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M1ndfux

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Rezensionen
1 - 5 von 10
„Wenn ich entrückt in Ekstase bin“
Quando rapida in eataai.

So dramatisch der Name klingt- so ist auch der erste Sprühstoß. Keine freundliche Begrüßung sondern eher ein geistlicher Paukenschlag. Weihrauch, harziger Balsam, mystische Kühle- als stünde man in einer gotischen Kathedrale, durch deren Fenster nur ein matter Lichtstrahl dringt. Diese Eröffnung ist schon fast unnahbar- sakral, düster und ehrfürchtig.

In der Herznote bricht dann eine überraschende Weichheit hervor. Fruchtige Nuancen von Pfirsich und Kirsche, eingebettet in eine würzige Nelkenfassade treten hervor wie der emotionale Kern eines Dramas. Süßlich aber nicht kitschig. Sie wirken fast wie der zerbrechlich- menschliche Moment im ansonsten überirdisch- mysteriösen Duftverlauf.

Die Basisnote ist ein episches Finale.
Labdanum, Patchouli, Vanille, Tonkabohne und Tanne vereinen sich zu einem dunkel- warmen Akkord. Erdig, rauchig bittersüß. Beinahe wie ein letzter Akt im Halbdunkel einer leeren Bühne. Es ist das aufeinandertreffen von Leben und Vergänglichkeit, von Lust und Abschied.
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Ein Wellnesstag im Flakon
Ein stiller Moment im Badehaus. Dampf steigt auf. Stille Wasser, klare Luft - und ein Hauch von Moschus auf der Haut.

Dieser Duft öffnet eine Türe zu einem hellen, mit Marmor ausgekleideten Raum, erfüllt von feinem Nebel ätherischer Öle und warmer Stille.

Die Komposition ist von Anfang an rein, seidig und beruhigend. Es gibt keine opulente Fruchtexplosion und auch keine betörende Blütenflut- stattdessen empfängt ein sanftes, transparentes Bouquet, welches sofort an frisch gewaschene Baumwolle, weißes Leinen und feuchte Haut nach einem heißen Dampfbad erinnert.

Der weiße Moschus steht klar im Zentrum. Leichte florale Nuancen schimmern leicht im Hintergrund, fast wie der dezente Duft eines Massageöls auf warmen Stein. Eine subtile Holznote verankert den Duft, ohne je schwer zu wirken. Ich persönlich mag diesen Duft gern, doch den ganzen Tag nach spa riechen muss gefallen.
2 Antworten
Das Mysteriöse Meisterwerk?
In einer schwülen und verregneten Herbstnacht öffnete ich die schweren Pforten dieses Duftes, welcher schon fast an ein altes Herrenhaus erinnert, in dem ich nach Unterschlupf suche.

Gleich am Anfang und beim öffnen der Türe schlich sich ein extrem süßer Dunst an mich heran, als hätte jemand den Raum dahinter mit flüssigem Bernstein ausgekleidet.

Beim eintreten bemerkte ich eine Theke, welche mit eingestaubten Rumflaschen bestückt war. Diese waren mit der Aufschrift Aufschrift „Estate Spirits“ versehen. In den Ecken des Zimmers brannten Kerzen. Ihr flackerndes Licht ließ Schatten tanzen wie geisterhafte Barkeeper.

Die stickig schwere Luft war vom Aroma des dunklen Rums über die Jahre so stark durchzogen, dass es schon fast betrunken machte hier zu atmen.

Je weiter ich mich in den Raum vorwagte, desto tiefer wurde der Geruch. Die Basis des Hauses selbst schien nach Burbon-getränktem Eichenholz zu riechen. Warm und Satt. Als würde das Gebälk Geschichten von jahrzehntelanger Lagerung der Rumfässer erzählen. Süße Melasse und Zuckerrohr klebten unsichtbar an den Wänden- schwer, dunkel und fast von verbotenem Ursprung.

Plötzlich überkam mich der Duft von Orangenschalen. Scharf und bitter, als hätte jemand gerade eine frische Frucht aufgerissen. Die Zitrusnoten schnitten durch die süße des Rumaromas wie ein Messer durch Butter. Ich blinzelte, doch statt einer frischen Frucht sah ich bloß ein Glas auf der Theke- halb gefüllt mit goldenem Rum, der im Kerzenlicht wie flüssiges Gold schimmerte. Neben dem Glas lag nun auch eine Schale mit getrockneten Rosinen. Dunkel und schwer, dass sie schon fast nach Erde rochen. Nelken, Muskat, Piment und ein Hauch von Zimt betraten nun ebenfalls die Räumlichkeit- als wäre ich nicht mehr alleine.
Dann war da auch noch etwas anderes. Etwas rauchiges, weiches, das sich wie ein geheimer Pakt in die Luft legte.. ein Tabakschatten obwohl kein Tabak zu sehen war. Vielleicht der Geist eines alten Trinkers der seine Abende noch immer in diesen Gemäuern verbrachte?

Ich schloss die Augen und spürte eine samtige Wärme auf der Haut, als hätte jemand Vanille-Likör direkt in meine Poren gegossen. Der Duft umhüllte mich. Kleidete mich wie ein unsichtbarer Mantel.

