The Afternoon of a Faun 2012

The Afternoon of a Faun von Etat Libre d'Orange
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7.3 / 10 185 Bewertungen
The Afternoon of a Faun ist ein Parfum von Etat Libre d'Orange für Damen und Herren und erschien im Jahr 2012. Der Duft ist würzig-grün. Es wird noch produziert. Der Name bedeutet „Der Nachmittag eines Fauns”.
Aussprache
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Duftrichtung

Würzig
Grün
Blumig
Chypre
Harzig

Duftnoten

ImmortelleImmortelle MoosMoos RoseRose BergamotteBergamotte IrisIris namibische Myrrhenamibische Myrrhe WeihrauchWeihrauch BenzoeBenzoe JasminJasmin LederLeder PfefferPfeffer ZimtZimt

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.3185 Bewertungen
Haltbarkeit
7.8140 Bewertungen
Sillage
6.7147 Bewertungen
Flakon
7.1131 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.023 Bewertungen
Eingetragen von Kankuro, letzte Aktualisierung am 14.03.2024.

Rezensionen

13 ausführliche Duftbeschreibungen
6
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
SchatzSucher

107 Rezensionen
SchatzSucher
SchatzSucher
Top Rezension 56  
Zum 100. ein paar Gedanken über Faune und ELdO
Die Marke Etat Libre d´Orange hat gerade einmal 14 Jahre auf dem Buckel und weist doch schon ein recht beachtliches Duftspektrum auf. Derzeit sind 43 Düfte hier gelistet, ich kenne immerhin 11 von ihnen. Diese Marke habe ich erst hier in meiner aktiven Zeit auf Parfumo kennengelernt.

Etat Libre d´Orange wurde im Jahre 2006 regelrecht proklamiert durch Etienne de Swardt, der das Jahr als das Jahr Null der Parfumkunst bezeichnet hat. Man betrachtet sich als virtuelle Nation, als Staat, in dem Duft-Freigeister ihre Kreationen völlig als Kunst auffassen und ihre Werke einfach ihren Inspirationen folgend erschaffen. Das unterscheidet sie doch sehr von den austauschbaren Reißbrettdüften, die sich im Designerbereich immer mehr ausbreiten.
Der Name des Dufthauses leitet sich vom Oranje-Freistaat ab, eine unabhängige Burenrepublik in Südafrika, die zwischen 1854 und 1902 existierte. Etienne de Swardt ist in Pretoria zur Welt gekommen, daher ist der Name nicht ganz zufällig gewählt.
Über die leidvolle Geschichte Südafrikas möchte ich mich nicht auslassen, das würde hier den Rahmen sprengen und hier ist auch nicht die richtige Plattform dafür.

Diese Marke macht mit sehr unkonventionellen Düften mit ebenso unkonventionellen Namen auf sich aufmerksam. Dem Vernehmen nach soll Sécrétions Magnifiques einer der schrecklichsten Düfte überhaupt sein. Ich kenne ihn nicht, habe aber schon so einiges über ihn gelesen. Er wäre kein Duft, den ich mir unbedingt auf die Merkliste setzen müßte.
Nun kam mir vor kurzem eine kleine und sehr interessante Testreihe in die Hände und ich nutzte die Gelegenheit, mich ausgiebig mit den Düften zu beschäftigen.
Von den getesteten Düften hat The Afternoon of a Faun am meisten Eindruck auf mich gemacht.
Und ich dachte ich könnte ein paar Zeilen zu dem Duft schreiben.

