ApiciusApicius’ Parfumblog

Vor 4 Jahren
57 Auszeichnungen

Wie kann man nur 3 Wochen vor der großen Esxence in Mailand für Deutschland eine eigene, kleinere Parfummesse veranstalten? So schlecht gewählt ist der Termin gar nicht. Das eine oder andere, was offiziell in Mailand vorgestellt werden soll, ist heute und morgen schon in Düsseldorf zu sehen – auch wenn die Etiketten der Flakons noch nicht alle fertig sind.

Hier also auf die Schnelle, solange die Eindrücke noch frisch sind, mein Messerundgang:

Zu diesen ganz frischen Neuerscheinungen gehört Olfattology – eine neue Reihe aus Italien, aus dem Hause von Enzo Galardi, der hinter der bekannten Marke Bois 1920 steckt. 10 neue Düfte sind es, präsentiert in kleinen, schnuckeligen, goldfarbenen Flaköngchen, etwas barock gestaltet, und deren Kappen mich an Pipetten auf Medizinflaschen erinnern. Bei dem guten Vertrieb, dessen sich Bois 1920 erfreut, dürfte es nicht allzu lange dauern, bis wir Olfattology in den Parfumerien finden.

Auch wenn die Besucheranmeldung frei für jeden war – die GAOP ist vor allem eine Fachmesse. Die „Stars“ unter den Parfümeuren fehlen ausnahmslos, doch viele Marken sind gut und fachkundig durch ihren deutschen Vertrieb repräsentiert. Ein solcher Distributor ist MiGro Cosmetics, sie zeigen unter anderem die italienischen Marken Acqua delle Langhe und Pineider. Während ich erstere schon einmal gesehen habe, scheint letztere in Deutschland noch neu zu sein. Der Hersteller hochwertiger Lederwaren belässt es bei nur einem „Cuoio“ und bewegt sich ansonsten ganz in der klassischen italienischen Tradition. Besonders gefallen hat mir ein Assoluta di Neroli e Gelsomino: anders, als der Name befürchten lässt, keine aufdringliche Blumenbombe, sondern ein ganz fein gemachter, diskreter Duft mit einer frischen Seite.

Neulich ging auf Parfumo das Gerücht um, Quasar von Jesus del Pozo werde eingestellt. Bei MiGro Cosmetics, die die Marke vertreiben, ist davon nichts bekannt.

„Royaume du Parfum“ - so neu, dass noch nicht alle Verpackungen fertig sind. Macht nichts, diese Franzosen kommen arabisch inspiriert mit 4 Düften, darunter einem Oud, einem Musk, einer Rose und etwas weniger klassisch, einem „Star Platinum“.

Leider gibt es auch Trauriges zu berichten. Von Classic Parfums war zu erfahren, dass Il Profvmo zugunsten neuerer Parfums einen Teil des bisherigen Sortiments eingestellt habe, und darunter ist auch mein Favorit „Aventure“. Auf der Il Profvmo Seite ist er noch zu bekommen, also sollte ich wohl schnell noch nachkaufen.

Ganz neu ist ebenfalls die Marke „Ateliers Des Ors“. Die kommen mit schönen, großen Flakons, welche die Strahlen der Sonne in stilisierter Form aufnehmen. Die Inhalte stammen ausnahmslos von einer französischen Parfümeurin mit Vornamen Marie – genaueres war leider nicht zu erfahren. Die Webpräsenz ist noch im Aufbau; ich hoffe, bald ein Press Release zu den Düften zu sehen.

Ansonsten fand ich, dass eine gewisse italienische Dominanz vorhanden war – aber das mag auch daran liegen, dass die mich persönlich besonders interessieren. Angereist war zum Beispiel Omnia Profumi mit ihrem kompletten Sortiment. Hier halte ich mich mal zurück, Ronin und Louce haben ein ausführliches Gespräch mit denen geführt.

Fast jedes Parfumhaus bezieht sich heutzutage mit mindestens einem Oud auf die arabische Dufttradition. Umso bedauerlicher ist es, dass die arabischen Marken selber so wenig Präsenz in Europa zeigen, vor allem mit hochwertigen Düften. Wenigstens ein Vertreter war da: AJ Arabia mit ihren „Black“ Parfums. Leider hat man nur zwei Hände zum testen, doch Black II durfte auf meine Haut: ein komplexer, attraktiver Duft, der mir heute besonders in seiner Projektion gefiel und viel Freude machte. Der junge Mann, der für diese Marke aus Abu-Dhabi angereist war, betonte allerdings die europäische Tradition der präsentierten Düfte. Wenn ich jetzt lese, dass Jean-Claude Astier als Parfümeur hierfür gelistet ist, wird die Sache klar: Will Micallef den europäischen Markt nun von der arabischen Halbinsel aus neu erobern?

Nische darf sich Freiheiten gönnen, die im Mainstream keinen Platz haben. Eine Parfumserie, die sich auf die chinesische 5-Elemente-Lehre bezieht, wird einige besonders interessieren, andere werden ein solches Marketing als esoterischen Quatsch abtun. Ich spreche von Essence of Chi, mit deren Inhaberin und kreativem Kopf Deana Wyland-Fries ich mich lange unterhalten konnte. Sie sprach über einen fünf Jahre dauernden kreativen Prozess mit einem Parfümeur aus Grasse, in deren Verlauf sie sehr viel über Düfte gelernt habe - und der Parfümeur vermutlich ebenso viel über die fünf Elemente. Die Düfte selber schienen so gar nicht ein gängiges esoterisches Klischee zu bedienen. Alle sehr fein und zurückhaltend, und komplex genug, um zur Auseinandersetzung herauszufordern. Mein persönliches Element wird wohl das Metall sein, denn just bei diesem Duft machte es Klick im Kopf, und es stellten sich Bilder und Erinnerungen ein. Ich werde genauer berichten.

