Ineke89Ineke89s Parfumblog

In unserer heutigen Zeit und Gesellschaft wundert es mich nicht, dass gourmandig, süße Vanille Kuscheldüfte, die an geborgene, behütete Kindertage erinnern, Hochkonjunktur haben. Wer heute ein Studium beginnt, weis in den seltensten Fällen wo die Reise hingeht. Ein Meer voller Möglichkeiten, lässt Abiturienten oft ratlos zurück. Viele Schüler wachsen nicht mehr in einer Familie auf, sondern werden zwischen Erziehungsberechtigten hin-und hergeschoben. Moralischer Werteverfall steht einer Entwicklung zur Forderung nach einer hochindividualistischen Identitätsschaffung entgegen, die das ICH über das Miteinander stellt.

Neben Persönlichkeitsentwicklung im echten Leben betreiben Jugendliche im virtuellen Raum ein Persönlichkeitsdesign, welches in sozialen Medien ständigem Rating unterworfen ist. Was ist das Besondere an dir? Fragt die Jury beim Supertalent. Es reicht nicht super Geige spielen zu können, man muss etwas zeigen, dass noch nie so dagewesen ist, selbst wenn es schrullig ist...immer noch besser als nur gut in etwas zu sein. Du musst edgy sein, cool und vor allem du selbst! Aber wer ist denn ich selbst? Frühere Theorien gingen davon aus mit zwischen 20-25 eine voll ausgebildete Persönlichkeit entwickelt zu haben, was durch die Reifeprüfung attestiert wurde. Der Mensch findet sich jedoch im Verlauf seines Lebens in immer wieder neuen Rollen wieder, die er erst noch ausgestalten und formen muss. Z.B beim Berufseinstieg oder Wechsel. Ich beobachte, dass dieser Schrei nach maximiert individueller Selbstfindung einen starken Druck auf ein heranwachsendes Individuum ausüben kann; nie genug zu sein. Alles wird durchindividualisiert, das reicht sogar bis hin zur Ernährung. Glutenfrei ist Trend, obwohl nur die Wenigsten eine Unverträglichkeit aufweisen und wirklich drauf verzichten müssen, fügen einige gerne dies ihren Eigenschaften hinzu, welches beim nächsten social gathering gern als Gesprächsthema serviert wird. Das positive daran ist allerdings, dass viele Menschen auf Sinnsuche gehen. Wie kann, will ich mein Leben sinnvoll, nachhaltig gestalten. Kann ich etwas Gutes zur Welt beitragen, bewusster, nachhaltiger Leben.

Aber dieser Druck, etwas ganz besonderes, individuelles darstellen zu müssen wird meiner Meinung nach begegnet mit einer Besinnung auf wohlig, süße Kuscheldüfte, die beruhigend an eine Zeit erinnern, in der Entscheidungsdruck im Leben noch von den Eltern in Gänze vom Kinde ferngehalten wurde. Dieses unbeschwerte entspannte Gefühl, dass sich beim riechen dieser Düfte einstellt, tut der Seele gut. Schon Muttermilch soll ja süßlich sein und nicht umsonst heißt es Stillen. Das Kind wird beruhigt, genährt und spürt die Nähe und Sicherheit der Mutter. Dieses Urvertrauen in die Welt und ein Gefühl von Geborgenheit, welches zwischen Facebook, Tinder und Trump irgendwo verloren gegangen ist, vermögen vanillige Gourmanddüfte für viele (auch für mich), in eine Welt, die so schnelllebig ist und stets beschleunigt, zurückzuholen.


