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Beaver (2016) von Zoologist

Beaver 2016

Version von 2016
loewenherz
11.03.2018 - 05:15 Uhr
17
Top Rezension
7.5Duft 6Haltbarkeit 6Sillage 7Flakon

The shape of water

So lautet der Name des Überraschungssiegers der diesjährigen Academy Awards - sein deutscher Titel lautet, etwas unpräzise übersetzt: 'Das Flüstern des Wassers'. Guillermo del Toro erzählt darin die Geschichte der stummen Elisa Esposito, die im Baltimore der 1960er Jahre als Reinigungskraft in einem geheimen Labor der US-amerikanischen Regierung arbeitet, in dem ein Amphibienmensch gefangen gehalten wird. Elisa - so verletzlich und herzzerreißend kindlich-entschlossen gespielt, wie es unter den Schauspielerinnen der Gegenwart wohl nur Sally Hawkins kann - verliebt sich in die wundersame Kreatur und verhilft ihr zur Flucht in die Freiheit. Und am Ende wird die Kreatur ihrerseits Elisa retten und sie in ein anderes, ein vielleicht besseres Leben mitnehmen.

Der Film erzählt von dieser ungewöhnlichen Liebe in betörenden und surrealen Bildern. Da ist das intensive Spiel von Sally Hawkins, die ja (fast) nur mit ihrer Mimik und Körpersprache spielen kann. Da ist der gequälte Amphibienmensch, der nicht zufällig an jene Kreatur aus 'Der Schrecken vom Amazonas' von 1954 erinnert. Da sind eine Bildsprache und Musik in der Tradition jener, die das Publikum schon in 'Die fabelhafte Welt der Amélie' verzauberten. Da ist eine Geschichte so poetisch und phantastisch, dass man ihre logischen Ungenauigkeiten wenn denn bemerkt, doch nicht als störend hinterfragt - in einer eindringlichen und intensiven Farbigkeit, deren tiefleuchtende Feuchte den Zuschauer in eine Welt entführt, die fremd ist und zugleich beunruhigend vertraut.

Diese den ganzen Film durchdringende blaugrüne Feuchte, die lichtlos ist und doch aus der Tiefe heraus leuchtet, transportiert auch Beaver, Zoologists Tribut an den Bieber. Da sind das Glucksen einer schattigen, dunklen Lagune und darin etwas wie blütenlose Seerosen. Da ist eine surreale Zärtlichkeit, die liebevoll und abstoßend zugleich erscheint. Da ist eine tiefgrüne Wässrigkeit weit jenseits dessen, was in Parfums sonst 'aquatisch' genannt wird - weit jenseits von Frische und hellblauer Heiterkeit. Stattdessen ist Beaver ein ernster und dunkler Wasserduft - einer, der nicht von wildschäumenden Brandungen kündet, sondern von einem stehenden oder höchstens langsam dahintreibenden Wasser - in einer Höhle, die noch nie eines lebenden Menschen Auge sah.

Wie beschreibt man Beaver möglichst sachlich und objektiv? Wie beschreibt man einen Wasserduft, der 'stehend' riecht, aber nicht abgestanden oder stumm? Der nicht gezähmt riecht, nicht nach illuminierter Aquaristik, sondern nach wilder Kreatur? Kaltfeucht und unberührbar und doch auf seltsame Art und Weise intim und liebevoll. Als berührte man inmitten kühlen Wassers ganz plötzlich einen warmen Stein, als streifte plötzlich lebendiger Atem ganz unvermittelt das Gesicht. Es musste wohl wirklich erst das wundersame Wagnis eingegangen werden, dunkelaquatische und botanische und animalische Akkorde miteinander zu verblenden, um einen solch bemerkenswerten und faszinierenden und poetischen Duft zu erschaffen. Der manche sicherlich doch verstören wird.

Fazit: wer wissen will, wie Beaver riecht, der möge sich del Toros The shape of water ansehen. Und wer wissen möchte, wie sich The shape of water anfühlt, der rieche an Beaver von Zoologist. Oder am besten beides.
Aktualisiert am 11.03.2018 - 07:16 Uhr
4 Antworten
NikEyNikEy vor 7 Jahren
Na hoffentlich ist der Duft besser als der Film, der hat mir nämlich nicht so gefallen. Ein Pokal für diesen tollen Vergleich. Macht neugierig auf Beaver!
JumiJumi vor 7 Jahren
Den Duft hast du gut getroffen. Und der Duft das Thema :) Jetzt bin ich auf den Film neugierig .
SeeroseSeerose vor 7 Jahren
Ich fand den authentisch und nach Biber riechend, hier, ca. 50 m entfernt gibts einen, der Geruch nach frischem gespantem Holz, der fettige Tiergeruch, aber das Wasser ist nicht so brackig...gut beschrieben.
HektorHektor vor 7 Jahren
Schön geschrieben. Ich kenne leider nur den alten Bieber (2014), der hat mir nicht so gefallen. Den hier muss ich dies Jahr in Krakau unbedingt testen.