Nicht jeder kann und will viel Geld für einen teuren Messestand ausgeben. Mich sprach Isabelle Raposo aus Berlin an, die ihr eigenes Parfum kreierte. Sie erhielt soviel Zuspruch aus ihrem Bekannten-und Freundeskreis, dass sie sich nun einen Traum verwirklicht, den wohl viele Parfumo-User teilen: ein eigenes Parfum herauszubringen. Es heißt Isabeau, ist ein frisch-zitrischer Duft und kommt in einem schönen Flakon. Ich wünsche viel Glück und Erfolg bei der Suche nach einem Vertriebspartner. Sobald der Duft erhältlich ist, werden wir auf Parfumo gerne nochmal darüber berichten.

Während sich vieles im Bereich der etablierten Marken wiederholt, sind es oft die Quereinsteiger, die mit neuen, frischen Ideen kommen, und deren Düfte oft ganz eigenständige, individuelle Handschriften tragen. Dazu scheinen auch die poppig-bunten Düfte von Arts & Scents aus Fürth zu zählen. Leider war meine Nase schon etwas überfordert, ich kann noch nichts weiteres sagen, nur soviel: die sind es Wert, genauer angeschaut zu werden.

Das Beste zum Schluss: Ich traf Spyros Drosopoulos, Niederländer mit griechischen Wurzeln, der seine neue Marke Baruti präsentierte. Die Firmierung unter Magnetic Scents hat er wg. Namensrechten aufgegeben, einige Düfte haben es jedoch leicht überarbeitet in die neue Linie geschafft, z.B. Indigo. Ich habe einige seiner früheren Düfte bereits kommentiert, und ich kann sagen, dass ich ihn für einen äußerst interessanten Newcomer halte. Seine Düfte tragen eine ausgeprägte, individuelle Handschrift. Sie sind eindeutig auf der kräftigen, expressiven Seite und damit nach meinem Eindruck besonders für Menschen interessant, die gerade anfangen, sich für Nische zu interessieren. Bei dem, was ich heute von ihm gerochen habe, wurde mir klar, wie schematisch die vielen Marken im bereits etablierten Nischenbereich doch die Wiederkehr des immer gleichen präsentieren – hier aber ein frischer Wind mit neuen Ideen. Auch wenn der Vergleich hinkt: man könnte in Spyros Drosopoulos einen europäischen Neil Morris sehen.

Außenseiter haben es manchmal unverdientermaßen schwer, und so sind seine Parfums bis jetzt in Deutschland nur über The Different Scent in Berlin erhältlich. Ich werde Spyros Drosopoulos auf Parfumo demnächst einmal gründlicher vorstellen.

Was wäre das Leben ohne Luxus! Bei all der Geschäftigkeit und des Stresses, der in unseren Fußgängerzonen herrscht, fällt es schwer, dem Parfum und dem Parfumkauf den passenden Rahmen und Stellenwert zu geben. Und die nüchternen Räumlichkeiten eines Kongresshotels sind da nicht viel besser.

Mein Besuch wurde gekrönt durch eine persönliche Einladung in die „Opera Lounge“. Abseits vom Trubel hat die Marke Histoires de Parfums einen eigenen Raum angemietet, um ausgewählten Besuchern die Parfums der Opera Reihe angemessen präsentieren zu können. Ein Halbdunkel mit Kerzenschein, rotem und schwarzem Samt. Den Gesang der Callas im Hintergrund, ein Glas Prosecco in der Hand, betrachtete ich die Edition: 5 Parfums in individuellen Art-Deco Flakons. Ein jeder Duft trägt die Jahreszahl der Uraufführung der Oper, der er gewidmet ist. Sie kommen in rot lackierten, feinen Boxen, die durch Magnete verschlossen werden. Innen der Flakon und ein Schlüssel – eine Spieluhr mit der Melodie der berühmtesten Arie der Oper!

Die Düfte sind alle schön und haben – wie könnte es anders sein – Grandezza: damenhaft, divenhaft, opulent mit vielen weißen Blüten. Was für ein Geschenk!

25 Antworten

"Prima, Traumidee! Alle Angebote von mir, die länger als 90 Tage stehen, werden nicht mehr angezeigt. Also muss ich die jetzt ohne zwingenden Grund pseudoüberarbeiten, damit sie wieder angezeigt werden. Oh, hoppla, dann reih ich mich ja auch gleich wieder ganz vorne ein. Gut, dass das nicht zum Pushen einlädt. Nein, wirklich, Geniestreich!"

Zynismus und Sarkasmus als Reaktion auf eine Änderung, die einem User nicht zusagt. Eigentlich keine Zeile Wert, dennoch habe ich mich entschlossen, den darauf anschließenden Thread "Kleines Adventsgewinnspiel" des Users zu schließen.

Wenn man sich öffentlich äußert oder auftritt, dann muss man sich auch Kritik gefallen lassen. Diese Ansicht hat Don mir gegenüber oft geäußert, und selbstverständlich gilt das auch für ihn selbst. Dennoch habe ich ihn heute äußerst dünnhäutig erlebt, und das macht mir große Sorge.

Als Moderator kümmere ich mich darum, dass sich möglichst jede und jeder auf Parfumo wohlfühlen kann. Und das schließt den Betreiber dieser Seite selbstverständlich mit ein.

Bekanntlich wird Parfumo ausschließlich durch ehrenamtliche Arbeit getragen. Nichts entsteht hier, ohne dass Menschen Spaß daran haben. Auch Don programmiert keine einzige Zeile Code ohne Freude an der Arbeit. Wenn wir Parfumo nutzen wollen, müssen wir uns also darum bemühen, dass die Freude erhalten bleibt.

Wir sind es gewohnt, dass alles kostet. Wenn uns jemand, der uns nicht nahesteht, etwas schenken will, dann ist das oft eine peinliche Situation. Manche lehnen das Geschenk ab, werden sogar schroff, wieder andere nehmen dankend an, fühlen sich aber unangenehm berührt und froh, wenn die Situation vorbei ist. Danach folgt oft befangenes Schweigen.

