Dolce Vita an der Spree oder Was macht Aaron Taylor Johnson ganz nass vor dem Späti?
Einfachheit und Bescheidenheit sind Aspekte im zeitgenössischen Stil, die ich manchmal vermisse.
Ich bin ziemlich begeistert von diesem AdG-Flanker. Gerne möchte ich kurz etwas zu meiner AdG-Sozialisierung geschrieben haben. Ich fasse mich kurz- versprochen. (Wer es besonders eilig hat, mag den letzten Absatz lesen).
Den Acqua di Giò pour Homme Eau de Toilette kannte und mochte ich, gefühlt wie jeder in Deutschland auch, doch besaß ich ihn nie. Im Jahr 2015 kaufte ich kurz vor meinem Italienurlaub in Rom und Florenz Acqua di Giò Profumo Parfum und verliebte mich in diesen Duft, der mich immer an diese 2 Wochen erinnern sollten. Über den Duft muss ich nicht viel sagen, er hat hier zum Glück eine große Fan-Gemeinde, die immer wieder an ihn erinnert und sein Andenken hochhält. Ende 2023 kam ich hier auf Parfumo an. Ich bekam mit, dass Acqua di Giò Parfum eine versöhnliche Nähe zum Profumo haben wollte. Die 2024er Version mit der Magnet-Kappe kann ich diese Nähe auch durchgehen lassen. Der Duft blieb, wird getragen und geliebt. Genau so wie Profumo riecht er nicht. Da ich die Flakons sehr gelungen finde und vielleicht die Werbung mit Aaron Taylor Johnson heimlich in mir den Wunsch hegen, so auszusehen und mit einem gewagten Sprung auch ins Meer zu springen, habe ich immer wieder geprüft, ob mir noch ein Flanker gefällt. Bei zahlreichen Besuchen im Einzelhandel schnupperte ich immer wieder mal an den Flankern, warf den Teststreifen aber gelangweilt weg. Wie auch immer kam ich vor 2-3 Wochen auf den Acqua di Giò pour Homme Eau de Parfum und war auch ziemlich vom Drydown begeistert, obwohl ich das Opening am Handgelenk im Laden riechen konnte. Mittlerweile habe ich den Flakon und finde den- inkl. des Openings, welches ich aus dem Flakon an den Hals als eine sehr sanfte und luftige Zitrik wahrnehme und schätze, sehr gut. So kam ich auf die Idee, dass vielleicht auch das Acqua di Giò Profondo (2024) Eau de Parfum mich begeistern könnte. Viel recherchiert, einmal auf das Handgelenk gesprüht und festgestellt: Der riecht schön, was auf dem Teststreifen mir nie so vorkam.
Zum Duft:
Nun habe ich einen 100 ml Flakon und was soll ich sagen: Aus der sanften Zitrik im EDP wird im Profondo EDP eine explite, lautere Zitrik, die ich auch wunderschön finde. Die Mandarine ist anders als die Chanel Allure-Mandarine: Nicht pudrig-cremig, weniger süß als in Allure Homme Sport Eau Extrême etwa, dafür klarer und leicht salzig-maritim. In Verbindung mit dem Rosmarin und dem Lavendel entsteht eine leichte Herbe, die ich sehr sehr gelungen finde. Im Drydown dunkelt der Duft nochmal ab, bleibt aber immer frisch. Wir haben hier Patchouli und Moschus für den Sommer.
Nun habe ich also 3 Flanker der AdG- Reihe, in einer Phase, in der ich meine Sammlung stark reduziert habe und weiterhin reduziere. Ich finde sie nicht redundant und sehr gelungene "einfache" Düfte, wobei "einfach" hier für mich positiv konnotiert ist. Unter "einfach" verstehe ich: bescheiden, stilvoll, selbstbewusst in dem Sinne, dass ich weiß, wer ich bin und einem anderen nichts beweisen muss. Letztens hat mir ein netter Mitarbeiter des KaDeWe, beim Zeigen von mehreren Loewe-Düften gesagt, ein bestimmter Duft (keine Ahnung, welcher) wäre dazu geeignet, wenn ich meiner Persönlichkeit eine "besondere Note geben" wolle. Das sollte man nicht mit einem Duft wollen. Acqua di Giò Profondo (2024) Eau de Parfum gehört für mich in eine Reihe von Düften, die genau diese Haltung nicht unterstützen. Ob Leute, die Parfüm nicht als Hobby haben, den tragen, weil sie alle 5 Jahre mal in die große Parfümerie um die Ecke gehen, um einen neuen Duft auszusuchen, ist mir ganz gleich. Der Duft entspricht dem, was mir gefällt: Ein frischer, zitrischer Duft, der nicht nach Aufmerksamkeit schreit und mir ganz persönlich in diesem matten Flakon, mit dieser Farbe und der flachen Form ganz einfach Spaß macht.
Sobald es wieder 23 Grad sind, gehe ich an die Spree. Es ist zwar nicht das Mittelmeer, auch nicht das Tyrrhenische oder das Ionische, aber ich stelle den Flakon zur Seite, springe kopfüber in die Spree, während im Hintergrund aus einem Späti der Song "Daylight" läuft. Wenn ich herauskomme, sprühe ich 3-4 Mal aus dem Flakon Acqua di Giò Profondo (2024) Eau de Parfum auf meinen nackten Oberkörper, (wenn der Flakon noch da ist) stecke den Flakon in die hintere Jeanstasche, auch wenn die Jeans nun vom Sprung ins Wasser total nass ist. Dann koofe ick mir den Tagesspiegel, setze ick mich in die Sonne, friere zwar bestimmt ein wenig, wa? Aber dat nenn' ick mir Dolce Vita, Freunde. Jawoll, dat mach ick!
Zusammenfassend: Der Duft ist einfach und genial zugleich. Wer keine fremden Menschen online begeistern muss, sollte dem Duft mal eine Chance geben. Für wenig Geld könnte er einen Duft finden, der ganz viel Spaß macht.