Was trag ich heut? Chantilly! Wieso? Weil es mich von klein auf begleitet und ich gerne etwas mit Bestand um mich habe, was wäre dazu besser als ein Duft?
Chantilly stand schon auf der Frisierkommode meiner Oma, heute ist es meine Frisierkommode und mein Chantilly. Unser altes Chantilly, also das von Oma wurde regelmäßig in Nancy gekauft beim Verwandtenbesuch. 300m die Strasse runter in einer kleinen Drogerie mit allerlei schönen Dingen. Selbst ich hatte ein paar Mal ein kleines Miniatur Chantilly dort geschenkt bekommen.
Zu den exklusiveren Parfum meiner Großmutter gesellten sich meist Nonchalance, Chantilly und einige zeitgenössische Parfums für "werktags", wie es bei uns in der Region heißt. Wieso eigentlich exklusiver? Wegen dem günstigen Preis? Nein der Duft ist erste Sahne und exklusiver Geschmack.
Der Start hat es in sich, alles was sauer schmeckt ist drinnen, und davon viel. Ich liebe solche Kopfnoten, vor allem früh morgens nach dem duschen, und dazu heißen starken heißen Kaffee, schwarz. Für mich der Muntermacher. Die leichte Fruchtnote nehme ich selbst gar nicht so recht wahr, eher das Umfeld in einer leisen Aura. Danach geht es mustergültig weiter wenn es nach einer guten halben Stunde in die Herznote übergeht. Blumen, leise und fein gewürzt in einer Balance die meisterhaft erreicht ist. Wenn die Basis manchmal leicht anklingt erinnert mich Chantilly etwas an Shalimar oder Emeraude. Beide liebe ich, also ist Chantilly für mich ein echtes Must Have.
Die Basis schön weich und fast ein wenig teerig mit dem Benzoe, haucht immer wieder die Herznote an, und bringt die Blüten zum leuchten, vor allem die Nelke, die sehr gut mit den Gewürzen harmoniert. Jasmin und Ylang-Ylang sorgen für die Vielschichtigkeit. Orangenblüte bleibt im Hintergrund.
Nach einer Weile etabliert sich die Basis in der Herznote und das Zusammenspiel wird intensiv, selbst die puderige Bitterkeit der Zitren kommt erst ab hier zur vollen Geltung mit Moschus und Eichenmoos. Unsüße Vanille und Tonka beleben die herben Noten und geben dem Duft eine Lieblichkeit die ihn im Gesamtverlauf so verführerisch machen. Manchmal habe ich einen leichten Hauch Leder in der Nase. Die Note ist nicht aufgeführt in der Pyramide, aber es mag sein das im Zusammenspiel der Inkredenzien genau das erzielt werden sollte.
Chantilly hat in seiner heutigen Form nicht mehr die starke Intensität wie früher, das gilt auch für die Sillage. Er hat nicht die Bugwelle wie einige andere Gespielinnen seiner Zeit, nein Chantilly ist eher wie ein warmer Wind, der uns umweht. Das macht ihn so Zeit-und Gezeitenlos. Er ist uneingeschränkt alltagstauglich und tragbar. Sei es auf der Arbeit, sei es in der Freizeit, oder am Abend beim Dinner. Elegant, edel, ein wenig zurückhaltend. Mit Chantilly fühle ich mich persönlich in fast jeder Lebenssituation wohl. Ein echter Allrounder eben.
Ein schöner Kommi. Der Duft hat Tradition und das mag ich sehr.Ich liebe auch Emeraude und Shalimar. Alles eine Duftfamilie. Wunderschön feminin und lieblich.