
MuckiMango
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MuckiMango
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31
Sauvage auf Wienerisch
Das erste Mal auf den Strawanza und die Wiener Schurken aufmerksam geworden bin ich über den Podcast von Parfumax und Alex Weisser.
Schon länger war ich auf der Suche nach einem herben, klassischen Herrenduft. Aber alles was ich bisher getestet hatte roch mir zu sehr nach Opis Badezimmer mit Blümchentapete, verspiegeltem Plastik-Badschränkchen und Schiesser Feinripp mit Eingriff. Der Grund: Alle getesteten Düfte beinhalteten Lavendel. Und das nicht zu knapp.
Umso größer war das Interesse am Strawanza als ich erfuhr, dass dieser ganz ohne die lippenblütrige Heilpflanze auskommt. Also flux die Suchmaschine angeschmissen und die Schurken angeschrieben ob's denn nicht ein Testerchen gäbe. Prompt Antwort von Roman erhalten und ein paar Tage später Post aus Österreich - inklusive nettem Rockabilly-Grußkärtchen und Wiener Zuckerl, Geschmacksrichtung Marille (sau lecker!). So geht Kundenservice.
Als ich den Duft dann aufsprühte, hatte ich ein ähnliches Erlebnis wie beim ersten Kontakt mit Encre Noire Eau de Toilette (wer meinen Seelenstriptease dazu lesen möchte, dem sei meine Rezension zu selbigem empfohlen): ein Grinsen über beide Ohren machte sich breit und ich dachte mir: DES IS LEIWAND, OIDA!
(vermutlich kam es hier zu einem äusserst seltenen Fall von olfaktorisch induzierter Xenoglossie)
Als ich mich wieder aufgerappelt und meine Eitrige mit Krokodü, G'schissenen und 16er Blech beiseite gelegt hatte, war ich in der Lage mich den Duftnoten wieder in meiner piefken Muttersprache zu widmen:
Als erstes haut der Strawanza einem eine ordentliche Watschn Pfeffer auf den Riechkolben, was ich direkt mit einer gewissen Rauchigkeit assoziiere. Das macht den Duft rough, kantig und verwegen - er ist eben ein Rumtreiber, ein "Bad Boy". Aber nicht der von Carolina Herrera mit Zara Biker-Kunstlederjäckchen, schaumgefestigter Gel-Frisur und vom Personal-Trainer geschmiedeter Brustmuskulatur - sondern der politisch unkorrekte Rummelboxer, der in Großvaters Pferdelederjacke zum zwölften Mal in Folge den Armdrück-Wettbewerb in "Uschi's Biertempel" gewinnt und mit der tättowierten Schönheit an der Bar nach Hause geht. Ein leichter Hauch Menthol kühlt den pfeffrigen Hitzkopf gekonnt wieder herunter. Im Drydown wird er dann endgültig zahmer. Hölzer, Moschus und Patchouli verleihen ihm klassisch-männliche Gepflegtheit - ganz im Sinne von hochwertigen Barbershop-Produkten. Die Sillage ist, wie ich es mag, nicht zu stark aber auf eine Distanz von unter einem Meter bei 4 Sprühern auf meiner Haut gute 8 Stunden wahrnehmbar (und es handelt sich hier um ein Eau de Cologne!).
Was mich im gesamten Duftverlauf beeindruckt ist, dass Strawanza zu keinem Zeitpunkt mainstreamig süße, frische oder zitrische Töne anschlägt. Dabei wirkt er aber in keinster Weise altbacken oder muffig, sondern vielmehr selbstbewusst, ungezähmt und vorwärtsgewandt aber mit einer ehrlich erdenden Portion Tradition im Rücken (die Original-Formulierung stammt aus dem Jahr 1953).
Ich wollte also mehr. Der Flakon musste her.
Nicht schlecht gestaunt habe ich, als ich im Schurken-Shop 100 Milliliter Strawanza zu schlappen 59,90 € angeboten bekam. Für einen in Österreich HANDGEMACHTEN Duft! LEIWAND, OI... - Ok, lassen wir das.
Also wieder Post aus der Alpenrepublik. Als ich das Paket aufmachte hatte ich ob der liebevollen Kundenpflege der Schurken fast ein Tränchen im Auge. Wieder erhielt ich eine handgeschriebene Postkarte und einen in grünes Seidenpapier eingeschlagenen Flakon, der von einer goldenen Kordel fixiert wurde. Der Flakon selbst ist angenehm schwer, hat einen ordentlichen Zerstäuber und wird mit einer einfachen goldenen Kappe verschlossen. Das Etikett zeigt eine Wiener "Skyline" und verrät uns in goldenen Lettern im Stil der Zwanzigerjahre die Brand und den Produktnamen - Wiener Schurken. Strawanza. Eau de Cologne. Klassisch, einfach aber hochwertig mit modernem Finish.
