Moschus... synthetischer Parfumerie-Stein der Weisen seit gut hundert Jahren, als man Wege fand, einen Duftstoff künstlich herzustellen, der dem Sekret aus Moschushirschdrüsen (so halbwegs wohl) nachempfunden ist. Seither wurden unglaublich viele Moschusverbindungen erfunden und gemixt: Unendlich scheint die Liste der Arten und Unterarten dieses flexiblen, multieinsetzbaren Grundbaustoffs. - Moschus ist Fixateur par exellence, gibt Dauer und eine gute Entwicklungsfläche, ist die Unterlage anderer Noten schlechthin. - Moschus ist Richtungsgeber und Harmonisierer, vereint und verbindet alles Mögliche und bringt gemeinsame Melodie bei Dissonanz. - Moschus ist auch ein unglaublich günstiges Fundament eher billig kalkulierter Duftpyramiden. - Moschus ist Frischekick, gewollter wie unabsichtlicher Seifengeruch, Verdichter (auch Auflockerer), Beruhiger (auch Aufmischer) und Tiefenbetoner (auch Sicherungsnetz). - Moschus, als Mittellinie und Hauptcharaktergeber eines Duftes, ist oft Garant für Sauberkeit.
Die letztgenannte Moschussauberkeit hat ihre Freundinnen und Freunde. Aber die unschuldigen, makellos-unbeschmutzten und unverfänglich-korrekten Wäschewäscher/innen über ihren clean dampfenden Aluwaschzubern in ihren strahlend weiß gekachelten Waschküchen voller weißem Nebel vergessen in ihrem oft gesungenen Moschus-Loblied immer die eine Strophe: Die von der anderen Seite des Moschus… von der animalischen, leicht angesauten und irgendwie bösen. Die sing ich jetzt mal.
Es gibt da diese Sorte von Moschusduft, die einen schmutzigen Akzent in die (durchaus auch hier vorhandene) Klarheit und Sauberkeit setzt. Damit wird das ach so adrette Profil pervertiert und die blitzsaubere Spiegeloberfläche wird durchzogen von unhygienischen Schlieren. Schroff kann das wirken. Wenn die Gegensätze auf die Spitze getrieben sind, sogar ruppig, holprig, sperrig. Die schönste Moschusart möchte ich „brüsk“ nennen. Anmut, Klarheit und Weichheit tragen in sich eine Gegenrichtung, die sich erfolgreich aufstemmt. Wie ein unvermittelter Cut lässt sie die potenzielle Harmonie auflaufen und hinter der scharfen Kante, die sie zieht, einen schwarzen Abgrund klaffen. Brüsk. Und sehr sexy. Dieser brüsken Seite des Moschus sind einige Düfte gewidmet, die ich sehr mag. Musc Ravageur, der (quasi versöhnlich dazu) eine betonte Weichheit auffährt oder Muscs Koublaï Khän, der die animalisch-dreckige Seite ins herrlich Unerträgliche steigert… und hier, mein Favorit der brüsken Moschusdüfte: Kiehls Original Musk Blend No. 1. Eine Ahnung von Seifigkeit und die berühmte Haarspraynote sind durchgängig zu riechen, zuerst frisch betont, dann ganz hauchzart blumig und letztendlich auf ein wunderbar sattes, breites Bett gelegt. Die ganze Zeit ist Moschus der eindeutige Hauptdarsteller und er ist nie wirklich sauber, sondern immer etwas angeschmutzt, leicht tierisch, perfide gegenläufig. Brüsk eben. OMB No. 1 ist, ohne dabei simpel oder billig zu wirken, gradlinig und direkt. Sexy. Berückend. Brüsk.
Unbefleckte Seelen in weißen Westen sollten den von ihren harmlosen Listen streichen. ___________________________________ Mein charmanter brüsker Lieblingsmoschus stammt vom charmantesten und brüskesten Lieblings-Ex-User Parfumos. *lächel* Danke.
Jaja, das ist ein Musk für große und unanständige Mädchen! *harrrrrr* Ich denke, auch Dir könnte der "Urban Musk" gefallen, wenns noch einen Ticken schärfer sein darf... :-)