Ein ähnliches Schweigen gegenüber Don nehme ich in Teilen der Community wahr.

Wenn ich auf einem der regelmäßigen Parfumo-Meetings von den neuesten Plänen auf Parfumo erzähle, dann hört man mir zwar höflich zu. Doch wenn ich es nicht tue, wird auch nicht danach gefragt. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich jemand mal nach Dons Befinden erkundigt hätte. Gibt es ihn überhaupt?

In krassem Gegensatz dazu steht das viele Lob, das zurecht auf eine gelungene Anwendung geäußert wird.

Nicht wenige Parfumo-User verbringen viel Zeit auf dieser Seite. Hier wird diskutiert und Wissen erweitert, es werden Pröbchen verschickt, Bekanntschaften geschlossen, ja sogar Ehen gestiftet. Warum besteht dann sowenig Interesse an der Seite selbst? Dort, wo man einen Teil seiner Freizeit verbringt, etwa im Verein vor Ort, nimmt man doch zumindest Anteil an den Dingen, auch wenn man sich nicht weiter engagieren möchte. Warum also nicht hier?

Wichtig für Parfumo sind Respekt, Wertschätzung und Anteilnahme. Dann sind auch einzelne unangemessene Forenposts kein Problem.

52 Antworten
Vor 5 Jahren
7 Auszeichnungen

Quo vadis Parfumo?

Nach über vier Jahren Parfumo ist es an der Zeit, einmal zu schauen, wo wir stehen, ob die Richtung noch stimmt und vor allem, welche Möglichkeiten Parfumo den Parfumfreunden in der Zukunft noch bieten könnte.

Im deutschsprachigen Raum kommt niemand an Parfumo vorbei. Wir stehen im Zenit: seit langem ist die Beteiligung konstant, von saisonalen Schwankungen abgesehen (Weihnachtsgeschäft). Ein erfreulicher Zulauf neuer User ersetzt diejenigen, deren Interesse sich verlagert hat. Wenn nichts außergewöhnliches passiert (Werbung durch Fernsehen o.ä.), wird dies auch so bleiben. Es geht nicht mehr in erster Linie darum, Parfumo noch bekannter zu machen, sondern um qualitatives Wachstum: an welcher Stelle können wir Parfumo für die User noch attraktiver gestalten, und welche Beiträge kann die Community selber hierzu leisten?

Anders bei Parfumo International: nach einem schwierigen Anfangsjahr freuen wir uns jetzt über einen stetigen Zustrom von neuen Usern, Tendenz steigend. Allerdings - im englischsprachigen Internet gibt es mindestens zwei weitere große und bekannte Parfum-Communities. Da gilt es, besser zu sein als die Konkurrenz: mit mehr und attraktiveren Features, einer wachsenden und stets aktuellen Parfum-Datenbank und mit der Förderung qualitativ hochwertiger Beiträge der Community. Das kommt auch Parfumo.de zu Gute.

Kommen wir also zu den Dingen, mit denen wir noch nicht zufrieden sein können:

Der Kern der Sache – Parfumo Research

Parfumo Research weist konzeptionelle Mängel auf, es muss verändert werden. Worum geht es?

Zur Zeit ist Parfumo Research die Anwendung, mit der wir neue Parfums in die Datenbank bringen und Fehler in schon vorhandenen Datensätzen korrigieren. Das System dient der Qualitätssicherung: Wenn ein User ein neues Parfum vorschlägt, überprüfen andere User den Vorschlag auf inhaltliche Richtigkeit und beseitigen eventuelle Fehler. Erst wenn alles passt, wird das Parfum aufgenommen.

Leider kommt Parfumo Research noch nicht so recht in Schwung. Zwar mangelt es uns nicht an neuen Parfum-Vorschlägen aus dem Kreise der Community, doch das Team derjenigen, die diese Vorschläge anschauen und schließlich aufnehmen, ist klein. Was uns schmerzlich fehlt, sind mehr User, die nicht nur selber einreichen, sondern auch mithelfen, die Vorschläge anderer zu überprüfen. Das Team arbeitet im Moment mit viel Spaß, aber in schon selbstausbeuterischer Weise. Dies ist nicht nachhaltig und wird über kurz oder lang zusammenbrechen.

Und hier liegt der Fehler im Detail: Schon jetzt kann jeder eingeloggte Parfumo User sich die Einreichungen in Parfumo Research ansehen und prüfen, ob alle Daten ausreichend belegt sind und das Ergebnis als Diskussionsbeitrag dort posten. Es gibt sogar eine ausführliche Hilfe zur Behandlung von Zweifelsfällen. Doch Hand aufs Herz – warum sollte jemand an den Vorschlägen anderer Leute herummäkeln und zum Beispiel auf einen Rechtschreibfehler hinweisen? Wir sind doch keine Oberlehrer!

Wenn aber niemand anfängt, uns bei der Überprüfung zu unterstützen, sehen wir auch nicht, wer dazu Lust hätte und geeignet wäre. So können wir das Team der Final Verifier nicht vergrößern. Die Katze beißt sich in den Schwanz!

Wenn ich mir mit einem Parfumvorschlag richtig Mühe gebe – alle Duftnoten und die anderen Angaben überprüft und weitere Quellen recherchiert habe – dann freue ich mich immer, wenn ich mein „Okay“ für die Aufnahme setzen kann. Genau dieses Erfolgserlebnis verwehrt unser gegenwärtiges System aber den Usern ohne Verifier-Status. Wenn jemand sich tatsächlich die Mühe macht, einen Vorschlag zu überprüfen, und alles ist okay – dann hat er gar keine ordentliche Möglichkeit, das Ergebnis der Bemühung zu dokumentieren. Die Arbeit war umsonst, und der Vorschlag ist keinen Schritt weiter in Richtung Aufnahme vorangekommen.

Wie kommen wir da raus?

Jede Bemühung um einen Parfumvorschlag oder eine Korrektur muss transparent sein, dokumentiert und auch honoriert werden können.