Für mich wurde das "EDC" unter Strawanza inzwischen zu "Every Day Carry". Denn er ist ein Duft, den man easy jeden Tag tragen kann ohne negativ aufzufallen. Vor allem nutze ich ihn gerne zu Anlässen an denen man gut aber nicht allzu parfümiert riechen möchte. Damit meine ich zum Beispiel sämtliche Arten von Männerausflügen - egal ob Kneipentour, Angeltrip oder Vatertagswanderung: Hier macht man mit dem Strawanza immer eine gute Figur und muss sich garantiert keine Kommentare anhören wie "Na, heute wieder in Frauchens Parfum-Schränkchen vergriffen?" wie das bei mir schon bei L'Homme Ideal EDP und ähnlichen Konsorten der Fall war. Da ich wie mein Vorredner Max meine Haare auf dem Kopf hautnah, im Gesicht aber deutlich länger trage, kann ich nur bestätigen, dass er sich auch einwandfrei als After-Shave eignet. Das Bartöl hat inzwischen auch einen Platz in meinem Badezimmer und ich kann es den Gesichtsbehaarten unter uns nur empfehlen - der Duft ist hier etwas holziger, weniger pfeffrig und macht den Bart schön weich und geschmeidig - so wie das bei einem guten Bartöl sein soll. Dennoch strahlt es nicht so sehr ab wie manch andere Öle und man kann ohne Bedenken auch einen Duft dazu tragen ohne, dass die beiden sich in die Quere kommen.
Die Wiener Schurken haben in meinen Augen mit dem Strawanza einen großartigen pfeffrig-herben Herrenduft mit klassischen Wurzeln geschaffen, der nicht nur vollbärtigen Barbershop-Jüngern und überzeugten Fougère-Oldschoolern gefallen dürfte. Handgemacht mit viel Liebe für's Detail und einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis.
Man hat's vielleicht gemerkt: Ich bin Fan.
Schon länger war ich auf der Suche nach einem herben, klassischen Herrenduft. Aber alles was ich bisher getestet hatte roch mir zu sehr nach Opis Badezimmer mit Blümchentapete, verspiegeltem Plastik-Badschränkchen und Schiesser Feinripp mit Eingriff. Der Grund: Alle getesteten Düfte beinhalteten Lavendel. Und das nicht zu knapp.
Umso größer war das Interesse am Strawanza als ich erfuhr, dass dieser ganz ohne die lippenblütrige Heilpflanze auskommt. Also flux die Suchmaschine angeschmissen und die Schurken angeschrieben ob's denn nicht ein Testerchen gäbe. Prompt Antwort von Roman erhalten und ein paar Tage später Post aus Österreich - inklusive nettem Rockabilly-Grußkärtchen und Wiener Zuckerl, Geschmacksrichtung Marille (sau lecker!). So geht Kundenservice.
Als ich den Duft dann aufsprühte, hatte ich ein ähnliches Erlebnis wie beim ersten Kontakt mit Encre Noire Eau de Toilette (wer meinen Seelenstriptease dazu lesen möchte, dem sei meine Rezension zu selbigem empfohlen): ein Grinsen über beide Ohren machte sich breit und ich dachte mir: DES IS LEIWAND, OIDA!
(vermutlich kam es hier zu einem äusserst seltenen Fall von olfaktorisch induzierter Xenoglossie)
Als ich mich wieder aufgerappelt und meine Eitrige mit Krokodü, G'schissenen und 16er Blech beiseite gelegt hatte, war ich in der Lage mich den Duftnoten wieder in meiner piefken Muttersprache zu widmen:
Als erstes haut der Strawanza einem eine ordentliche Watschn Pfeffer auf den Riechkolben, was ich direkt mit einer gewissen Rauchigkeit assoziiere. Das macht den Duft rough, kantig und verwegen - er ist eben ein Rumtreiber, ein "Bad Boy". Aber nicht der von Carolina Herrera mit Zara Biker-Kunstlederjäckchen, schaumgefestigter Gel-Frisur und vom Personal-Trainer geschmiedeter Brustmuskulatur - sondern der politisch unkorrekte Rummelboxer, der in Großvaters Pferdelederjacke zum zwölften Mal in Folge den Armdrück-Wettbewerb in "Uschi's Biertempel" gewinnt und mit der tättowierten Schönheit an der Bar nach Hause geht. Ein leichter Hauch Menthol kühlt den pfeffrigen Hitzkopf gekonnt wieder herunter. Im Drydown wird er dann endgültig zahmer. Hölzer, Moschus und Patchouli verleihen ihm klassisch-männliche Gepflegtheit - ganz im Sinne von hochwertigen Barbershop-Produkten. Die Sillage ist, wie ich es mag, nicht zu stark aber auf eine Distanz von unter einem Meter bei 4 Sprühern auf meiner Haut gute 8 Stunden wahrnehmbar (und es handelt sich hier um ein Eau de Cologne!).
