MonsieurMonsieurs Parfumrezensionen

1 - 5 von 13
Monsieur vor 10 Jahren 26
7
Duft
7.5
Haltbarkeit
5
Sillage
7.5
Flakon

Gletscherprise oder: Koks für Arme
Eigentlich hab ich mir Bang im September schon vorgenommen und wollte da dann auch schob etwas zu schreiben – da hatte ich eine intensive Phase, in der ich mal wieder auf einen richtig fiesen Verriss aus war und den hatte ich als fiese chemische Keule vom Aufsprühen in der Drogerie in Erinnerung, so dass er als ein ideales „Opfer“ schien... *fg*
Nun gut: das ganze musste dann verschoben werden, weil: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt...

Wie gewohnt hole ich allerdings vorher noch ein wenig aus und erzähle diesmal ein paar Schwänke aus der Jugend:
Vor ca. 20 Jahren war unter uns bajuwarischen Burschen nicht nur das heimlich rauchen, trinken und Papas zu schlecht versteckte Filmchen [die von den anderen Papas, meiner hatte sowas (leider) nicht] kucken populär, sondern auch noch eine durch Zufall wiederentdeckte uralte Sitte: das Schnupfen.
Nein, damals haben wir KEIN Kokain geschnupft und waren auch noch weit davon entfernt, mal die BWLer von später zu werden!!! Wie es genau dazu kam, kann nicht mehr rekonstruiert werden – ob bei ner Shopping-Tour im Tabakladen oder durch einen der Alten, die das damals noch intensiv betrieben haben: jedenfalls haben wir einige Jahre gern auch Schnupftabak genommen...
Das war durchaus praktisch, da man das überall machen konnte und nicht sonderlich aufpassen musste: im Unterricht, Bus, zu Hause, egal wo – im Unterschied zum Rauchen ging das total einfach; im Unterricht hat sich das nur später einer mal getraut zu rauchen, daheim musste man auf den Balkon oder hinter die Hecke und im Bus ging‘s einfach gar nicht. Aber auch beim Schnupfen durfte man es nicht zu sehr übertreiben: zu schnell kann es einen im Kopf drehen lassen, weil schon sehr viel Nikotin sehr schnell direkt über die Schleimhäute ins Blut gehen kann; ein Kumpel hat es damals deswegen auch einmal im Physiksaal geschafft, sich ins Waschbecken übergeben zu müssen...
(die richtigen Helden haben es sogar fertig gebracht, die Drehrichtung im Kopf zu ändern; nur wird einem dann umso schneller schlecht, wenn man das echt häufig hintereinander tut...)
Einige Zeit später ist das dann aber unter uns Jugendlichen dann doch endgültig verschwunden und heutzutage hat man nur noch halb eingetrocknete Restbestände irgendwo zu Hause rumstehen – ganz selten nimmt man noch einmal eine Prise, wenn z.B. der Vater eines alten Spezels auf einen trifft, der immer einen dabei hat (und sogar in seinem Stammwirtshaus einen auf nem Spezialplatz deponiert hatte).
Was hat man damals alles geschnupft? Fast alles hauptsächlich von Pöschl (ein niederbayerisches Unternehmen, von dem ich 15 Jahre später sogar schon einmal Lehrlinge unterrichten durfte), der wohl noch der einzig verbliebene Anbieter ist und andere Marken unter seinen Konzern mit aufgenommen hat. Im Sortiment gibt es alles Mögliche von dunklem Brasiltabak über mit Früchten oder Kräutern atomisierten Sorten bis zu den Mentholvarianten, von denen die Gletscherprise mit seiner hohen Dosis Menthol [es gibt aber noch extremere] und Columbia-Öl der absolute Marktführer ist.
Wie ist es, Gletscherprise zu schnupfen? Also: Häufchen auf den Handrücken aus der Packung rausklopfen, zurechtrücken und direkt rein mit der Nase ins Vergnügen (nein, da nimmt man keine Geldscheine und zieht keine Linien...)
Zuerst merkt man neben dem Nikotinkick auch gleich das Menthol, das einem sofort nach oben steigt und die Nebenhöhlen frei macht. Das ganze kribbelt dann etwas in der Nase und führt neben der Schärfe des Tabaks dazu, dass man oft zu Beginn schon niesen muss; es ist auch leicht scharf und wenn man den Tabak so weit hochzieht, dass im Mundhöhlenraum wieder etwas herauskommt (und wenn’s nur ein paar winzige Körnchen sind), dann kann das auch zu Hüsteln führen, wenn man es nicht gewohnt ist...

