Bobbys Parfumblog

Von Parfumo empfohlener Artikel
13.01.2021
345

WÖRTERBUCH PARFUMO - DEUTSCH

Das hier ist eine kleine, alphabetisch sortierte Auswahl an beliebten Parfumo-Schlagwörtern aus Kommentaren, Statements, Forum und Blogs, deren Bedeutung kurz erklärt wird. Ich meine damit keine echte Fachsprache wie Chypre, Hesperidien, etc., sondern eine Art Parfumo-Umgangsprache, die es in diesem Zusammenhang so nur hier gibt. Ergänzungen in den Kommentaren sind willkommen!


1. Abwaschzwang, der: Symptom, das bei richtig üblen Testerfahrungen auftritt. Im Gegensatz zum pathologischen Waschzwang als Zwangsneurose handelt es sich beim durch Parfüm indizierten Abwaschzwang um einen absolut gesunden Reflex um seine Riechflora wieder ins Lot zu bringen, wenn man z.B. aufgrund einer massiven Kreuzkümmel-Honig-Bibergeil-Tonka-Dröhnung keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Wohl dem, der dann nur sein Handgelenk schrubben muss, und sich mit dem Zeug nicht komplett -> eingedieselt hat (vgl. -> Chemieunfall).

2. Batch, der: kommt aus der IT-Ecke, meint so etwas wie die Charge, also hier die Produktionseinheit eines Parfums. Diese wird mit Nummern gekennzeichnet, die unten auf den Flakons stehen. Hier im Forum geht's dann meist um die Frage, welcher batch eines Parfums besser oder schlechter ist als ein anderer. Quasi wie Weinjahrgänge. Anwendungsbeispiel: "Der Batch 62N901 von 2016 ist viel weniger rauchig als die anderen". Ich selbst habe diese Unterschiede nie festgestellt, aber das bedeutet nichts. Die meistdiskutierten Batchfragen beziehen sich wahrscheinlich auf Aventus. Manchmal liegts aber auch nicht am batch, sondern daran, dass man eine Fälschung gekauft hat. Und irgendwo reibt sich ein Betrüger die Hände: "Ätsch batch".

3. Beastmode, der: signalisiert eine "tierisch" starke Performance des Duftes (Anwendungsbeispiel: "Die Sillage ist absolut beastmode"). Kann sich auch auf Haltbarkeit beziehen. Für einige ein sehr wichtiger Aspekt: Es gibt die verbreitete Meinung, gerade teurere Düfte müssten doch für ihr Geld wenigstens lang (Haltbarkeit) und stark (Sillage) - nach was auch immer - riechen, also quasi wenigstens quantitativ ordentlich beastmodig abliefern.

4. Blindbuy, der: risikobehafteter Kauf eines Parfums, ohne es vorher getestet zu haben. Kenne ich fast ausschließlich aus dem Parfumbereich. Ginge nur scheinbar auch mit Autos, Laufschuhen und Tablets, denn die ließen sich ja alle zur Not noch umtauschen. Eine geöffnete Parfumverpackung aber nicht. Tja und dann sitzt man da und riecht streng nach Ambrettasamen und denkt sich: Warum mache ich sowas? Davon hätte ich zwei Mal gut essen gehen können. Apropos - im Restaurant geht blindbuy natürlich auch: "Ich nehme, öhmmm, das, hier, nein das da. Rau muong xao toi. Haha, ja, genau. Und einen Weißwein. Danke".

5. Cheapie, der: Billiges Parfum, im Sinne von günstig aber nicht unbedingt schlecht. Beispiele für gelungene Cheapies aus meiner Sicht wären etwa Issey Miyake Sport oder CK One. Allerdings ist umstritten, wo genau die Trenngrenze zum Cheapie verläuft - die eben genannten liegen bei ca 5ml für 1 Euro, es gibt aber noch deutlich Günstigeres. Hierbei hilft es, wenn man z.B. die Düfte bei Lidl gut findet (was bei Parfumo kaum einer tut, was die seltene Bewertungs-Signalfarbe Orange deutlich macht, d.h. die Lidldüfte werden hier durchaus nicht nur als billig-günstig sondern auch als billig-minderwertig eingeschätzt, im Gegensatz zu z.B. Zaradüften, die sich bei Parfumo großer Beliebtheit erfreuen und ebenfalls zu den Cheapies gezählt werden können). Lidl-Preise bewegen sich übrigens bei etwa 10ml für 0,5-1 Euro.

