Frosted Moon Lune de Givre Cloon Keen Atelier 2013
21
Top Rezension
Irland-Iris. Nicht für den Reiseführer
Taufrische Wiese, silbernes Mondlicht, Geister, Kraut, ein paar Schafe drängen sich zusammen. So würde das Irland-gepägte Stereotyp zum Duft der Galwayer Parfumeure schon aussehen können. Rauhe (Meer-)Luft und Feenstaub. Tanz in der Brise. Herbe ätherische Schönheit, die nicht auf Szenenapplaus aus ist. Trotz der fast kratzigen Angelika und den überwiegenden Grünkomponenten dringt die Iriswurzel strahlend und schimmernd durch wie Licht - tags die Sonne, nachts der Mond - durch einen wolkenverhangenen Himmel. Die Insel der tausend Grüns, natürlich. Von samtigem Moos bis zu sich über den Klippen im Wind wiegenden Gräsern und Sträuchern ist alles dabei. Narzissen fallen mir auch ein, Farbtupfer, ein kurzer Regen und wieder durch die Wolken fallende Sonnenstrahlen. Das findet sich alles in diesem Duft wieder, der changiert zwischen milchig-krautig und flimmerndem Lichteffekt und der irgendwie die erdnahe Unwirklichkeit von Monlicht zu spiegeln scheint.
Sowas ist im Mainstream nicht unterzubringen. Auch nicht im Reiseführer. Frosted Moon/ Lune de Givre ist nicht so ganz die Touristenschiene sondern eher das versteckte moderne wie auch keltische Irland, von mir aus auch Kobolde und Trolle und Feen und als Panorama die verfallenen mit etwas Gras bewachsenen Cottages. Irgendwo liegt ein rostiges Auto herum und die Leute sind wegen der Arbeit längst weggezogen. Hinter einem Tor bellt ein Hund. Die Stadt hingegen ist belebt, die Leute dort sind freundlich.
Der Galway-Duft ist das Gegenteil von opulent, die Iris trocken, dabei stiebt etwas Feuchtigkeit und sattes Kraut durch die Fläche des Duftbildes. Der Duft bleibt linear, lediglich am Anfang ist er harsch-würzig und etwas karottig, während er sich am Ende in eine weiche helle Moschusfläche wandelt, die weich an der Haut liegen bleibt. Das Herbe bringen meisterlichverknüpft Engelwurz, Galbanum und Vetiver, das Hintergründige, das jenseits des Horizonts, die andere Seite verkörpert olfaktorisch die Iriswurzel, die so oft, und besonders hier, einen verzaubernden Glanz mit sich führt, einen Sog, aber auch einen eisigen Ernst, ihre Himmelsphäre ist strahlend, aber kalt. Ein Regenbogen.
Die sieht man aufgrund der klimatischen Bedingung und des wechselndes Wetter in Irland übrigens oft, also sicher kein Zufall, dass die Parfumeure aus Galway einen ganz wunderbaren Duft um die Regenbogengöttin Iris gruppiert und dem silbernen Mond gewidmet haben.
Trotz dieser meiner von der Irland-Romantik und vielleicht auch von Heinrich Böll angehauchten Assoziationen ist der Duft abstrakt und modern und auch ein wenig ungemütlich hinter der Fassade.
Der Duft schafft es gut, nicht zu überdrehen und die Haltbarkeit so zu wahren, dass er den ganzen Tag hintergründig aber deutlich merkbar bleibt. Ich finde ihn gar nicht leicht, auch nicht einfach, sondern sehr vielschichtig und trage ihn deshalb wahnsinnig gern. Er schafft für mich olfaktorische Identifikationsflächen, die nicht beschreibbar sind über Duftnoten oder Bilder. Habs trotzdem versucht, es ist, wie immer nur ein Ausschnitt.
