Hier ist ja ein wahrer Stellungskrieg ausgebrochen, in dem ich nicht unparteiisch doch Partei ergreifen möchte. Ich bin nämlich Wiederholungstäterin.So vor zwölf Jahren entdeckte die Jägerin und Sammlerin die damals noch selten zu findende Beute, schnupperte, war begeistert und trug es mit dem seligen Gesichtsausdruck nach Hause, den der eine oder andere von euch auch kennen mag. Seitdem wohnt Lolita bei mir. Er entstand zu einer Zeit, als Gourmanddüfte vielleicht gerade in Schwange kamen. Aber er ist kein lieblos schnell in diese Welle auf den Markt geworfen worden,wo achnell mal Hering und Flieder gemixt und teuer verhökert werden, sondern ging damals ein Wagnis ein, das belohnt wurde. Das Kunststück besteht meiner Meinung nach darin, die ungewöhnliche Verbindung von Veilchen und Lakritz kreiert zu haben, und gleichzeitig das Blümchen aus der Niedlichkeitsecke geholt zu haben. Dazu gehört sicher die Akzentuierung mit allerfeinstem Tabak. Veilchen ist auch gar nicht artig, sondern zieht genüsslich an seiner Zigarette.Später tritt Vanille hinzu, die sich allmählich erwärmt. Der Duft hat wohl eine leicht süße Note. Süß ist er aber nicht, und schon gar kein Zuckergeschwader.Insgesamt ein Chamäleonduft, der sich ständig verändert- und ein äußerst origineller dazu! Efeu erkenne ich nicht, wüsste auch nicht, wie der sein sollte- ich halte es für einen PR-Gag für den fast barock daher kommenden Flakon. Apropos Tabaknote: Einen Hauch Gemeinsamkeit mit Lolita haben Balenciaga und Lalique le Parfum durch den Tabak, auch wenn es sonst keine Ähnlichkeiten gibt. Ich halte Lolita für einen Damenduft, der zu sehr jungen Mädchen gar nicht passt.Dazu ist er trotz des Namens zu "reif". Und: Wäre er ein unverfänglicher, süß-wabernder rosa Schwaden, gäbe es hier nicht den lustigen Schlagabtausch - wenn auch ohne blaue Veilchen!