Meine Überlegungen gehen zunächst dahin, den jetzigen Editorenstatus auf grundsätzlich alle aktiven Parfumo-User auszudehnen. Dann kann jeder einen entdecken Fehler in einem Parfumvorschlag sofort korrigieren. Denn es ist ziemlich sinnlos, zu einem entdeckten Fehler erst einen Diskussionsbeitrag zu schreiben, damit dann jemand anderes mit mehr Rechten den Datensatz korrigiert.

Nicht angemessen wäre es freilich, ganz neue User oder gelegentliche Besucher zu beteiligen. Diese könnten ggf. über den Parfumo-Punktestand ermittelt und ausgeschlossen werden.

Nicht nur die jetzigen Verifier, sondern jeder User muss das Okay-Flag setzen können. Wenn es einmal zu Unrecht gesetzt wurde, dann ist auch das nützlich. Wir würden den Vorschlag dann zwar so nicht aufnehmen, aber in der Diskussion auf den Fehler hinweisen und jedem Gelegenheit geben zu lernen.

Jede Bemühung in Parfumo Research sollte erkennbar durch Parfumo-Punkte honoriert werden, ausgenommen das Setzen des Okay-Flags, um Punktejagd durch Abhaken vorzubeugen.

Die Rolle der Final Verifier können wir zumindest derzeit sicher nicht abschaffen und durch einen Automatismus ersetzen, der die Aufnahme allein aufgrund von gesetzten Okay-Flags ermittelt. Aber es ist wichtig, das Team zu vergrößern. Die Final Verifier haben auch die Aufgabe, zu schauen, welcher Parfumo User die Sache kompetent und mit Engagement unterstützt und folglich als Teammitglied in Betracht kommt. Final Verifier müssen Spaß an der Aufgabe haben, präzise Arbeiten können und teamfähig sein. Darunter verstehen wir vor allem die Fähigkeit, sich in Zweifelsfällen zügig mit den Kollegen auf eine Lösung zu einigen.

So viele Ideen, so wenig Zeit!

Es sollte klar geworden sein, dass in Parfumo Research eine ganze Menge Potenzial steckt.

Grob gesagt, lässt sich Parfumo in zwei Bereiche unterteilen: die einzelnen Inhalte, die die User liefern (Blog, Forum, Parfumkommentar) und der technische und redaktionelle Rahmen drum herum (Parfumdatenbank, Parfumo-Blog, die Darstellung und Aufteilung der Seite etc). Längst ist die Sache zu groß geworden, als dass Don mit einem kleinen Kreis von Getreuen im Hintergrund diesen Rahmen vollständig liefern kann. Er muss folglich Aufgaben an die Community abgeben.

Wenn man nicht mehr alles selber machen kann, braucht man ein System der Qualitätssicherung. Es soll auch denjenigen die Teilnahme ermöglichen, die nicht alle Zeit der Welt haben, sich einzuarbeiten. Und genau das ist der Grundgedanke hinter Parfumo Research - und übrigens ganz ähnlich der Arbeitsweise von Wikipedia.

Einzelne User haben im Grunde alle Freiheiten, zu schreiben, was sie wollen, doch die offiziellen Parfumo-Inhalte sollen einem professionellen Standard genügen: in der Parfumdatenbank wollen wir umfassende Informationen, die ordentlich belegt sind. Vier Augen sehen mehr als zwei – daher der Workflow.

Und bei der Parfumdatenbank soll es nicht bleiben. Wie wäre es denn mit Erläuterungen zu jeder unserer über 6000 Duftnoten? Oder mit Beschreibungen der Vita der Parfümeure? Wie kriegen wir das Projekt „Markentexte“ wieder in Gang? Und wie wäre es mit einem wirklich informativen Glossar mit Fachbegriffen der Parfümerie?

Jedes dieser möglichen Projekte ist zu groß für einen allein oder einen kleinen internen Kreis. Keine dieser Aufgaben kann man einem Einzelnen zumuten, so nach dem Motto „Mach mal“. Doch unter Parfumo Research könnte es gelingen!

Beispiel: Jemand schreibt einen Text über das Leben und die Tätigkeit eines Parfümeurs (oder eine Erläuterung einer Duftnote, einen Text über eine Marke, einen Fachbegriff oder...) und reicht den Text ein. Andere User überprüfen den Text, kontrollieren die Quellen, korrigieren eventuelle Fehler und richten den Text an vorab festgelegten Standards aus – und nachdem die Sache Hand und Fuß hat, wird sie offiziell übernommen und erscheint in der entsprechend einzurichtenden Parfümeurs-Datenbank. So ließe sich gemeinsam Parfumo ausbauen – mit wenig Aufwand für den Einzelnen aber zum Nutzen für alle.

Allein die Tatsache, dass wir Parfumo Research bei den Parfumeinreichungen noch nicht so ans Laufen bekommen haben, wie wir uns das vorstellen, hält uns davon ab, diese weiteren Ideen in die Tat umzusetzen. Ob die Parfumo-Community wohl den Mumm hat, diesen Weg zu gehen?

„Haste mal 'ne App?“

Damit kann man den Betreiber von Parfumo so richtig ärgern! Denn diese in schöner Regelmäßigkeit wiederholte Bitte beinhaltet einen unausgesprochenen Vorwurf - als würde Parfumo technisch vernachlässigt, nicht mit der Zeit gehen und wichtige Trends verpennen. Nichts ist unrichtiger als das!

Oft wissen diejenigen, die so was fordern, selber nicht genau, was sie damit ausdrücken. Apps sind in der Regel kleinere Anwendungen, die einzelne oder überschaubare Funktionen insbesondere für mobile Geräte zur Verfügung stellen. Süddeutsche Programmierer nennen so etwas gerne mal „Progrämmle“.

Parfumo ist aber alles andere als ein „Progrämmle“, es ist eine ausgewachsene Webseite mit einer großen Datenbank und komplexer Programmlogik dahinter. Allein auf der Parfumo-Startseite zähle ich mittlerweile 152 Funktionen und Links!