6. Chemieunfall, der: DAS vernichtende Parfumo-Urteil schlechthin. Super-GAU ist ja bereits eine Tautologie, aber hier passt sie ausnahmsweise mal: Ein Chemieunfall IST eine doppelte Strafe, da Chemie bereits bei allen negativ besetzt ist, die natürliche Düfte mögen (wie z.B. CONCRETE von Comme des garcons: einfach schön reiner, frischer, unbehandelter Beton...). Und Unfall ist natürlich nochmal ein Igitt- (bzw. Oh Gott-)wort, da ist also bei der Chemie jetzt auch noch zusätzlich irgendwas schiefgegangen. Klingt nach Bitterfeld und BASF. Schlimm jedenfalls. Geht untrennbar einher mit ->Abwaschzwang.

7. Crowdpleaser, der: Hierzu nur das Nötigste: Es ist ein Duft, der in erster Linie "den Leuten" gefallen soll, und zwar möglichst vielen, da es seinem Träger gefällt, zu gefallen. Und genau daher kann der Crowdpleaser auch nicht -> unique sein. Eben entweder oder.

8. Dupe, der: dem Originalduft ähnelnde Kopie, meist deutlich billiger (also meist ein -> cheapie), angeblicher manchmal sogar besser (je nach persönlichen Vorlieben). Unterscheidet sich meist im Flakon, beim Namen und der Haltbarkeit vom Original, aber natürlich auch mehr oder weniger deutlich im Geruch. Entspricht dem Duftzwilling, aber nicht dem Plagiat. Letzteres ist illegal und tut so, als sei es der Originalduft, bis hin zu Namen und Flakon.

9. Eindieseln (Verb): kommt tatsächlich vom Kraftstoff Diesel, mit dem man z.B. landwirtschaftliche Geräte zur Lagerung konserviert, indem man sie, nun ja, eben eindieselt, also mit Dieselkraftstoff (vermischt mit Öl) einsprüht. Dies stinkt dann entsprechend. Und ist nicht umweltfreundlich. Genausowenig wie jemand, der sich mit seinem Lieblingsduft eindieselt. Man könnte vielleicht sagen, dass alles ab 5 Sprühstöße als eindieseln zu bewerten ist, aber das ist eine willkürliche Grenze. Man wird natürlich auch nicht haltbarer oder winterfest dadurch, sondern outet sich vielmehr als Opfer des Gewöhnungseffekts, also des Phänomens, den Duft, den man trägt, selbst nicht mehr recht wahrzunehmen oder zumindest nur noch schwach. Typischer Fall: Man hört gegen 6.00 in der Frühe die Nachbarin durchs Treppenhaus stöckeln und um 7.30 steht da immernoch die Luft (am besten von Shalimar oder so. Wenn ich Shalimar tippe, schreibt meine Autokorrektur ernsthaft Stalingrad. Aber ich schweife ab).

10. Freshie, der: Im Englischen ein frischer Haarschnitt oder ein Immigrant (oder beides in einer Person). Bei Parfumo ein erfrischender Duft, d.h. in etwa sowas wie zitrisch oder minzig oder manchmal auch aquatisch. Etwas grobe Definition, die eine simple Aufteilung der Duftwelt in "frisch" (= leicht, Sommer, flüchtig) und "süß" (schwer, orientalisch, gourmandig, Winter) unterstellt.

11. Immergeher, der: Traum und Albtraum zugleich: ein Duft, den man immer (jede Tageszeit, jede Jahreszeit, jede Gelegenheit) und das heißt auch überall (Hochzeit, Büro, Scheidung, Geisterbahn, Waldspaziergang, Fußballabend, Kindergeburtstag) tragen kann. "Traum", weil Kosten sparend und Entscheidungen erleichternd, "Albtraum", weil dann jeder Grund für eine Parfumsammlung entfällt, dann müssen quasi alle bis auf einen für immer-gehen. Es sei denn natürlich, man möchte mehrere Immergeher haben.

