Flaconesse duftende Gedanken

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Vor 37 Tagen
20 Auszeichnungen

Im Urlaub ist mir etwas klar geworden, aber zunächst der Reihe nach:

Die letzten Wochen und Monate waren stressig, wir haben eine neue Behausung gesucht, schneller als geplant gefunden und dann musste alles schnell gehen. Verträge gelesen, korrigiert und unterschrieben werden, unzählige Papiere hin und her geschickt und abermals kontrolliert werden. Ich hatte gefühlt keine freie Zeit mehr. Zeit die ich gerne vor mich hin wurschtele,wie man so schön sagt. Meine Flacons anschaue, verschiedene Listen erstelle, teste, teste, teste und schreibe. All das wollte ich im Urlaub erledigen. 2 Wochen Nordsee sollten es diesmal sein, um runterzukommen, abzuschalten, nichts zu tun außer sich treiben zu lassen. Ich plante also ein prall gefülltes Probentäschchen mit allen möglichen Parfüms mitzunehmen, die ich schon immer mal und vor Allem im Sommer testen wollte. Unter anderen waren Virgin Island Water, Sunshine, Ginger Piccante und Eau parfumée au thé bleu enthalten. Und dann wollte ich schreiben: Kommentare, Blogs, Merklisten zu Luca Turins Parfümführer, vielleicht sogar andere Geschichten, denn ich werde ja Zeit haben und Input und Testmaterial. Aber dann fing ich am ersten Tag abends an mit dem Kuli in mein mittlerweile ziemlich zerfleddertes und komisch riechendes Notizbuch zu schreiben. Stichpunkte. Naja erster Tag, komm erstmal an, Morgen läufts bestimmt besser. Tat es nicht, ich musste mich regelrecht zwingen in das Ding reinzuschreiben. An Tag 3 besorgte ich mir ein schöneres Notizbuch in türkis mit Glitzer außen und innen liniert und ja, damit lief es dann deutlich besser, aber auch hier, zum Ende des Urlaubs wurde ich immer wortkarger und schrieb schließlich an den letzten 2 Tage gar nichts auf.

Urlaub ist Urlaub und sollte nicht mit guten Vorsätzen gespickt sein, dachte ich zwischendurch. Das stimmt zwar, aber erst etwas später fiel mir auf, was das eigentliche „Problem“ war. Ich kann ohne meinen Laptop nicht schreiben! Ich bin so an die Technik gewöhnt, dass ich es auf die gute alte romantische Art und Weise nicht hinkriege. Und das, wo ich doch immer auf die Leute schimpfe, die nicht von ihren Smartphones wegzukriegen sind. Ohne Blue (so heißt mein Lappi) läuft nichts. Sie sammelt alle meine Ideen, ist Tag und Nacht für mich einsatzbereit, korrigiert unermüdlich alle meine Fehler. Fast hätte ich sie mitgeschleppt, aber ich dachte, nee lies mal lieber ein Buch! Das tat ich auch und es fühlte sich gut, irgendwie entschleunigt an. Ich will es auch gar nicht zu sehr analysieren, wie weit wir technisiert sind, ob das gut oder schlecht ist, welche Chancen und Risiken das birgt. Ich hatte es nur so deutlich nicht erwartet, dass ich tatsächlich unsicher bin ganze Sätze so endgültig per Hand schwarz auf weiß auf das Papier zu bringen.

Jetzt bin ich wieder zu Hause, bei Blue und wir gehen meine Aufzeichnungen aus dem Urlaub durch, rekonstruieren Geschichten und ich merke, dass ich auch hier die richtigen Worte finden und sogar ganze Sätze bilden kann.

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Vor 71 Tagen
13 Auszeichnungen

Letzte Woche ist es passiert, ich sprühte nichts ahnend mein geliebtes Stella Eau de Toilette auf, mit den wundervoll zitrisch-fruchtig-verspielten Rosennoten, die ich so liebe, so erfrischend, Gedanken klärend, mädchenhaft, unschuldig und rein….hach bei dem Gedanken an diesen tollen Duft gerate ich schnell ins Schwärmen! Aber…ABER oh Graus, was sendet meine Nase da direkt nach dem Aufsprühen ans Gehirn? Dill, hintergründig ein paar Rosen, aber vorne raus ganz viel, ja Büschelweise Dill mit leichter saure-Gurken-Note. Uh wie furchtbar! Ich liebe alle Kräuter, ja wirklich alle, bis auf Dill, den habe ich schon als Kind gehasst! Ich verfluche meine vielleicht erkältete Nase, das vielleicht gekippte Parfum, überlege kurz und muss feststellen, dass das nicht die erste Dillgurken-Rosen-Komposition ist, die ich gerochen habe, denn im Chloé Eau de Toilette versteckt sich in der Kopfnote auch ein leichtes, geeistes Dillgurkenwasser. Dann grübelte ich weiter: Welche komischen Duftnoten und Assoziationen hatte ich bisher beim Testen erlebt?