Wenn wir über „App“ sprechen, dann würde diese nur einen kleinen Ausschnitt von Parfumo abbilden können – das würdet Ihr sofort in Grund und Boden kritisieren! Mit I-Phone, Windows und Android gibt es zudem gleich drei Plattformen, für die das gesondert erstellt und technisch betreut werden müsste.

Den Vorschlag, Tapatalk oder ähnliches zu nutzen, lehnt Don vehement ab, denn damit würde man sich von Drittanbietern abhängig machen.

Würde uns jemand eine App schenken wollen – wir täten vielleicht gut daran abzulehnen. Jedenfalls keine, die mehr kann als nur Seiten anzeigen. Es würde schlicht den Zielen von Parfumo zuwider laufen.

Das gesamte Angebot von Parfumo macht deutlich, dass viel Engagement und Bemühung dahinter steckt. Und eigenes Engagement und Bemühung sind es auch, zu denen die User von Parfumo eingeladen werden. Das Parfumo-Punktesystem, die Feedback-Möglichkeiten bei den Kommentaren und weiteres mehr – all das fördert und honoriert diejenigen, die sich Mühe geben.

Unter diesem Blickwinkel muss man auf die begrenzten Möglichkeiten der Smartphones hinweisen. So schön es ist, Parfumo immer dabei haben zu können – vielen Menschen fällt es schwer, darauf längere Texte einigermaßen fehlerfrei zu erstellen. Wir möchten, dass die User diejenigen Eingabegeräte benutzen, die sie jeweils gut beherrschen und mit denen es Spaß macht, zu schreiben. Kurz-Kommunikation über Parfum ist nicht die Sache von Parfumo, das gibt es auf Twitter und in den Parfum-Gruppen auf Facebook. Ich finde die eher langweilig und möchte nicht, dass Parfumo in diese Richtung geht.

Braucht Parfumo ein neues Design?

Die Forderung nach einer App berührt noch einen anderen Punkt. Die regelmäßigen User bekommen sicherlich mit, dass an Parfumo ständig weiter entwickelt wird, doch zeigen wir das auch in ausreichendem Maße nach außen? Gewinnt auch der Erstbenutzer den Eindruck, dass Parfumo eine State-of-the-Art-Community ist?

Ich finde eher nicht.

Schauen wir einmal auf unser Aushängeschild, die Startseite! Gut finde ich alle Bereiche und Funktionen, die auf die rege Beteiligung der Community hinweisen und zeigen, dass Parfumo lebt. Also insbesondere die Tickerzeile, die Was-passiert-gerade-Rubrik, Neu im Forum und selbstverständlich die neuen Kommentare, Fotos und Blog-Beiträge. Ich bedaure, dass nicht mehr davon drauf passen.

Schon als Parfumo vor 5 Jahren konzipiert wurde, war die graphische Gestaltung eher solide als innovativ. Insbesondere mit der Menüleiste knüpfte Parfumo am damaligen Designkonzept von Basenotes an, setze dieses aber grafisch deutlich besser um.

Parfumo verweigert sich konsequent schnelllebigen Moden – eher gilt die Devise „Form follows Function“. Das ist im Grunde gut so. Ich bin froh, dass Parfumo nicht auf den damaligen Trend aufgesprungen ist, alles wie bei Facebook in drei oder vier Spalten untereinander anzuordnen. Fragrantica hat das seinerzeit mitgemacht und steht nun mit einer eher gewöhnungsbedürftigen Aufteilung der Startseite da, die definitiv out ist.

Parfumo wollte ein langlebiges, grafisch schlichtes Design mit leichter Bedienbarkeit – doch mit unseren mittlerweile 152 Schaltern auf der Startseite ist da vielleicht doch etwas aus dem Ruder gelaufen. Sollen wir da nicht mal entrümpeln?

Wenn ich mich im Netz umschaue, sehe ich immer mehr Seiten, die äußerst „sparsam möbliert“ sind. Wenige Schalter, dazu wenig Text, oft in großen Schrifttypen kommen insbesondere den Nutzern von Tablet-PCs entgegen. Klar, wenn man wenig zu sagen hat, ist so ein Design recht einfach umsetzen. Bei uns ist das etwas schwieriger.

Im Parfumbereich gefällt mir besonders die Gestaltung von Osmoz.com gut. Das wirkt aufgeräumt und fokussiert auf den Zweck der Seite (der sich im übrigen stark von Parfumo unterscheidet). Für uns interessant finde ich die Spielerei mit den Kacheln. Wenn man über eine dieser Kacheln fährt, klappt der dazu gehörige Text auf. Hier wird an die Neugier des Users appelliert, er wird auf Entdeckungsreise geschickt.

Dabei muss es nicht zwingend das Design mit den Windows-Kacheln sein. Der Betreiber Huddler stellt seinen Communities, u.a. Basenotes, eine Art fortlaufenden Balken zur Verfügung, in der der User nach rechts oder links navigiert und somit den Content entdecken kann.

Sparsam eingesetzt, machen diese Spielereien Sinn. Man bekommt so schlicht mehr Inhalt auf einen begrenzten Raum. Würden wir so etwas für die neuen Parfum-Kommentare oder für die Blogs oder für die Parfumfotos nutzen, dann würden mehr davon auf die Startseite passen, ohne dass diese überladen wirkt!

Der untere Bereich der Startseite gefällt mir überhaupt nicht mehr. Die Rubrik „Top-Bewertungen der Community“ kann gerne auf eine hintere Seite verschwinden. Ihr Informationswert ist eher gering und sie drückt nicht das zentrale Anliegen von Parfumo aus.

Dagegen versäumen wir es, unsere guten Ergebnisse aus Parfumo Research angemessen zu präsentieren. Die Rubrik „Neu und beachtenswert“, welche über die aktuellsten Neuerscheinungen informiert enthält aus Platzgründen nicht einmal den Markennamen eines Duftes. Außerdem verschwinden die einzelnen Parfums bei unserem Durchsatz viel zu schnell. Gerade auch hier wäre eine interaktive Anzeige, zum Beispiel mit einer Scrollmöglichkeit, eine gute Sache.

