Der Osterhase, also in diesem Falle ich, versteckte mir im Jahr 2000 den wunderschönen Flakon , verpackt in puristisch-edler Papp-Umhüllung, wirklich in Eiform zu diesem unvergesslichen Fest bei Sommerhitze und Picknickwetter am Strelasund. Der Flakon hat eine typisch japanische Form: Der Natur nachempfunden, ähnlich wie auch bei vielen Kenzo-Flakons, lässt diese organische Form an eine stilisierte Muschel oder eine Knospe denken.Der untere Teil glasklar, der obere Teil als Milchglasdeckel, dessen Unterseite mit roten japanischen Schriftzeichen bedeckt ist, die ja allein schon einen wunderbaren grafischen Effekt haben. Optik und Haptik, die begeistern. Annam ist im Wesentlichen ein blumiger Duft: Die Lilie hat hier die Trumpfkarte in der Hand , flankiert von Tuberose. Und die Lilie spielt ihre Vorteile hier auch sofort aus, ähnlich wie in "Lily & Spice," mit dem durchaus Ähnlichkeiten bestehen. Stolz, ja majestätisch ist der Auftritt, so gar nicht japanisch, wie die glasklare Tinktur vermuten ließe. So, als würde man versehentlich Wodka aus einem Glas trinken, das man für Wasser gehalten hat! Oha! Lilienliebhaber/innen werden ihn dagegen mögen, diesen wunderbaren Sud! Auch ein Anteil Holziges spielt schnell eine Rolle, als Dämmstoff eingesetzt, vermutlich helles Holz. Und dann kommt der Trick: Tatsächlich bekommt die Lilie ein Bad, das ein Milchbad sein könnte, alles wird verschwommener, weicher, cremig-halbflüssig. Noch immer ist die Lilie zwar sehr präsent, bekommt aber dadurch jene Dosierung, die sie tragbar macht. Reis? Eigentlich sollte ich ihn erkennen: Ich habe schon sehr viele Reissorten, von Himalayareis bis zum schwarzen kanadischen Wildreis ( der botanisch gesehen keiner ist) , ja, sogar japanischen Rundkornreis wie auch diverse Zubereitungsarten ausprobiert: Die verschiedenen Reissorten riechen natürlich unterschiedlich, wenn auch den meisten eingewisser Stärkeduft gemeinsam ist. Ich bin unschlüssig. Den die Blumigkeit dämpfenden Charakter würde ich eher Milch und Moschus zuschreiben wollen. Nach etwa einer Stunde hat die schöne Lilie das Milchglasstadium und damit eine feine , sehr typvolle Eleganz erreicht - für Lilienliebhaberinnen. Wer bei Blumendüften zu mimosenhaft ist, sollte lieber verzichten, denn Zartheit gehört eben nicht zu den Signaturen dieses Wassers. Eingangs habe ich auf die Beziehung zu "Lily & Spice" hingewiesen. Doch während der Penhaligon nelkiger und würziger, ja fast ein bisschen zickig ist, erscheint mir die Lilie in "Annam" purer , beide aber sind angenehm wenig synthetisch. Ein vermutlich eher weiblicher Duft , tragbar besser am Abend als im Büro. Wunderschön - leider auch vom Dufthorizont verschwunden. Er war erhältlich bei Createurs de Beaute Paris, wo dmals in schneller Folge viele spannende Düfte angeboten wurden. Der Modedesigner Tan Giudicelli ist Amerikaner asiatisch-italienischer Herkunft, und "Annam" gehört definitiv in die florientale Abteilung, während sein "Zen" tatsächlich ein klarer, fernöstlich inspirierter Duft ist. Offenbar sollte Annam eine Hommage an seine östlichen Wurzeln sein - Annam ist der alte Name für das Gebiet, das in etwa Vietnam umfasst, klar: traditionelles Reisanbaugebiet. Ihm ist ein wunderbarer Duft gelungen, auch wenn mir der Reis dabei eher sehr fern-östlich erscheint.
Hm, hat etwas Ungestimmtes Anziehendes für mich, wie Meo Fuscini 3²Nota di viaggio - Ciavuru d' amurí, obwohl für Annam andere "Duftideen" vorstellt werden. Reisschüssel+ (kann auch keinen Reis erschnuppern)
Ich habe vor kurzem erst meinen Mini getestet, konnte aber zum Glück keine Parallele zu Lily & Spice ziehen, der mir eindeutig zu "pfeffrig" war. Ganz toller Kommentar!!