33 Antworten
08.03.2017 22:49 Uhr
17 Auszeichnungen

Ich bin ja noch nicht lange hier, aber in der Zeit haben sich meine Vorlieben doch etwas verschoben. Ich hatte mich bisher immer als olfaktorischen Allesfresser gesehen und habe, bis auf ganz wenige Ausnahmen, fast jedem Duft etwas abgewinnen können; auch vielen Drogerianern. Nun muss ich nach dem Testen von bisher über 250 Parfums diverser Preisklassen doch feststellen, dass mir plötzlich viele günstigere Düfte sehr synthetisch vorkommen. Nicht dass sie nach Synthetik riechen würden, aber ich habe den Eindruck, dass viele Düfte einfach nicht wirklich lebendig oder vibrierend wirken. Auch stelle ich immer wieder eine schlechte Haltbarkeit fest. Manchmal bricht schon nach 1-3 Stunden Note für Note weg, während ich teurere Düfte auf Teststreifen teilweise noch eine Woche nach dem Aufsprühen deutlich riechen kann. Dazu kommt, dass mir auch einige günstigere Düfte zu simpel und nicht komplex genug erscheinen.

Gott sei Dank, gefallen mir teure Düfte nun auch nicht ausnahmslos. Doch wenn ich mal in einer Drogerie stöbern gehe, kommen inzwischen etwa 90% in die Kategorie „würd ich nicht tragen“. Während es in Parfümerien etwa max. 50% sind.

So manchen günstigen Duft, den ich vor 2 Monaten noch richtig schön fand, empfinde ich nun nur noch als gut oder als etwas besseren Durchschnitt. Das liegt teilweise auch daran, dass ich neue Lieblinge entdecke, die die vorherigen Liebsten dann von den oberen Plätzen verdrängen. Da werde ich noch so manche Bewertung anpassen müssen.

Ich stelle mich ja gern selbst in Frage und frage mich auch ernsthaft, ob ich durch Präsentation und hohen Preis der Parfums unterbewusst die Teureren als tendenziell besser bewerte oder ob ich tatsächlich langsam eine immer schwerwiegendere qualitätsbedingte Abneigung gegen Drogeriedüfte entwickle. Vielleicht werde ich mir mal einen Blindtest überlegen mit Düften, die ich noch nicht kenne, um mich selbst auf die Probe zu stellen.

Bisher empfand ich es immer als etwas Abgehoben, wenn jemand schrieb, er findet alles aus der Drogerie schrecklich. Aber so langsam kann ich’s in teilen verstehen. Den viel beklagten Kopfschmerz, den einige Düfte angeblich auslösen würden, kann ich hingegen noch nicht wirklich glauben. Jetzt ohne Witz, gibt’s das echt? Ich habe noch niemals Kopfschmerzen von einem Duft bekommen, nicht einmal von einem Gestank und sei er noch so fäkal, ungewaschen oder verdorben. Übelkeit und Brechreiz schon, aber Kopfschmerzen...mhhh..., vielleicht hab ich auch einfach nur Glück. Betrifft das vielleicht Personen, die sowieso oft daran leiden oder Migränepatienten sind?

Apropos Gestank: An dem Duft La Vie Est Belle scheiden sich ja die Geister, ich mochte ihn schon immer ganz gern, auch wenn er nie mein Liebling war. Überhaupt alles, was vor Fruchtigkeit, Vanille und süßer Gourmandnoten nur so strotzte fand ich super. Langsam riechen mir diese vielen übersüßen Düfte etwas zu zahm und zu niedlich.

Ich kriege immer mehr Lust zu den schweren, sinnlichen, dunklen Düfte abzudriften. Vielleicht sogar etwas in meine Richtung des Schreckens: die Orientalen.

Das Forum habe ich schon nach potenziellen neuen Lieblingen durchforstet und auch das Sichten der Sammlungen einiger Mitglieder lässt meine Merkliste anschwellen. Falls jemand diesen Eintrag hier liest, würde ich mich über ein paar Testempfehlungen und Anregungen freuen.
36 Antworten
25.02.2017 17:01 Uhr
19 Auszeichnungen

Erst seit kurzem bin ich auf Parfumo aktiv dabei und ich bin sehr angetan von dieser Seite. Auch im Souk hab ich mir schon viele gebrauchte Schätzchen kaufen können, die mir als Studentin normalerweise ein rot blutendes Konto bescheren würden. Mein Herz schmolz dahin, als ich gesehen hab, dass es hier zum guten Ton gehört die Päckchen großzügig mit Pröbchen auszustatten. Ich war so überrascht und hab mich riesig gefreut. In Zukunft werde ich das bei meinen Versendungen auch so machen. Und hier komme ich schon zum Punkt des Textes.

