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Top Rezension
Eigentlich sollte es nur ein Statement werden
Welches ungefähr lauten sollte wie folgt:
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Gong Fu am Tabakfeuer, Dimensionsschwaden.
Mondnes Glimmen ruht in meiner Tasse,
ihr Grund Mantisches flüsternd,
Und Sterne sind mir auch nur Gäste
品
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Mein Statement war ein Versuch die Grundstimmung des Duftes einzufangen, denn es ist schwer in Worte zu fassen was genau mich an diesem Duft eigentlich begeistert. Es ist so als ob die (meisten?) bisherigen Düfte, so komplex und Räumlich sie in ihrer Struktur auch waren, immer nur die Geometrische Skizze eines Raumes waren, welche man nicht betreten sondern nur betrachten konnte. Das ist mit diesem hier anders, das hier ist keine Skizze, sondern lebendiger bzw gelebter Raum, welchen man durchlaufen, betrachten und letztlich bewundern kann. Hervorragend.
Zum Duft selbst:
Dieser Lapsang Souchong wurde nur kurz über Holz geräuchert, dafür aber umso länger über Tabak, und wird gereicht mit Honigbegossenen Rosinen, die es aber (noch) nicht schaffen die Tabak- und Teearomen zu überschatten, schön!
Wie bei einem guten Lapsan Souchong üblich ist die Rauchigkeit eher dezent in das Gesamtgeschehen eingebunden und fungiert, zusammen mit dem Tabak, als leichter Kontrast und damit Kante zum aromatisch-süßen Teil des Duftes.
Der eher feuchte, wenn auch zuweilen trocken auftretende Tabak trägt außerdem einen nicht unerheblichen Teil zu der Würzigkeit des Tees bei.
So verbleibt der Duft für gute 4-5 Stunden.
Erst nach vielleicht 6-8 Stunden dominiert der durchaus leicht fruchtig anmutende Rosinenhonig, wobei er den genannten Protagonisten aber weiterhin Raum lässt, wenn auch der Rauch mittlerweile sehr in den Hintergrund gerückt ist.
Ebenfalls weit im Hintergrund lässt sich, wirklich nur selten (d.h. nicht durchgehend) und nicht einmal deutlich, „Maggi“ erahnen. Auch erinnert mich das olfaktorische Hintegrundrauschen im späten Verlauf zwischenzeitlich an Betaisodona Salbe, falls die jemand kennt – passt ja auch farblich sehr gut :P Von alledem bitte nicht abschrecken lassen, es ist kein Salben oder Maggiduft, sondern ganz klar ein Tee-Tabakduft mit harmonierender Rauchigkeit, das möchte ich unbedingt betonen. Der Tee ist hierbei für mich die prägende Note des Duftes.
Die Sillage ist - mit zwei kleinen Tupfern wohlbemerkt! - in den ersten 4-5 Stunden sehr gut Wahrnehmbar aber nie störend, flacht danach kontinuierlich ab und ist danach immer mal wieder in Wellen wahrnehmbar. Auf der Haut hält der Duft sich an mir über 20+ Stunden.
Zusammenfassend lässt sich sagen das ich von diesem Duft wirklich begeistert bin, nicht etwa weil er so unheimlich komplex und/oder wandelbar wäre, sondern weil er in seiner Art, und damit seinem Wirken auf mich, so besonders ist. Aber bitte aufpassen bei weißer Kleidung ;) Das gibt Flecken.
Für alle Interessierten, und weil es der erste Kommentar zu diesem Duft ist, folgt nun eine kleine, thematisch passende Exkursion in die Welt des Tees.
Was ist Lapsang Souchong?
Mit Lapsang Souchong wird ein Schwarztee aus China bezeichnet, welcher aus der Region Fujian, genauer aus dem dortigen Wuyi-Gebirge im Nordwesten stammt.
Die noch grünen Blätter werden zunächst, wie bei der Produktion von Schwarztee üblich, gerollt. Hierdurch werden die Zellwände des Teeblatts aufgebrochen, sodass der Pflanzensaft mit dem Luftsauerstoff in Kontakt kommen kann, was zur Oxidation des Saftes und damit zur Schwärzung der Blätter führt. Hiernach werden die Blätter in der Sonne getrocknet.
