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Top Rezension
Kristallklare Kälte an einem Frühlingsmorgen
Ich liebe ja den Morgen. Am Mittag bin ich immer irgendwie müde, der Vormittag und Nachmittag sind vom Arbeiten geprägt, am Abend wird entspannt - aber der Morgen ist alles für mich. Je früher, je besser, vor allem in der wärmeren Jahreszeit. Das beginnt im Grunde genommen, sobald es morgens früh hell ist - dann liebe ich es aufzustehen und hinauszukommen. Ob nur mit einem Kaffee auf den Balkon, ob mit dem Frühstück in den Garten oder mit dem Hund in die Natur - das ist egal.
Ich liebe es zu sehen, wie der Nebel über dem Fluss aufsteigt und die Weinberge im Schatten liegen, nur einzelne Flächen von Sonne beschienen. Ich liebe die absolute Stille, die nur von Vogelgezwitscher unterbrochen wird. Vor allem aber liebe ich die kristallklare kalte Luft an einem frühen, sonnigen Morgen im Frühling. Diese Klarheit, diese Reinheit, die Sonne, die noch zu schwach ist, die Luft aufzuwärmen, sodass ich mit jedem Atemzug tief diese diamantene Luft in mich einsauge - das ist die Metapher für Neubeginn. Wann immer ich die Chance zu einem solch morgendlichen Spaziergang in sonniger Kälte erhalte, stelle ich das Leben auf Reset und starte neu durch. Pläne, Vorhaben, Ziele - das alles erscheint plötzlich machbar, erreichbar. Im kristallklaren Morgen erschließt sich mir die Geometrie meines Lebens vollkommen logisch strukturiert - und ich schöpfe alle Hoffnung, die ich bekommen kann.
An solchen Morgenden gibt es für mich nur zwei Frühlingsdüfte, die diese vollkommene Reinheit und Klarheit widerspiegeln - einer davon ist La Tulipe von Byredo. Durch diesen Duft bin ich überhaupt erst auf das Nischensegment aufmerksam geworden. Als ich La Tulipe das erste Mal gerochen habe, war das für mich wie eine Offenbarung, und ich habe viel von Byredo erwartet - eine Erwartung, die sich für mich mit den anderen Düften der Marke bislang leider nicht erfüllt hat. Sie erscheinen mir häufig synthetisch und an der Natur vorbei konstruiert. Ganz anders La Tulipe: Der allererste Moment, die Kopfnote, ist so vollkommen, so klar, so rein, so harmonisch, so rund. Der perfekte Duft, kristallklar wie frisches, kaltes Quellwasser, blumig-rein und tief nuanciert, ohne Süße, ohne Härte. Ein vollkommen weicher, reiner Blütenduft, Symbol des Wachstums, Symbol des Augenblicks, in dem sich die Blüte in all ihrer zarten Schönheit präsentiert. Für die absolute Frische sind Alpenveilchen und vor allem die Freesie verantwortlich, diesen Ton kenne ich von anderen Frühlingsdüften als Frische-Träger. Die Frische macht für mich jedoch nicht den Eindruck frischer Wäsche, ich kann nicht die geringste, winzigste Ähnlichkeit zu Blanche von Byredo entdecken. Während Blanche wirklich wie die Stärke in meiner frisch gemangelten Bettwäsche riecht, ist La Tulipe die Frische eines reinen Quellwassers in den Bergen. Stößt dann in der Herznote die Tulpe dazu, kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen: Eine echte Tulpe ist relativ geruchsneutral und kann hier nicht die Wirkung erzielen. Auch ich nehme einen Hauch Flieder wahr, doch in sehr sehr gemäßigter Form und nicht zu vergleichen mit der süße Schwere, die an Sommerabenden vom Flieder in meinem Garten in der Luft liegt. Die Tulpe ist hier in La Tulipe vor allem Symbol für den materialisierten Frühling, für Klarheit, Neuanfang und Reinheit. Es ist ein ganz wunderschöner, runder, keinesfalls auch nur im Ansatz synthetischer Duft, der erst sehr spät, nach vielen Stunden, durch leicht herbere, holzige Noten abgefedert wird. Perfekt zu diesem Erlebnis passen der vollkommen schlichte Flakon, das weiße Etikett und die farblose Transparenz des Parfums.
Insofern halte ich persönlich La Tulipe für das eigentliche, unterschätzte Meisterwerk von Byredo, dem kein anderer Duft der Marke das Wasser reichen kann. Wie auch? Kein anderer symbolisiert so sehr das reine, frische Wasser wie La Tulipe.
