Brida

Brida

Rezensionen
Brida vor 5 Monaten 25 18
7
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
114 Minuten


Es klopfte an der Tür.
Wie ein tägliches Ritual
stand der Großvater da.
Schweigend kam er herein
und lies sich auf dem Sessel
gleich neben der Tür nieder.
Eine süße Wärme ging von ihm
aus, obwohl er nicht lächelte.
Seine ausgebeulten Cordhosen
trugen das muskatfarbene Gesicht
des Herbstes herein.
Wie jeden Tag, bat er um ein Getränk
und zündete sich seine Zigarre an.
Der leichte warmeinhüllende Duft
von Vanille stieg auf.
Seine Augen blickten dabei in
eine Zeit, die weit zurück zu liegen schien.
Er sprach nicht viel.
Das Leben hatte ihn still werden lassen.
Allein die gezeichneten Straßen
auf seiner Kleidung
ließen die Geschichten erahnen,
die sein Leben für ihn schrieb.
Sanfte Thymianwölkchen erhoben sich
und malten ihre würzigen Bilder
in den Herbsthimmel.
Goldene Momente flackerten
amberbetupft am Horizont,
jeder in seinem ihm eigenen Ton,
Herzen aus der Vergangenheit wärmend.
Gedankenlaub fiel
auf Patchoulierdflecken.
In kleinen sandelhölzernen Kästchen umschlossen rosige Hände
gesammelte Erinnerungen
zu kleinen Blüten gefaltet.
Die Strahlen der Herbstsonne
fielen zum Fenster herein
und hielten das fein verwobene Netz
seiner unzähligen Geschichten
wie einen kostbaren Schatz geborgen.
Fast zwei Stunden waren vergangen,
da stand er auf und ging wieder los.
Seine Gegenwart aber
war noch lange zu spüren
und wärmte den Tag.


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Er ist schon lange fort.
Dieser Duft hat mich an ihn erinnert
und ist bei mir an diese Zeit verknüpft.
Ambre 114 ist keineswegs ein Altherrenduft, falls meine Rezension diesen Eindruck
bei euch erweckt haben sollte.
Vielmehr ist er ein wunderschöner
warm einhüllender Herbstduft mit
vielen Facetten, die immer
wieder in Erstaunen zu versetzen mögen.
Zweifelsohne einer der schönsten
Amberdüfte mit einem abwechslungsreichen
Verlauf und guter Haltbarkeit.

Für mich persönlich ist es nicht so wichtig,
Düfte bis ins kleinste Detail zu erkennen.
Ich bewundere all diejenigen hier,
die diese Gabe besitzen.
Es macht mich einfach nur glücklich,
was sie in mir auslösen oder welche Gefühle oder Erinnerungen in ihnen verborgen liegen, zu entdecken.

Ich hoffe ich konnte euch diesen
Duft mit meinen Zeilen ein wenig
näher bringen.
Danke an euch fürs Lesen !
18 Antworten
Brida vor 5 Monaten 20 15
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Neferneferure



Sie hatte die Gelegenheit genutzt
und sich aus dem Palast geschlichen.
Die Monologe ihres Vaters über
den einen Gott interessierten sie nicht.
Wie immer würde er in seiner überbordenden Spiritualität versinken
und alle würden ihm wie Kaninchen
lauschen.
Ihr Ziel war das Heiligtum der Katzengöttin.
Dort wuchs der prächtige Jasmin
in seiner ganzen Fülle und Anmut.
Sie sehnte sich nach den großen Büschen,
die mit ihren betörenden Duftwolken
in der Abenddämmerung,
all die Gedanken, die sie tagsüber hatte,
auf magische Weise vergessen ließen.
Sie linderten ebenso den Schmerz,
der damit einherging.
Der Duft hüllte sie ein.
Er war so vollkommen rein und schön,
dass sie überwältigt war.
Sie kannte nichts Vergleichbares.
In den Gemächern gab es viele
kleine Phiolen mit kostbaren
Ölen aber nichts davon hatte sie
jemals so in ihren Bann gezogen.
Irgendwie erinnerte sie der Geruch
an ihre Mutter, die ihr
mit ihrer überirdischen Schönheit
bisweilen sogar Angst einflößte.
Sie hatte ständig das Gefühl,
ihre Mutter würde ein Geheimnis wahren.
Ihr Äußeres hatte sie von ihrem
Vater geerbt,
nur die hohen Wangenknochen
verrieten den mütterlichen Anteil
ihrer Herkunft.
Sie liebte ihre Eltern.
Liebe und Spiritualität waren in ihnen ständig zugegen.
Die Krypta war nicht mehr weit.
Sie musste nur noch an den
tiergesichtigen Kanopen vorbei.
Sie fühlte sich von ihnen
beobachtet und das war ihr unheimlich.
Wussten sie etwas oder enthielten
sie Teile von ihr ?
Ein leicht medizinisch hypnotischer
Geruch ging von ihnen aus.
In der Krypta war es dunkel und kühl.
Nur kleine Fackeln gaben eine Ahnung
von ihrem Inneren preis.
Endlich sah sie in ihre Augen.
Die Katzengöttin. Sie war da.
Ihre Anwesenheit erfüllte sie mit Stärke.
Ihr Körper wurde zu ihrem Körper.
Mühelos war sie hineingeglitten
und spürte sofort,
wie all ihre Eigenschaften auf sie übergingen.
Begehrlichkeiten wurden erweckt.
All ihre Sinne stellten sich auf,
wie unzählige Schnurrhaare.
Gebiete ihres Körpers, denen sie bis jetzt
nur die nötigste Aufmerksamkeit widmete,
forderten jetzt ihr volles Sein.
Berauscht kostete sie jeden Augenblick.
Tanzend vollzog sie ihre Einweihung.
Im Schutz der Dunkelheit erblühten
tausende von Jasminsternen
im Fell der Göttin.
Von nun an war sie sich ihrer eigenen Schönheit und Kraft absolut gewahr.