Hier eine kleine, verrückte Sammlung:

Rosen in Kombination mit Zitrusfrüchten: Dillgurkenwasser

Zedernholz: wahlweise Bleistiftspitzerabfall oder Schinken

Safran: Paprika

Feige: Katze oder Kokos

Cassis: definitiv und fast immer Katze

Maiglöckchen in orientalischen Kombinationen: seifig-stechende Laborchemikalien

Schokolade: nasser Hund

Aquatische Noten: Fisch

Frische Noten: Banane

Patchouli: Baldrian

Vanille: Champignon

Zum Glück riechen die meisten Duftnoten tatsächlich nach dem Angegebenen. Bei diesen verwirrenden Geruchserlebnissen sind es wahrscheinlich irgendwelche Kombinationen, die meine Nase verrückt spielen lassen. Bis auf die Rosen-Bergamotte, bzw Dillgurken Kombination habe ich allerdings noch nicht herausgefunden, was dieses Fehlriechen auslöst.

Hattet ihr auch schon irgendwelche anderen, komischen Dinge heraus gerochen, die gar nicht enthalten sind oder gibt es bestimmte, wiederkehrende Kombinationen, die für euch nach etwas völlig Anderem riechen?

13 Antworten
Vor 78 Tagen
28 Auszeichnungen

Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe „Sinnieren am Sonntag“. Der Titel des heutigen Themas „Die Kunst des Kommentierens“ sollte eigentlich „die Kunst des Kritisierens“ heißen, da der Begriff Kritik jedoch negativ behaftet ist (obwohl eine Kritik auch durchweg positiv ausfallen kann) und die Funktion hier auf Parfumo nun einmal „Kommentar“ und nicht "Kritik“ heißt, habe ich mich letztlich für diese Überschrift entschieden.

Ursprünglich meldete ich mich bei Parfumo an, um Kommentare zu Parfums aus meiner Sammlung zu verfassen. Den ersten Text lud ich jedoch erst zwei Jahre nach Beitritt hoch.

Aus folgendem Grund: ich hatte den Anspruch eine allumfassende, dem Duft, Flacon, ja sogar Hersteller und allen enthaltenen Duftnoten, von allen Seiten beleuchten, erörtern, austesten zu wollen, um den bestmöglichen Mehrwert zu schaffen. Nie hatte ich den Eindruck, dem Parfum vollständig gerecht zu werden. Somit schrieb ich fleissig einen Blog an dem anderen, denn hier ist man freier. Alles, was nur im entferntesten Sinn mit dem Parfumthema zutun hat, ist schreibenswert. Nach und nach wurde ich ein wenig traurig darüber, hatte ich doch noch so viel zu erzählen zu den einzelnen Düften meiner Sammlung und bisher lediglich zwölf Kommentare verfasst.

Dabei gibt es viele Kommentare, die ich gerne lese:

  • Kommentare, die eine Geschichte erzählen; autobiographisch oder fiktiv
  • Humorvolle Kommentare
  • Kommentare, bei denen man etwas dazulernen kann
  • Kommentare, die die Duftnoten und den –Verlauf aufs Genaueste beleuchten

Die ersten drei lese ich am Liebsten zur Unterhaltung, Letztere, wenn ich mit dem Gedanken spiele, mir den Duft zuzulegen.

Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Zahl der Möglichkeiten ist dabei so groß, wie es Mitglieder auf Parfumo gibt. Dennoch kommt man immer wieder auf seine Lieblinge zurück, erkennt sich in deren Kommentaren wieder. Einige bleiben ihrer Linie treu, einige experimentieren mit Schreibstilen, Herangehensweisen, Erzählperspektiven. Es scheint so einfach einen guten Kommentar zu schreiben.

Aber was macht einen wirklich guten Kommentar aus?

Früher hätte ich mit dem oben beschriebenen Streben nach Perfektion darauf geantwortet. Heute kann ich sagen, dass es darum geht, den Lesenden abzuholen. Nicht jeder Autor wird von jedem Leser gerne gelesen, man muss eine höchst persönliche Seite zum schwingen bringen, auf einer Wellenlänge liegen. Dem Leser einen vermeintlichen Monolog als Dialog vorkommen lassen, dann wird man gerne gelesen. Fesselnde Geschichten zu erzählen, Bezüge zu Kunst,Kultur oder anderen Dingen herzustellen, ohne von Wikipedia erschlagen zu werden und seine Meinung mit mehr als „gefällt mir gut“ oder „riecht mies“ kundzutun.

Als Autor gibt man eine Menge von sich preis, da es vielen am einfachsten fällt über die eigenen Erlebnisse zu schreiben. Man schickt also seinen persönlichen Text ins Netz und hofft auf positive Reaktionen, vielleicht auf Pokale oder Smileys, aber am Schönsten ist es Antworten zu bekommen, denn hier kann man dann tatsächlich in einen Dialog treten. Alle Antworten, die einen freundlichen Umgang miteinander pflegen, sind willkommen. Auch wenn sie dem Antwortenden unwichtig oder zu kurz erscheinen, sie helfen.

