Mon Cuir Ramón Monegal 2011
Sehr hilfreiche Rezension
Mon Jelly Bean
Es gibt O-Blüten-Akkorde, die gehörig orangig und solche, die voll und ganz blütig sind. Von zweiter Sorte ist die O-Blüte in „Mon Cuir“.
Sehr, sehr, sehr blütig... und das auf eine ziemlich quietschige, künstliche und frontalsüße Art, die mich an einen Mundvoll bunter Jelly Beans erinnert.
Diese sehr deutliche Jelly-Bean-O-Blüte bleibt durch den ganzen Duftverlauf wahrnehmbar. Am Anfang drastisch und wenig Platz lassend für anderes, dann immer mehr neben der grellen Süßbuntheit duldend, nach einer guten halben Stunde dann nur noch begleitend. Aber haltbar bis zum bitteren (in diesem Fall süßen) Ende, bis in die tiefste Basis hinein unverkennbar zu riechen.
Wenn ein Duft „Mon Cuir“ heißt, erwarte und suche ich freilich das Leder. Offenbar kann aber das „Mon“ im Namen kaum wichtig und unterstrichen genug verstanden werden, denn ein stilmäßiges Leder, für die Allgemeinheit als solches zu erkennen, gibt es in diesem Duft nicht.
Da ist Leder, ja… aber ganz dünn, fein, nicht duftbestimmend und auch irgendwie nicht so richtig lederig. Es handelt sich hier, laut Pyramide um „Russisch Leder“. Eine klassische Note im Kanon der Parfumerie, oft zitiert und zurück gehend auf das „Cuir de Russe“ von Chanel (1927), heute wieder eingereiht in die „Les Exclusifs“-Serie. „Russisch Leder“ ist ein Birkenteer-Akkord, der an das Leder von Kosaken-Stiefeln erinnern soll, welche mit Birkenholzrinde gegerbt und imprägniert wurden.
Ich kenne diesen teerig-herben Geruch tatsächlich sehr an gepflegtes, festes Leder erinnernd.
Und ich kenne ihn auch eher ein wenig an Hartgummi erinnernd
Das finde ich hier.
Das leicht Bittere, Koklige und Harzige in "Mon Cuir" riecht für mich nicht nach altem Möbelstück und auch nicht nach Kosakenstiefel. Mehr wie Reifenabrieb auf heißem Asphalt. Das klingt schlimm, kann aber durchaus reizvoll sein – ein wenig Gummi hat bereits einige Parfums sehr, sehr reizvoll gemacht , z.B. „Gomma“ (Nomen est Omen!) von Etro inszeniert die Gummiähnlichkeit von „Russisch Leder“ ganz bewusst und offensiv. Ein schöner Lederduft, der gewollt an der Grenzlinie zum Gummi balanciert und birkenteerunerfahrene Nasen nicht direkt zum Leder lenkt.
Die Birkenteernote in „Mon Cuir“ ist schön. Nicht besonders ledrig, aber schön. Nur leider wird sie kontrastiert mit der Jelly-Bean-O-Blüte. Das Bittere gegen das Süße zu stellen, ist jetzt nicht gerade revolutionär und nicht die parfumästhetische Quadratur des Kreises. Zudem ist die schrill-bunt-künstliche O-Blüte einfach nicht attraktiv.
Die Basis wird ein wenig animalisch, ziemlich füllig und sandelig-süß-harzig. Immernoch ist die Jelly-Bean-O-Blüte zu riechen, während das Birkenteerherbe, abgemildert und gesüßt, langsam in einen satten, ruhigen und (patchouli-inspiriert) dunkelerdigen Grund einsickert.
Bei Ramon Monegal habe ich einiges sehr Riechenswertes entdeckt und wollte zuerst etwas Lobendes schreiben, z.B. über das tragisch verkannte (*g*) „Cherry Musk“ oder das sexy-spannende „Agar Musk“, aber irgendwie hat „Mon Cuir“ sich nach vorne gedrängelt.
Ich selbst werde Abstand zu „Mon Cuir“ halten und finde ihn ziemlich schlimm – aber das rührt einzig von der Jelly-Bean-O-Blüte her. Wer diese Orangenblüte mag, kann mit „Mon Cuir“ ein viel stimmigeres und rundes Dufterlebnis haben, deshalb empfehle ich auf jeden Fall den Test!
Sehr, sehr, sehr blütig... und das auf eine ziemlich quietschige, künstliche und frontalsüße Art, die mich an einen Mundvoll bunter Jelly Beans erinnert.
Diese sehr deutliche Jelly-Bean-O-Blüte bleibt durch den ganzen Duftverlauf wahrnehmbar. Am Anfang drastisch und wenig Platz lassend für anderes, dann immer mehr neben der grellen Süßbuntheit duldend, nach einer guten halben Stunde dann nur noch begleitend. Aber haltbar bis zum bitteren (in diesem Fall süßen) Ende, bis in die tiefste Basis hinein unverkennbar zu riechen.