Obwohl er frisch-grün-krautig auch für Männer natürlich geeignet ist, passt der Raureif-Mond doch etwas besser zu Frauen, meint AugustA. Auf jeden Fall ein Duft für alle, die Schimmer, doppelten Boden und doch was Echtes suchen, denn Feen-Fantasy oder Irland-Kitsch ist er so gar nicht.
Sowas ist im Mainstream nicht unterzubringen. Auch nicht im Reiseführer. Frosted Moon/ Lune de Givre ist nicht so ganz die Touristenschiene sondern eher das versteckte moderne wie auch keltische Irland, von mir aus auch Kobolde und Trolle und Feen und als Panorama die verfallenen mit etwas Gras bewachsenen Cottages. Irgendwo liegt ein rostiges Auto herum und die Leute sind wegen der Arbeit längst weggezogen. Hinter einem Tor bellt ein Hund. Die Stadt hingegen ist belebt, die Leute dort sind freundlich.
Der Galway-Duft ist das Gegenteil von opulent, die Iris trocken, dabei stiebt etwas Feuchtigkeit und sattes Kraut durch die Fläche des Duftbildes. Der Duft bleibt linear, lediglich am Anfang ist er harsch-würzig und etwas karottig, während er sich am Ende in eine weiche helle Moschusfläche wandelt, die weich an der Haut liegen bleibt. Das Herbe bringen meisterlichverknüpft Engelwurz, Galbanum und Vetiver, das Hintergründige, das jenseits des Horizonts, die andere Seite verkörpert olfaktorisch die Iriswurzel, die so oft, und besonders hier, einen verzaubernden Glanz mit sich führt, einen Sog, aber auch einen eisigen Ernst, ihre Himmelsphäre ist strahlend, aber kalt. Ein Regenbogen.
Die sieht man aufgrund der klimatischen Bedingung und des wechselndes Wetter in Irland übrigens oft, also sicher kein Zufall, dass die Parfumeure aus Galway einen ganz wunderbaren Duft um die Regenbogengöttin Iris gruppiert und dem silbernen Mond gewidmet haben.
Trotz dieser meiner von der Irland-Romantik und vielleicht auch von Heinrich Böll angehauchten Assoziationen ist der Duft abstrakt und modern und auch ein wenig ungemütlich hinter der Fassade.
Der Duft schafft es gut, nicht zu überdrehen und die Haltbarkeit so zu wahren, dass er den ganzen Tag hintergründig aber deutlich merkbar bleibt. Ich finde ihn gar nicht leicht, auch nicht einfach, sondern sehr vielschichtig und trage ihn deshalb wahnsinnig gern. Er schafft für mich olfaktorische Identifikationsflächen, die nicht beschreibbar sind über Duftnoten oder Bilder. Habs trotzdem versucht, es ist, wie immer nur ein Ausschnitt.
Obwohl er frisch-grün-krautig auch für Männer natürlich geeignet ist, passt der Raureif-Mond doch etwas besser zu Frauen, meint AugustA. Auf jeden Fall ein Duft für alle, die Schimmer, doppelten Boden und doch was Echtes suchen, denn Feen-Fantasy oder Irland-Kitsch ist er so gar nicht.
5 Antworten
Manogi vor 4 Jahren
1
Perfekt und wunderschön beschrieben. Ich glaube, ich habe einen neuen Signaturduft.
Yuki68 vor 6 Jahren
1
Den ganzen Tag bleibt er deutlich merkbar? Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Nach einer Stunde ist er kaum noch wahrnehmbar, nach zwei Stunden ist er komplett weg. Finito. Und das ist jammerschade, der ist nämlich wirklich schön!
Ergoproxy vor 7 Jahren
Die Marke ist interessant und der Duft klingt nach meinem Geschmack.
Yatagan vor 7 Jahren
3
Das klingt so, als müsse man die Marke mal genauer prüfen, denn auch Castana von Cloon Keen (LT-Tipp) war gut. Synthetisch sind die wohl alle ein bisschen, aber eben gut gemacht.
Aventurin vor 7 Jahren
Das klingt ganz bezaubernd! Sehr feiner Kommentar.