Die hübschen Kacheln auf Osmoz und den Filmbalken auf Basenotes kann niemand mit vertretbarem Aufwand selber programmieren. Im Zweifel kann so etwas auch Geld kosten. Hier wäre Don als Fachmann gefordert, zu prüfen, ob und was in diesem Bereich für Parfumo umsetzbar ist.

Browser, Systeme, Konfigurationen

Webseiten werden mittlerweile auf den unterschiedlichsten Anzeigegeräten angeschaut – vom Mini-Smartphone bis zum Breitwandfernseher. Der User erwartet selbstverständlich, dass die Seite überall gut aussieht und alles funktioniert – doch so selbstverständlich ist das gar nicht.

Hier hat Parfumo vor kurzem einiges getan. Es wurden diejenigen Funktionen überarbeitet, die auf Smartphones noch Probleme machten. Egal ob Smartphone oder Tablet-PC, Windows oder Apple – Parfumo ist überall voll funktionsfähig. Lediglich mit ganz veralteten Browsern können noch Probleme auftrete.

Verbesserungspotenzial könnte aber darin bestehen, wie Parfumo mit unterschiedlichen Bildschirmauflösungen und Browserkonfigurationen umgeht. Ich zum Beispiel sitze vor einem großen Bildschirm und habe daher die höchste Auflösung gewählt. Parfumo zeigt sich mir mit zwei übergroßen Balken am Rand und viel zu kleiner Schrift. Ich behelfe mich also mit der Zoomfunktion meines Browsers. User, die eine mittlere oder geringe Auflösung eingestellt haben, haben dieses Problem eher nicht. Ich finde es schade, wieviel Platz da verschenkt wird.

Das Problem betrifft viele Seiten, nicht nur Parfumo, aber auch nicht mehr alle. Es scheint mittlerweile Möglichkeiten zu geben, die Seitendarstellung dynamisch der jeweiligen Konfiguration des Users anzupassen und ein einheitlich gutes Aussehen zu gewährleisten. Ob hier wohl noch was geht?

Zum Schluß

Die hier skizzierten Ideen sollen eher auf wichtige mögliche Entwicklungslinien hinweisen, nicht aber jedes kleinere Vorhaben auflisten. Natürlich bastelt Don ständig an irgendwas herum. Er wird auch in Zukunft die Community mit vielen neuen Features überraschen. Besonders mit Blick auf Parfumo Research ist es mir wichtig, aufzuzeigen, dass es ohne Eure Mithilfe nicht mehr geht. Ich bin überzeugt, viele sind bereit aktiv mit zu helfen. Wir müssen es bloß richtig anpacken...

34 Antworten
Vor 6 Jahren
16 Auszeichnungen

Jeder Beitrag ist auf Parfumo herzlich willkommen – solange nur ein wenig Bemühung erkennbar ist. Vielleicht helfen die nachfolgenden Tipps dabei, die Schwellenangst zu überwinden - sich hinzusetzen, bewusst wahrzunehmen, was da in der Nase geschieht. Möglicherweise kommen die Worte dann ganz von alleine. Die Tipps entstammen meiner persönlichen Erfahrung als einigermaßen fleißiger Kommentator; man möge sie bitte als Anregungen verstehen, nicht als Regeln.

 

Wie beginnen?

Man nimmt sich Zeit für einen Duft, und man notiert im Kopf oder auch schriftlich, was dazu in den Sinn kommt. Wie wirkt das auf mich? Erinnert mich das an etwas? Bekomme ich irgendwelche „Bilder“? Hat der Duft einen bestimmten Charakter? Lassen sich sogar einzelne Noten heraus riechen? Was passiert mit dem Duft nach längerem Tragen auf der Haut (Duftentwicklung)?... Schließlich: finde ich das Parfum eher gut oder eher schlecht?

Vielleicht macht man dann die Erfahrung, dass sich die Stichwortsammlung fast wie von selbst zu Sätzen und Formulierungen im Kopf zusammenfügt.

 

Die Überschrift und der erste Absatz ...

...sind bei jedem Text besonders wichtig. Wem das Herz voll ist, dem läuft bekanntlich der Mund über. So ist die Versuchung groß, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen und alles sofort zu sagen. Das ist manchmal gut, meistens aber nicht.

Es kommt auf eines an: Neugier wecken! Hier muss man sich gedanklich in die Situation des Lesers oder der Leserin versetzen. Würde ich selber Lust haben, bei diesem oder jenem Anfang weiter zu lesen? Oder hätte ich das Gefühl, dass da nichts weiteres mehr kommen kann, oder dass mich das weitere nicht interessieren würde?

 

Ganz schlecht finde ich Überschriften wie: „Ein Langweiler aus Grasse“, „Echter Durchschnitt“, „Mal wieder nichts neues von Dior“.

Wer will sich denn mit Langweilern und Durchschnitt beschäftigen, da klicke ich den Kommentar doch erst gar nicht an! Besser ist es in solchen Fällen, ein wenig zu schummeln: „Zugängliches aus Grasse“, „Duft ohne Allüren“. Im Text kann man dann sagen, was man wirklich damit meint. Die scheinheilige Frage „Neue Wege bei Dior?“ verneine ich erst im letzten Satz.

 

Echt widerlich“, „Geht gar nicht“, „Schlimme Plörre“ - auch damit sorgt der Autor in der Regel für eine kleine Leserschaft. Denn die meisten sind auf der Suche nach schönen Düften, nicht nach schlimmen. Solche Dufterfahrungen sollte man mit Humor nehmen und lieber einen Verriss schreiben.