Ich liebe es zu sehen, wie der Nebel über dem Fluss aufsteigt und die Weinberge im Schatten liegen, nur einzelne Flächen von Sonne beschienen. Ich liebe die absolute Stille, die nur von Vogelgezwitscher unterbrochen wird. Vor allem aber liebe ich die kristallklare kalte Luft an einem frühen, sonnigen Morgen im Frühling. Diese Klarheit, diese Reinheit, die Sonne, die noch zu schwach ist, die Luft aufzuwärmen, sodass ich mit jedem Atemzug tief diese diamantene Luft in mich einsauge - das ist die Metapher für Neubeginn. Wann immer ich die Chance zu einem solch morgendlichen Spaziergang in sonniger Kälte erhalte, stelle ich das Leben auf Reset und starte neu durch. Pläne, Vorhaben, Ziele - das alles erscheint plötzlich machbar, erreichbar. Im kristallklaren Morgen erschließt sich mir die Geometrie meines Lebens vollkommen logisch strukturiert - und ich schöpfe alle Hoffnung, die ich bekommen kann.
An solchen Morgenden gibt es für mich nur zwei Frühlingsdüfte, die diese vollkommene Reinheit und Klarheit widerspiegeln - einer davon ist La Tulipe von Byredo. Durch diesen Duft bin ich überhaupt erst auf das Nischensegment aufmerksam geworden. Als ich La Tulipe das erste Mal gerochen habe, war das für mich wie eine Offenbarung, und ich habe viel von Byredo erwartet - eine Erwartung, die sich für mich mit den anderen Düften der Marke bislang leider nicht erfüllt hat. Sie erscheinen mir häufig synthetisch und an der Natur vorbei konstruiert. Ganz anders La Tulipe: Der allererste Moment, die Kopfnote, ist so vollkommen, so klar, so rein, so harmonisch, so rund. Der perfekte Duft, kristallklar wie frisches, kaltes Quellwasser, blumig-rein und tief nuanciert, ohne Süße, ohne Härte. Ein vollkommen weicher, reiner Blütenduft, Symbol des Wachstums, Symbol des Augenblicks, in dem sich die Blüte in all ihrer zarten Schönheit präsentiert. Für die absolute Frische sind Alpenveilchen und vor allem die Freesie verantwortlich, diesen Ton kenne ich von anderen Frühlingsdüften als Frische-Träger. Die Frische macht für mich jedoch nicht den Eindruck frischer Wäsche, ich kann nicht die geringste, winzigste Ähnlichkeit zu Blanche von Byredo entdecken. Während Blanche wirklich wie die Stärke in meiner frisch gemangelten Bettwäsche riecht, ist La Tulipe die Frische eines reinen Quellwassers in den Bergen. Stößt dann in der Herznote die Tulpe dazu, kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen: Eine echte Tulpe ist relativ geruchsneutral und kann hier nicht die Wirkung erzielen. Auch ich nehme einen Hauch Flieder wahr, doch in sehr sehr gemäßigter Form und nicht zu vergleichen mit der süße Schwere, die an Sommerabenden vom Flieder in meinem Garten in der Luft liegt. Die Tulpe ist hier in La Tulipe vor allem Symbol für den materialisierten Frühling, für Klarheit, Neuanfang und Reinheit. Es ist ein ganz wunderschöner, runder, keinesfalls auch nur im Ansatz synthetischer Duft, der erst sehr spät, nach vielen Stunden, durch leicht herbere, holzige Noten abgefedert wird. Perfekt zu diesem Erlebnis passen der vollkommen schlichte Flakon, das weiße Etikett und die farblose Transparenz des Parfums.
Insofern halte ich persönlich La Tulipe für das eigentliche, unterschätzte Meisterwerk von Byredo, dem kein anderer Duft der Marke das Wasser reichen kann. Wie auch? Kein anderer symbolisiert so sehr das reine, frische Wasser wie La Tulipe.
6 Antworten
Siri vor 5 Jahren
Ein wunderschöner Kommentar, dem ich komplett zustimme.
Melisse2 vor 6 Jahren
Ich mag ihn auch und deshalb ist er in meiner Sammlung. Schöner Kommentar, der La Tulipe treffend beschreibt.
Brelles530 vor 6 Jahren
Ein wirklich schöner Kommi, ein Pokal von mir für dich!
Pollita vor 6 Jahren
OK, den sollte ich vielleicht auch mal probieren als Morgenmensch. Mein Favorit ist Bal d'Afrique.
Seerose vor 6 Jahren
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Manche Tulpen haben an ihren Blütenstempeln/-staub einen ganz schwachen Duft von Safran und für ein bis zweimal intensiv riechen auch einen frisch-grünen zarten Blütenduft, oft nur an wenigen Tagen. Probier mal. Vor allem, wenn sie voll aufblühen und nicht schon weit gereist und gegen alles Mögliche eingesprüht worden sind. Den Duft rieche ich in La Tulipe, genau den.
Morgaina vor 6 Jahren
Der Duft wird völlig unterschätzt, da hast du recht. Für mich ein klarer, zarter grüner Duft. Mich würde interessieren, welches dein zweiter Frühlingsduft ist.

