Top Rezension
Ellenas Unvollendete
Die bisherigen Kommentare sind ausführlich, wenig gibt es dem hinzuzufügen. Ich werde mich fokussieren auf einen Vergleich: Wie Profumo schön in seinem Kommentar zu „Eau d’Hermès“ erläutert hatte, ist „Déclaration“ eine Hommage Jean-Claude Ellenas an seinen Lehrer Edmond Roudnitska und dessen Hermès-Duft. In dem lesenswerten Sonstiges-über-Parfum-Thread „Intertextualität“ wurde dies aufgegriffen und als ein Beispiel für intertextuellem Bezug zwischen Parfums verifiziert.
„Déclaration“ – Aussage, Statement: Ich verstehe diesen Duft durchaus als ein Statement Ellenas, mit dem eine Richtung gewiesen wurde hin zu mehr Transparenz und aufgeräumter Duftpyramide. Dieses Credo, was wir heute sofort mit seinem Namen in Verbindung bringen, wurde ihm gelehrt von Edmond Roudnitska. Und so finde ich es spannend, beide Düfte auf diese Charakteristik hin zu vergleichen.
„Déclaration“ verwendet im Großen und Ganzen die gleichen Akkorde wie die Referenz. Die Kopfnote ist ergänzt um Orange, was zu einem etwas wärmeren Eindruck führt. Sehr schnell kommt die Herznote zum Tragen, deutlich schneller als bei „Eau d’Hermès“, wo der Übergang zur Herznote sehr „stufig“ ist – im Unterschied zu „Déclaration“ mit eher fließenden Übergängen. In der Herznote sind beide Düfte weiterhin eng verwandt, die Unterschiede sind aber dennoch am größten. Die blumigen und gourmandigen Akkorde rücken „Eau d’Hermès“ stärker in Richtung Unisex als den Cartierduft. Was nicht heißen soll, dass der nur für Männer geeignet ist. In der Basis gleichen sich die Düfte wieder stärker an – wobei „Déclaration“ auf den durchaus großzügigen Zibeteinsatz des Hermesduftes verzichtet.
Ich denke, an solch alten Düften, egal für wie konzeptionell modern ich die nun halte oder nicht, ist gut zu erkennen, wie sich unser Hygieneverhalten verändert hat. Napoleon schrieb Joséphine, sie möge sich bis zu seiner Rückkehr nicht mehr waschen, denn er sei bereits auf dem (mehrwöchigen) Rückweg. In den 50er Jahren zu Zeiten der Markteinführung von „Eau d'Hermès“ war wohl eher das Samstagsbad üblich, unter der Woche musste das Waschbecken reichen. Wie viel unempfindlicher dürften die Menschen gegenüber animalischen Gerüchen gewesen sein. Was für uns heute grenzwertig tragbar bis untragbar ist, war damals vermutlich eher eine Abrundung, um den Duft nicht zu klinisch rein erscheinen zu lassen. Denn bei allen Hinweis auf „animalisch“: Es ging und geht nie darum, wie ein Tier zu riechen – sondern menschlich, körperlich. „Eau d'Hermès“ schafft dies mit der Kombination Zibet und Cumin (Kreuzkümmel), was doch ein wenig an (frischen!) Schweiß erinnert. Jean-Claude Ellena übersetzt diese Körperlichkeit in die Kombination Cumin mit Iso E Super. Letztere Komponente riecht zwar für sich nicht animalisch-menschlich, verstärkt aber den Eigengeruch des Trägers. Also eine Art „moderne körperliche Note“.
Die sehr großzügige Verwendung des Iso E Supers erklärt eventuell auch, warum „Déclaration“ im Vergleich zum Hermès-Duft weniger stringent und klar wirkt – die verschiedenen Komponenten sind nicht so differenziert herausgearbeitet, wie wir es von jüngeren Ellena-Düften kennen. Da Iso E Super wie ein Duftverstärker wirkt, verschwimmen vermutlich deswegen die unterschiedlichen Noten, da auch nach dem eigentlichen Abklingen eines Akkordes die Reste noch lange präsent sind. Der jüngere Duft ist durchaus luftiger, transparenter, aber der ältere eindeutig klarer und stringenter. Heute beherrscht Ellena das Werkzeug Iso E Super in Perfektion. So ist „Déclaration“ als Zwischenstufe zu sehen, als Entwicklungsschritt hin zu Ellenas eigenem heutigen Stil, der Verbindung der Charakteristik beider Düfte: Minimalismus, Transparenz und Stringenz.
Ich startete diesen Kommentar mit einem Hinweis auf den Thread Intertextualität. Und möchte auch damit schließen. Mit einem sehr persönlichen Statement. Aussage. Déclaration. Dieser Thread hat mir nicht nur sehr viel Spaß gemacht. Ich habe darüber die große Liebe meines Lebens gefunden. Nein, ich meine kein Parfum. Sondern Louce. Meine Louce.
„Déclaration“ – Aussage, Statement: Ich verstehe diesen Duft durchaus als ein Statement Ellenas, mit dem eine Richtung gewiesen wurde hin zu mehr Transparenz und aufgeräumter Duftpyramide. Dieses Credo, was wir heute sofort mit seinem Namen in Verbindung bringen, wurde ihm gelehrt von Edmond Roudnitska. Und so finde ich es spannend, beide Düfte auf diese Charakteristik hin zu vergleichen.
