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Top Rezension
Der willkommene Gast
Seit sicherlich fünf oder sechs Jahren habe ich dieses Parfum nicht zu Gesicht bekommen und geschweige denn gerochen. Schließlich saß ich vor kurzem mit Bekannten und Freunden am Tisch zum Abendessen und mir fiel ein sehr markanter Duft auf. Der Mann der ihn trug, ist ein guter Freund meines Bruders.
Und wie ich da so saß und aß, verweilte ich in mir und ich dachte mir die ganze Zeit, irgendwie kennst du den Duft. Irgendwie zieht er dich in die Vergangenheit zurück. Ich fragte natürlich nach und er sagte Trussardi. Ja – der is es! Mein Gehirn begann gleich zu arbeiten und ich dachte gleich an meine erste Trussardi Erfahrung. Zum ersten Mal vom Vater geschenkt bekommen, stolz getragen und immer wieder den Vater dafür bewundert, was er doch immer schon für einen guten Geschmack hatte. Der machte mich an der Duft – und wie. Ich mochte ihn sehr gern und habe ihn gerne getragen. Doch als er leer war, kaufte ich keinen nach.
Schließlich bekam ich am nächsten Tag eine klitzekleine Abfüllung des Parfums, was mir mein Bruder vorbeibrachte. Ich war so gierig ihn auszukosten und als mein Bruder wieder weg war, verzog ich mich unter die Dusche, rieb mir wie ein Verrückter die letzten Strapazen des Tages vom Körper um ja jeden einzelnen Duftkörper dieses Parfums auf meiner Haut wahrzunehmen. Feuchte Haut und ein gutes Parfum – perfekt, was will man mehr.
Ich zielte direkt auf mein Handgelenk, ein Spritzer auf die Brust und einen auf die Halsschlagader. Nur kurz gesprüht, um ja nicht zu übertreiben, denn damals schon wusste ich, das dieses Parfum etwas ganz eigenes ist und vor allem sehr außergewöhnlich und knallhart maskulin, wobei es nie tyrannisch und aufsässig rüberkam.
Nun stand ich da, betrachtete mich im Spiegel und zog den Duft sachte in mich hinein. Ja – wie damals . Das ist der alte Trussardi. Deshalb wurde ja mit meiner Abfüllung gegeizt. Lach. Aber man ist ja zufrieden mit dem was man hat. Den Rest packte ich in ein dunkles Seidentuch und packte ihn in eine kleine Kiste. Denn muss ich mir gut einteilen, zumal nach ein paar Sprühern leider alles leer ist. Den neuen Trussardi kann ich leider nicht für mich gewinnen. Schade dass die beiden so unterschiedlich sind, obwohl sie denselben Namen tragen.
Zurück zum Duft. Ich bin kurz zum Fluss gegangen, habe eine kleine Runde gedreht und mich wieder nach Hause verdrückt. Ich konnte nicht von mir lassen. Es schien mir so als würde neben mir eine Persönlichkeit stehen und mich auf Schritt und Tritt verfolgen. Der hat eine Persönlichkeit, mein lieber Schwede. So präsent und wohltuend, als könnte er sich alles erlauben. Ich schmunzelte. Wie war es damals? Meine Mutter sagte ich rieche wie eine Ratte, die gerade auf Beutezug ging. Sie mochte den Duft überhaupt nicht. Nun meine Mutter hatte für Parfums nicht viel übrig. Ihre Kommentare waren aber meistens lustig und ich musste so oft lachen, wenn sie wieder was von sich gab. Mein Vater jedoch war ganz anderer Meinung. Er selbst mochte den Duft gerne, meinte aber , ihn nicht oft getragen zu haben. Der passe nicht zu seinem Charakter.
