
Floyd
561 Rezensionen

Floyd
Top Rezension
46
Aufzeichnungen von Höhlenbesuchern
Als wir in diese Höhle kamen, war da das Züngeln von modrigen Wurzeln, ein bleicher Glanz von süßen Kristallen in dunstigen Flechten auf klammem Gestein. Da war der Geruch von staubigem Lehm wie Patina überall an den Wänden, ein fernes Raunen von schlafenden Tieren und das Flüstern von salzigem Tang. Joe bekam mächtig finstre Visionen und sagte, ich solle sie aufschreiben, doch sie verschwanden vor meinen Gedanken wie kalter Weihrauch in den Ritzen der Felsen. Sie fielen nussbraun auf dunkle Böden, in Heufasern auf raue Erden, die noch Spuren fremder Meereswesen und dunkler Holzadern trugen. Ein kühler Hauch von den Kiefern dort draußen ließ die übrigen Bilder verwehn. Joe hatte den Ort irgendwie verlassen, ich war wohl wirklich dort gewesen.
**
Die Kunst des in Saint Louis, Missouri, lebenden Weston Adams nimmt viele Formen an, von Musikcollagen, experimentellen Kurzfilmen über Philosophie, einem Buch über Ideologie und Verständnis bis hin zu seinem Versuch, mit Düften zu den Wurzeln der olfaktorischen Vorstellungskraft zu gelangen. Erstaunlich häufig wiederholen sich bei ihm dabei religiöse Motive. Ein solches taucht in "The Holy Cave of the Apocalypse" auf, in welchem er die gleichnamige Höhle auf Patmos thematisiert, in der Johannes der Theologe im Jahr 95 n.Chr. seinem Schüler Prochoros die Offenbarung diktiert haben soll.
Dementsprechend beginnt der Höhlenbesuch mit allerlei Wurzelgeflecht, erdig-feucht, modrig, lehmig-staubig (Iriswurzel), fast pudrig mit süßen Vanille- und ambrierten Weihrauchkristallen (v.a. omanischem und schwarzem) übersät und dezent warm animalisch (Ambrettewurzel, Hirschmoschus) angehaucht. Man glaubt tatsächlich in einer dunstigen Höhle zu stehen, deren Wände noch einen Weihrauchschleier tragen, es überwiegen allerdings der leicht modrige Lehm und zunehmend Tang-artig-salzige Moschusaromen der Ambra. Zur Basis hin entwickelt sich ein diffuser Nebel, wird es dunkel-erdiger (Galbanum, Tabak, Sandelholz), würzig-nussiger (Heu, Bittermandel, Pfeffer) mit einem Hauch heller Kiefernhölzer. Damit enden die eher verblichenen Aufzeichnungen des Höhlenbesuchs nach wenigen Stunden.
(Mit Dank an PerfumeAl)
**
Die Kunst des in Saint Louis, Missouri, lebenden Weston Adams nimmt viele Formen an, von Musikcollagen, experimentellen Kurzfilmen über Philosophie, einem Buch über Ideologie und Verständnis bis hin zu seinem Versuch, mit Düften zu den Wurzeln der olfaktorischen Vorstellungskraft zu gelangen. Erstaunlich häufig wiederholen sich bei ihm dabei religiöse Motive. Ein solches taucht in "The Holy Cave of the Apocalypse" auf, in welchem er die gleichnamige Höhle auf Patmos thematisiert, in der Johannes der Theologe im Jahr 95 n.Chr. seinem Schüler Prochoros die Offenbarung diktiert haben soll.
Dementsprechend beginnt der Höhlenbesuch mit allerlei Wurzelgeflecht, erdig-feucht, modrig, lehmig-staubig (Iriswurzel), fast pudrig mit süßen Vanille- und ambrierten Weihrauchkristallen (v.a. omanischem und schwarzem) übersät und dezent warm animalisch (Ambrettewurzel, Hirschmoschus) angehaucht. Man glaubt tatsächlich in einer dunstigen Höhle zu stehen, deren Wände noch einen Weihrauchschleier tragen, es überwiegen allerdings der leicht modrige Lehm und zunehmend Tang-artig-salzige Moschusaromen der Ambra. Zur Basis hin entwickelt sich ein diffuser Nebel, wird es dunkel-erdiger (Galbanum, Tabak, Sandelholz), würzig-nussiger (Heu, Bittermandel, Pfeffer) mit einem Hauch heller Kiefernhölzer. Damit enden die eher verblichenen Aufzeichnungen des Höhlenbesuchs nach wenigen Stunden.
(Mit Dank an PerfumeAl)
Aktualisiert am 02.06.2025 - 11:42 Uhr
44 Antworten



Ambrettewurzel
Iriswurzel
Boswellia papyrifera
Kiefer
omanischer grüner Weihrauch
Styrax
Tonkabohne Absolue
Vanille
Ambra
Heu
Hirschmoschus
Indischer Weihrauch
Sandelholz
Schwarzer Weihrauch
Galbanum
schwarzer Pfeffer
Tabak
Bittermandel
Varaldsoey
FrauKirsche
Brida
Rosalie234































