Ombré Leather 16 von Tom Ford

Ombré Leather 16 2016

loewenherz
23.10.2016 - 14:34 Uhr
26
Top Rezension
8Duft 7Haltbarkeit 6Sillage 9Flakon

Der Duft für den Papili

Bildungsfrage: welcher Film ist das, der so beginnt? Schloss Possenhofen am Starnberger See in der Morgensonne, auf einem Bootssteg ein schnurrbärtig-stattliches Mannsbild im Trachtenjanker, angelnd. Jodelnde Flößer fahren vorbei, die artig 'Guten Morgen, Königliche Hoheit!' wünschen, er ruft herzlich zurück: 'Grüß euch Gott!', jovial winkend. Dann beißt ein Karpfen an, gefühlte zwanzig Kinder (ebenfalls in Trachtenjanker oder Dirndl, jedes einzelne von ihnen herzigst) laufen eine blumenübersäte Wiese hinunter auf ihn zu, und ein Junge ruft: 'Kommts alle gschwind - der Papili hat an Fisch gfangen! An ganz an großen!'

Das stattliche Mannsbild auf dem Steg ist der Herzog Max in Bayern, der Vater der späteren Kaiserin Elisabeth von Österreich, verkörpert vom Schauspieler Gustav Knuth. In der berühmten Sissi-Trilogie (deren Eröffnungsszene obige natürlich ist) historisch korrekt wiedergegeben ist die rustikale und volksnahe Art des Herzogs. Falsch hingegen ist die im Film kolportierte glückliche Ehe mit der Herzogin Ludovika. Die Verbindung war arrangiert und von beiden ungewollt, legendär ist der Fluch der Braut beim Werfen des Bouquets auf ihrer eigenen Hochzeit: 'Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende!'

Max in Bayern - in der Darstellung von Knuth - ist ein freundlich-temperamentvoller Mann, unkompliziert in seinen Umgangsformen. Einer, der lieber am Gesindetisch mit Musikanten Würstl und Bier zum Abendbrot hat als mit der gestrengen Erzherzogin Sophie (seine Schwägerin und die Mama des jungen Kaisers) in Ischl zu soupieren. Der mit der Sissi 'auf den Bock' geht und sie mit dem Pferd über Hecken zu springen ermuntert und die Herzogin - als diese einen königlichen Kurier zurechtweist, dass seine königliche Hoheit seinen Lebensstil nicht zu 'mäßigen' gedenke - um die Taille herumwirbelt und ruft: 'Wickerl, du bist ja ein Mordskerl!'

All das - das Rustikale und das Aufbrausende, das Unkomplizierte und das Freundliche - findet sich in Ombré Leather 16, Tom Fords jüngstem Lederduft. Und wenngleich ich mich als intimer Kenner und Liebhaber von Tuscan Leather frage, ob ein solch wesensähnlicher Duft notwendig war, ist er doch runder und versöhnlicher, weniger hochfahrend und weniger wild. Wo Tuscan Leather ein Griff in den (eigenen) Schritt ist, Rockerstolz und schmutziges Motorenöl, hat Ombré Leather 16 mehr weiches Wildleder - in meiner Nase eher haselnussbraun als schwarz - und mehr würzige Süße. Patchouli und Moos zum Trotz ist seine Basis nicht finster, geschweige denn muffig, sondern sanft und ruhig. Aber das ist Tuscan Leather ganz am Ende auch.

Fazit: die Sanftheit steht ihm gut und nimmt ihm nichts von seiner Männlichkeit. Ombré Leather 16 ist ein stattliches Mannsbild - an einer Dame sehe ich ihn eher nicht - wie der Papili auf dem Bootssteg, der grad 'an ganz an großen Fisch gfangen hat'.
5 Antworten
PoesiefannyPoesiefanny vor 4 Jahren
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Hurra!! Knööööödl ....;-) sicher ein toller Duft füra ganz g'standns Mannsbild...
JumiJumi vor 9 Jahren
Den will ich nochmals ausgiebig testen, denn der erste Kurztest zeigte, dass mir TL doch lieber ist, bei aller Ähnlichkeit der beiden... Und dein Kommi - wie immer, beschreibt nicht nur den Duft treffend, sondern enthält auch Wissenswertes :)
SinioerkelSinioerkel vor 9 Jahren
Ich finde, das ist endlich ein Duft auch für Mamili.
SerloSerlo vor 9 Jahren
Na Bravo! Aber mir san ja net im Zirkus... Ich bewundere deine Fähigkeit, Düfte mit Geschichten und Persönlichkeiten in Verbindung zu bringen, sodass man am Ende erahnen kann, wie der Duft riecht. Danke!
LilienfeldLilienfeld vor 9 Jahren
Aber der Papili passt in meiner Fantasie so goa ned zsamm mim Duft.
Die Sisi aber wohl;) sprich: der steht ana Dame ned, owa am Wildfang schon & ich werds wohl wissn, als Ausseerin;)