In allen Kulturen gibt es den Archetyp des alten Weibes, das im Walde lebt, in der Regel von mindestens grämlicher Wesensart, zumeist eindeutig gefährlich. In der slawischen Mythologie ist dieses alte Weib die Baba Jaga - und anders als die eindimensionale böse Hexe, die Kinder oder ahnungslose Prinzen anlockt, ist diese Baba Jaga ambivalent, dem Waldgeist Rübezahl nicht unähnlich. Sie straft die Schlechten und belohnt die Guten und wird als Teil einer Dreifaltigkeit aus Jungfrau, Mutter und aus altem Weib gesehen - stellvertretend für Werden, Sein und wieder Vergehen, den griechischen Moiren ähnlich. Böse oder nicht ist Baba Jaga doch stets eine unheimliche, Furcht einflößende Gestalt, die in einem verzauberten Wald in ihrem Haus aus Schädeln wohnt.
Shiseidos Basala erzählt von der unbestimmbaren Dunkelheit dieses Waldes, in dem die Baba Jaga wohnt. Er lockt uns an und stößt zurück, führt in die Irre und verwehrt uns jede Ankunft. Das Lockende sind rauchweiche Gewürze zu Beginn, doch ohne Süße - und dann ist man hineingeraten in den Zauberwald und findet nicht heraus. Irrlichtern gleich blitzen Blüten auf - Nelke, Rose und Jasmin - und Zimt und Harze ziehen uns weiter hinein und treiben uns dem Haus aus Schädeln zu. Was schmerzlich fehlt, ist das Versöhnliche, das sanft Umfangende, das man erwartet, das man braucht nach dieser stolpernden Irrung durch Baba Jagas kaltverwunschenen Wald. Die Haltbarkeit ist hoch, man findet lange nicht heraus.
Die aufgeführten 'Was gehört hier nicht dazu?'-Ingredienzen 'Frucht', 'Neroli' und vor allem 'Kokosnuss' sind für mich nicht wahrnehmbar, was kaum bedauert werden kann.
Basala, das ist einer, der seiner Zeit auf merkwürdige Weise entrissen scheint. Seltsam deplaziert Anfang der 90er inmitten der Aquaten, die den Markt damals beherrschten, ist er ganz lose noch verwandt mit den kraftvollen Fougères der 80er und eine irritierende Vorahnung auf das, was wir heute 'Nische' nennen. Auch eine - wenngleich nicht irgendeine - Frau kann Basala tragen. Er ist kein leichter Duft, nichts schmeichelt sich ein, nichts schmiegt sich an. Fordernd ist er, anstrengend und verlangt Konzentration, ist dabei gleichermaßen aufregend wie komplex.
Fazit: ein seltsames Relikt aus den 90ern. Hochinteressant für den, der sich beschäftigen mag mit ihm. Nicht geeignet für die leichte Freude und das schnelle Glück.
Frage; Wie wird man solch eine randständige Alte, die außerhalb des Dorfes wohnt und ganz offensichtlich auf tröstende Umarmungen von Familienmitglieder verzichten musste und muss ? Antwort: Jede Gesellschaft züchtet sich die Baba Yaga, die sie verdient. Man soll das Austragshäusel der Großmutter nicht außerhalb des Geländes bauen, auf dem der Familienwohnsitz steht ;-) Ganz zu schweigen von den Schädeln der offensichtlich vor ihr dort gelebt habenden Senioren, welche ebenfalls die Hütte besiedelt zu haben scheinen ...
Leichte Freude und schnelles Glück haben oft nicht viel Tiefgang. Basala hatte ihn und wurde von seinen Liebhabern schwer vermisst, zumal es tatsächlich zu dieser Zeit vor allem Aquaten gab. So manche meiner Kunden fanden dann zu Antaeus.
Wirklich schön zu lesen, gerade wenn man sich so für Mythologie interessiert wie ich. Wirklich toll.
Danke dafür.
Der Duft kommt auf die Wunsch und Einkaufsliste