Der Duft ist ganz um die Immortelle aufgebaut. Die Immortelle oder Strohblume gehört zu den Korbblütengewächsen und zeichnet sich durch einen charakteristischen Duft aus. Ich möchte den Duft als kräftig würzig, aromatisch und curryähnlich bezeichnen. Ich empfinde den Duft auch als sehr trocken, etwas angestaubt und medizinisch. Auf jeden Fall recht eigenwillig und nicht jedermanns Sache.
Die Immortelle bleibt auch den gesamten Verlauf hindurch tonangebend. Wer mit dieser Duftnote nichts anfangen kann, wird mit diesem Duft auch nicht glücklich.
Zur Strohblume gesellen sich noch einige andere florale Noten, die aber nur sparsam eingesetzt sind und im Hintergrund bleiben. Harzige Würze bringt sich noch mit ein und verleiht dem Duft einen warmen Unterton. Grünlich wird es auch, Moos bringt einen gewissen dumpfen und knarzigen Hauch mit. Und eine Spur Zimt gibt eine bittersüße Note dazu.
Das alles ist sehr gekonnt miteinander verwoben, denn ich kann bei diesem Duft keine wirkliche Kopf-, Herz- oder Basisnote ausmachen. Die Noten fügen sich alle zusammen und umspielen die Hauptakteurin Immortelle und geben ihr einen spannenden Rahmen.
Der Duft zeigt leichte Anklänge eines Chypreduftes, eine Richtung, der ich nach wie vor sehr gewogen bin.
Im Laufe verändert sich der Duft nur noch ein wenig, er wird etwas tiefer und eine Note, die mich an Maggi erinnert, bringt sich ins Spiel. Das ist jetzt nicht direkt unangenehm, doch sind Düfte, die mich zu sehr an Küchengewürze oder -kräuter erinnern, nicht so ganz meine bevorzugte Richtung.
Insgesamt ist der Duft nicht schwer oder düster, auch wenn ich seine Sperrigkeit nicht verleugnen kann.
Die Haltbarkeit ist mit gut 10 Stunden sehr gelungen, im Laufe der ersten Stunde wird der Duft allerdings recht hautnah. Die etwas leiseren Töne, die hier angeschlagen werden, finde ich hier aber sehr passend.
Was hat das Ganze jetzt mit einem Faun zu tun? Ein Faun ist eine Gottheit der Natur und des Waldes, Beschützer von Bauern und Hirten, des Viehs und der Äcker. Im Auftreten als Mischwesen aus Mensch und Ziegenbock soll er über die Fruchtbarkeit von Mensch, Tier und Pflanzen schützend überwachen.
The Afternoon of a Faun hat man dem gleichnamigen Gedicht von Stéphane Mallarmé nachempfunden, welches von Claude Debussy zu einem Musikstück verarbeitet wurde. Dieses wiederum ist 1912 als Ballett uraufgeführt worden. Furios choreografiert und getanzt von Vaslav Nijinsky wurde es zu einem Skandalerfolg, da es mit sexuellen Anspielungen nur so gespickt war. Undenkbar zu der damaligen Zeit.
Dieses Stück erzählt von einem Faun, der aus seinem Nachmittagsschlaf erwacht und davon erzählt, was er tagsüber erlebt hat. Möglicherweise waren es auch nur Träume.

Mit diesem Duft möchte man an dieses Werk erinnern. Das ist recht gut gelungen, wie ich finde. Der Duft tritt insgesamt ein wenig bockbeinig auf und mit diesem Mix aus herben, floralen, würzigen und leicht animalisch anmutenden Noten interpretiert er diese etwas surreale Stimmung des Stückes recht gut, auch wenn ich ihn nicht als skandalös empfinde.
Ein Kaufkandidat wird der Duft allerdings nicht, da er zwar sehr gut ist, aber er wäre ganz sicher einer dieser Düfte, die kaum getragen werden. Somit bleibt es eine sehr interessante und bereichernde Testerfahrung und ich danke Ergoproxy sehr für die Testmöglichkeit.

Und mit dem 100. Kommentar wollte ich gern über einen sehr beeindruckenden Duft berichten.