Nun kommen wir aber wieder zurück zu Bang von Marc Jacobs: eigentlich wollte ich das Ding ja richtig bösartig verreißen – mich hat der normale Men ja schon so furchtbar angewidert, den ich mir in einem schwachen Moment mal von einer wahrscheinlich böswilligen Verkäufertante aufsprühen hab lassen und der Nachfolger war ja im Geschäft auch so ein seltsamer Vogel gewesen, da war die Erwartungshaltung, als es an die Pröbchen ging: das wird was (richtig fieses)... ;-)
(ich erinnere an die zuvor durchlittenen LR-Tests)
Nun gut: aufgesprüht, dran geschnuppert und: gleich ein heftiges Kribbeln in der Nase bei latentem Niesreiz; bei noch näherem Rangehen und vorherigem Ausatmen, um das ganze wieder richtig warm und intensiv zu kriegen, kam dann auch was an den Gaumen, das dort weiterkribbelte – und das ganze erinnerte mich dann plötzlich total an Gletscherprise; das ist nichts anderes als Prise (also die Mentholhaltigen und nicht die Brasil-Schmalzler) zum Aufsprühen!!!
Das hält bei mir ne ordentliche Zeit an und wird dann nach weit über einer Stunde milder.
Wie ist Bang, nachdem er milder geworden ist? Ich kann da nichts Besonderes aus der Duftpyramide herausriechen; das Ganze ist und bleibt wohl synthetisch und mit Pfeffer kann man eben das gut titulieren, was da in den Schleimhäuten rumkribbelt. In dem Moment wo das nachlässt, krieg ich hauptsächlich das zu riechen, was andere unter Pfeffer verstehen und wesentlich milder ist: der Pfeffer aus der Hermèssence-Reihe, als den Poivre Samarcande und zwar nur den Pfeffer darin, ohne das ganze Komplimentierende darin; entweder die haben tatsächlich den gleichen synthetischen Rohstoff dabei verbaut und das ist dann eine der drei bei Bang angegebenen Pfeffersorten oder es ist einfach verdammt ähnlich...
Somit bekommt man für deutlich kleineres Geld zuerst eine ordentliche Ladung sprühbarer Gletscherprise PLUS als Zuckerl noch einen Hauch Hermèssence (und zwar in der noch minimalistischeren Variante als es Ellena schon gemacht hat: Pfeffer ohne viel drumrum)
Das stimmte mich dann doch sanft und bewog mich dann, keinen Verriss zu schreiben und das Thema stattdessen erst einmal ruhen zu lassen, bis aufgrund der 100-Tage-Regel mal wieder ein Kommentar fällig wird...
(alleine die Schnupftabakassoziation ist ja schon aller Ehren wert)
Für was ist Bang geeignet? Ich finde ihn nicht unbedingt tragbar – für was auch?! In der Arbeit oder beim Sport etc. möchte ich nicht so ein konstantes Kribbeln für paar Stunden haben; zum Abschleppen ist er denkbar ungeeignet, im Konzert sicherlich auch; in einer Disco wäre er wohl sogar zu unauffällig...
Einzig als Spaß für zuhause ist er eine tolle Sache... :-D

*schnieeeeef* Ich habe gesprochen.
36 Antworten

Monsieur vor 10 Jahren 48
7
Duft
10
Haltbarkeit
10
Sillage
7.5
Flakon

Ein Duft für besondere Fälle
Nachdem ich nun seit 100 Tagen keinen Kommentar mehr geschrieben und die Ferien mehr für Wein, Wien und Gesang genutzt habe, muss halt mal am Wochenende einer geschrieben werden.

