Top Rezension
Untypischer Lutens?
„5 O´Clock au Gingembre“ scheint ein ganz und gar untypischer Lutens zu sein. Während die anderen „schwere Kracher“ (Fran) sind und eine „unbarmherzige Knalligkeit“ aufweisen (Antoine), ist dies „endlich mal ein Lutens“ (Die Nase) der anders duftet und der erste auf Ergoproxys Einkaufsliste. Man kann hier nachlesen, dass „5 O´Clock au Gingembre“ eine „ausgewogene und balancierte Komposition“ aufweist, „was man ja nicht von allen SL-Düften sagen kann.“ (Beaux)
Also diesmal nicht “too much”, nicht “fett” und nicht “untragbar”?
Völlig d´accord: „5 O´Clock au Gingembre“ ist ein feinfühlig komponierter und sorgsam nuancierter Duft - sehr, sehr schön. Aber nein, ich finde nicht, dass er dadurch ein Ausnahme-Lutens ist. Alle SL-Düfte, die ich bisher getestet habe, haben eins gemeinsam: Sie sind unglaublich konsequent.
Kompromisslos wird da den jeweiligen Hauptnoten nachgegangen, es geht um Charakter, Charakter und Charakter - das Gefallen der Konsumentin/des Konsumenten ist eine Begleiterscheinung, nicht Ziel des Duftes. Klar werden so Düfte entwickelt, die häufig nicht auf breite, unumwundene Zusprache treffen.
Wenn „5 O´Clock au Gingembre“ das aber tut, dann nicht, weil er anders wäre.
Die hingebungsvolle Absolutheit mit der SL ohne Rücksicht auf Allgemeinheit komponiert, widmet sich hier einfach sehr "freundlichen" Noten. Trotzdem sehr SL: Kompromisslos, konsequent und ohne Bedingungen zu akzeptieren, völlig dem besonderen Duftcharakter dienend.
Der Tee ist verblüffend naturalistisch und erfrischend ohne “frisch” zu sein. Es ist nicht das Aroma trockener Teeblätter, sondern das von gebrühtem Tee. Am Anfang hilft Bergamotte auf die Sprünge, aber bevor es nach Earl Grey duften könnte, entwickelt sich ein hinreißend goldener, voller Ingwer. So ingwerig, dass Chrisatiss´ Idee vom echtem Ingwertee nicht nur irgendwie ganz naheliegend, sondern geradezu unausweichlich ist. Dass der Ingwer kandiert ist, ist auch zu riechen: Er ist unglaublich dicht und konzentriert, trotz des Tee-Eindrucks ist da nix dünn oder wässrig - er ist “fett” (ganz SL). Der Pfeffer hilft gegen Langeweile, peppt aber nur ein bisschen auf und gibt nie echte Pur-Pfeffrigkeit. Damit sich diese nicht gerade ultraschweren Noten nicht unvermittelt verflüchtigen, ist eine wunderbare Patchoulibasis untergelegt: Niemals so selbstherrlich, wie Patchouli gerne wird, sondern vollkommen gebändigt, nur dazu da, den anderen so schön herausgearbeiteten Noten Dauer und leicht süßen, schokounterstützten Nachhall zu geben.
Wenn man dem Eigentlichen des Tees nachspürt und drastisch und klar das wahre Ingwerige des Ingwers verfolgt, wenn man nicht "Tee und Ingwer", sondern "den Tee an sich" und "den Ingwer an sich" auf den duftenden Punkt bringen möchte... dann steht am Ende dieser Duft.
Ein typischer Lutens.
________________________
Diesen Schatz verdanke ich Dani. Ein großer, schöner, reicher Duft, den ich hoffentlich würdig zu tragen weiß. Danke.
Also diesmal nicht “too much”, nicht “fett” und nicht “untragbar”?
Völlig d´accord: „5 O´Clock au Gingembre“ ist ein feinfühlig komponierter und sorgsam nuancierter Duft - sehr, sehr schön. Aber nein, ich finde nicht, dass er dadurch ein Ausnahme-Lutens ist. Alle SL-Düfte, die ich bisher getestet habe, haben eins gemeinsam: Sie sind unglaublich konsequent.
Kompromisslos wird da den jeweiligen Hauptnoten nachgegangen, es geht um Charakter, Charakter und Charakter - das Gefallen der Konsumentin/des Konsumenten ist eine Begleiterscheinung, nicht Ziel des Duftes. Klar werden so Düfte entwickelt, die häufig nicht auf breite, unumwundene Zusprache treffen.
Wenn „5 O´Clock au Gingembre“ das aber tut, dann nicht, weil er anders wäre.
Die hingebungsvolle Absolutheit mit der SL ohne Rücksicht auf Allgemeinheit komponiert, widmet sich hier einfach sehr "freundlichen" Noten. Trotzdem sehr SL: Kompromisslos, konsequent und ohne Bedingungen zu akzeptieren, völlig dem besonderen Duftcharakter dienend.
Der Tee ist verblüffend naturalistisch und erfrischend ohne “frisch” zu sein. Es ist nicht das Aroma trockener Teeblätter, sondern das von gebrühtem Tee. Am Anfang hilft Bergamotte auf die Sprünge, aber bevor es nach Earl Grey duften könnte, entwickelt sich ein hinreißend goldener, voller Ingwer. So ingwerig, dass Chrisatiss´ Idee vom echtem Ingwertee nicht nur irgendwie ganz naheliegend, sondern geradezu unausweichlich ist. Dass der Ingwer kandiert ist, ist auch zu riechen: Er ist unglaublich dicht und konzentriert, trotz des Tee-Eindrucks ist da nix dünn oder wässrig - er ist “fett” (ganz SL). Der Pfeffer hilft gegen Langeweile, peppt aber nur ein bisschen auf und gibt nie echte Pur-Pfeffrigkeit. Damit sich diese nicht gerade ultraschweren Noten nicht unvermittelt verflüchtigen, ist eine wunderbare Patchoulibasis untergelegt: Niemals so selbstherrlich, wie Patchouli gerne wird, sondern vollkommen gebändigt, nur dazu da, den anderen so schön herausgearbeiteten Noten Dauer und leicht süßen, schokounterstützten Nachhall zu geben.
Wenn man dem Eigentlichen des Tees nachspürt und drastisch und klar das wahre Ingwerige des Ingwers verfolgt, wenn man nicht "Tee und Ingwer", sondern "den Tee an sich" und "den Ingwer an sich" auf den duftenden Punkt bringen möchte... dann steht am Ende dieser Duft.
Ein typischer Lutens.
________________________
Diesen Schatz verdanke ich Dani. Ein großer, schöner, reicher Duft, den ich hoffentlich würdig zu tragen weiß. Danke.
10 Antworten
Moni43 vor 14 Jahren
Ich finde den auch so schön.
Fran vor 15 Jahren
Oh, wie pötisch! Sehr, sehr schöner Kommentar.
Hasi vor 15 Jahren
gut gebrüht, Lu!
Dannyboy vor 15 Jahren
Oooh, ich bin mir sicher, daß Du den würdig zu tragen weißt!
FrauHolle vor 15 Jahren
Das heißt ingweresk.
Clover vor 15 Jahren
Wieder ganz wunderbar ge- und beschrieben, liebe Louce!
Freiherr vor 15 Jahren
ich habe es doch gleich gesagt.
Chrisantiss vor 15 Jahren
Ein wundervoller Kommentar.
MariellaMmmh vor 15 Jahren
Wow. :D
Odeur23 vor 15 Jahren
Vielleicht gebe ich doch nochmal den SL eine Chance, nach dem Kommi...