Danke für die Aufmerksamkeit bis hierhin!
43 Antworten
Palonera

467 Rezensionen
Palonera
Palonera
Top Rezension 40  
Hommage an Nijinsky
Achteinhalb Jahre und noch ein wenig mehr ist es her, seit Vaslav Nijinsky in mein Leben trat.
Oder tanzte, um genau zu sein.
Ich hatte mich gerade einer größeren Hüftoperation unterziehen müssen und mehrere Wochen Bettlägerigkeit vor mir - eine betrübliche Aussicht für mich und vermutlich der Auslöser für eine leicht exzentrische, eher der Theaterbühne als dem heimischen Wohnzimmer zugetane Freundin, mir mit den Worten "Komm schnell wieder auf die Beine!" Romola Nijinskys Biographie ihres Mannes in die Hand zu drücken.
Ich habe bis heute nicht herausgefunden, ob die Bemerkung ironisch gemeint war oder ob die Gute tatsächlich glaubte, der Gott des Tanzes werde meine Heilung beflügeln – in jedem Fall verdanke ich ihr die wenn auch nur papierne Begegnung mit einer Persönlichkeit, die mich die vielgelobte "Gnade der späten Geburt" verfluchen ließ, denn zu gern hätte ich Vaslav Nijinsky ein einziges Mal nur auf der Bühne gesehen.
Hätte zu gern seine Wandlungsfähigkeit und Virtuosität erlebt, seine Grazie bewundert und den Atem angehalten angesichts seiner schwerelosen Sprünge, die scheinbar in der Luft zu verharren schienen, hätte den Skandal verfolgen wollen während der Premiere seiner ersten eigenen Choreographie, dem "Nachmittag eines Fauns", dessen unverstellt erotischer Ausdruck die Zuschauerinnen in Ohnmacht sinken und Kritiker nach der Polizei rufen ließ.

Ich war zu spät.
Mehr als achtzehn Jahre, nachdem für Nijinsky der letzte Vorhang gefallen war, öffnete er sich zum ersten Mal für mich.
Keine Chance mehr, den tagträumenden Faun in natura zu erleben, nicht mit Nijinsky in der Hauptrolle – keine Chance, jene Symbiose aus Genie und Wahnsinn zu spüren, die Nijinsky ebenso in den Himmel hob wie in die tiefste Hölle trieb.
Zerfressen von Schizophrenie, Neurosen und Psychosen verbrachte Nijinsky einen großen Teil seiner zweiten Lebenshälfte in psychiatrischen Kliniken in der Schweiz, bevor er 1945 mit seiner Frau nach London ging und dort fünf Jahre später starb.

An all dies und noch viel mehr muß ich denken, als mir der Zufall, das Schicksal oder einfach ein edler Spender diesen Duft in die Hände spielt – unmöglich, beim Namen dieses Parfums nicht an Nijinsky zu denken, unmöglich, die Assoziationskette zu unterbrechen, die vom ersten Augenblick an in Gang gesetzt wird.
Was wird geschehen, wenn dieser Duft meine Haut berührt?
Wird Nijinskys Geist aus der Flasche fahren, ungezügelte Lust verströmend in seiner halb menschlichen, halb animalischen Paraderolle, wird meine Umgebung die Nase rümpfen und fortan mit dem Finger auf mich zeigen?
"État libre d'Orange" sind bekannt für ihre Skandalwässerchen – wird dieses meinem Ruf endgültig den Garaus machen?

Vier lange Tage hat es gebraucht, "The Afternoon of a Faun" Atemzug um Atemzug zu entdecken, zu verstehen und zugleich zu mißverstehen, zu erleben und jedes Erlebte in sein Gegenteil zu verkehren, dem Weg zu folgen und in die Irre zu gehen, umzukehren und neu zu beginnen, noch einmal und noch einmal.
Kein Duft hat mich bisher in so große Verwirrung bis hin zur Verzweiflung gestürzt wie Ralf Schwiegers Nachmittag eines Fauns, niemals zuvor habe ich ebenso sehr an meiner Nase wie an der Qualität des Testmusters wie letztlich an meinem Verstand gezweifelt.
Noch immer bin ich nicht am Ziel, doch ein wenig scheine ich verstanden zu haben von dieser Hommage an Nijinsky – denn nichts anderes kann dieser Duft sein.

