Saharienne- klingt für mich sehr verführerisch. Die Wüste vom Flugzeug aus zu sehen, gar nicht langweilig und öde, war einfach fantastisch.Einen kleinen Wüstentrip oder ein Fahrtraining in der Wüste zu unternehmen ist schon lange mein Traum, alles freilich unter Anleitung, um nicht als Gerippe diese tolle Landschaft zu dekorieren. Ich denke auch an die Touareg, jene sagenhaften Wüstennomaden, bei denen die Männer die blauen Kopfturbane mit Gesichtsschleier tragen und die Frauen ihre schönen Gesichter zeigen dürfen.Alles in allem ein hartes Leben,das nicht zu sehr romantisiert werden sollte, in dem dennoch Platz für Poesie ist.Die Lyrik- erst seit kurzem in Schriftform gefasst- und der Schmuck und Alltagsgegenstände - bezeugen es. Der Flakon erscheint mir zum Thema zu gekünstelt.Die Rillen auf dem Glas, die Sandwellen andeuten könnten, mit dem YSL-Emblem in der Mitte sind mir für einen Wüstenduft zu schnieke.Spiel mit organischen Formen- aber bitte nicht in Symmetrie erstarrt wie Bäume im französischen Garten.Lediglich die Farbgebung scheint mir gut gewählt. Saharienne eröffnet mit den üblichen zitrischen Verdächtigen, einen Augenblick sogar recht süß,hat aber gleichzeitig einen leichten sandigen Hauch, oder ist das eine Fata Morgana? Nicht uninteressant, doch mit einem leichten synthetischen Touch. Und dann kommt die Wüste richtig, aber leider in Form eines undefinierbar-blumigen Zuckerwassers.Ebenfalls sehr synthetisch.Zwar ist irgendeine interessante Note enthalten,mag sein Galbanum, aber diese wurde nicht raffiniert ausgespielt!Ich hätte mir hier eine unsüße "Sandigkeit gewünscht, nicht in Form eines Peelings natürlich, aber eine leichte Rauigkeit, wie sie anfangs für einen Moment auftaucht. Ingwer könnte enthalten sein, aber nicht als frische Wurzel, sondern in zähflüssigem Sirup eingequetscht und all seiner Potenzen beraubt.Rosa Pfeffer?Auch wenn er kein "echter" Pfeffer ist, ich habe ihn bereits in Marokko frisch gepflückt und probiert - dieser blieb wohl, wo der Pfeffer wächst. Alles in allem: Die Chance, dieses spannende Thema Wüste in einen Flakon zu bannen, wurde verspielt.Der Parfumeur gehört in die Wüste geschickt,zu Studien vor Ort, denn diese "Reißbrett-Sahara", so würde ich sein Werk nennen, überzeugt mich nicht. Ich muss an einen DDR-Witz denken: "Was ist, wenn der Wirtschaftsminister in die Wüste geschickt wird?" -Antwort: "Dann gibt es nach einem Monat keinen Sand mehr!" Ein großer wirtschaftlicher Erfolg wird "Saharienne" nicht beschieden sein,wurde sozusagen in den Sand gesetzt.