Was mich im gesamten Duftverlauf beeindruckt ist, dass Strawanza zu keinem Zeitpunkt mainstreamig süße, frische oder zitrische Töne anschlägt. Dabei wirkt er aber in keinster Weise altbacken oder muffig, sondern vielmehr selbstbewusst, ungezähmt und vorwärtsgewandt aber mit einer ehrlich erdenden Portion Tradition im Rücken (die Original-Formulierung stammt aus dem Jahr 1953).
Ich wollte also mehr. Der Flakon musste her.
Nicht schlecht gestaunt habe ich, als ich im Schurken-Shop 100 Milliliter Strawanza zu schlappen 59,90 € angeboten bekam. Für einen in Österreich HANDGEMACHTEN Duft! LEIWAND, OI... - Ok, lassen wir das.
Also wieder Post aus der Alpenrepublik. Als ich das Paket aufmachte hatte ich ob der liebevollen Kundenpflege der Schurken fast ein Tränchen im Auge. Wieder erhielt ich eine handgeschriebene Postkarte und einen in grünes Seidenpapier eingeschlagenen Flakon, der von einer goldenen Kordel fixiert wurde. Der Flakon selbst ist angenehm schwer, hat einen ordentlichen Zerstäuber und wird mit einer einfachen goldenen Kappe verschlossen. Das Etikett zeigt eine Wiener "Skyline" und verrät uns in goldenen Lettern im Stil der Zwanzigerjahre die Brand und den Produktnamen - Wiener Schurken. Strawanza. Eau de Cologne. Klassisch, einfach aber hochwertig mit modernem Finish.
Für mich wurde das "EDC" unter Strawanza inzwischen zu "Every Day Carry". Denn er ist ein Duft, den man easy jeden Tag tragen kann ohne negativ aufzufallen. Vor allem nutze ich ihn gerne zu Anlässen an denen man gut aber nicht allzu parfümiert riechen möchte. Damit meine ich zum Beispiel sämtliche Arten von Männerausflügen - egal ob Kneipentour, Angeltrip oder Vatertagswanderung: Hier macht man mit dem Strawanza immer eine gute Figur und muss sich garantiert keine Kommentare anhören wie "Na, heute wieder in Frauchens Parfum-Schränkchen vergriffen?" wie das bei mir schon bei L'Homme Ideal EDP und ähnlichen Konsorten der Fall war. Da ich wie mein Vorredner Max meine Haare auf dem Kopf hautnah, im Gesicht aber deutlich länger trage, kann ich nur bestätigen, dass er sich auch einwandfrei als After-Shave eignet. Das Bartöl hat inzwischen auch einen Platz in meinem Badezimmer und ich kann es den Gesichtsbehaarten unter uns nur empfehlen - der Duft ist hier etwas holziger, weniger pfeffrig und macht den Bart schön weich und geschmeidig - so wie das bei einem guten Bartöl sein soll. Dennoch strahlt es nicht so sehr ab wie manch andere Öle und man kann ohne Bedenken auch einen Duft dazu tragen ohne, dass die beiden sich in die Quere kommen.
Die Wiener Schurken haben in meinen Augen mit dem Strawanza einen großartigen pfeffrig-herben Herrenduft mit klassischen Wurzeln geschaffen, der nicht nur vollbärtigen Barbershop-Jüngern und überzeugten Fougère-Oldschoolern gefallen dürfte. Handgemacht mit viel Liebe für's Detail und einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis.
Man hat's vielleicht gemerkt: Ich bin Fan.
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Menthol
schwarzer Pfeffer
Gewürznelke
Herznote
Kaschmirholz
Patchouli
Zedernholz
Basisnote
Moschus
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Oud
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