Hrabanus
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Hazy cosmic Jive
Bleu de Chanel habe ich seit ein paar Jahren in meiner Sammlung. Ich habe ihn mal zu Weihnachten bekommen, weil man "den jetzt gerne trägt", wie der Person, die ihn für mich ausgesucht hat (wohl meine Mutter), im Fachgeschäft versichert wurde. Ich habe ihn achselzuckend zur Kenntnis genommen, "Joaa is gut", hab ihn zu den anderen gestellt und dann und wann aufgetragen, wenn mir gerade nichts anderes einfiel. So begleitete er mich viele Monate, ich trug ihn am liebsten an kühleren Tagen oder im Herbst/Winter, ab und zu auch bei einer Abendveranstaltung.
Dafür, dass er mir eigentlich relativ egal war, habe ich ihn dann doch recht häufig aufgesprüht. Das ist an sich schon ein gewisses Qualitätsmerkmal und beschreibt "Bleus" Stärke: Er ist interessant genug, um nicht langweilig zu werden, aber nicht so interessant, dass man seiner leicht überdrüssig wird. Er ist ein beinharter "Grinder", der sich nichts nachsagen lässt, ein Performer; ja, er ist tatsächlich eine Art Bürohengst der erfolgreicheren Sorte.
Und da sind wir in einem Metier, in dem ich mich gar nicht auskenne, weil ich nicht dort arbeite, ein Raum, der aber immer wieder bei der Beschreibung (und sogar in einem Werbevideo des Dufts) auftaucht: Dem Office nämlich.
Seine Bürotauglichkeit bringt er mit der gewissen Ernsthaftigkeit in den Holz- und Gewürznoten zum Ausdruck, die zwar Dominanz anzeigen, aber eher in Richtung Kompetenz und Professionalismus weisen als Alpha-Männlichkeit und animalische Brutalität zum Ausdruck bringen. Sandelholz und Zeder sind für mich Nuancen der Ehrlichkeit, die erst in Kombination mit manchen floralen Noten ein bisschen aufringlich - ja sogar nervig - werden. Hier aber ist es die Kombination mit Zitrusfrüchten und der geerdeten Süße (ist das die Tonkabohne?), die Beruhigung schafft und so eben den Duft auf einem Sockel abstellt, der Beachtung einfordert, nicht aber Glanz und Gloria versprüht.
Am Anfang wirbelt es da noch frisch herum, da ist er zitrischer und pfeffrig, während er im Verlauf würziger und süßer wird. Den Zitrusaspekt gibt er nie ganz auf, und diese Noten von Zitrone und Mandarine werden im Vetiver wunderbar aufgefangen. Damit einher geht für mich der Eindruck, dass der Duft nie ganz "fertig" ist, das heißt, er findet nie seine Ruhe. Das ist einerseits gut, weil man auch nach Stunden noch damit beschäftigt ist, sich an dieser dunklen Melange aus Süße, Holzigkeit und Fruchtigkeit zu reiben, andererseits habe ich es auch gern, wenn man merkt, dass ein Parfum nun seine Schuldigkeit getan und, obwohl auf der Haut noch wahrnehmbar, seine Ruhe gefunden hat. Da ist "Bleu" halt mehr der Bürohengst, der Überstunden macht.
Ähnliches kenn ich noch von Allure Homme Sport, das sich auch nie richtig beruhigt hat. Und wenn es etwas gibt, was mich an Bleu de Chanel in ähnlicher Weise stört, dann ist es genau das: Ich hab es gern, wenn ein Duft eine vielschichtige Entwicklung durchläuft und irgendwann einfach Feierabend macht. Das ist bei "Bleu" nicht wirklich der Fall. Während das viele freuen mag, dass er auch nach Stunden noch ziemlich präsent ist, schätze ich es, wenn es am Ende des Tages auch mal ruhiger wird.
Bleu de Chanel ist zurecht ein Crowdpleaser und als versatiles, maskulines Eau de Parfum prägend für die letzten Jahre. Die spannende Mischung aus Holz, Zitrus und Süße bleibt magisch und weist in hoffnungsvoller Weise über das Büro hinaus. "Bleu" lässt uns erahnen, dass es da noch etwas Anderes gibt, etwas, das dem Sternenhimmel näher ist als dem Desktop. Das kommt auch gut in dem Spot mit Gaspard Ulliel heraus, und wohl auch deshalb läuft da David Bowies "Starman" im Hintergrund. Bleu de Chanel ist "hazy cosmic jive", ein etwas unruhiges, tänzerisches Changieren zwischen der betonierten Welt des weltlichen Erfolgs und den sinnlichen Versprechungen des Jenseits (oder eben des Feierabends).
Mir persönlich ist da wie gesagt zu wenig Entwicklung drin, der Duft auch zu erfolgreich, um das Versprechen, geheimnisvoll zu sein, authentisch einlösen zu können. Aber am Ende des Tages bleibt "Bleu" ein solider Allrounder, der fast immer passt, und den ich mir gerne achselzuckend aufsprühe, um dann am Abend ein bisschen genervt zu sein, dass er immer noch an der Arbeit sitzt.
