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loewenherz
06.02.2017, 14:00 Uhr
7Duft 7Haltbarkeit 6Sillage 7Flakon
Top Rezension 18

Die fünfte Arbeit des Herakles

Der mykenische König Eurystheus gab Herakles, dem Sohn des Zeus, zwölf Arbeiten auf, so ist es in der griechischen Mythologie überliefert. Gleich in der ersten, dem Erlegen des Nemeischen Löwen, erwarb er das wohl ikonischste der ihm zugeeigneten Attribute - die antike Bildkunst zeigt ihn meist mit einem Löwenfell. In neun dieser zwölf Arbeiten ging es um die Überwältigen irgendwelcher Kreaturen (neunköpfige Schlangen, fleischfressende Pferde und anderes Gewürm) - und in zwei weiteren um das Beschaffen seltener bzw. streng bewachter Artefakte (goldene Himmelsäpfel und eine Art Kriegs-BH einer Amazonenkönigin). Die legendärste und sprichwörtlichste unter den zwölf Arbeiten war jedoch die fünfte: das Entmisten der Ställe des Augias.

Augias war ein peloponnesischer König, der dreitausend Rinder gehalten haben soll. Anders als die anderen elf Aufgaben, bei denen es andere Geschöpfe zu bezwingen oder überlisten galt, war diese Arbeit eines olympischen Helden eigentlich nicht würdig - und ob ihres schieren Umfangs schlechthin unlösbar. Herakles bewältigte sie schließlich durch das Aufbrechen der Fundamente sowie das Umleiten zweier Flüsse in die königlichen Stallungen, die den Mist und was sonst noch weggewaschen werden sollte, entfernten, ohne dass er sich die Hände hätte schmutzig machen müssen. Bis heute wird das Idiom der Augias-Ställe als Metapher für etwa unbeschreiblich Verschmutztes oder auch bildlich für etwas sittlich Verdorbenes verwendet.

Der erste Eindruck von etwas unglaublich Schmutzigem ist wohl das, was Les Liquides Imaginaires (für die des gallischen Zungenschlags nicht mächtigen - der Herstellername bedeutet übersetzt 'imaginäre Flüssigkeiten', was die Philosophie des Hauses schon beschreibt) mit Peau de Bête auslösen möchte. Und lese ich die anderen Rezensionen hier, so scheint es ihnen einigermaßen gelungen: das Parfum polarisiert - ähnlich wie etwa Serge Lutens' Muscs Koublaï Khän es tut, ein weiterer ausgeprägt animalischer Duft. Und wie er thematisiert auch Peau de Bête zuallerst das Tierische und die lebende Kreatur - und nur sekundär das möglicherweise etwas Unreinliche an ihr. Wobei derjenige, der das Animalische nicht mag, fast nur das wahrnehmen wird.

Peau de Bête ist ein kraftvoller und ein kompromissloser Duft. Ungewaschene Wolle, nasser Hund und Pferdeäpfel - alles da. (Rindermist übrigens nicht wirklich, daher mag man meine Metapher mit den Augias-Ställen als etwas unpräzise kritisieren, dafür bitte ich um Nachsicht.) Und in dieser Kraft liegt etwas sehr Intimes, Ehrliches, Aufrichtiges. Wenn ich mir einen Hund anschaffe, liebe ich ihn auch, wenn er sich gerade in etwas Unschönem gewälzt hat. Und wenn ich meinen Partner liebe, dann auch am Ende eines Bergmarathons. Und alles, was hier jenseits der Kopfnote kommt, ist weich und voller Zärtlichkeit. Wisst Ihr, wie Tiere wohlig schmatzen, ehe sie sich - neben demjenigen liegend, den sie lieben - zum Schlafen einrollen? Genau so.

Fazit: viel harmloser und netter als seine Kopfnote verheißt. Und wie Herakles in den Ställen des Augias beschmutzt man sich nicht einmal die Hände.
2 Antworten
MydarkflowerMydarkflower vor 9 Jahren
Klingt wunderbar friedlich. Merkliste. :)
Can777Can777 vor 9 Jahren
Ich kenne dieses schmatzen nur zu gut! Er hat was wohlig-animalisches in sich vereint.Ich schätze ihn sehr.