Interessant, wie schnell das große Monster „Kommentareschreiben“ doch seine Furcht verliert , wenn man sich hierzu ein paar Gedanken macht. Vielleicht setze ich mich auch gleich wieder an den nächsten Kommentar und schreibe einfach drauf los, denn meistens fällt einem doch mehr ein, als man im Vorhinein glaubt. Aber zu guter letzt interessiert mich natürlich brennend:

Welche Kommentare lest ihr am liebsten?

Welche Kommentare fallen euch am einfachsten zu schreiben?

Schreibt ihre einfach drauf los oder macht ihr euch einen Plan?


Allen Mitlesenden einen schönen und sonnigen Sonntag,

Eure Flaconesse

9 Antworten
Vor 92 Tagen
30 Auszeichnungen

Das ist keine Ansichtssache, das ist eine Tatsache! Schaut euch mal die Natur an. Alles was da kreucht und fleucht und blüht und rankt hat 1000 verschiedene Farben und Formen.

Genauso wie die verschiedenen Parfum-Kreationen, die hier gelistet sind. Eine endlose Auswahl an allen erdenklichen Kombinationen und Duftnoten. Und alle Flakons stehen friedlich nebeneinander im Regal und schillern farbenfroh.

Ähnlich ist es bei uns Menschen, da gibt es Große und Kleine, Dicke und Dünne, Männer, Frauen, Diverse, alt und jung, hetero, homo, bi und alles dazwischen, Christen, Moslems, Hindus, Atheisten, Europäer, Asiaten, Australier, Amerikaner und Afrikaner. Alles ist richtig, alles ist gut. Das macht die Welt vielfältig und bunt.

Nachdem ich begeistert an der diesjährigen Diversity-Woche meiner Firma, nebst Filmnacht teilgenommen habe und im Hinblick auf alle vergangen und noch kommenden Christopher-Street-Days in allen möglichen Städten, möchte ich hier mit erhobenem Haupt die Regenbogenfahre nach oben werfen und rufen: „Die Welt ist bunt, machen wir was draus!“

7 Antworten
Vor 93 Tagen
47 Auszeichnungen

Kennt ihr das auch? Es gibt Worte, die einzig beim Lesen schon Unbehagen auslösen. Mein persönliches Unwort ist gerade „Performance“.

Aber warum?

Ich komme aus Frankfurt, einer Stadt in der die einfache Rechnung: Zeit = Geld jedem in den Kopf gebrannt ist. Hier wird man täglich am Zebrastreifen fast überfahren, weil die Zeit des Motorisierten kostbarer zu sein scheint, als das Leben des Laufenden. Bedienungen müssen nicht freundlich sein, genauso wenig wie Verkäufer, die Leute kaufen hier sowieso jeden Sch***, egal zu welchem Preis: Hipster-Chacha-Irgendwas-Bowls, Designer-Fussbekleidung, an Legebatterie-Hühnerställe erinnernde Wohnimmobilien.

Vielleicht reagiere die deshalb so allergisch auf die Begriffe Effizienz und Performance, denn was könnte die Hektik der bankengeprägten kleinsten Metropole der Welt besser beschrieben, als eben diese Worte?

Ich will am Main spazieren gehen, ohne auf die Uhr schauen zu müssen ohne zu wissen wie weit der nächste Beach-Club entfernt ist. Mich in meiner Stadtwohnung verkriechen und meditieren, über das Verkehrsgetöse hinweg und Parfüms auftragen, einfach nur weil mir die Duftnoten gefallen und nicht weil sie eine ach so tolle Performance liefern.

Alles muss beurteilt werden, dazu neigt der Mensch scheinbar: Bewerten, Vergleichen, Rankings erstellen. Wo gehen wir heute Abend essen? Was ist gerade auf Platz 1 bei Google oder dem Frankfurt Geht aus Heft? Welcher Tacker hat die besten Amazon-Bewertungen?

Ich finde es überaus schade, dass wir so sehr verlernt haben uns auf unsere eigenen Erfahrungen zu verlassen, unsere innere Stimme und unsere Bedürfnisse zu hören. Stattdessen wird das Handy jederzeit gezückt und alles sofort nachgeschlagen, andere „Sinne“ sind arbeitslos geworden und wahrscheinlich liegt es wieder an der Zeit, die wir genau nicht haben, weil wir arbeiten gehen, Vollzeit, um uns die schönen Dinge des Lebens leisten zu können. Nur haben wir eben keine Zeit mehr, eigene Erfahrungen zu machen, ganz uneffizient und ohne Performance durchs Leben zu tanzen.

Ich rufe also dazu auf, den Parfums ohne 10 Stunden Haltbarkeit eine Chance zu geben, einfach, weil wir sie schön finden. Ein Essen wird auch nicht daran gemessen, wie lange es uns schwer im Bauch liegt und wir reden am nächsten Tag noch von der leckeren Kugel Eis, die wir in 5 Minuten verputzt haben, eben will wir nachhaltig vom „kurzen“ Geschmacksvergnügen beeindruckt waren.

Also: Aufsprühen, Duftnoten genießen, inspiriert sein und die Performance einfach mal links liegen lassen.

45 Antworten
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