"The Afternoon of a Faun" ist der mit Abstand tagesform- und temperaturabhängigste Duft, den ich jemals unter der Nase hatte.
Dabei ist der Auftakt auf meiner Haut stets in etwa derselbe: Eine helle, wässrige Rosenknospe erblüht vor dem Hintergrund hellgrüner Schleier und vermischt sich alsbald mit fruchtig-süßen, mädchenhaften Noten.
Fein ist das, nymphenhaft jung und unschuldig – doch schon drängt die Strohblume nach vorn, schlägt blumig-würzige Tasten an, die dort, wo meine Haut am wärmsten ist, eine derartige Intensität gewinnen, daß ich verschreckt befürchte, es mit einer gekippten Probe zu tun zu haben.
Schon will ich am ersten Tag den Test unterbrechen, den merkwürdigen Geruch von der Haut waschen und die Probe entsorgen – als mir in der Bewegung der Duft vollerblühter Rosen entgegenkommt, klar und transparent und doch noch geprägt von jener fruchtigen Süße, die die ersten Takte begleitet hat.
Ich zögere, ich schnuppere, ich vergleiche – und tatsächlich: Je wärmer die besprühte Hautstelle, desto ausgeprägter sind die würzigen, braungrünen, sehr trockenen Aspekte, während kühlere Areale die Rose erhalten und sie mit dunkelgrünen, feinherben Akzenten versetzen, wie ich sie aus klassischen Chypredüften kenne.
Auch hier gesellen sich im Laufe der Stunden trocken-würzige Noten hinzu, die ich der Strohblume zuordne, ohne jedoch auch nur im Ansatz nach Dominanz zu streben.

Am Ende dieses ersten Tages glaube ich, "The Afternoon of a Faun" verstanden zu haben – um tags darauf nach vollbrachter Gartenarbeit eine höchst unangenehme Überraschung zu erleben:
Kaum will sich unmittelbar nach dem Aufsprühen das Bild der erblühenden Rose vor meinem geistigen Auge einstellen, als die zarte Pflanze bereits von der Wucht übermächtiger, staubtrockener Würze erdrückt wird und der Liebste die Nase rümpft: "Ich glaube, Du trägst da etwas Gekipptes – das riecht gar nicht gut!"
Das stimmt – doch eingedenk meiner vorhergehenden Erfahrung und unter Berücksichtigung des Umstandes, daß meine Haut nach körperlicher Arbeit besonders warm sein muß, will ich die Flinte noch nicht ins Korn werfen und verordne mir weitere Tests, diesmal bei niedrigeren Temperaturen.
Diese bestätigen, was ich bereits geahnt hatte: Je niedriger Haut- und Außentemperatur, desto präsenter sind die Rosen- und Chypreakkorde, die bei aller lichten Transparenz doch eine bemerkenswerte Dichte aufweisen und in denen sich Schwerelosigkeit und Bodenhaftung zu einem für mich neuen und sehr spannenden Dufterlebnis verbinden.
Im Hochsommer dürfte mich dann wohl eine überdimensionierte Gewürzkeule niederstrecken...