12. Kratzig (Adj.): synästhetische Umschreibung dafür, dass es irgendwo "hakt" bei einem Duft, so wie ein Pullover eben kratzt. Ecken und Kanten werden dagegen oft gefordert, aber nur, solange nichts stört. Zum Glück bin ich kein Parfumeur, ich wüsste gar nicht, was ich genau machen sollte... Vielleicht Ecken und Kanten, die gleichwohl nicht kratzen. Das müsste gehen.

13. Layern (Verb): übernommen aus der Mode- und Kunstwelt. Man schichtet mehrere Lagen Kleidung oder Farbe (oder hier: Parfum) übereinander. Was das bringen soll? Ich bin nicht ganz sicher... Ich schätze den Mut und die Kreativität layernder Parfumos, würde das aber niemals machen. Es ist für mich das gleiche Prinzip wie ein Mashup aus zwei Gerichten, also z.B. ein thailändisches Curry auf eine Pizza zu kippen. Oder auf zwei Spuren eine Bachkantate mit Sarah Connor zu mixen. Oder... egal. Ich würde es jedenfalls nicht machen.

14. "Mein aufrichtiger Dank geht an..." (feststehende Phrase): Um nicht missverstanden zu werden: Man kann, soll und darf sich ja natürlich gern bedanken, wenn einem ein Mitparfumo eine Probe geschickt oder verkauft oder geschenkt oder vererbt hat, das ist sogar sehr freundlich und gut erzogen. Aber "aufrichtiger Dank" ist ein relativ seltenes und daher auch ein bisschen seltsames Begriffspaar, nicht so wie z.B. herzlicher Dank (für Geschenk) oder aufrichtige Anteilnahme (an Todesfall). Es klingt ein bisschen verirrt pathetisch, oder auch sinnlos feierlich. Aber es ist ja trotzdem nett gemeint.

15. Nische, die: Das Gegenteil vom Mainstream-Designer. Aber was genau heißt das: besondere, seltene, exklusive, teure, unbekannte, nicht tragbare, gewöhnungsbedürftige, handgemachte oder originelle Düfte? Sowas in die Richtung, jedenfalls. Vielleicht von allem ein bisschen. Die Mehrdeutigkeit führt zu Verwirrung, wenn ein Nischenduft plötzlich sehr populär wird (whaaa, ist der denn jetzt überhaupt noch Nische?!). Oder wenn ein sehr spezieller Geheimtipp relativ günstig zu erwerben ist (vgl. -> Cheapie). Offiziell ist die Definition eines Nischenduftes angeblich bei maximal 50 Verkaufsstellen erreicht. Die oft gestellte Frage, ob Creed Nische ist, ließe sich damit mit "nein" beantworten. Schwieriger schon wäre dies bei, sagen wir, Armani, zweifellos einem (Mode-) Designer: Klar ist Code kein Nischenduft, aber was ist mit der Privé-Reihe? Oder bei Bvlgari (Black wäre Designer, die Thé-Düfte - seltener anzutreffen, aber dennoch preiswert - Nische?). Oder man definiert einfach ganz anders: Alles, was es beim Türkisen gibt, ist nicht Nische.

16. Pantydropper, der: Ein magischer Duft, der dem anderen Geschlecht die Hosen auszieht, weil er so unwiderstehlich ist. Ist mir auf Parfumo das erste Mal in Zusammenhang mit fierce begegnet. Ist vielleicht für eine bestimmte Sorte Clubgeher ein wichtiges Kauf-Argument, wenn die Lautstärke keine Gespräche zulässt, man leider nur so naja aussieht und dann auch noch nicht tanzen kann. Dann muss es der Duft richten. Wird oft in Kommentaren sehr glaubhaft aus eigener Erfahrung geschildert ("An diesem Abend sind dann noch weitere sieben Frauen einfach so über mich hergefallen und als wir fertig waren, meinten sie, ich würde wahnsinnig gut riechen"). Die derart himmelhochgeschraubten Erwartungen führen bei der Leserschaft nicht selten zu -> blindbuys, da man sich einen -> crowdpleaser erhofft.