Der Duft entfaltet seine prächtige Persönlichkeit, als wäre es ein unsichtbarer Mensch neben mir, der mich stützt und durch den Tag begleitet. Ich bin fasziniert wie präsent ein solcher Duft doch sein kann. Habe dies eigentlich nicht so oft erlebt und wenn dann war es Duro oder Black Afgano, die mit ihrer Persönlichkeit nur so protzten und keinen an sich ran ließen. Trussardi ist da etwas anders. Er lässt einen an sich ran. Nah, aber jedoch nicht so als könnte man ihm auf die Zehenspitzen treten. Auskosten und probieren kann man ihn – aber durchschauen niemals. Er ist ein Duft, den man nicht besonders gut einordnen kann. Die Duftpyramide ist für mich so nicht verständlich, denn er wiegt sich von der Schwere bis in die Tiefe und holt kaum Luft, um leichter zu werden. Es ist eine vermischte Meisterkreation, die es schafft einem für einige Momente außer Atem zu lassen. Denn so mächtig wie Trussardi wirkt, so liebenswürdig ist er im Inneren. Das Dumpfe, das Schwere bleibt ihm erhalten, auch wenn er überstrapaziert wird – er bleibt knallhart und ist immer bei mir. Eine Persönlichkeit, die auf Leder abfährt, die Motorgeräusche über alles liebt und durch deren Andern Benzin fließt. Rauschend und schnell vergräbt sich Trussardi in mir – zeigt mir seine Züge und setzt sich gekonnt in Szene. Leder ist allerdings sehr markant im Duft zu vernehmen. Fließend, dann doch wieder hart, dann wieder anschmiegsam. Ein Leder, in dem man sich wohlfühlt und seine Arme auch weiten kann , entgegen all den trotzigen Leuten, die einem nichts gönnen. Die einem alle Lust und Freude nehmen wollen, weil sie es selber nicht haben oder nicht haben können. Trussardi trotzt und wie. Er widersetzt sich all den Regeln, was ihm andere vorgeben, pulsiert mit seinem ganz eigenen Stil und steigt nicht von seinem maskulinen Thron ab. Wieso auch? Er hat es auch nicht nötig. Er hat es sich verdient oben zu sein. Obwohl er ganz schön hoch ist, sieht er auf keinen von oben herab. Zu machohaft und zu herb ist er nicht.
Die Persönlichkeit neben mir scheint noch immer neben mir zu sitzen. Ich fühle mich äußerst wohl in der Gesellschaft von Trussardis „Körper“ Ein willkommener Gast, der mich und mein Heim immer wieder aufsuchen sollte. Leichter Tabakgeruch schwingt sich in die Tiefe des Parfums, macht ihn etwas leichter, aber es wird gleich vom Leder in die Tiefe zurückgedrängt und eine reine Vanilleschote gesellt sich dazu. Das i – Tüpfelchen in dieser Kombination. Vanille und Leder mit Tabak gemischt? Fantastisch sag ich euch.
Nach einer Weile wird es stiller im Raum und auf meiner Haut. Ich bin tief gesunken, versunken im Schwarzen Meer, doch fühle mich gut und befreit. Dunkle Rosenblätter decken mein Gemüt, wie mit einer Decke zu. Berreichert mit viel Muskat und so pompösen Ambra, das es mich innerlich fast erschüttern lässt, wie gut doch Trussardi ist. Wie gut er sich entwickelt – wie gut er auf einem wirkt und wie er seinen Charakter durch den Körper zieht, als wäre all dies sein Eigentum. Ich lasse es jedoch geschehen, und wehre mich nicht.
Es schwingt immer Leder mit seinen zwei Kompanen mit- Vanille und Taba. Ein perfekt abgestimmtes Parfum, was sich auch sehr lange auf der Haut festsetzt.
Ich bin längst versunken. Getrieben von schwarzen Wellen. Doch dieses Schwarze zieht mich förmlich an. Trussardi ist dunkel und schwer, aber es macht mich an und ich bin sehr ruhig, auch wenn es mich längst nach unten gezogen hat. Ich will nicht rauf. Hier ist es warm und gemütlich. Meine Männlichkeit kratzt an meinem Kragen – ja der drei Tage Bart kann mit Trussardi gut getragen werden.
Mein unsichtbarer Gast verliert sich dann auch irgendwo in irgendwelchen schwarzen Wellen und das nach fast 14 Stunden. Es war kein wilder Ritt auf den Wellen. Eher ein leises Vergnügen.
Trussardi ist nicht nur ein gerngesehener Gast, er verkörperte , im wahrsten Sinne des Wortes, auch das stivole Leben eines Mannes, der sein Leben genießt und voll auskostet. Der sich schleichend durch sein Leben bewegt, ohne jeglichen Krach zu machen, aber dennoch ihn alle bemerken und wahrnehmen.
Ich ziehe noch ein letztes Mal an meinem Handgelenk.
Atme ruhig und denke an den schönen Spruch, der mir irrsinnig gut gefällt -
Du vergisst viele Momente in denen Du atmest. . Aber ein Moment in dem Dir die Luft weg bleibt, den vergisst Du nicht so schnell.