Ein Duft für Pragmatiker, die das Hoffen noch nicht aufgegeben haben, den man eigentlich jeden Tag in jeder Situation tragen kann. Im Hochsommer wäre er mir unter tags allerdings zu würzig und würde mich noch schneller nerven.
Dafür, dass er mir eigentlich relativ egal war, habe ich ihn dann doch recht häufig aufgesprüht. Das ist an sich schon ein gewisses Qualitätsmerkmal und beschreibt "Bleus" Stärke: Er ist interessant genug, um nicht langweilig zu werden, aber nicht so interessant, dass man seiner leicht überdrüssig wird. Er ist ein beinharter "Grinder", der sich nichts nachsagen lässt, ein Performer; ja, er ist tatsächlich eine Art Bürohengst der erfolgreicheren Sorte.
Und da sind wir in einem Metier, in dem ich mich gar nicht auskenne, weil ich nicht dort arbeite, ein Raum, der aber immer wieder bei der Beschreibung (und sogar in einem Werbevideo des Dufts) auftaucht: Dem Office nämlich.
Seine Bürotauglichkeit bringt er mit der gewissen Ernsthaftigkeit in den Holz- und Gewürznoten zum Ausdruck, die zwar Dominanz anzeigen, aber eher in Richtung Kompetenz und Professionalismus weisen als Alpha-Männlichkeit und animalische Brutalität zum Ausdruck bringen. Sandelholz und Zeder sind für mich Nuancen der Ehrlichkeit, die erst in Kombination mit manchen floralen Noten ein bisschen aufringlich - ja sogar nervig - werden. Hier aber ist es die Kombination mit Zitrusfrüchten und der geerdeten Süße (ist das die Tonkabohne?), die Beruhigung schafft und so eben den Duft auf einem Sockel abstellt, der Beachtung einfordert, nicht aber Glanz und Gloria versprüht.
Am Anfang wirbelt es da noch frisch herum, da ist er zitrischer und pfeffrig, während er im Verlauf würziger und süßer wird. Den Zitrusaspekt gibt er nie ganz auf, und diese Noten von Zitrone und Mandarine werden im Vetiver wunderbar aufgefangen. Damit einher geht für mich der Eindruck, dass der Duft nie ganz "fertig" ist, das heißt, er findet nie seine Ruhe. Das ist einerseits gut, weil man auch nach Stunden noch damit beschäftigt ist, sich an dieser dunklen Melange aus Süße, Holzigkeit und Fruchtigkeit zu reiben, andererseits habe ich es auch gern, wenn man merkt, dass ein Parfum nun seine Schuldigkeit getan und, obwohl auf der Haut noch wahrnehmbar, seine Ruhe gefunden hat. Da ist "Bleu" halt mehr der Bürohengst, der Überstunden macht.
Ähnliches kenn ich noch von Allure Homme Sport, das sich auch nie richtig beruhigt hat. Und wenn es etwas gibt, was mich an Bleu de Chanel in ähnlicher Weise stört, dann ist es genau das: Ich hab es gern, wenn ein Duft eine vielschichtige Entwicklung durchläuft und irgendwann einfach Feierabend macht. Das ist bei "Bleu" nicht wirklich der Fall. Während das viele freuen mag, dass er auch nach Stunden noch ziemlich präsent ist, schätze ich es, wenn es am Ende des Tages auch mal ruhiger wird.
Bleu de Chanel ist zurecht ein Crowdpleaser und als versatiles, maskulines Eau de Parfum prägend für die letzten Jahre. Die spannende Mischung aus Holz, Zitrus und Süße bleibt magisch und weist in hoffnungsvoller Weise über das Büro hinaus. "Bleu" lässt uns erahnen, dass es da noch etwas Anderes gibt, etwas, das dem Sternenhimmel näher ist als dem Desktop. Das kommt auch gut in dem Spot mit Gaspard Ulliel heraus, und wohl auch deshalb läuft da David Bowies "Starman" im Hintergrund. Bleu de Chanel ist "hazy cosmic jive", ein etwas unruhiges, tänzerisches Changieren zwischen der betonierten Welt des weltlichen Erfolgs und den sinnlichen Versprechungen des Jenseits (oder eben des Feierabends).
Mir persönlich ist da wie gesagt zu wenig Entwicklung drin, der Duft auch zu erfolgreich, um das Versprechen, geheimnisvoll zu sein, authentisch einlösen zu können. Aber am Ende des Tages bleibt "Bleu" ein solider Allrounder, der fast immer passt, und den ich mir gerne achselzuckend aufsprühe, um dann am Abend ein bisschen genervt zu sein, dass er immer noch an der Arbeit sitzt.
Ein Duft für Pragmatiker, die das Hoffen noch nicht aufgegeben haben, den man eigentlich jeden Tag in jeder Situation tragen kann. Im Hochsommer wäre er mir unter tags allerdings zu würzig und würde mich noch schneller nerven.
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