Ich kann nicht sagen, inwieweit diese doch sehr unterschiedlichen Entwicklungen gewollt oder meiner Haut geschuldet sind – in jedem Fall läßt sich sowohl die verspielte, unschuldig kokettierende Leichtigkeit der Nymphen wie auch das Animalisch-Ungehobelte des lüsternen Fauns in die Performance des Duftes interpretieren, scheinbare Gegensätze, die dennoch Seite an Seite existieren können.
Zumindest an mir, auf meiner Haut.
Und noch lange habe ich nicht wirklich das Gefühl, "The Afternoon of a Faun" auch nur ansatzweise verstanden zu haben.
Was Nijinsky wohl dazu gesagt hätte?
22 Antworten
10
Flakon
5
Sillage
10
Haltbarkeit
9
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 34  
Beeindruckend und schön, aber etwas verkopft
Meine Güte, einem Duft mit so vielen Bezügen begegnet man selten: Mallarmés Gedicht, Debussys Vertonung, das „Ballets Russes“, dessen Gründer Diaghilev und seine Vorliebe für „Mitsouko“ sowie der Tänzer Nijinsky (Diaghilevs langjähriger Lebenspartner) der den Faun tanzte...
Wer das alles in einen Duft packen möchte, der hat wahrlich etwas vor!
Ralf Schwieger hat es gewagt, unter Mithilfe von Mx. Justin Vivian Bond, einer Transgender-Künstlerin aus New York, die einen gewissen Underground-Kultstatus genießt.
Welchen Anteil jedoch Mx. Bond ( nicht Mr. und auch nicht Mrs., nein Mx.!) am Zustandekommen von „The Afternoon of a Faun“ hat, bleibt zunächst unklar, ich vermute jedoch keinen entscheidenden.
Wie auch immer, Ralf Schwieger hat jedenfalls einen Duft geschaffen der es in sich hat: ein kräftiges Chypre (als hätte es nie ein Eichenmoos-Verdikt gegeben) voller markanter Kontraste. Einerseits eine dunkle, üppig blühende Rose, akzentuiert von jeder Menge roter Beeren (mir persönlich ein paar zu viele) und andererseits das satte, holzig-moosige, leicht rauchige und harzige Aroma eines dichten Waldes. Zwischen diesen Polen changiert der Duft, wobei sich der Rose/Beeren-Akkord zunächst sehr dominant entfaltet, ohne jedoch ins Liebliche abzudriften – dafür sorgt allein schon die bitter-herbe Basis mit ihrem Chypre-typischen Charakter.
Später, im weiteren Duftverlauf verblasst der zentrale Rosenakkord zugunsten einer sich immer deutlicher entwickelnden Immortellen-Note. Hier nun - wenn nicht schon früher – werde manche beginnen diesen Duft problematisch zu finden. Die Immortelle ist eben nicht jedermanns und jederfrau Sache: man denke nur an Düfte wie Diors „Eau Noire“ oder Annick Goutals „Sables“. Für die einen stellt sich zuverlässig die Assoziation Curry/Safran/Indisches Restaurant ein, bei anderen entsteht vielmehr das Bild blühender Macchia-Büsche an den Stränden Korsikas, oder anderer Mittelmeer-Regionen.

Ob nun so, oder so, der herben, staubig-trockenen, leicht stechenden Würzigkeit der Immortelle (der - obwohl eine Blume - so überhaupt nichts florales anhaftet) wird jedenfalls meist mit kräftigen Karamell-Noten begegnet – Annick Goutals wunderbares „Sables“ führt es exemplarisch vor. Dadurch entsteht ein für mein Empfinden sehr schöner, trocken-süßer, aromatischer und ausgesprochen charakteristischer Akkord, der aber nicht besonders gefällig ist – man muss ihn wirklich mögen.
Hier nun aber wird die Immortelle, ähnlich wie bei Divines „L’Être Aime Homme“ eher ungesüßt und mit all ihren Curry-ähnlichen Nuancen eingeführt, im Schatten einer verblassenden Rose, auf einem den Duft immer stärker dominierenden bitter-herben Chypre-Fond.
Etwas Restsüße bleibt zwar von den roten Beeren erhalten und auch einige Harze wie Labdanum, Myrrhe und Benzoin lassen den finalen Duftverlauf nicht vollends ins übermäßig trocken-herbe abgleiten, aber spätestens hier wird „The Afternoon of a Faun“ zu einer ziemlich gewöhnungsbedürftigen Angelegenheit, die viele Chypre-ungeübten Nasen doch einigermaßen ratlos zurücklassen dürfte.
Diejenigen aber, die nicht genug von der komplexen und kontrastreich duftenden Chypre-Welt bekommen können, ihnen sei „The Afternoon of a Faun“ dringend empfohlen – es hat lange gedauert bis ein solcher Duft, den Vorgaben der IFRA zum Trotz, erneut das Licht der Welt erblicken konnte („Chypre Palatin“ ist ein ähnlicher Fall, nur viel weicher, polierter).