17. Signature, der: Heißt im Volltext Signatureduft und kommt von "Unterschrift" im Sinne von Identitätsnachweis. Heißt: der Duft, mit dem man erkannt wird und mittels dem man sich identifiziert, mit dem man quasi in die Luft unterschreibt. Wer hier jetzt Bleu de chanel nimmt (den ich nicht kritisieren möchte - ich stelle nur fest, dass er weit verbreitet ist), unterschreibt mit drei Kreuzen, das ist also nicht fälschungssicher. Ein Signature, wenn man es denn wörtlich und ernst nähme, wäre eher in der ->Nische zu finden, muss also ->unique und darf kein ->crowdpleaser sein. Aber ganz so wörtlich muss man es ja nicht nehmen. Nehmen wir meinen momentanen Liebling follow von Kerosene. Klar bin ich in Deutschland nicht der einzige, der ihn trägt. Aber in meinem engen Umfeld schonmal niemand und auch sonst ist er mir, denke ich, noch nie bewusst unter die Nase gekommen. In der Praxis geht das also mit dem Signature, wenn man nicht gerade die Verkaufs-Top-Ten der ->Türkisnen nimmt. Das Minimal-Konzept von Signature ist vielleicht schlussendlich, einen Duft zu finden, der zu einem passt, den man ganzjährig trägt (vgl. -> Immergeher) und der einen dabei nicht nervt. Und den hier fast niemand findet.

18. Türkisnen /Türkisen, die (seltener auch sing.: der Türkisne/ der Türkise; Anwendung z.B. "Neulich war ich mal wieder beim Türkisnen"): Spielt mehr oder weniger subtil auf den Parfümketten-Marktführer an, dessen C.I.-Farbe so etwas ähnliches wie türkis ist (mehr dazu weiter unten). Mal abgesehen von der fragwürdigen Adjektivbildung handelt es sich um eine hier sehr häufig gebrauchte Formel, die mir Rätsel aufgibt, da meist aus dem Kommentarkontext nicht klar wird, warum man denn jetzt überhaupt erwähnen musste, wo ein Duft getestet oder gekauft wurde, geschweige denn, warum man es, wenn es denn wichtig sein sollte, nicht einfach schreibt. Etwa so: "Ich war bei Douglas". Geht ganz einfach. Douglas ist auch nichts, was man verschämt verklausulieren müsste: Sicherlich ist es kein inhabergeführtes Ecklädchen, das seine Düfte selbst zusammenrührt. Aber auf der Schildergasse in Köln bekomme ich bei den Türkisnen (haha, zwinker) neben der fast überall verfügbaren Standardware auch die Privé-Sammlung von Armani, die Düfte von Jo Malone, Creed, Amouage, Annik Goutal und wasweißichnochalles. Es wird mit dieser Ironie für mein Empfinden, und das wäre mein erster Erklärungsversuch, gelegentlich auch angedeutet, dass Douglas schlechtes Personal habe, das einen mit entsicherten Flakons von Billigdüften ohne Vorwarnung einsprüht, sobald man die Filiale betritt. Manchmal dagegen geht es, und dies wäre dann mein zweiter Erklärungsversuch, auch um eine Art Erotik andeutende Selbstbeweihräucherung, wenn statt dem Duft erstmal das attraktive Aussehen der jungen Fachkraft beschrieben wird. So nach dem Motto: Ich hab erst die Verkäuferin und dann den Duft klargemacht. Und danach natürlich noch reihenweise Frauen auf der Straße DURCH den Duft (vgl. -> pantydropper). Naja, die Türkisnen also. Vermutlich gibt es hier irgendwo unter Tonnen von Texten einen Ur-Kommentar, in dem diese "ironische Anspielung" einmal irgendeinen Sinn gemacht hat. An alle, die die Floskel weiterverwenden mögen, jedenfalls noch ein kleiner Hinweis zum zeitgemäßen wording: 2013 hat Douglas die Corporate-Design-Farbe offiziell von türkis zu vintage mint geändert, es müsste jetzt dann also die Vintagemintenen heißen.

157 Antworten