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Immer noch weit davon entfernt, Düfte in ihren einzelnen Noten, Abstufungen und Erscheinungsformen erkennen und entschlüsseln zu können,
hat dieses Meisterwerk es geschafft
mich mit seiner Intensität nachhaltig
zu beeindrucken und eine Rezension
zu schreiben.


Ich hoffe ich konnte euch diesen
für mich außergewöhnlichen
Duft damit ein wenig näher bringen.

Danke an euch fürs Lesen !
15 Antworten
Brida vor 6 Monaten 12 13
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Urla die Sami


Die Alte hatte ihre Tage längst gezählt.
In ihrer Behausung, die sie liebevoll Jurtje nannte, schützten Felle und Lederdecken,
vom Ruß des ständig brennenden Feuers geschwärzt, sie vor der unablässig eindringenden Kälte.
Der Zahn der Zeit, nannte sie längst sein Eigen.
Sie verströmten noch immer den Geruch
der Tiere, deren Körper sie einst kleideten.
Von der Decke herab hing die Keule
ihres einzig verbliebenen Rentiers.
Es war ihr nicht leichtgefallen,
den letzten Gefährten in dieser Einöde
zu opfern.
Stumm blickte sie dorthin und erinnerte
sich der Zeiten, die sie zusammen verbrachten.
Der Sud der Birken brodelte im Kessel
über dem Feuer und ihre Tränen füllten
den Raum.
Der Rauch und der Geruch von Teer
versetzte sie in einen Dämmerschlaf
und in das Reich der Geister.
Schlanke Birkenmädchen tanzten
um sie herum und ihre Köpfe waren
mit klingenden feingliedrigen Blättern geschmückt.
Sie sangen Lieder von vergangenen Sommern, in denen ihre Wurzeln noch
das kühlende nährende Nass erreichten.
Die Alte sank immer tiefer in die Erde
hinab.
In sanften Spiralen glitt sie durch
Schicht um Schicht des Erdinneren.
Schatten tauchten auf und
verschwanden wieder.
Gesichte von denen, die sie
nur allzu gut kannte und liebte
und die ihr jetzt wie in Harz gegossen
erschienen.
Wesen, die ihr auf ihrer langen
Lebensreise begegnet waren
und die schon längst
ihre Flügel gespannt hatten.
Irgendwann hatte sie das Gefühl,
angekommen zu sein.
Sie spürte ihr Herz pulsieren
und eine noch nie erlebte allumfassende
Wärme breitete sich in ihrem Körper aus.
Grenzen lösten sich auf.
War es überhaupt noch ihr Körper, den
sie dort spürte oder gehörte er längst der Vergangenheit an ?
Sie wusste es nicht.
Warmherzige Rosen betteten sie und
streichelten dankbar ihre weiterziehende Seele.
Sie hatte das Gefühl zu Hause zu sein.


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Antonio Lasheras mit seinem Label Mallo hat es sich zum Anspruch gemacht,
innerhalb eines Projektes, Düfte in kleinen Chargen mit ausgewählten natürlichen Rohstoffen herzustellen.
Seine Vision ist, anhand der Düfte Erinnerungen zu speichern oder abzurufen um damit eine Verbindung zu unseren Ursprüngen zu ermöglichen.
Ich mag sein Konzept sehr und bin
gespannt, was noch von ihm kommen
wird.



Weit davon entfernt, Düfte in ihren einzelnen Noten, Abstufungen und Erscheinungsformen erkennen und entschlüsseln zu können,
hat dieser Duft es doch geschafft
sich in mein Herz zu brennen
und meine erste Rezension zu schreiben.
Düfte erschließen sich mir grundsätzlich
in Bildern und in meiner Vorstellung
davon, versuche ich sie zu beschreiben.

Danke an euch fürs Lesen !
13 Antworten