23
Top Rezension
Fordismus in lagunenblau
Die kleine Stadt Positano - rund fünfzig Kilometer südlich von Neapel oberhalb des Tyrrhenisches Meeres gelegen und der wohl berühmteste Ort an der Amalfiküste - inspirierte Tom Ford zum jüngsten seiner Sommerdüfte. Viele von diesen Sommerparfums - die meisten in wunderschönen blauen Flaschen - kreisen um das namensähnliche und vergleichbar legendäre, wenngleich deutlich weiter nördlich in Ligurien gelegene Portofino. Die älteren thematisieren die flüchtige Leichtigkeit des Neroli, die jüngeren hingegen orientieren sich an einem elegant-floralen Sonnenmilchakkord: Soleil Blanc etwa oder Orchid Soleil und Fleur de Portofino. Sole di Positano - er erzählt von steilen Gassen im blendenden Sonnenlicht über einer azurfarbenen Bucht und schönen Signore und SIgnori, die auf der Piazza 'bella figura' machen - reiht sich in diese Gruppe ein.
Und gerade hier enttäuscht Tom Ford bei diesem im Grunde schönen und ausdrucksstarken Duft - der sich nicht mehr als einreiht, der rezitiert, der wiederkäut - und der nichts Neues zu erschaffen anstrebt, es nicht einmal versucht. Es gäbe viele, durchaus auch sommerliche Themen, die dem Portfolio des Herrn Ford aus Texas noch völlig fehlen - einer mit Tuberose etwa oder ein feuchtgrüner Wasserpflanzenduft. Stattdessen verlässt sich Sole di Positano ganz auf das Fordsche Erfolgsrezept der letzten Jahre und variiert es nur ebenso geringfügig wie die Schattierung des Flakons. Das Ergebnis ist elegante Sommerfrische in zartem Lagunenblau - und doch, als servierte die Casa Ford nach Pasta mit Tomatensauce und Pasta mit Meeresfrüchten nun eben Pasta mit Meeresfrüchten in Tomatensauce. Nicht schlecht. Aber für die Casa Ford eigentlich nicht genug.
Fazit: in den Wirtschaftswissenschaften kennt man den Begriff des sogenannten 'Fordismus' - benannt nach Henry Ford und nicht nach Tom. Stark simplifiziert bezeichnet Fordismus eine extrem hohe Standardisierung von Produkt und dessen Fertigungsmethode: Maschine, Masse, Mainstream. Und damit eigentlich so gar nicht, was Tom, der jüngere Herr Ford unter den beiden (der ältere - Henry - lebte und wirkte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, Amerikaner sind sie aber beide), in seinen Parfums zu transportieren sucht. Sole di Positano scheint beinahe, also habe man einfach zu gleichen Teilen Fleur de Portofino, Orchid Soleil und Soleil Blanc miteinander gemischt und jeweils einen Spritzer Mandarino di Amalfi und Neroli Portofino hinzugegeben. Ging schnell und machte wenig Mühe und riecht dabei noch ziemlich gut. Trotzdem: das geht besser.
Und gerade hier enttäuscht Tom Ford bei diesem im Grunde schönen und ausdrucksstarken Duft - der sich nicht mehr als einreiht, der rezitiert, der wiederkäut - und der nichts Neues zu erschaffen anstrebt, es nicht einmal versucht. Es gäbe viele, durchaus auch sommerliche Themen, die dem Portfolio des Herrn Ford aus Texas noch völlig fehlen - einer mit Tuberose etwa oder ein feuchtgrüner Wasserpflanzenduft. Stattdessen verlässt sich Sole di Positano ganz auf das Fordsche Erfolgsrezept der letzten Jahre und variiert es nur ebenso geringfügig wie die Schattierung des Flakons. Das Ergebnis ist elegante Sommerfrische in zartem Lagunenblau - und doch, als servierte die Casa Ford nach Pasta mit Tomatensauce und Pasta mit Meeresfrüchten nun eben Pasta mit Meeresfrüchten in Tomatensauce. Nicht schlecht. Aber für die Casa Ford eigentlich nicht genug.
Fazit: in den Wirtschaftswissenschaften kennt man den Begriff des sogenannten 'Fordismus' - benannt nach Henry Ford und nicht nach Tom. Stark simplifiziert bezeichnet Fordismus eine extrem hohe Standardisierung von Produkt und dessen Fertigungsmethode: Maschine, Masse, Mainstream. Und damit eigentlich so gar nicht, was Tom, der jüngere Herr Ford unter den beiden (der ältere - Henry - lebte und wirkte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, Amerikaner sind sie aber beide), in seinen Parfums zu transportieren sucht. Sole di Positano scheint beinahe, also habe man einfach zu gleichen Teilen Fleur de Portofino, Orchid Soleil und Soleil Blanc miteinander gemischt und jeweils einen Spritzer Mandarino di Amalfi und Neroli Portofino hinzugegeben. Ging schnell und machte wenig Mühe und riecht dabei noch ziemlich gut. Trotzdem: das geht besser.
Aktualisiert am 02.06.2017 - 14:01 Uhr
5 Antworten
Flanker vor 8 Jahren
1
Sehr treffender Kommtar. Leider leiden einige an diesem Syndrom. Auch bei MFK z.B. deutlich festzustellen. Dort wo das Bewusstsein der eigenen DNA zum Markenkannibalsmus wird bzw. steigende Langeweile verursacht.
Darla vor 8 Jahren
Der Duft ist ganz nett, aber nicht umwerfend.
Fünke vor 8 Jahren
Sehr guter Kommentar, intelligent und unterhaltsam. Merci
DOCBE vor 8 Jahren
Interessante Querbeziehung!
Turandot vor 8 Jahren
Düfte am Fließband sozusagen?

