Das erste was mir beim Aufsprühen entgegenkommt, empfinde ich als Karamellwolke, obschon in der Duftpyramide weit und breit nichts davon steht. Wahrscheinlich waren diejenigen, die die Liste aufgestellt haben, völlig umnebelt und ihrer Sinne beraubt, dass sie diese Note gleich vergessen haben ;-))) Soviel gebrannter Zucker muss erst mal verdaut werden! Ich meine das absolut nicht als vernichtende Kritik, vielmehr verstehe ich diese Damen und Herren voll und ganz, denn mir geht es bei dem Auftakt auch so.
Fulminanter kann ein Parfum nicht losgehen! Als würde eine quietschpinke Fee über mir schweben und eimerweise ebenso pinken Zuckerguss über mich herabgiessen. Solange, bis meine graue Kleidung vollständig damit bedeckt ist. Und das Verrückte daran ist, ich möchte gar nicht mit der Fee schimpfen. Mit jedem über mich geleerten Eimer steigt meine Laune. Orange und Jasmin legen die Messlatte schon hoch. Wer kann da noch mithalten? Dieses Duo hat es in sich! Die Rose jedenfalls versucht mitzuhalten, ich finde aber, dass es beim Versuch bleibt. Dafür sind die anderen zu kräftig. Wem es aber schliesslich gelingt, ist meiner Meinung nach eher Cashmeran und Praline. Und auch die legen sich mächtig ins Zeug. Ich wähne mich in einer Backshow, nur dass nicht die Bäcker um die Wette Torten und andere Leckereien backen, sondern sich die Zutaten um die besten Ränge selbst herausfordern. Spannend wird es noch zusätzlich, wenn sich Birne und Johannisbeere ins Rennen einschalten. Die schaffen es, den Zuckerschwall vom Anfang etwas auszubremsen und sich ganz nach vorne zu kämpfen. Die Tonkabohne fängt die ausser Rand und Band geratenen Sweeties ein und bewahrt sie davor, sich zu überhitzen und dann irgendwo festzukleben. Die Bäcker stehen noch immer völlig konsterniert herum und beäugen skeptisch die Szene. Sie wurden einfach zu Statisten degradiert und der Schock sitzt tief. Doch wer wird nun mit dem Preis ausgezeichnet? Ich finde, dass sich alle gleich wacker geschlagen haben und alle Gewinner sind. Denn das Ergebnis mit allen Zutaten ist ein einziges, sinnliches Meisterwerk! Heftig im positiven Sinn ist die Haltbarkeit dieses knallbunten Feuerwerks. Ein Tröpfchen hier und höchstens noch ein halbes dort und man nimmt es den ganzenTag wahr. Für das Büro würde ich noch das halbe Tröpfchen teilen. Am Abend darf es dann aber schon ganz bleiben.
Die Zugehörigkeit zur La Vie Est Belle-Familie ist nicht zu leugnen. Man würde es aus all den anderen ähnlichen und zuckrigen Mitläufern heraus sofort erkennen. Die Variante Absolu ist aber süsser, weicher und kräftiger. Bei mir kehrt am Schluss das Cashmeran mit seiner holzigen Note zurück und rundet weich ab, wo sich im Gegensatz beim Eau de Parfum noch etwas Herbes zeigt. So verbleibt das Absolu dann auch und verändert sich weder auf meiner Haut noch auf der Kleidung weiter. Der intensive und schwere Duft ist meiner Meinung nach wie geschaffen für kühle Temperaturen. Und je kälter desto besser. Er hat eindeutig das Zeug dazu, den grimmigsten Yeti zu vertreiben und die Sonne aufgehen zu lassen. So stelle ich mir die Szenerie vor: wunderschöne Winterlandschaft, alles ganz dick weiss bedeckt, die Schneekristalle glitzern kitschig in der Sonne, wie Trilliarden von Diamanten, die Luft ist eisig und rein. Ich bin warm eingekuschelt in Mantel, Schal und Stiefel. Kein Geräusch ist zu hören, alles ist friedlich und still. Ich sitze auf einer Bank inmitten dieser Traumlandschaft, sauge den Anblick noch einmal in mich auf und schliesse die Augen. Dann nehme ich einen tiefen Atemzug von meinem Absolu. In genau dem Moment fühle ich: La Vie Est Absolument Belle.