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The Soft Lawn (2012) von Imaginary Authors

The Soft Lawn 2012

Version von 2012
Gold
27.01.2016 - 15:50 Uhr
7
Hilfreiche Rezension
6.5Duft 6Haltbarkeit 6Sillage 5Flakon

Die Schlüsselszene olfaktorisch kongenial umgesetzt...

In seinem in Vergessenheit geratenen Meisterwerk "The Soft Lawn" aus dem Jahre 1925 beschrieb der 1893 geborene Autor Claude LeCoq die Erlebnisse eines jungen Liebespaares, das aufgrund sozialer Unterschiede nicht heiraten durfte.

LeCoq, der Zeit seines Lebens unter seinem im US-amerikanischen Sprachraum sehr zwiespältig aufgenommenen Namen litt ("the cock"), verarbeitete in "The Soft Lawn" viel Autobiographisches.
Aus einer einflußreichen Bostoner Geldadelfamilie stammend, verliebte er sich als junger Mann im Tennisclub in ein Mädchen, dessen Aufgabe es war, die verlorenen Tennisbälle aufzusammeln. Da LeCoqs Eltern sich strikt gegen eine Beziehung zu dem 17-jährigen lower class girl wandten, mußte der Autor (im Roman Percy genannt) seine große Liebe heimlich treffen. Der lakonisch erzählte Roman, der in manchen Passagen sowohl die Technik des "stream of consciousness" als auch Elemente des Absurden enthält, begeistert auch noch heute durch seine überraschende Modernität.

In einer Schlüsselszene, die auf dem weichen Rasen des Tennisplatzes bei Nacht spielt, liegen Percy und seine Angebetete unter einem Lindenbaum. Percy hat das Haar seiner Freundin mit einem Kranz aus Efeu-und-Lorbeerblättern geschmückt, da er Ivy, dem jungen jungfräulichen Mädchen aus der Vorstadt, das Gefühl geben möchte, bei ihm uneingeschränkt gesiegt zu haben. Auf 300 Tennisbälle gebettet, die Percy auf einer Unterlage aus Eichenmoos gekonnt so angeordnet hat, daß sie nicht wegrutschen können, bittet er um die Hand seiner Freundin, die ihm unter Tränen gesteht, daß sie zwar schon lange auf diesen Antrag gewartet habe, ihn aber aus Rücksicht auf ihn und seine familiären sozialen Verpflichtungen nicht annehmen könne. Doch LeCoq würde seinen Namen nicht alle Ehre machen, wenn er jetzt nicht alle vornehme Zurückhaltung fallen lassen würde. "Although she had not consented to become his wife, she had clearly declared her love for him. Now the time had arrived. The time to show her his cucumber...". (Seite 166, Harbour&Herbs Press, 1969).

Um "The Soft Lawn" wieder ins öffentliche Bewußtsein zu rücken und dem Werk die Bedeutung zu verleihen, die es aus literaturwissenschaftlicher Sicht verdient, gibt es seit 2012 auch ein Duftwasser, das die oben beschriebene Schlüsselszene auf dem Tennisplatz-Bett olfaktorisch kongenial umsetzt.

Wir haben es hier mit einer kulturell bedeutsamen Verbindung aus Literatur und Parfumkunst zu tun, die äußerst originell ist. Daß der Duft "The Soft Lawn" ein Topseller unter deutschen und amerikanischen Intellektuellen werden wird, ist anzunehmen. Der Roman selbst ist dem Duft auf jeden Fall vorzuziehen.
4 Antworten
FloydFloyd vor 5 Jahren
2
Super guter Kommentar. Literaturpreis!
HasiHasi vor 10 Jahren
hier fehlt Gurke in der Duftpyramide! ;)
SeeroseSeerose vor 10 Jahren
1
Literaturpokal. Der letzte Absatz holt einen wieder die banale Realtität:-)
DerailroadedDerailroaded vor 10 Jahren
Ich dachte immer, dass es sich beim Liegen auf Tennisbällen um Eutonie handelt...