 

Problematisch können Überschriften sein, die schon eine inhaltliche Charakterisierung des Parfums vorwegnehmen: „Ein Gourmand-Orientale“, „Ein typischer Sommerduft“ - das ist zumindest ehrlich, denn ich teile gleich der Mehrheit der Leser mit, dass sie nicht weiterlesen braucht, da das eh nicht ihr Beuteschema ist. Der Rest wird sich fragen: Noch einer? Besser wären vielleicht: „Ein Gourmand-Orientale mit Pfiff“ oder „Sommer trotz Patchouli“.

 

Bei besonders euphorischen Überschriften kommt es sehr auf den Zusammenhang an: „Einfach himmlisch“, „Mein neuer Favorit“, „Der beste Duft des Jahres“. Wenn das über dem Kommentar zur Neuerscheinung einer bisher unbekannten Nischenmarke steht, ist die Aufmerksamkeit der gesamten Community sicher. Autor und Parfum müssen das Versprochene dann freilich noch einlösen.

Wer solche starken Formulierungen aber für einen billigen Drogerieduft wählt, wird Stirnrunzeln ernten, keine Leser. Dann besser: „Nischenqualität zum kleinsten Preis“. Ansonsten schützt auch ein kleines Fragezeichen hinter solchen Überschriften davor, sich zu verrennen.

 

Gute Überschriften sind diejenigen, die auf einen Widerspruch oder eine Besonderheit hinweisen und dadurch Interesse wecken: „Ein Wässerchen mit Tiefgang“, „Westliches aus Arabien“, „Hohe Kunst im Douglas-Sortiment“, „Experimente mit Zitrusnoten“, „Vetiver in neuer Form“.

 

Für den ersten Satz und den ersten Absatz gilt sinngemäß das gleiche. Hier muss man sich besonders zurückhalten, auf keinen Fall darf man das Endergebnis gleich präsentieren:

Vorweg gesagt - dieser Duft ist nichts Besonderes“, „Das Wichtigste: dieses Parfum ist ein kleines Meisterwerk“. Als Leser bedanke ich mich, dass der Autor mir freundlicherweise die weitere Lektüre erspart, denn das Wesentliche kenne ich somit jetzt schon!

 

Wiederum ist eine Eingrenzung auf einen bestimmten Leserkreis problematisch, sie muss aufgepeppt werden. „Das Vetiver von XYZ ist ein klassischer Vertreter seiner Art“ - So ein Parfum ist mir entweder schon bekannt, oder es interessiert mich nicht. Besser: „Auch Frauen mögen klassische Vetivers, doch nur wenige sind für Damen gut tragbar.“ - Dieser Kommentar wird keine große Zahl an Pokalen abräumen, aber ein kleiner Kreis umso interessierterer Leserinnen ist bei diesem Anfang gewiss. Oder aber man steuert geradewegs auf dasjenige zu, was den Duft von den vielen ähnlichen abhebt. „Seit vielen Jahren gibt es von den klassischen Vetivers kaum neues zu berichten, umso überraschter war ich, als...“

 

Ein Parfum mag todlangweilig sein – wenn es überhaupt nichts mitzuteilen gibt, darf man auch nichts schreiben, und der Test bleibt mein Geheimnis. Was allenfalls geht, ist die Frage nach der Ausnahme von der Regel: „Ist es diesmal besser? Zurecht stand die Marke XYZ als Hersteller sehr beliebiger Düfte nicht im Zentrum des Interesses. Doch nun kommt sie mit einer komplett neuen Linie...“

 

Um Neugier zu wecken, ist vieles erlaubt, hier darf man kreativ sein. Sofern man es nicht inflationär betreibt, kann man auch mal mit einem Thema anfangen, das gar nichts mit Parfum zu tun hat - nur die Überleitung muss man hinkriegen:

Wer heute durch Wuppertal schwebt, mag einiges von der Schwermut wahrnehmen, welche von den einstigen Zentren der Industrialisierung ausgeht. Hier hat über Jahrzehnte der Frühkapitalismus gewütet, ohne Rücksicht auf Mensch und Natur. Von der radikalen Umweltzerstörung der Färbereien und Textilbetriebe gibt uns schon Friedrich Engels Auskunft. Mit welchen abartigen Gerüchen mag dieser Wuppertaler Industriellensohn aufgewachsen sein? - Fast könnte man unterstellen, auch Serge Luton stamme aus Wuppertal, denn mit seiner neuen Veröffentlichung L'Eau Froide...“

 

Guter Stil - schlechter Stil

Hier beginnt der persönliche Geschmack, und hier kommt die Eigenart der Autoren zum Vorschein. Soll man in Gefühlen und Bildern schwelgen oder versuchen, einen Duft zu sezieren? Beides kann man übertreiben. Eine emotionale Beschreibung mit Bildern und Eindrücken wirkt seriöser, wenn benannt wird, was sie auslöst - und eine Analyse und Einordnung der Duftnoten wirkt sehr viel eingängiger, wenn ein paar starke Bilder das Ergebnis unterstreichen.

 

In jedem Fall soll man den Leser nicht aus den Augen verlieren. Daher muss man sich gut überlegen, ob und wie viel Persönliches mitgeteilt gehört. Man kann sich schon unbeliebt machen, wenn man in aller Ausführlichkeit vom letzten Kauferlebnis berichtet, wie man diese schnuckelige kleine Parfümerie fand, wie nett und kompetent die Verkäuferin war, und dass nach dem Kauf die Ehefrau, die Schwiegermutter, Enkelkinder und Haustiere nur die angenehmsten Reaktionen zeigten!

Hochinteressant wäre dagegen: „Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, die Parfumeurin XY zu treffen, deren neuester Duft mich brennend interessiert. Bei einer Tasse Kaffee kamen wir ins Gespräch – auf ihr Konzept angesprochen verriet sie mir...“

 

Problematisch können allzu drastische Beschreibungen oder Urteile sein, besonders die negativen und mit Ekel behafteten: „Dieses Parfum riecht wie ein Haufen Hundekot“ - eine solche Aussage führt zum sofortigen Leseabbruch, denn derartiges schaue ich mir schließlich auch nicht im Detail an, wenn ich es auf der Straße sehe. Besser: „Das Hervortreten derart starker animalischer und fäkaler Noten ist mehr als ungewöhnlich. Was mag sich der Parfumeur dabei gedacht haben?“ - und schon bleibt das Interesse erhalten!