Zu Lapsang Souchong wird der Tee durch die anschließende Räucherung über Holz. Über welchem Holz, wie lange und wie viel Rauch er überhaupt abbekommen muss ist nicht festgelegt, somit existieren unzählige, geschmackliche Variationen.
Und was ist Gong Fu?
Gong Fu bezeichnet eine Art der Chinesischen Teezeremonie, Auch hier gibt es, trotz einem eigentlich fest geregelten, traditionellen Ablauf unzählige Variationen, welche sich praktisch von Familie zu Familie unterscheiden. Weitere Erklärungen würden den Rahmen (noch weiter?) sprengen, aber Praktisch allen gemein dürfte der Beginn der Zeremonie sein, nämlich das Auswaschen und damit erwärmen der Teetassen vor der Benutzung, sowie das reihum Eingießen in dieselben (welches ebenfalls eigenen Regeln folgt) und das nur kurze, dafür aber mehrmalige Aufgießen des Tees, was dazu führt dass jede Tasse eine andere bzw. neue aromatische Facette des Tees hervorbringt und betont.
Noch etwas interessantes zum Teegeschirr
Liebhaber benutzen heute vor allem Kannen aus Ton, wobei spezifische Tonarten bzw. die daraus gefertigten Kannen gezielt für die darin aufzubrühende Teesorte ausgesucht werden, und in der Folge meist auch nur für diese eine Sorte verwendet werden. So kann unglasierter Ton über Jahre hinweg eine Teepatina ansetzen (was dem Geschmack zugute kommen kann), aber auch durch seine Eigenschaften wie zB Grobporigkeit, Brennmethode, Eisengehalt usw. auch ganz direkt den Geschmack eines Tees beeinflussen und verbessern, indem er unter anderem Bitterstoffe neutralisiert.
Letztlich möchte ich euch ans Herz legen zumindest eines von beidem zu testen, entweder diesen Duft oder eine Tasse Lapsang Souchong, denn beides ist eine Erfahrung die es sich zu machen lohnt.
Ich wünsch euch was!
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Gong Fu am Tabakfeuer, Dimensionsschwaden.
Mondnes Glimmen ruht in meiner Tasse,
ihr Grund Mantisches flüsternd,
Und Sterne sind mir auch nur Gäste
品
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Mein Statement war ein Versuch die Grundstimmung des Duftes einzufangen, denn es ist schwer in Worte zu fassen was genau mich an diesem Duft eigentlich begeistert. Es ist so als ob die (meisten?) bisherigen Düfte, so komplex und Räumlich sie in ihrer Struktur auch waren, immer nur die Geometrische Skizze eines Raumes waren, welche man nicht betreten sondern nur betrachten konnte. Das ist mit diesem hier anders, das hier ist keine Skizze, sondern lebendiger bzw gelebter Raum, welchen man durchlaufen, betrachten und letztlich bewundern kann. Hervorragend.
Zum Duft selbst:
Dieser Lapsang Souchong wurde nur kurz über Holz geräuchert, dafür aber umso länger über Tabak, und wird gereicht mit Honigbegossenen Rosinen, die es aber (noch) nicht schaffen die Tabak- und Teearomen zu überschatten, schön!
Wie bei einem guten Lapsan Souchong üblich ist die Rauchigkeit eher dezent in das Gesamtgeschehen eingebunden und fungiert, zusammen mit dem Tabak, als leichter Kontrast und damit Kante zum aromatisch-süßen Teil des Duftes.
Der eher feuchte, wenn auch zuweilen trocken auftretende Tabak trägt außerdem einen nicht unerheblichen Teil zu der Würzigkeit des Tees bei.
So verbleibt der Duft für gute 4-5 Stunden.
Erst nach vielleicht 6-8 Stunden dominiert der durchaus leicht fruchtig anmutende Rosinenhonig, wobei er den genannten Protagonisten aber weiterhin Raum lässt, wenn auch der Rauch mittlerweile sehr in den Hintergrund gerückt ist.
Ebenfalls weit im Hintergrund lässt sich, wirklich nur selten (d.h. nicht durchgehend) und nicht einmal deutlich, „Maggi“ erahnen. Auch erinnert mich das olfaktorische Hintegrundrauschen im späten Verlauf zwischenzeitlich an Betaisodona Salbe, falls die jemand kennt – passt ja auch farblich sehr gut :P Von alledem bitte nicht abschrecken lassen, es ist kein Salben oder Maggiduft, sondern ganz klar ein Tee-Tabakduft mit harmonierender Rauchigkeit, das möchte ich unbedingt betonen. Der Tee ist hierbei für mich die prägende Note des Duftes.
