtube.com/watch?v=EqgNj9ts4QU
-----
Als große Labdanumliebhaberin wollte ich „Ládano“ natürlich kennenlernen, gerade weil ich das Haus sympathisch finde, auch den „Cistus“ schon richtig gerne mochte und überhaupt die Arbeiten von Delphine Thierry sehr schätze. Der erste Dufteindruck ist hier von Anfang an robuster als erwartet, geprägt von den dunklen Harzen, dabei vielfältig, tief und warm, auch leicht süßlich, aber trotzdem nicht schwer. Ergänzt durch ganz zarte Würze von Selleriesamen und Immortelle, aber weit weg von Curry. Hedychium (Zieringwer) mit köstlichem, leicht süßlichem Blütenduft und zart-indolischer Weißdorn mischen sich erst dann dazu, die entstehende leichte Süße wird von Honig und etwas Lakritzigem verstärkt, bleibt aber mild. Auch die Animalik ist deutlich (das namensgebende Labdanum und Zibet), aber sanft. Ein Hauch von Zimtpuder ist auch noch dabei. Im Ganzen deutlich harzig, aber unklebrig, eher dunkel mit einzelnen helleren Aspekten und dabei ganz weich.
-----
Das Berliner Haus D:SOL XXVI von Dennis Werner hat als erklärtes Programm, Düfte „zwischen Mallorca und Berlin“ zu entwickeln, die die mediterrane Sonne und Kräuter mit der urbanen Lebendigkeit von Berlin verbinden und alle auf jeweils unterschiedliche Weise Spannungen zwischen Polen thematisieren. Bisher hatten Marie Urban Le Febvre und Delphine Thierry schon für das Haus als Parfümeurinnen gearbeitet, neuerdings ist mit „Isleta“ auch ein Duft von Michael Nordstrand hinzugekommen.
Im Dossier des Hauses zu „Ládano“ wird Delphine Thierry zitiert: „In der Kreation von Ládano wollte ich den Puls der Cistus Ladanifer erforschen — ihr Harz, ihre Schönheit, ihre stille Wildheit.“ Diese stille Wildheit hat sie hier wirklich gut getroffen. Und Delphine sagt weiter: „In Labdanum liegt eine menschliche Wärme, etwas, das von Nähe und Fürsorge spricht. Das Briefing sprach von Textur – vom Gewicht der Wolle, vom Atem der Sonne, der durch das Harz dringt.“
Die beiden Seelen der mediterranen Lack-Zistrose (Cistus Ladanifer) werden in den beiden zusammengehörigen Düften „Cistus“ und „Ládano“ thematisiert: Zum einen die hellere ätherische Seite im eher transparenten, silbrig-ambrierten hell-weihrauchigen „Cistus“, und die dunklere, wärmere Seite, das Labdanum-Harz, das in der uralten traditionellen Herstellung aus dem zotteligen Fell der durch die Zistrosen streifenden Ziegen und Schafe gekämmt wurde und daher ziemlich animalisch und/oder nach Wollfett riechen kann. Das ist hier in „Ládano“ sehr schön eingefangen: Es stimmt, wenn es im Dossier heißt, „unter der Hand von Delphine Thierry verwandelt sich das Harz in eine texturale Form von Nähe“.
Dankeschön nochmal an Knopfnase für die Probe!
Diese schöne stille Wildheit und texturale Form der Nähe finde ich auch in Händels „Ombra mai fu“, gesungen vom jungen Valer Sabado im Arrangement von Christina Pluhar:
www.youtube.com/watch?v=EqgNj9ts4QU
36 Antworten



Kopfnote
Weißdorn
Zimtblatt
Selleriesamen
Herznote
Vanille
Honig
Immortelle
Lakritze
Basisnote
Labdanum Absolue
Styrax
Papyrus
Zibet
ElAttarine
Sweetsmell75
Stella73
Knopfnase
Brida