So schön und spannend der Duft auch ist, wage ich dennoch zu bezweifeln, dass er besondern Erfolg haben wird, denn er führt direkt in eine längst vergangene Zeit zurück, in der überaus vielschichtige und von großen Gegensätzen geprägte Düfte à la „Mitsouko“ und „Bandit“ en vogue waren und noch lange nicht die von Begriffen wie „weißer Moschus“ und „blondem Holz“ geprägte heutige Duft-Mode.
Nun ist der Duft aber gewiss auch nicht für den Massenmarkt bestimmt, und Ralf Schwieger dürfte klar gewesen sein, dass er auf selbigem mit diesem Werk auch nicht den kleinsten Blumentopf gewinnen würde. Aber selbst für eingefleischte Chypre-Fans stellt der Duft eine ziemliche Herausforderung dar, denn es mangelt ihm in gewisser Weise an versöhnlichen Elementen. Nicht dass er durch und durch harsch und unfreundlich wäre, nein, das ist er nicht, aber es wohnt ihm auch keine wirkliche Sinnlichkeit inne, keine Erotik, die mit der kühlen Intellektualität versöhnen würde. Und ja, das ist er: der Duft ist von Intellekt durchdrungen, von literarischen und auch von musikalischen Bezügen, aber sosehr er auch manch großen Klassiker von einst zitiert, deren letztlich doch innewohnende Wärme, aller Kontraste und Reichhaltigkeit zum Trotz, deren manchmal animalische Sinnlichkeit erreicht er nicht.

Ein schwieriger Duft, der mich dennoch beeindruckt und der in der Palette der ELDO-Düfte einen würdigen, irgendwie herausgehobenen Platz einnehmen wird (er ist schon etwas Besonderes, vorallem - wie gesagt - für Chypre-Fans!).

Ob ich ihn auch häufiger tragen werde weiß ich noch nicht – er strengt mich doch ziemlich an.
8 Antworten
7
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Ergoproxy

1123 Rezensionen
Ergoproxy
Ergoproxy
Top Rezension 24  
Worüber reden Faune?
Ein Gedicht von Stéphane Mallarmés ist u.a. der Namensgeber für dieses eigensinnig feine Parfum von ELdO. Man hat also mal zur Abwechslung auf einen provokanten Namen verzichtet. Ob das wohl Auswirkung auf den Duft hat?

Im Gedicht, welches ich nicht kenne, lässt ein Faun, nach dem Erwachen aus seinem Mittagsschlaf, seine morgendlichen Ereignisse noch einmal Revue passieren.
Stellt sich mir die Frage, was erlebt so ein Faun am Vormittag? Ob er wohl im Büro war? Quatsch! Er war im Wald, wo ein Faun auch hin gehört und was er da gemacht hat, bleibt wohl oder übel der jeweiligen Fantasie überlassen.

Wie duftet nun der Nachmittag beim Herrscher des Waldes?

Ziemlich edel, wie ich finde, jedoch nicht ohne den für die Marke so typischen „Schlenker“ ins Ungewöhnliche.

Afternoon of a Faun ist ein moderner Chypreduft, in dem die Immortelle als Hauptnote in Szene gesetzt wurde.

Die Kopfnote ist verhalten frisch, eigenartig fruchtig und mutet ein klein wenig altertümlich an.

Nach einer kleinen Weile kann ich dann die Immortelle wahrnehmen. Wer hier nun eine würzig süße Note à la Sables erwartet, wird etwas enttäuscht sein. Diese Note wurde irgendwie blumig aufgefrischt und dadurch rückt die Würze eher in den Hintergrund. Einzelne Blüten kann ich keine erkennen.

