Nicht weit von der dänischen Grenze entfernt liegen entlang der schleswig-holsteinischen Ostseeküste zwei Landschaften mit Namen Angeln und Schwansen. Getrennt werden sie durch einen Meeresarm namens Schlei, der sich von Kappeln bis nach Schleswig rund vierzig Kilometer durch sanfte Hügel und durch stille Felder zieht. Etwa auf halber Strecke - an einer ihrer schmalsten Stellen - gibt dort noch einen wunderbaren Anachronismus: die Klappbrücke von Lindaunis. Einmal stündlich fährt die Bummelbahn von Kiel nach Flensburg über diese Brücke, ansonsten - einspurig mit Ampel - nur die Autos von Rieseby nach Süderbrarup.
Ab und zu wird die Brücke aufgeklappt - tatsächlich noch von einem Wärter im Brückenhäuschen - um Schiffen die Durchfahrt zu gewähren. Die Autos warten dann so lange. Wenn viele Schiffe kommen, kann das ein Weilchen dauern - gestern Abend hab' ich eine knappe Viertelstunde dort gewartet. Zwangsentschleunigung. Abendsonne. Fenster runter. Motor aus. Es wird selten richtig heiß in Schleswig-Holstein - gestern vielleicht gut zwanzig Grad, und der Himmel, von dem es im Norden immer ein bisschen mehr zu geben scheint, war übersät mit zart graublauen Schäfchenwolken, die ohne Eile von Nord- in Richtung Ostsee zogen.
Und es roch nach Kräutern und nach warmer Erde, die entlang des Wassers ein lockerer Sandboden ist, nach frischem Blattwerk und saftigen Pflanzenstängeln - und es war eine blassblaue Frische dabei, die vom Wasser erzählt, aber nicht wirklich aquatisch ist. Und wenn ein Windstoß in die blühenden Heckenrosen fuhr, war da die Ahnung einer ganz zartfiedrigen Süße - sekundenlang nur, ehe die bittere Sprödigkeit der angewärmten Straße sie wieder forttrieb. Und beinahe bedauerte ich ein bisschen, als das letzte Schiff endlich vorbeigefahren war. Und genau so wie dort an der Klappbrücke von Lindaunis riecht Eau de Courrèges.
Fazit: scheue Schönheit in der zweiten Reihe. Und etwas weiter südlich gibt es mit der Fähre von Missunde noch eine weitere wunderbar altmodische Möglichkeit, die Schlei zu überqueren. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
Mal wieder ein schöner Kommentar von Dir. Danke fürs Auffrischen der Erinnerungen, es ist schon ewig her, dass ich dort oben wohnte.... Die Gegend ist wunderbar und strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Der Duft kommt nun erstmal auf die Merkliste...
Danke für die Reise an die Schlei! Vor zwei Wochen wartete ich an gleicher Stelle. Die 40km Schlei rauf und runter ist ein so wunderbares Fleckchen Erde. Bei jedem Ausflug dorthin denke ich es wieder. Und wenn ich das nächste Mal gerne dort wäre, um einen Kaffee am Hafen mit den kleinen Fischerbooten in Arnis zu trinken und nicht hin kann, folge ich deinem kommentierten Duft. Danke!
Eau de Courrèges trag ich immer wieder gerne. Ich habe jetzt eine Vorstellung wie es an der Brücke von Lindaunis duftet, obwohl ich noch nie in dieser Gegend war. Gefallen tät`s mir dort - da bin ich mir fast sicher!