auf deutsch 'Mördertango' - so heißt ein wunderbares Stück des britischen Komponisten John Powell: ein dunkler, melancholischer und sinnlicher Tango - zeitweilig einschmeichelnd und sanft, zeitweilig begleitet von einer schroffen, herzzerreißend wimmernden Fiedel. Sukzessive steigert sich die Musik ins Dramatische und Leidenschaftliche - und ist am Ende doch traurig und still. Ich sehe eine Frau - alterslos und wunderschön - in einem schwarzen Kleid mit ausgestelltem Rock. Die dunklen Augen liegen tief in ihren Höhlen, sie trägt keinen Schmuck, nur zwei rote Mohnblumen im streng zurückgekämmten Haar. Das Gesicht des Mannes, mit dem sie tanzt, ist nicht zu erkennen, doch seine Bewegungen sind die eines Raubtieres, und seine Fingerknöchel hart und knochig. Sie tanzen, als sei dieser Tango das Letzte, was sie auf Erden tun.
Wie dieser Tango - melancholisch, hochdramatisch, lauernd und leidenschaftlich und dann wieder ganz still - ist Terry de Gunzburgs Ombre Mercure. Sein blumiger Auftakt ist trügerisch - Jasmin und Veilchen dominieren, einlullend und schon jetzt etwas morbide - denn nichts hier ist lieblich oder frisch. Ihm folgen eine pudrig-diffuse Harzigkeit und ernst-trockener Patchouli - theatralisch und beinahe hypnotisch dunkel. Etwas subtil Irdenes wohnt ihm inne und Sinnlichkeit und etwas faszinierend Zerbrechliches - wie Augenlider sekundenlang unter einer unerwarteten Liebkosung flackern - und er hat etwas sehr Körperliches, Rhythmisches, fast Musikalisches. Wie die schwarz gekleidete Tänzerin mit den Mohnblüten ihm Haar, wie sie Halbdunkel der leeren Bar mit einem gesichtslosen Mann den letzten Tango tanzt.
Fazit: melancholische Blüten (fast) ganz ohne Rose. Dunkel. Leidenschaftlich. Ungewöhnlich.
Passt wirklich sehr - Tango ist ja leidenschaflich, aber die Gesichter ja wenig einander zugewandt, das passt sehr zum Duft. Wunderschön, aber auch irgendwie distanziert.
Sehr greifender Kommi. Ich hab 10 Jahre Tango Argentino getanzt, auch mit "reifen" Argentiniern, und da kommt deine Szenerie absolut hin. Subtil Irden, hypnotisch dunkel: wunderbar beschrieben und wunderschöne treffende Bilder. Fast schmerzhaft körperlich fühlbar. Der Duft, den ich gerade trage, zieht mich in seiner Morbidität sehr an.