Inakzeptabel und bereits ein Verstoß gegen die Parfumo-Regeln sind Unwerturteile, die sich über das Parfum hinaus auf deren Träger erstrecken: „Le Mâle ist der reinste Nuttendiesel und wird bekanntlich heute nur noch von Prolls und Alkoholikern getragen.“

 

Der anspruchsvollste Teil eines Parfumkommentars ist das Eingehen auf einzelne Duftnoten. Falls man sich überhaupt dafür entscheidet, sollte man sich bewusst sein, dass viele Leser gar keine klare Dufterinnerung an viele Noten haben. An dieser Stelle nimmt man die Geduld des Lesers am stärksten in Anspruch. Wenn dann fachsimpelnd jede einzelne Note der Pyramide pflichtschuldig abgearbeitet wird, kann das leicht aufgesetzt wirken – vor allem dann, wenn der Leser bei einem eigenen Test kaum eine davon selber erkennen würde. Besser kann es sein, zu fokussieren, das wesentliche herauszuarbeiten: „Der zitrische Kopf, die floralen Herznoten, und die Angabe von Patchouli und Eichenmoos in der Basis deuten auf ein typisches Chypre hin, doch tatsächlich...“ - „Aus der ganzen Vielfalt der angegebenen Noten steht vor allem ein rosenartiger Akkord hervor, sodass besonders Freunde dieser Richtung angesprochen werden“ - „Gut gefällt mir, auf welche Weise eine Ahnung des flüchtigen Lavendels in die Herz- und sogar Basisnote übertragen wird“. Vollkommen in Ordnung ist auch zu sagen: „Die Zusammenstellung ist komplex, zudem steht nichts isoliert hervor, und so fügt sich alles zu einem ganz eigenständigen Duft zusammen, den ich nur allgemein beschreiben kann“. Wenn aber schon auf einzelne Noten eingegangen wird, dann ist es eine gute Idee, sie im Konzept des Duftes einzuordnen: „Eine frische Holznote bildet einen stimmigen Kontrast zu der etwas lieblich geratenen blumigen Herznote.“

Und gerade dieser schwierige Teil verträgt mal ein starkes Bild, darum noch besser: „Ein Duft wie von frisch aufgeschichteten Scheiten nach einem Holzeinschlag bildet einen stimmigen Kontrast...usw.“

 

Manchmal möchte man das Parfum mit anderen, ähnlichen Düften vergleichen. Dann sollte man den Namen des kommentierten Duftes immer komplett nennen, den Vergleichsduft aber nur einmal und sodann immer indirekt bzw. umschreibend: „Wer sich mit Guerlains Homme beschäftigt, kommt derzeit an der Variante Homme L'Eau Boisée nicht vorbei. Während der Kopf von Guerlain Homme die berühmte, etwas verstiegene Mojito-Note aufweist, wählte man für den Flanker...“

Schwierig wird es bei richtigen Namensmonstern: Kouros Cologne Sport Eau d'Eté Summer Fragrance. Das muss man sinnvoll abkürzen.

 

Rechtschreibung und Grammatik...

...interessieren im Grunde nur die Oberlehrer der Duden-Redaktion. Wer im Deutschunterricht gefehlt hat, ist deshalb nicht gleich zu ewigem Schweigen verdammt. Viel wichtiger als genaue Einhaltung von Regeln ist ein lebendiger Textfluss: man soll möglichst keine kurzen, abgehackten Stakkato-Sätze schreiben. Lange Sätze sind ausdrücklich erlaubt, immer vorausgesetzt - sie drücken eine wirkliche Gedankenfolge aus und werden ansprechend gegliedert. Viele kennen ja nur Punkt und Komma, doch da gibt es auch noch: Semikolon, Doppelpunkt, Binde- und Gedankenstrich. Wenn man damit etwas spielt, bekommt man selbst lange Kettensätze in den Griff.

Und außerdem, braucht man Kommaregeln nicht schematisch zu befolgen. Ein Komma sollte einen Gedanken oder einen besonders deutlichen Ausdruck abtrennen und hervorheben – und nicht notwendigerweise einen vollständigen formellen Nebensatz. Hier darf man sich vom eigenen Sprachgefühl leiten lassen, das bei vielen mittlerweile auch durch die englische Kommasetzung beeinflusst ist.

Sofern man Kommentare nicht direkt eingibt, sondern in einer Textverarbeitung vorschreibt, hat man auch eine Rechtschreibprüfung zur Verfügung. Die Spielereien mit Sprache sollten dort eine Grenze finden, wo der Leser vom Inhalt des Textes abgelenkt wird und nur noch über die Sprachverwendung nachdenkt.

 

Ein guter Verriss...

...ist besonders schwierig zu schreiben. Dazu muss die Muse schon einen vollständigen Zungenkuss ausführen. Überzeichnen, karikieren, verblüffen, Ironie und überraschende Wendungen – das fliegt einem nicht jeden Tag zu.

Immer sollte man sich bewusst sein: Humor zielt auf die Lachmuskeln, nicht die Magengegend. Eine bloße Aufzählung von Ekelwörtern und Kraftausdrücken ist nicht lustig und verfehlt ihr Ziel. Ein guter Verriss darf die Grenze des guten Geschmacks berühren, sie aber nicht überschreiten. Meinem Verriss von „Gold Wings“ wurde beispielsweise Diskriminierung des Prekariats vorgeworfen.

 

Literaturtipp:

Bei meinem heutigen Stil lasse ich mich zum Teil von den Empfehlungen leiten, die ich aus Wolf Schneiders kurzem Band erhalten habe: Deutsch für junge Profis – Wie man gut und lebendig schreibt, Rowohlt, Berlin 2010

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