Zuerst war ich enttäuscht. Als im Vorfeld des jüngsten James Bond-Films 'Spectre' medienwirksam angekündigt wurde, dass neben der Französin Léa Seydoux (die später das Gesicht der Parfums Vuitton werden sollte) als Dr. Madeleine Swann die Italienerin Monica Bellucci als Lucia Sciarra 007 zur Seite stehen würde, galt das aus mehreren Gründen als höchst bemerkenswert. Bellucci war zu Beginn der Dreharbeiten fünfzig Jahre alt und damit nicht nur erstmals älter als der aktuelle James Bond-Darsteller Daniel Craig, sondern das älteste Bond-'Girl', das es bis dahin jemals gab. Und ohne Zweifel eins der schönsten.
Enttäuscht war ich, weil sie nur in zwei Szenen in Erscheinung tritt. In der ersten steht sie in einem marmornen Kolonnadengang am Sarg ihres (Attentäter-)Ehemannes – fast unerträglich schön in einem schwarzen Kostüm mit einem über das Gesicht gezogenen hauchzarten, schwarzen Spitzenschleier, was nur an südländischen Frauen wirklich gut aussieht. In der zweiten Szene erwartet sie in ihrem Haus als Witwe eines Organisationsmitglieds gerichtet zu werden. Sie wird von 007 vor den Häschern gerettet und verbringt eine atemlose Liebesnacht mit ihm. Er verspricht ihr, sie zu schützen - ob dies gelingt, bleibt offen.
Monica Bellucci spielt die Lucia Sciarra mit der ganzen Empfindsamkeit und Schönheit ihrer Reife - weit jenseits jeder Mädchenhaftigkeit ist sie ebenso aufrecht wie weich und fragil. Bellucci soll darauf bestanden haben, dass auch und gerade in den Nahaufnahmen deutlich zu sehen ist, dass sie eben keine ganz junge Frau mehr ist. Nie war eine Frau an 007s Seite tragischer und melancholischer als die Mörderwitwe Lucia. Nicht Carole Bouquet und nicht Kim Basinger. Olga Kurylenko nicht und Teri Hatcher noch viel weniger. Bérénice Marlohe in 'Skyfall' vielleicht ein bisschen, aber eine Monica Bellucci ist auch sie nicht.
Vuittons Matière Noire – die 'schwarze Materie' – ist ein Duft für eine wie Lucia. Er beginnt mit einer lebhaften, reifen Süße, die er volltönend und doch subtil so wie die tiefen Töne eines Xylophons interpretiert. Mit seinem dunkelhölzernen Resonanzkörper und der Ahnung einer schon lange andauernden Traurigkeit darin ist er der weiblichste unter den neuen Vuittons. Die Blüten fügen eine schleppende Sinnlichkeit hinzu, so wie geflüsterte Worte sich auf der Haut anfühlen - und Patchouli und Oud geben ihm Gewicht ganz ohne Schwere und eine fast flehende Hingabe - und die stumme Würde einer Frau, die lautlos zu weinen gelernt hat.
Fazit: ein ernster und ein reifer Duft, der von Empfindsamkeit und einer versehrten Weiblichkeit erzählt. Und doch oder vielleicht gerade deshalb ein Grund, sich endlich auf den Fünfzigsten zu freuen.
Ouf. An und für sich lese ich deine Rezensionen recht gerne, allerdings stolpere ich in dieser immer wieder über zwei Satzfragmente: „ [Die] Ahnung einer schon lange andauernden Traurigkeit [,] darin ist er der weiblichste unter den neuen Vuittons“ und „[D]ie stumme Würde einer Frau, die lautlos zu weinen gelernt hat.“ — Beides klingt in meinen Ohren so ungeheuer falsch, fast schon reaktionär. Es liegt nichts würdevolles in stummen Tränen, nie, und nichts inhärent Weibliches in der beschriebenen Traurigkeit. MN ist mehr als das Klischee einer „reifen“ – allein das Wort: was folgt danach? Überreife? Vom Baum fallen? – Frau.
Oh, vielen Dank, ich werde bald 49 und es tut wirklich gut, deine Worte zu lesen. Ich glaube, ich muss diesen Duft auch bald testen, wenn er die Reife der Frau zum Vorteil macht...
Mich erinnert der Duft einen Ticken zu sehr an Vreelands "Outrageously Vibrant" & da hat er verloren... Die Frau ist, ja:) was soll ich sagen, toll!
Deine Schreibe wie immer, ..ja!
Deine Schreibe wie immer, ..ja!