
Floyd
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Floyd
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In die Dämmerung vor Karnak
Kommt alle aus Euren Katakomben, steigt empor aus den verrauchten Kellern, den Nebeln aus Harz und verdorrtem Urin, bevor all die hölzernen Stufen vermodern. Sie wollen im Morgen Sesostris krönen. Er liegt betäubt schon in Tabak geschlagen, in würzige Blätter, die bitter zerschrunden seinen ledernen Körper bandagieren. Sie werden seinen toten Leib beleben, zu Stroh verdorrte Blumen zerreiben, um mit ihren herben scharfen Aromen die bösen Mächte zu bannen. Sein Atem ist warm nun von Pheromonen, seine Spuren Zigarren im dunklen Lehm, in die Dämmerung schreitet die Prozession auf den ersten goldenen Weben aus Siam.
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Die Kunst des in Saint Louis, Missouri, lebenden Weston Adams deckt viele Bereiche ab, von seinem elektronisch aggressiven Musikprojekt Men Behind the Sun über meditative Musikcollagen, von experimentellen Kurzfilmen über einem an Heideggers Philosophie des Daseins angelehnten Naturfilm bis hin zu einer über 10-stündigen filmischen Adaption von James Joyce' Finnegans Wake, von einem Buch über Ideologie und Verständnis bis hin zu seinem Versuch, mit Düften zu den Wurzeln der olfaktorischen Vorstellungskraft zu gelangen. Alles nicht eben leichte Kost, die dem Rezipienten abverlangt sich Zeit zu nehmen, was im heutigen Alltag an sich schon eine meditative Loslösung von demselben voraussetzt. Genauso langsam und bedächtig, genauso dicht und manchmal schwerfällig wie seine übrigen Kunstwerke bewegen sich auch die Duftkreationen von Weston Adams Label Phronema.
"Coronation of Sesostris" thematisiert das gleichnamige 10-Teilige Gemälde von Cy Twombly, welches die Sonnenbarke des ägyptischen Königs Sesostris, die für die Reise des Sonnengotts Ra über den Himmel steht, in metaphorische Inkongruenz zu Textfragmenten der antiken griechischen Dichterin Sappho über Liebe und Schmerz in den Bildern stellt. Im Auge des Betrachters entsteht so ein Tanz der Gegensätze.
Der Duft "Coronation of Sesostris" funktioniert ähnlich. Er eröffnet mit dunklem, knochentrockenem Zigarrentabakblatt, welches zunächst überlagert wird von Rauch, morschen Holznoten, animalisch-urinösem Castoreum und einer übersteuerten Immortelle, die an verschmorten Liebstöckel erinnert. Eine bitter-gummiartige Myrrhenote dickt das Bibergeil auf eine angenehme Art ein und unterstreicht gleichzeitig den harschen Tabak-Immortelle-Leder-Akkord, der in extremer Zeitlupe durch erdig-lehmig-balsamisches Labdanum sowie Hirschmoschus-Pheromone ergänzt wird. Man möchte förmlich immer tiefer in die winzigen Räume zwischen den derb-würzigen Noten vordringen, wo man schließlich nach einigen Stunden die dezent vanillig-medizinischen Benzoe-Harz-Aromen dunkelgolden schimmern sieht. So entsteht eine verwirrende Anziehungskraft im Abweisenden, verleiht das Rohe den Harzen mehr Schönheit.
(Mit Dank an PerfumeAl)
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Die Kunst des in Saint Louis, Missouri, lebenden Weston Adams deckt viele Bereiche ab, von seinem elektronisch aggressiven Musikprojekt Men Behind the Sun über meditative Musikcollagen, von experimentellen Kurzfilmen über einem an Heideggers Philosophie des Daseins angelehnten Naturfilm bis hin zu einer über 10-stündigen filmischen Adaption von James Joyce' Finnegans Wake, von einem Buch über Ideologie und Verständnis bis hin zu seinem Versuch, mit Düften zu den Wurzeln der olfaktorischen Vorstellungskraft zu gelangen. Alles nicht eben leichte Kost, die dem Rezipienten abverlangt sich Zeit zu nehmen, was im heutigen Alltag an sich schon eine meditative Loslösung von demselben voraussetzt. Genauso langsam und bedächtig, genauso dicht und manchmal schwerfällig wie seine übrigen Kunstwerke bewegen sich auch die Duftkreationen von Weston Adams Label Phronema.
"Coronation of Sesostris" thematisiert das gleichnamige 10-Teilige Gemälde von Cy Twombly, welches die Sonnenbarke des ägyptischen Königs Sesostris, die für die Reise des Sonnengotts Ra über den Himmel steht, in metaphorische Inkongruenz zu Textfragmenten der antiken griechischen Dichterin Sappho über Liebe und Schmerz in den Bildern stellt. Im Auge des Betrachters entsteht so ein Tanz der Gegensätze.
Der Duft "Coronation of Sesostris" funktioniert ähnlich. Er eröffnet mit dunklem, knochentrockenem Zigarrentabakblatt, welches zunächst überlagert wird von Rauch, morschen Holznoten, animalisch-urinösem Castoreum und einer übersteuerten Immortelle, die an verschmorten Liebstöckel erinnert. Eine bitter-gummiartige Myrrhenote dickt das Bibergeil auf eine angenehme Art ein und unterstreicht gleichzeitig den harschen Tabak-Immortelle-Leder-Akkord, der in extremer Zeitlupe durch erdig-lehmig-balsamisches Labdanum sowie Hirschmoschus-Pheromone ergänzt wird. Man möchte förmlich immer tiefer in die winzigen Räume zwischen den derb-würzigen Noten vordringen, wo man schließlich nach einigen Stunden die dezent vanillig-medizinischen Benzoe-Harz-Aromen dunkelgolden schimmern sieht. So entsteht eine verwirrende Anziehungskraft im Abweisenden, verleiht das Rohe den Harzen mehr Schönheit.
(Mit Dank an PerfumeAl)
Aktualisiert am 29.01.2025 - 23:49 Uhr
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Immortelle
Tabak
Bibergeil
Myrrhe
Benzoe
Hirschmoschus
Labdanum
Varaldsoey
Chizza
Brida
Rosalie234

