Stellen wir uns folgende knifflige Situation vor:
Ein hartgesottener Junggeselle Anfang 30, in seinen besten Jahren, muss sich immer wieder der Versuche erwehren, verkuppelt zu werden – viel zu viele Leute in seinem gigantischen Bekanntenkreis meinen es nur allzu gut mit ihm...
Jetzt hat es ihn wieder mal erwischt: eine kaum mehr ausweichbare Verabredung wurde in Abwesenheit vereinbart, sei es durch eine Tante, die eine ganz nette Arbeitskollegin kennt, die ja ach so gut zu einem passen könnte oder ne Freundin der Mutter, die man selbst gut kennt, hat eine super sympathische Bekanntschaft beim Pendeln im Zug, die einem anempfohlen werden soll...
Nun gut: jedenfalls gibt es nun diesen Termin zum Kaffeetrinken am frühen Samstagabend und nach allem, was man so über die Gute gehört hat, wird das sowieso nichts: Vegetarierin, militante Tierschützerin, buddhistisch-taoistisch-spirituell angehaucht, so viel Sinn für unanständigen Humor wie Mr. Higgins (Magnum), und von der Einstellung her nicht einmal für Spaß beim Sex IN der Ehe (vorher üben geht eh nicht) – halt irgendwie total nett und total langweilig..
Gut, das ist an und für sich ja kein Problem; zwar fällt das sich-wie-ein-Pavian-aufführen als Option aus, weil man erstens das ja doch nette Mädel nicht kränken will und außerdem die vermittelnde Bekanntschaft nicht bloß stellen möchte – aber genau für diesen Fall hab ich ja meine Geheimwaffen: ein bisschen Essig erwärmen und so lange inhalieren, bis einem die Nasenhaare weggeätzt sind und man wegen der Essigsäure stundenlang sicherlich nichts mehr riechen kann; anschließend die Superwaffe aus dem Tresor nehmen und sich ordentlich mit Boris Becker eindieseln und ab geht’s zum Date; da dann richtig nett und freundlich sein und sich wundern, warum die junge Dame so schnell wieder plötzlich dringend heim muss. Da man ihr zu Beginn erzählt, dass man zur Zeit in nem Chemielabor arbeitet (Praktikum, Nebenfach Chemie, k.A.) kann sie es einem auch nicht übel nehmen und wird der so besorgten vermittelnden gemeinsam bekannten Person keine unschönen Dinge erzählen; man war ja artig und alles, aber leider sprang der Funke halt nicht über...
So weit, so einfach. Nur passiert nun folgendes: kurz vor dem Pflichttermin und der Prozedur mit dem Essig usw. hat man mal eine richtig interessante junge Dame kennen gelernt und die hat leider auch nur an diesem Samstag am späteren Abend Zeit.
Da das erste Date des Abends sicherlich nicht länger als eine Pflichtstunde dauern wird (Getränke bestellen, trinken, Anstandskonversation, warten bis endlich der Kellner kommt zum Zahlen), kann man locker das zweite hinterher legen nur: mit Bobbele auf der verätzten Haut kann man sich bei diesem Treffen sicherlich nicht sehen lassen; abwaschen und nen Flachlegduft aufsprühen geht auch nicht, weil man Bobbele wie im richtigen Leben als Fernsehomnipräsenzfigur nicht mehr los wird – also was tun?!
Wir haben die Lösung für diese sehr speziellen Fälle – es ist Serge Noir!
Und das funktioniert wie folgt:
Man dieselt sich ordentlich mit SN ein, der riecht zu Beginn die ersten 3 Stunden so richtig fies nach Ammoniak = Schweinestall bei mir; dem ersten Date sagen wir, wir arbeiten gerade auf dem Bauernhof (Ihr wisst schon: Praktikum, Erlebnispädagogik mit der Klasse aufm Bauernhof etc.), nach einer Stunde ist die Pflicht erfüllt und es kann die Kür folgen; wählt man den Termin nämlich richtig und timed es so, dass man eben erst nach ca. 2,5-3,5 Stunden das zweite Date hat, dann nämlich riecht er ganz gut, würzig und kann schon ein Panty-dropper sein. Das wichtige Date läuft richtig gut, hinterher geht der Post dermaßen ab durch der Decke, dass sich die Nachbarn über ihrer Wohnung schon durch Poltern an selbige (respektive Boden) bemerkbar machen, bis zum Frühstück bleibt man ebenfalls noch und erst dann macht man sich mal auf die Socken zu den Socken und dann heim – die ganze Zeit über hat man aber immer noch den deutlich wahrnehmbaren angenehmen würzigen Duft, der einen unterstützt...
Das Leben ist leider recht kompliziert und nicht oft kann man diesen Duft in geschilderter Situation einsetzen, weshalb es auch schwer fällt, den allgemein bzw. für den Alltag zu bewerten; zuerst fand ich ihn schrecklich, dann hab ich mehrfach die Schweinestallphase ausgesessen und der Beginn wurde auch durch Gewöhnung erträglicher. Er ist sicherlich ein Kunstwerk für sich, schwierig, nicht jedermanns Fall, kaum universell tragbar, aber eben doch interessant und ein Charakter, der seinesgleichen sucht, provoziert, polarisiert. Er hinterlässt ebenso wie Kouros etc. bei mir diese seltsame Mischung aus Abneigung und Faszination; Kaufabsichten habe ich aber momentan sicherlich nicht...
38 Antworten