Mir ist bei Trussardi definitiv die Luft weggeblieben
Und wie ich da so saß und aß, verweilte ich in mir und ich dachte mir die ganze Zeit, irgendwie kennst du den Duft. Irgendwie zieht er dich in die Vergangenheit zurück. Ich fragte natürlich nach und er sagte Trussardi. Ja – der is es! Mein Gehirn begann gleich zu arbeiten und ich dachte gleich an meine erste Trussardi Erfahrung. Zum ersten Mal vom Vater geschenkt bekommen, stolz getragen und immer wieder den Vater dafür bewundert, was er doch immer schon für einen guten Geschmack hatte. Der machte mich an der Duft – und wie. Ich mochte ihn sehr gern und habe ihn gerne getragen. Doch als er leer war, kaufte ich keinen nach.
Schließlich bekam ich am nächsten Tag eine klitzekleine Abfüllung des Parfums, was mir mein Bruder vorbeibrachte. Ich war so gierig ihn auszukosten und als mein Bruder wieder weg war, verzog ich mich unter die Dusche, rieb mir wie ein Verrückter die letzten Strapazen des Tages vom Körper um ja jeden einzelnen Duftkörper dieses Parfums auf meiner Haut wahrzunehmen. Feuchte Haut und ein gutes Parfum – perfekt, was will man mehr.
Ich zielte direkt auf mein Handgelenk, ein Spritzer auf die Brust und einen auf die Halsschlagader. Nur kurz gesprüht, um ja nicht zu übertreiben, denn damals schon wusste ich, das dieses Parfum etwas ganz eigenes ist und vor allem sehr außergewöhnlich und knallhart maskulin, wobei es nie tyrannisch und aufsässig rüberkam.
Nun stand ich da, betrachtete mich im Spiegel und zog den Duft sachte in mich hinein. Ja – wie damals . Das ist der alte Trussardi. Deshalb wurde ja mit meiner Abfüllung gegeizt. Lach. Aber man ist ja zufrieden mit dem was man hat. Den Rest packte ich in ein dunkles Seidentuch und packte ihn in eine kleine Kiste. Denn muss ich mir gut einteilen, zumal nach ein paar Sprühern leider alles leer ist. Den neuen Trussardi kann ich leider nicht für mich gewinnen. Schade dass die beiden so unterschiedlich sind, obwohl sie denselben Namen tragen.
Zurück zum Duft. Ich bin kurz zum Fluss gegangen, habe eine kleine Runde gedreht und mich wieder nach Hause verdrückt. Ich konnte nicht von mir lassen. Es schien mir so als würde neben mir eine Persönlichkeit stehen und mich auf Schritt und Tritt verfolgen. Der hat eine Persönlichkeit, mein lieber Schwede. So präsent und wohltuend, als könnte er sich alles erlauben. Ich schmunzelte. Wie war es damals? Meine Mutter sagte ich rieche wie eine Ratte, die gerade auf Beutezug ging. Sie mochte den Duft überhaupt nicht. Nun meine Mutter hatte für Parfums nicht viel übrig. Ihre Kommentare waren aber meistens lustig und ich musste so oft lachen, wenn sie wieder was von sich gab. Mein Vater jedoch war ganz anderer Meinung. Er selbst mochte den Duft gerne, meinte aber , ihn nicht oft getragen zu haben. Der passe nicht zu seinem Charakter.
Der Duft entfaltet seine prächtige Persönlichkeit, als wäre es ein unsichtbarer Mensch neben mir, der mich stützt und durch den Tag begleitet. Ich bin fasziniert wie präsent ein solcher Duft doch sein kann. Habe dies eigentlich nicht so oft erlebt und wenn dann war es Duro oder Black Afgano, die mit ihrer Persönlichkeit nur so protzten und keinen an sich ran ließen. Trussardi ist da etwas anders. Er lässt einen an sich ran. Nah, aber jedoch nicht so als könnte man ihm auf die Zehenspitzen treten. Auskosten und probieren kann man ihn – aber durchschauen niemals. Er ist ein Duft, den man nicht besonders gut einordnen kann. Die Duftpyramide ist für mich so nicht verständlich, denn er wiegt sich von der Schwere bis in die Tiefe und holt kaum Luft, um leichter zu werden. Es ist eine vermischte Meisterkreation, die es schafft einem für einige Momente außer Atem zu lassen. Denn so mächtig wie Trussardi wirkt, so liebenswürdig ist er im Inneren. Das Dumpfe, das Schwere bleibt ihm erhalten, auch wenn er überstrapaziert wird – er bleibt knallhart und ist immer bei mir. Eine Persönlichkeit, die auf Leder abfährt, die Motorgeräusche über alles liebt und durch deren Andern Benzin fließt. Rauschend und schnell vergräbt sich Trussardi in mir – zeigt mir seine Züge und setzt sich gekonnt in Szene. Leder ist allerdings sehr markant im Duft zu vernehmen. Fließend, dann doch wieder hart, dann wieder anschmiegsam. Ein Leder, in dem man sich wohlfühlt und seine Arme auch weiten kann , entgegen all den trotzigen Leuten, die einem nichts gönnen. Die einem alle Lust und Freude nehmen wollen, weil sie es selber nicht haben oder nicht haben können. Trussardi trotzt und wie. Er widersetzt sich all den Regeln, was ihm andere vorgeben, pulsiert mit seinem ganz eigenen Stil und steigt nicht von seinem maskulinen Thron ab. Wieso auch? Er hat es auch nicht nötig. Er hat es sich verdient oben zu sein. Obwohl er ganz schön hoch ist, sieht er auf keinen von oben herab. Zu machohaft und zu herb ist er nicht.
