8
Sehr hilfreiche Rezension
Etwas 19. Jahrhundert vielleicht?
Eine frische pudrige, sehr helle Blume. Dabei melancholisch, ernst und auch zart und zerbrechlich. Dennoch unerschrocken wie uns der Name sagt. Weiß. altrosa. Mädchen in Uniform. Brünett, ausdrucksstark und zurückhaltend.
Dieser Blumenduft von Atelier Cologne ist überraschend gut nach der viel zu süßen "Silver Iris" und nach "Iris Rebelle", die zwar schön duftet und deren Machart mir im Prinzip auch gefällt, aber sie dockt einfach nicht an.
Ganz anders dieses schlichte, kluge, ersthafte Blumenwesen.
Hell, aber nicht sommerlich. Morgentau.
Der Duft bringt außer einnehmender Blumigkeit eine deutliche Teenote; die Kamelie ist ein Teestrauch.
Nach einer Stunde etwa wird der Duft nur leicht seifig, ein Veilchen kommt dazu, etwas trockenes Holz. Eine Fruchtnote, hellorange, changiert zwischen Zitrus und Aprikose. Das schlägt dan auch eine gute Brücke zum Leder, das sich zunächst sehr leise, nun aber doch bemerkbar macht. Es bleibt auch im Folgenden eher weich. Eine Dame mit weißen Handschuhen.
Leicht, zurückhaltend, asiatisch, exotisch schön. Nicht exaltiert. Sie wirkt authentisch.
Und, das für mich wichtigste Merkmal dieses Duftes liegt auf der olfaktorischen Gefühlsebene: Er hat etwas Schmerzliches, wenn auch nicht Dramatisches.
Dieser Duft ist nicht nur sanft, er ist auch etwas eigenwillig. Etwas 19. Jahrhundert viellleicht? Dumas "Kameliendame" erschien 1848 in Paris. Verdis danach verfasste Oper "La Traviata" war ein unerhörter Erfolg, wenn man das Thema bedenkt: Eine Kurtisane, an Tuberkulose erkrankt, unheilbar, sie stirbt und ist die Angebetete und Heldin der Geschichte. Eine gesellschaftlich gefallene und sterbenskranke Frau, wahrer Hingabe fähig.
Einen derartig gestimmten Duft nicht mit der evtl. zu erwartenden Rose zu "bauen", sondern hier die Kamelie in den Mittelpunkt zu stellen, ist eine schöne Idee und sehr gelungen.
Nach ca. 2-3 Stunden: Der Duft gefällt mir sehr. Er ist introvertiert, aber nicht ganz ruhig.
Leider kommt dann in der ansonsten nicht sehr veränderten Basis ein leicht süßlich-synthetischer Touch hinzu, der irgenwie unecht wirkt. Dieselbe Süße, nur viel heftiger, hat mir schon die "Silver Iris" völlig verleidet. Hier ist es zum Glück bei Weitem nicht so stark, aber der Duft fällt dadurch schon etwas ab. Nichtsdestotrotz empfinde ich ihn als echte Entdeckung und diese besondere im Duft eingefangene Stimmung hat mich noch den ganzen Abend begleitet, insgesamt etwa 6 Stunden, eher länger, und bleibt im Gedächtnis.
Dieser Blumenduft von Atelier Cologne ist überraschend gut nach der viel zu süßen "Silver Iris" und nach "Iris Rebelle", die zwar schön duftet und deren Machart mir im Prinzip auch gefällt, aber sie dockt einfach nicht an.
Ganz anders dieses schlichte, kluge, ersthafte Blumenwesen.
Hell, aber nicht sommerlich. Morgentau.
Der Duft bringt außer einnehmender Blumigkeit eine deutliche Teenote; die Kamelie ist ein Teestrauch.
Nach einer Stunde etwa wird der Duft nur leicht seifig, ein Veilchen kommt dazu, etwas trockenes Holz. Eine Fruchtnote, hellorange, changiert zwischen Zitrus und Aprikose. Das schlägt dan auch eine gute Brücke zum Leder, das sich zunächst sehr leise, nun aber doch bemerkbar macht. Es bleibt auch im Folgenden eher weich. Eine Dame mit weißen Handschuhen.
Leicht, zurückhaltend, asiatisch, exotisch schön. Nicht exaltiert. Sie wirkt authentisch.
Und, das für mich wichtigste Merkmal dieses Duftes liegt auf der olfaktorischen Gefühlsebene: Er hat etwas Schmerzliches, wenn auch nicht Dramatisches.
Dieser Duft ist nicht nur sanft, er ist auch etwas eigenwillig. Etwas 19. Jahrhundert viellleicht? Dumas "Kameliendame" erschien 1848 in Paris. Verdis danach verfasste Oper "La Traviata" war ein unerhörter Erfolg, wenn man das Thema bedenkt: Eine Kurtisane, an Tuberkulose erkrankt, unheilbar, sie stirbt und ist die Angebetete und Heldin der Geschichte. Eine gesellschaftlich gefallene und sterbenskranke Frau, wahrer Hingabe fähig.
Einen derartig gestimmten Duft nicht mit der evtl. zu erwartenden Rose zu "bauen", sondern hier die Kamelie in den Mittelpunkt zu stellen, ist eine schöne Idee und sehr gelungen.
Nach ca. 2-3 Stunden: Der Duft gefällt mir sehr. Er ist introvertiert, aber nicht ganz ruhig.
Leider kommt dann in der ansonsten nicht sehr veränderten Basis ein leicht süßlich-synthetischer Touch hinzu, der irgenwie unecht wirkt. Dieselbe Süße, nur viel heftiger, hat mir schon die "Silver Iris" völlig verleidet. Hier ist es zum Glück bei Weitem nicht so stark, aber der Duft fällt dadurch schon etwas ab. Nichtsdestotrotz empfinde ich ihn als echte Entdeckung und diese besondere im Duft eingefangene Stimmung hat mich noch den ganzen Abend begleitet, insgesamt etwa 6 Stunden, eher länger, und bleibt im Gedächtnis.
7 Antworten


Nur dass mir dieser Duft auch am Ende gefällt, anders als die meisten Düfte.