In der Basis ist für mich neben der Immortelle, Moos, Leder und Myrrhe tonangebend. Hier wirkt der Duft dann aromatisch, süß und eine kleine Spur animalisch.

Die Haltbarkeit ist, wie bei den meisten Parfums dieser Marke hervorragend, die Silage wiederum ist von angenehmer Zurückhaltung, zumindest, wenn man den Duft auftupft.

Afternoon of a Faun ist kein Parfum für jeden Tag, dafür ist es zu speziell, aber als reines Ausgehparfum würde ich es auch nicht klassifizieren.
Es passt wahrscheinlich immer genau dann, wenn einem gerade danach zumute ist, wie eigentlich jedes gute Parfum und macht dann vielleicht aus einem langweiligen Anlass etwas ganz Besonderes.
13 Antworten
Intersport

90 Rezensionen
Intersport
Intersport
Top Rezension 18  
Détour II
Bis dato und mit Abstand, mein Favorit dieser Marke, deren Schwenker in französische Hochkultur à la Mallarmé, de Sade, Victor Hugo und zuletzt Ionesco zu respektablen Ergebnissen führte. The Afternoon of a Faun habe ich ebenfalls durch einen Umweg via Sables kennengelernt - Faun bietet die wohl grünste, vegetativste Interpretation von Immortelle die mir untergekommen ist. Fast keine Suesse, dafür eine leicht bitter florale Perspektive, die mich ein bisschen an Givenchy's Insensé erinnert - wobei dieses wesentlich blumiger war und Faun um so androgyner - oder auch an Momente als Teenager in den 80er Jahren in Badezimmern von Omas und Tanten Vent Vert bzw. Eau de Campagne zum ersten Mal zu riechen. Als ich meine erste Flasche des Fauns erhalten hatte war ich auf dem weg nach Bologna, im Frühling - das Parfum kam mit, sind andere Umgebungen und Klima oft gute Testumgebungen, Funktion und Charakter eines Parfums genauer kennezulernen. Obwohl die Nächte bereits mit Schwaden von Jasmin durchdrungen waren, war Fauns in dieser Stadt und Jahreszeit grandios, endlose Arkaden, Parkett und Terrazzo Muster, Pflanzen und Dämmerung, sind alles Facetten die das Parfum anspricht. Eine Art Holzpolitur Note ist bei The Afternoon of a Faun auch mit von der Partie, die das ganze wieder auf die Balken des Théâtre du Châtelet ins Paris um die Jahrhundertwende transportiert.
Alles in allem ein unglaublich tolles Helichrysum / Chyphre.
4 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

47 kurze Meinungen zum Parfum
SchatzSucherSchatzSucher vor 4 Jahren
6
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
Immortelle mit viel Würze und grünen Noten versehen, dazu Bittersüßes. Geht leicht ins Chyprige über. Ungewöhnlich und spannend. Sehr gut.
21 Antworten
PollitaPollita vor 3 Jahren
6
Sillage
7.5
Duft
Ein Herren-Chypre geprägt von bitteren, etwas dunklen grünen Noten. Speziell, aber nicht verkehrt. Das Tier hält sich hier gekonnt zurück.
17 Antworten
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 3 Jahren
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Faun Floyd ist myrrhisch
lässt seine Immortellen raus
andere Blumen macht er platt
stampft sie in dunkles Moos
bis ins Harz hinein
28 Antworten
R3mt9R3mt9 vor 1 Jahr
7
Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
Diesem Würz-und Wiesen*-Faun
kann Nymphlein Rosi ruhig vertrau‘n:
Während der Hitzewelle
betäubt ihn Immortelle.
38 Antworten
HasiHasi vor 4 Jahren
7
Flakon
8
Sillage
7
Haltbarkeit
6.5
Duft
bocksbeiniger Faun hat seine Ziegenfell-Chaps lange nicht gewaschen, und dann noch mit dem Gehörn ordentlich das Gemüsebeet durchgeforkelt.
17 Antworten
Weitere Statements

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So ordnet die Community den Duft ein.
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