Die Persönlichkeit neben mir scheint noch immer neben mir zu sitzen. Ich fühle mich äußerst wohl in der Gesellschaft von Trussardis „Körper“ Ein willkommener Gast, der mich und mein Heim immer wieder aufsuchen sollte. Leichter Tabakgeruch schwingt sich in die Tiefe des Parfums, macht ihn etwas leichter, aber es wird gleich vom Leder in die Tiefe zurückgedrängt und eine reine Vanilleschote gesellt sich dazu. Das i – Tüpfelchen in dieser Kombination. Vanille und Leder mit Tabak gemischt? Fantastisch sag ich euch.
Nach einer Weile wird es stiller im Raum und auf meiner Haut. Ich bin tief gesunken, versunken im Schwarzen Meer, doch fühle mich gut und befreit. Dunkle Rosenblätter decken mein Gemüt, wie mit einer Decke zu. Berreichert mit viel Muskat und so pompösen Ambra, das es mich innerlich fast erschüttern lässt, wie gut doch Trussardi ist. Wie gut er sich entwickelt – wie gut er auf einem wirkt und wie er seinen Charakter durch den Körper zieht, als wäre all dies sein Eigentum. Ich lasse es jedoch geschehen, und wehre mich nicht.
Es schwingt immer Leder mit seinen zwei Kompanen mit- Vanille und Taba. Ein perfekt abgestimmtes Parfum, was sich auch sehr lange auf der Haut festsetzt.
Ich bin längst versunken. Getrieben von schwarzen Wellen. Doch dieses Schwarze zieht mich förmlich an. Trussardi ist dunkel und schwer, aber es macht mich an und ich bin sehr ruhig, auch wenn es mich längst nach unten gezogen hat. Ich will nicht rauf. Hier ist es warm und gemütlich. Meine Männlichkeit kratzt an meinem Kragen – ja der drei Tage Bart kann mit Trussardi gut getragen werden.
Mein unsichtbarer Gast verliert sich dann auch irgendwo in irgendwelchen schwarzen Wellen und das nach fast 14 Stunden. Es war kein wilder Ritt auf den Wellen. Eher ein leises Vergnügen.
Trussardi ist nicht nur ein gerngesehener Gast, er verkörperte , im wahrsten Sinne des Wortes, auch das stivole Leben eines Mannes, der sein Leben genießt und voll auskostet. Der sich schleichend durch sein Leben bewegt, ohne jeglichen Krach zu machen, aber dennoch ihn alle bemerken und wahrnehmen.
Ich ziehe noch ein letztes Mal an meinem Handgelenk.
Atme ruhig und denke an den schönen Spruch, der mir irrsinnig gut gefällt -
Du vergisst viele Momente in denen Du atmest. . Aber ein Moment in dem Dir die Luft weg bleibt, den vergisst Du nicht so schnell.
Mir ist bei Trussardi definitiv die Luft weggeblieben
4 Antworten
Hordak vor 13 Jahren
Genau! Er ist ein schönes Ungeheuer! Ich liebe ihn, und hüte meinen 100ml Flacon wie einen Schatz. Als ich die Reinterpretation "Trussardi Uomo 2011" gerochen habe, bekam ich einen Wutanfall, und war kurz davor mit Dynamit nach Bergamo zu reisen!
Smello vor 13 Jahren
Waaaaaarum kenn ich den nicht um gottes willlen, danke für jede Zeile. Klonk, Pokal für dich!
Mandelmaus vor 13 Jahren
Liest sich wie von selbst und macht neugierig, danke. :-D
Yatagan vor 13 Jahren
Jaaaaaaaaaaa! Dieser Duft ist ein Ungeheuer! Schwarzes Meer, schwarze Welle sind gute Assoziationen. Und bei der Länge hast Du vermutlich die Zeichenzahl voll ausgereizt, bis auf den letzen Buchstaben?? Das ist ein würdiger Kommentar zu diesem Duft!!!