Ich trank das Glas aus, ließ die Situation noch einmal auf mich wirken und öffnete wieder meine Augen. Die Kerzen waren lange erloschen und das Glas seit Jahren eingestaubt. War das alles nur ein Traum? Ich verließ prompt das alte Gebäude und kam nie wieder her.. doch den Duft des Hauses nahm ich mit und er begleitet mich bis heute.

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Die abgefüllten Wahrnehmungen Portofino‘s
Vor einigen Tagen besuchte ich mal wieder die Parfümerie meines Vertrauens. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass diese sich komplett neu sortiert hatte. „Sommerlicher Umbau.“ Bekam ich so am Rande mit.
Mein eigentliches Tagesziel, ein paar Düfte des Roja Dove Hauses zu testen, wurde somit nur halbherzig erfüllt.

Durch den „sommerlichen Umbau“ stach mir nun ein mir bis dato unbekannter Parfümeur ins Auge. Die Flakons waren auffällig- aber irgendwie auch nicht. Dezent und trotzdem luxuriös. Beim genaueren betrachten fielen mir Namen wie Romance in Florence, Visions of Venice, Mornings in Milano und Portaits of Portofino auf.

Da ich einer meiner schönsten Urlaube in Portofino verbringen durfte, sprühte ich ihn auf. Ich schloss die Augen und ließ die Reise des Duftes beginnen.

Direkt blitzten die Bilder dieses Urlaubes wieder durch meine Erinnerungen. Die Anreise alleine war wunderschön. Einen grünen Abhang hinab. Man konnte mit der Zeit allmählich den Horizont des Mittelmeeres erkennen. Wir kamen näher. Pastellfarbene Häuser reihten sich aneinander. Ein wirklich umwerfender Anblick.

Am Abend suchten wir nach einem kleinen Mittagsschlaf eine Lokalität auf um einen malerischen Urlaub einzuleiten. Entschieden haben wir uns für eine zunächst sehr unscheinbare und kleine Taverne. Als wir nach einem Tisch fragten begleitete der höfliche Kellner uns durch die sehr überschaubaren aber einladenden Räumlichkeiten. Um eine Ecke gegangen, eröffnete sich uns ein atemberaubender Anblick. Eine Terrasse mit direktem Blick auf das Ligurische Meer. Zur linken ein paar der schönen Pastellfarbenen Häuser Palermo‘s, in der Mitte der Mond am sternenklaren Himmel, darunter das rauschende Meer. Überdacht war das ganze aus einem Blätterdach einiger Zitronenbäume. Es war wirklich wie im Film.

Der Duft des Meeres, die leichte Sillage der in der Briese wehenden Zitronen, das alte Holz der einladenden Taverne.

Ich öffnete die Augen und hielt den Duft in der Hand. Alles in diesem Flakon ist dufttechnisch wirklich bemerkenswert gut umgesetzt. Die Sillage hierbei erinnert an die aus meiner Kurzgeschichte hervorgehobene Briese, in der die Zitronen wehen. Sie ist sehr sehr Dezent, aber bei einem leichten Lüftchen wahrnehmbar. Die Haltbarkeit ist leider nicht so schön wie mein Urlaub und das restliche Gesamtpakets des Birkholzduftes. Nach etwa drei Stunden habe ich diesen kaum noch wahrnehmen können.



Trotzdem einen großen Dank an Philip Birkholz. Du hast es geschafft einen Duft zu kreieren, der mich in den mitunter schönsten Urlaub meines Lebens zurückversetzt.



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Der Traum einer Mango mit Abzügen im Abgang.
Der Gritti Mango Aoud beinhaltet einer der besten Mangonoten die ich bisher erschnuppern durfte.
Es handelt sich hierbei nicht um die typisch grüne „Supermarktmango“ sondern um eine absolut wunderschön fruchtige Flugmango. Kennern wird dieser Begriff wahrscheinlich etwas sagen. Unwissende sollten die Flugmango dringend probieren. Ihr werdet keine andere mehr verzehren wollen. Vertraut mir.

Beim Mango Aoud handelt es sich tatsächlich um diesen rot- goldenen Reifegrad einer richtigen Flugmango. Eine wahre Fruchtexplosion. Geht minimal auch etwas ins „fruchtgummiartig künstliche“ über, was hier aber absolut kein Problem darstellt.

Das Problem ist meines Erachtens das Oud. Im allgemeinen ist die Idee dahinter diese harzig/holzige Note hinzuzufügen eigentlich ziemlich smart, weil Oud dem Ganzen wahrscheinlich den gewissen „Reifegrad“ unterstreichen soll. Meiner Meinung nach erinnert die Umsetzung allerdings im verlauf des Tages an eine Mango, welche kurz zuvor das MHD überschritten hat. Das ganze wird mit der Zeit etwas muffig und fad. Der unglaublich getroffene Duft einer Mango verfliegt nach etwa 3 Stunden und übrig bleibt Oud, in Kombination mit einer leichten Vanillenote. Wahre Mangofreunde sollten sich hier wahrscheinlich eher an Mango-standalones orientieren. Freunde des gepflegten Ouds werden hier auf ihre Kosten kommen. Im allgemeinen gefällt mir der Duft und der farblich perfekt angepasste Flakon in dem sich dieser befindet dennoch sehr gut.
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