"Pure, clean, inspiring" schreibt Yulia über ihren Duft. "Total clearness of thought and mind."
Frei wird zuerst einmal die Nase, eine frische Schärfe lässt das Raubtier schon erahnen. Hier rutschen manche Düfte in die kampherige Wick Vaporub Falle, aber der Tiger in diesem Wald schlägt darum geschickt einen Bogen, indem er bereits holzige Noten in den Hintergrund legt und mit einem fast orangigen Moment überraschend abspringt. Frischgrün und harzig. Im Hintergrund leicht abgestanden, ohne dass ich es genauer benennen könnte; Pflanzensaft, vielleicht. Aber weder lange noch störend, eher die abgelegen angedeutete Animalik des Tigers als ergänzender Rahmen. Es duftet natürlich, und ich möchte ergänzen, dass ich dieses für ein reines Naturparfum auch anders auslegbare Kompliment hier absolut wohlwollend verstanden sehen möchte.
Juniper Ridge mit seinen Extremwalddüften, aber auch Ableger wie DHSs "Seve de Pin" stellen sich oft mit einer nadelgrünen Staubigkeit ein, die den Düften eine mürbe Trockenheit verleiht und sich förmlich in der Nase zu winzigen, spröden Partikeln auffächert. Anflüge davon erkenne ich auch hier, aber das Harz fängt ab, bevor es zu eindimensional werden könnte. Dennoch ist das Thema hier klar Nest bzw. Wald und nicht Tiger.
Im Laufe der ersten Stunde geht es tiefer in den Forst. Weniger Harz, mehr helles Holz, mehr Grün, mehr Nadelstaub. Mehr Juniper Ridge. Ich mag das. Leichte Restschärfe, das wache Raubtier ist wohl noch hier. Nach drei bis vier Stunden verabschiedet es sich in seine Höhle. Nun, wo sowohl Harzbiss als auch Baumspäne verblassen, erscheint eine warme Rauchigkeit, die mir in der Kombination mit den verklingenden grünen Tönen etwas ungewohnt, aber willkommen ist. Im Gegensatz zu der hellen Harzholzverbindung schwelt der Rauch dunkel vor sich hin. Angenehm. Und zum Glück noch einige Stunden.
Die vom Marketing nahegelegte Verbindung zu pur und sauber würde ich nicht schlagen, dafür ist mir der Duft zu rauh. Macht aber nichts - ein schönes Naturparfum!