Unter einigen wenigen Proben, die beilagen, waren Abfüllungen in Behältern dabei, in denen zuvor ein anderer Duft gewesen sein muss. Denn ich kannte den Duft und in der Abfüllung roch er vollkommen anders, als er laut Beschriftung sein sollte – er roch verdorben. Das ist für mich persönlich nicht weiter schlimm, denn es sind ja in meinem Fall nur Gratisbeigaben gewesen. Aber der Versender, der es abgefüllt hat, vergeudet dabei sein wertvolles Parfum und auch die Umwelt leidet, denn ich kann nichts weiter tun als das Missgeschick zu entsorgen.

Alte Probenröhrchen oder Zerstäuber auszuwaschen und für einen anderen Duft zu verwenden, zerstört den neu abgefüllten Duft vollkommen. Plastikteile, die einmal einem Duftstoff ausgesetzt waren, kontaminieren jeden neuen Duft, mit dem sie in Berührung kommen, egal wie sie zuvor gereinigt wurden, es verbleiben immer Moleküle des alten Duftes im Behälter zurück. Auch bei Glasflakons mit Stöpsel hat der Verschluss meist eine Kunststoffschicht, um das Auslaufen zu verhindern, sodass bei einer Reinigung nie alle Duftmoleküle restlos entfernt werden können. Auch Alkohol hilft hier nicht. Kunststoff hat die Eigenschaft porös zu werden, so dass der Duft ins Material zieht. Da hilft dann auch keine Spülmaschine mehr. Je mehr Tage ein Parfum, in einem zuvor kontaminierten Behältnis lagert, umso schlimmer entwickelt es sich. Der Originalduft wird dadurch immer mehr verfälscht und das kann zu falschen, schlechten Bewertungen durch die Tester und Testerinnen führen, die einen Duft auf der Grundlage einer kontaminierten Probe beurteilen. Das kann doch nicht im Sinne dieser Community sein.

Ich bin absoluter Fan von Umweltschutz und gegen ein Übermaß an Verschwendung. Wenn man mal bedenkt wie viel Verpackungsmüll durch Lebensmittelkonsum, Shampoo, Duschgel etc. jeden Tag entsteht, dann kommen die Probenröhrchen noch relativ gut weg, denn der Anteil aus Glas lässt sich sogar recyceln, wenn man ihn im Container entsorgt. Somit bleibt nur noch der Kostenpunkt und ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn jemandem neue Probenröhrchen zu teuer sind, um sie gratis beizulegen. Ich muss auch ab und zu etwas aufs Geld schauen. Dann gibt es halt keine Gratisprobe im Paket. Das ist vollkommen ok. Es ist wirklich schade, sowohl für den Versender, der sein teures Parfum verschwendet, als auch für die Umwelt, wenn ich Proben und Zerstäuber wegwerfen muss, ohne den Inhalt darin nutzen oder mich daran erfreuen zu können. Mir tat es wegen des Inhalts richtig leid, das wegwerfen zu müssen, aber es stank halt nur noch ganz abscheulich.

Daher plädiere ich aus voller Überzeugung für monogame Probenröhrchen, Parfumbehälter, Flakons und Zerstäuber, ja sogar Pipetten, die bei der Abfüllung zum Einsatz kommen, sollten meiner Meinung nach ausschließlich nur für einen Duft verwendet werden. Ich werde Abfüllungen auch erst dann anbieten, wenn ich mir das entsprechende Werkzeug dafür leisten kann, um sie in neue, jungfräuliche Flakons oder Zerstäuber umzufüllen. Denn es gibt einfach keine Garantie dafür, dass in den verwendeten Materialien noch Rückstände anderer Duftstoffe sind, die den neu abgefüllten Duft verderben würden. Ich mein wir tauschen hier nicht Kostproben von Marmeladensorten, sondern hochwertige und oft sehr teure Luxusgüter und da ist ein professioneller Umgang mit den feinen Düften meiner Meinung nach schon angemessen.

