Die schüchterne Lady D. war als Spross eines verarmten britischen Adelsgeschlechts die Frau eines deutlich älteren und sehr wohlhabenden Adligen geworden. Obwohl sie ihn aufrichtig liebte, verlor er schon nach kurzer Zeit das Interesse an seiner bezaubernden Gemahlin, weil er noch immer seine Jugendfreundin liebte, die er aus Standesgründen nicht hatte heiraten können und die inzwischen ebenfalls in einer Vernunftehe gefangen war. Das schmerzte die lebensfrohe Lady D. sehr und um sich von ihrem Kummer abzulenken, suchte sie immer öfter die Gesellschaft der edlen Rösser in den Stallungen ihres Anwesens, auf denen sie stundenlang durch die englischen Grafschaften ritt.
Sie hatte einen unkomplizierten, sportlichen Stil und liebte eng sitzende Reithosen mit weichen Ledereinsätzen und fein duftende Lederhandschuhe, die ihr zusammen mit einer dezent parfümierten Körpercreme und dem Geruch der Pferde und des Heus eine ganz besondere, verführerische Duftaura verliehen. Bald machte sie die Bekanntschaft eines schneidigen jungen Rittmeisters, der von ihrem Duft magisch angezogen wurde und in dessen anregender Gesellschaft sie den Schmerz wegen ihres stocksteifen Ehemannes vergessen konnte.
Und wenn sie nicht gestorben wäre, würde sie heute vielleicht nach Cuir de Lancôme duften und noch unzähligen Männern die Köpfe verdrehen…
Für mich ist Cuir de Lancôme einer der schönsten Lederdüfte überhaupt, weil er fein und dezent ist und auf warmer Haut einfach unwiderstehlich nach einer Melange aus cremig-zarten Blüten, weichem Leder und einer Prise Pferdestall duftet. Obwohl aus einem französischen Haus, habe ich hier sofort das auf den ersten Blick leicht unterkühlte, aber unter der Oberfläche umso tiefgründigere britische Understatement vor Augen. Die 4 Sterne von Luca Turin hat Cuir mehr als verdient und ich gehe jetzt den five o’clock tea vorbereiten.