The Afternoon of a Faun von Etat Libre d'Orange

The Afternoon of a Faun 2012

Augusto
18.04.2018 - 16:36 Uhr
14
Sehr hilfreiche Rezension
7Duft 7Haltbarkeit 7Sillage 9Flakon

Faun an Liebstöckel

Grün würzig, sehr kräftiges Kraut, ein wenig liebstöckelartig kommt es mir vor, mit Torf und Rinde und einem Spritzer Zitrone.
Gleich von Anfang an dunkelgrün wie der Faun, der auf Debussys Ballet-Bühne springt.

AugustA gefallen dazu die Bilder von Vaslav Nijinksky in der Aufführung von 1900 (!) choreografiert von Sergei Diaghilev. Ein schwarz-weiß-Duft in Grün sozusagen.

Der Faun ist nun also in der Szenerie. Was nun? Legt er sich auf der Wiese oder im Moos des Bätterwalds zur Ruhe? Oder verführt er gleich das schlafende Mädchen auf der Lichtung, an das er sich heranpirscht? Macht er sich jetzt über eine Nymphe her? Es scheint noch alles möglich in den ersten 10 Minuten des Duftes.

Ja, so riecht er sicher dieser Faun, den wir von so einigen Gemälden kennen, mit oder ohne Mädchen, oder Flöte. Erdverbunden, poetisch-verträumt. Penetrant. So ein echter Ziegenbock riecht nämlich auch immer ein wenig kräftig, ein halber aus der Mythologie schon gleich umso mehr. Auch grün-blätterig aromatisch muss der riechen. Wie Laub, das schon eine Weile am Boden liegt, im Wald eben. Und die frische Waldluft, die darüber fegt. Freie Natur. Wo gibt’s denn sowas?

Also die Fanatasie regt er jedenfalls an. Ob mehr durch den hübsch gewählten Titel oder den Duft selbst ist und bleibt mir bis zuletzt noch unklar.
Denn irgendwann ist er einfach weg. Vorhang.

Zurück bleibt der Eindruck:
Ziegenbock, garniert mit Liebstöckel. Seltsam. Und das ist erst mal gut.
Aktualisiert am 19.04.2018 - 15:55 Uhr
5 Antworten
TrobaidizTrobaidiz vor 1 Jahr
Habe ihn getestet und war enttäuscht…. Ja, das Grüne, mais encore? Nach der sehr eindeutigen Musikalischen Interpretation von Debussy und noch mehr nach dem Ballett, erwartete ich etwas mehr „Bockigkeit“, faunisches, animalisches, vielleicht mit Cumin… Es wäre aber dann vielleicht nicht mehr als Parfum zu tragen… ?… aber als olfactive Parallel/Begleitung zur Musik.
AugustoAugusto vor 1 Jahr
Danke fürs Lesen und Dein Erlebnis! Ich fand ihn schon recht sperrig damals. Aber vielleicht würde er im Vergleich mit Debussy noch etwas mehr davon vertragen. Bei Gelegenheit solte ich ihn wohl mal wieder testen.
MefunxMefunx vor 5 Jahren
2
Ganz überzeugt bin ich auch nicht. Liebstöckel kann ich gut nachvollziehen. Ich mag Strohblume ja, aber hier nervt sie mich schnell. Der Name ist schön, kein Zweifel.
PaloneraPalonera vor 7 Jahren
Dich hat er ganz offensichtlich erreicht, unser Faun. Das Liebstöckelig-Würzige hat der Duft vor allem der Immortelle (Strohblume) zu verdanken - sie läßt einen Duft immer ein wenig gekippt wirken, wenn man nicht genau weiß, daß sie drin ist und es genau so riechen soll.
PlutoPluto vor 7 Jahren
Ich fand den Faun recht scheusslich, ich hab später sogar überlegt, ob mein Pröbchen gekippt war.... :o)