17 Antworten
12.02.2017 12:35 Uhr
36 Auszeichnungen

Parfums sind für mich Kunstwerke. Die Ingredienzien sind die Farben. Die Menge/ Konzentration und kompositionelle Zusammensetzung erzeugt Muster und Strukturen, die vertraut oder befremdlich wirken können. Begeistern und gefallen oder Unbehagen, bis hin zu absoluter Abscheu erzeugen.

Die persönlichen Erfahrungen, die mit Gerüchen verbunden sind, beeinflussen Urteile über olfaktorische Eindrücke. Bestimmte Vorlieben sind kulturell verankert und werden somit innerhalb einer Gesellschaft von der breiten Masse als angenehm empfunden. Bestimmte Gerüche, die mit positiven Erinnerungen verknüpft sind, werden als besonders anziehend empfunden.

Ist ein Geruch bei einem Individuum mit einer negativen Emotion durch ein bestimmtes Erlebnis verknüpft, kann selbst soziale Duftkonditionierung durch dieses Erlebnis von einer Vorliebe zur Aversion umschlagen.

Mit diesen Annahmen komme ich zu dem Schluss, dass man von der Meinung anderer Menschen, bezogen auf Parfums, Abstand nehmen sollte und mehr Selbstvertrauen in das eigene Urteilsvermögen setzt. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die Meinung anderer zu einem Duft respektiert und das Urteilsvermögen anderer nicht in Frage gestellt werden sollte, ob es nun positiv oder negativ ausfällt. Denn die Empfindungen, die ein Parfum oder ein Duft auslöst, sind durch unsere Erfahrungen geprägt und können grundverschieden sein.

Über die eigenen Erfahrungen mit einem Duft hinwegzusehen und ihn neutral und objektiv zu bewerten, sich vorstellen zu können, wie andere Menschen ihn empfinden, das ist ein Anliegen, welches ich bei jeder Bewertung und bei jedem Kommentar versuche mit einfließen zu lassen. Doch ob ein Duft, den man selbst liebt bei anderen gut ankommt, lässt sich nie mit Sicherheit sagen, sogar dann, wenn man die Vorlieben eines anderen Menschen schon gut zu kennen glaubt.

Es gibt kein Richtig oder Falsch, wenn es um subjektive Empfindungen geht. Wenn jemand einen Duft liebt, den ein anderer hasst, ergibt es keinen Sinn ihm einreden zu wollen, dass er Unrecht hat. Ganz im Gegenteil, die Person sollte das tun und tragen dürfen, was sie liebt und glücklich macht. Das bedeutet Freiheit und die Würde des anderen und seine Individualität samt seiner Ausdrucksform zu respektieren.

Meine persönliche Meinung zu einem Duft steht trotzdem ganz klar im Vordergrund, denn ich denke es ist hilfreich für andere, an Düften interessierte Menschen zu wissen, wie ein Parfum auf andere wirkt. Meine Meinung kann dabei über die Zeit schwanken und sich verändern, daher werde ich frühere Bewertungen oft neu überdenken und anpassen, basierend auf den ständig neuen Eindrücken und Vergleichen mit anderen Parfums.

Ich bin gespannt auf die ehrlichen ungeschminkten Wahrheiten anderer, denn ich finde es aufregend die Unterschiede der Duftvorlieben und Abneigungen anderer Menschen hier entdecken zu können, neue Düfte kennenzulernen, meine Sinne zu sensibilisieren und zu lernen.


47 Antworten