Wenn ein Duft „Mon Cuir“ heißt, erwarte und suche ich freilich das Leder. Offenbar kann aber das „Mon“ im Namen kaum wichtig und unterstrichen genug verstanden werden, denn ein stilmäßiges Leder, für die Allgemeinheit als solches zu erkennen, gibt es in diesem Duft nicht.
Da ist Leder, ja… aber ganz dünn, fein, nicht duftbestimmend und auch irgendwie nicht so richtig lederig. Es handelt sich hier, laut Pyramide um „Russisch Leder“. Eine klassische Note im Kanon der Parfumerie, oft zitiert und zurück gehend auf das „Cuir de Russe“ von Chanel (1927), heute wieder eingereiht in die „Les Exclusifs“-Serie. „Russisch Leder“ ist ein Birkenteer-Akkord, der an das Leder von Kosaken-Stiefeln erinnern soll, welche mit Birkenholzrinde gegerbt und imprägniert wurden.
Ich kenne diesen teerig-herben Geruch tatsächlich sehr an gepflegtes, festes Leder erinnernd.
Und ich kenne ihn auch eher ein wenig an Hartgummi erinnernd
Das finde ich hier.
Das leicht Bittere, Koklige und Harzige in "Mon Cuir" riecht für mich nicht nach altem Möbelstück und auch nicht nach Kosakenstiefel. Mehr wie Reifenabrieb auf heißem Asphalt. Das klingt schlimm, kann aber durchaus reizvoll sein – ein wenig Gummi hat bereits einige Parfums sehr, sehr reizvoll gemacht , z.B. „Gomma“ (Nomen est Omen!) von Etro inszeniert die Gummiähnlichkeit von „Russisch Leder“ ganz bewusst und offensiv. Ein schöner Lederduft, der gewollt an der Grenzlinie zum Gummi balanciert und birkenteerunerfahrene Nasen nicht direkt zum Leder lenkt.
Die Birkenteernote in „Mon Cuir“ ist schön. Nicht besonders ledrig, aber schön. Nur leider wird sie kontrastiert mit der Jelly-Bean-O-Blüte. Das Bittere gegen das Süße zu stellen, ist jetzt nicht gerade revolutionär und nicht die parfumästhetische Quadratur des Kreises. Zudem ist die schrill-bunt-künstliche O-Blüte einfach nicht attraktiv.
Die Basis wird ein wenig animalisch, ziemlich füllig und sandelig-süß-harzig. Immernoch ist die Jelly-Bean-O-Blüte zu riechen, während das Birkenteerherbe, abgemildert und gesüßt, langsam in einen satten, ruhigen und (patchouli-inspiriert) dunkelerdigen Grund einsickert.
Bei Ramon Monegal habe ich einiges sehr Riechenswertes entdeckt und wollte zuerst etwas Lobendes schreiben, z.B. über das tragisch verkannte (*g*) „Cherry Musk“ oder das sexy-spannende „Agar Musk“, aber irgendwie hat „Mon Cuir“ sich nach vorne gedrängelt.
Ich selbst werde Abstand zu „Mon Cuir“ halten und finde ihn ziemlich schlimm – aber das rührt einzig von der Jelly-Bean-O-Blüte her. Wer diese Orangenblüte mag, kann mit „Mon Cuir“ ein viel stimmigeres und rundes Dufterlebnis haben, deshalb empfehle ich auf jeden Fall den Test!
7 Antworten
Medusa00 vor 13 Jahren
mein Mann hat diesen Duft für sich entdeckt und aufgebraucht, g
Callas vor 13 Jahren
Bei mir roch er sehr ledrig, rauchig ;-) Ich empfand ihn weniger frauentauglich.
Ergoproxy vor 13 Jahren
Ich habe das schon richtig verstanden, und bin da ganz bei Dir!;) Ich wollte sagen, dass CM an mir so schrill ist, wie MC an Dir / Euch. Man muss eben doch sehr genau darauf achten, was man wie schreibt. *g*
Florblanca vor 13 Jahren
Danke für diesen superinteressanten Kommi. Interessant, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind. *g* Ich fand den schon ledrig mit etwas blümelig *g*.
Louce vor 13 Jahren
Ergoproxy.. bei Cherry Musk sind wir uns einig: vollextrasuperkünstlich. Nur ist "künstlich" bei mir nicht automatisch negativ. "quietschig" ist das schon eher. *g*
Ergoproxy vor 13 Jahren
Also künstlich duftet der an mir überhaupt, entwickelt sich aber relativ damenhaft. Künstlich war bei mir der Cherry Musk. Geschmackssache, sagte der Affe, als er in die Seife biss. ;)
Ronin vor 13 Jahren
*nick* Ja, genau so habe ich den Duft auch empfunden beim Test, bei dem zum Glück niemand in der Nähe war. Und zum Glück gefällt er Dir auch nicht *ggg* Danke dafür. Und für den schönen kommentar.

