Nun, wenn man oben die Pyramide liest, könnte man denken:" Boah was kommt da auf mich zu? Das ist ja wieder so ein Knaller aus den 70igern und noch dazu son´n Haufen Gewürze!" Auch ich habe das gedacht, zugegeben, aber was klassische Wummser betrifft, bin ich ja (bekanntermaßen) völlig schmerzfrei. Nur eins dürfen sie nicht sein: zu süß! Umso überraschter war ich, als ich Oscar auftrug, denn ich hatte mich schon bereit gemacht die Ohren anzulegen. Oscar startet mit einer weichen Basilikum-Koriander und Gardeniennote. Völlig unsüß, sehr edel. Der Lavendel gibt in der Herznote den opulenten und reichhaltig eingebrachten Blumen einen Ticken Herbheit, sonst würden sie überborden, aber das tun sie nicht, sie ziehen präsent, aber friedlich auf meiner Haut ihre Bahnen. Sie bekommen einen delikaten Touch. Die Basis ist würzig, holzig, warm, tief. Auch hier wieder unsüß, staubig-pudrig. Präsent, aber nicht wummsig. Super gediegen. Alles in allem ist Oscar eine Empfehlung an alle, die sich mal an einen großen, gut gemachten Klassiker ran trauen möchten, der nicht so gewaltig ist wie andere Vertreter seiner Zeit. Oscar ist Eleganz und Noblesse.
Im Erscheinungsjahr war ich süße 17 Jahre, und es ist das erste richtige Parfum an das ich mich wirklich erinnern kann, da ich eine Probe in der Parfümerie Abteilung im Kaufhof erhalten habe. Parfums habe ich bis dahin nie benutzt, war Schülerin mit damals 20 DM Taschengeld im Monat. Aber immer wenn ich damals im Kaufhof mal Toilettenartikel gekauft habe, habe ich ab und an ein Pröbchen von Oscar de la Renta erhalten. Damals wurde man ja manchmal gefragt, welches Pröbchen man haben möchte. Und auch den Namen fand ich so beeindruckend. Obwohl er als Levis 501 Jeans Mädchen mit weißen, weiten Hemden von meinem Vater, die ich gern getragen habe, wahrscheinlich gar nicht zu mir gepasst hat.