„Déclaration“ verwendet im Großen und Ganzen die gleichen Akkorde wie die Referenz. Die Kopfnote ist ergänzt um Orange, was zu einem etwas wärmeren Eindruck führt. Sehr schnell kommt die Herznote zum Tragen, deutlich schneller als bei „Eau d’Hermès“, wo der Übergang zur Herznote sehr „stufig“ ist – im Unterschied zu „Déclaration“ mit eher fließenden Übergängen. In der Herznote sind beide Düfte weiterhin eng verwandt, die Unterschiede sind aber dennoch am größten. Die blumigen und gourmandigen Akkorde rücken „Eau d’Hermès“ stärker in Richtung Unisex als den Cartierduft. Was nicht heißen soll, dass der nur für Männer geeignet ist. In der Basis gleichen sich die Düfte wieder stärker an – wobei „Déclaration“ auf den durchaus großzügigen Zibeteinsatz des Hermesduftes verzichtet.
Ich denke, an solch alten Düften, egal für wie konzeptionell modern ich die nun halte oder nicht, ist gut zu erkennen, wie sich unser Hygieneverhalten verändert hat. Napoleon schrieb Joséphine, sie möge sich bis zu seiner Rückkehr nicht mehr waschen, denn er sei bereits auf dem (mehrwöchigen) Rückweg. In den 50er Jahren zu Zeiten der Markteinführung von „Eau d'Hermès“ war wohl eher das Samstagsbad üblich, unter der Woche musste das Waschbecken reichen. Wie viel unempfindlicher dürften die Menschen gegenüber animalischen Gerüchen gewesen sein. Was für uns heute grenzwertig tragbar bis untragbar ist, war damals vermutlich eher eine Abrundung, um den Duft nicht zu klinisch rein erscheinen zu lassen. Denn bei allen Hinweis auf „animalisch“: Es ging und geht nie darum, wie ein Tier zu riechen – sondern menschlich, körperlich. „Eau d'Hermès“ schafft dies mit der Kombination Zibet und Cumin (Kreuzkümmel), was doch ein wenig an (frischen!) Schweiß erinnert. Jean-Claude Ellena übersetzt diese Körperlichkeit in die Kombination Cumin mit Iso E Super. Letztere Komponente riecht zwar für sich nicht animalisch-menschlich, verstärkt aber den Eigengeruch des Trägers. Also eine Art „moderne körperliche Note“.
Die sehr großzügige Verwendung des Iso E Supers erklärt eventuell auch, warum „Déclaration“ im Vergleich zum Hermès-Duft weniger stringent und klar wirkt – die verschiedenen Komponenten sind nicht so differenziert herausgearbeitet, wie wir es von jüngeren Ellena-Düften kennen. Da Iso E Super wie ein Duftverstärker wirkt, verschwimmen vermutlich deswegen die unterschiedlichen Noten, da auch nach dem eigentlichen Abklingen eines Akkordes die Reste noch lange präsent sind. Der jüngere Duft ist durchaus luftiger, transparenter, aber der ältere eindeutig klarer und stringenter. Heute beherrscht Ellena das Werkzeug Iso E Super in Perfektion. So ist „Déclaration“ als Zwischenstufe zu sehen, als Entwicklungsschritt hin zu Ellenas eigenem heutigen Stil, der Verbindung der Charakteristik beider Düfte: Minimalismus, Transparenz und Stringenz.
Ich startete diesen Kommentar mit einem Hinweis auf den Thread Intertextualität. Und möchte auch damit schließen. Mit einem sehr persönlichen Statement. Aussage. Déclaration. Dieser Thread hat mir nicht nur sehr viel Spaß gemacht. Ich habe darüber die große Liebe meines Lebens gefunden. Nein, ich meine kein Parfum. Sondern Louce. Meine Louce.
10 Antworten
R0n vor 5 Jahren
Sehr guter Kommentar; schöne und interessante Sammlung auch
Sisyphos vor 12 Jahren
Großartig beschrieben!
Eternity vor 14 Jahren
mein Dauergrinsen wird nun auch noch von Tränen der Rührung begleitet. Hach, wunderschön!
FrauHolle vor 14 Jahren
*streu*
MariellaMmmh vor 14 Jahren
*seufzundschnief* Watt is datt schööööön!!! :-DDD
Baux vor 14 Jahren
Hach! :-) (Und der Kommentar ist übrigens auch toll)
ShinyAbraxas vor 14 Jahren
Wie wunderbar so etwas zum beginnenden Feierabend lesen zu dürfen! Chapeau für den Kommentar und Glückwünsche für Euch.
Jifat vor 14 Jahren
Das ist ja eine erfreuliche Nachricht: Düfte bringen die Herzen zusammen. Wie schön. Herzlichen Glückwunsch!
Callas vor 14 Jahren
Schade, dass man in dem Fall keinen Pokal abstellen kann ;-) *seufz*
Lilienfeld vor 14 Jahren
WOW!!Can there be a more beautiful decleration of love???