Die Sillage ist - mit zwei kleinen Tupfern wohlbemerkt! - in den ersten 4-5 Stunden sehr gut Wahrnehmbar aber nie störend, flacht danach kontinuierlich ab und ist danach immer mal wieder in Wellen wahrnehmbar. Auf der Haut hält der Duft sich an mir über 20+ Stunden.
Zusammenfassend lässt sich sagen das ich von diesem Duft wirklich begeistert bin, nicht etwa weil er so unheimlich komplex und/oder wandelbar wäre, sondern weil er in seiner Art, und damit seinem Wirken auf mich, so besonders ist. Aber bitte aufpassen bei weißer Kleidung ;) Das gibt Flecken.
Für alle Interessierten, und weil es der erste Kommentar zu diesem Duft ist, folgt nun eine kleine, thematisch passende Exkursion in die Welt des Tees.
Was ist Lapsang Souchong?
Mit Lapsang Souchong wird ein Schwarztee aus China bezeichnet, welcher aus der Region Fujian, genauer aus dem dortigen Wuyi-Gebirge im Nordwesten stammt.
Die noch grünen Blätter werden zunächst, wie bei der Produktion von Schwarztee üblich, gerollt. Hierdurch werden die Zellwände des Teeblatts aufgebrochen, sodass der Pflanzensaft mit dem Luftsauerstoff in Kontakt kommen kann, was zur Oxidation des Saftes und damit zur Schwärzung der Blätter führt. Hiernach werden die Blätter in der Sonne getrocknet.
Zu Lapsang Souchong wird der Tee durch die anschließende Räucherung über Holz. Über welchem Holz, wie lange und wie viel Rauch er überhaupt abbekommen muss ist nicht festgelegt, somit existieren unzählige, geschmackliche Variationen.
Und was ist Gong Fu?
Gong Fu bezeichnet eine Art der Chinesischen Teezeremonie, Auch hier gibt es, trotz einem eigentlich fest geregelten, traditionellen Ablauf unzählige Variationen, welche sich praktisch von Familie zu Familie unterscheiden. Weitere Erklärungen würden den Rahmen (noch weiter?) sprengen, aber Praktisch allen gemein dürfte der Beginn der Zeremonie sein, nämlich das Auswaschen und damit erwärmen der Teetassen vor der Benutzung, sowie das reihum Eingießen in dieselben (welches ebenfalls eigenen Regeln folgt) und das nur kurze, dafür aber mehrmalige Aufgießen des Tees, was dazu führt dass jede Tasse eine andere bzw. neue aromatische Facette des Tees hervorbringt und betont.
Noch etwas interessantes zum Teegeschirr
Liebhaber benutzen heute vor allem Kannen aus Ton, wobei spezifische Tonarten bzw. die daraus gefertigten Kannen gezielt für die darin aufzubrühende Teesorte ausgesucht werden, und in der Folge meist auch nur für diese eine Sorte verwendet werden. So kann unglasierter Ton über Jahre hinweg eine Teepatina ansetzen (was dem Geschmack zugute kommen kann), aber auch durch seine Eigenschaften wie zB Grobporigkeit, Brennmethode, Eisengehalt usw. auch ganz direkt den Geschmack eines Tees beeinflussen und verbessern, indem er unter anderem Bitterstoffe neutralisiert.
Letztlich möchte ich euch ans Herz legen zumindest eines von beidem zu testen, entweder diesen Duft oder eine Tasse Lapsang Souchong, denn beides ist eine Erfahrung die es sich zu machen lohnt.
Ich wünsch euch was!
5 Antworten


Ich kenne den Lapsang noch nicht u. das Gong Fu-Ritual auch nicht. Die Rosinen nehme ich Recht gleich wahr, aber nur im Hintergrund und nichso eindeutig, später dann stärker u. klarer auszumachen. Und die dunkel-klebrige Süße der Melasse liegt unter allem. Mein erster Gedanke war jedenfalls...Der 'Totale Wahnsinn'