Monsieur vor 11 Jahren 54

Fritz Haber meets Bobbele oder Unfall im Chemielabor: das kam bei LR hier vor
Nun kommen wir zum vorerst letzten Teil der LR-Reihe (mir reicht's auch langsam bzw. meine Nase hat schon gedroht, eine Gewerkschaft zu gründen und mich gehörig wegen der innasalen Arbeitsbedingungen zu verklagen):
last but not least – Boris Becker

Aber beginnen wir an einem ganz anderen Ende des Erzählstranges...

Ich möchte gerne mit etwas Geschichte einleiten, wobei auch hierfür etwas ausgeholt werden muss (der geneigte Leser möge dies bitte nachsehen):
Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Europäer nach etlichen Jahrzehnten Frieden (jedenfalls auf eigenem Kontinent im Verhältnis zueinander) etwas übermütig wurden und 1914 freudestrahlend in die Züge stiegen, um endlich mal wieder richtig Mann sein zu dürfen, da wusste noch niemand so richtig, was einen erwarten würde. So dachte man sich zur ersten Kriegsweihnacht (man ging ja davon aus, dass der Spaß nicht so lange dauern würde und bald wieder Ruhe einkehrt) noch, man könnte doch ein kleines Päuschen einlegen und mit den Jungs von der anderen Seite ein wenig feiern. Diese Idee fanden dann die jeweiligen obersten Heeresleitungen hinterher nicht so prima und beschlossen, lieber etwas mehr Propaganda zu machen, um die jeweiligen Kontrahenten im Schützengraben mehr zu motivieren. Auf einmal bezichtigten sich deutsche und französische Ethnologen gegenseitig, vom Neandertaler abzustammen, man fand heraus, dass man immer schon neben der Erbschuld einen Erbfeind hatte usw.
Statt der bisherigen Weihnachtsgeschenke gab es künftig etwas ganz neues: man bewarf sich gegenseitig mit Spezialparfumtestern, damit der andere Bunker wenig angenehm roch. Masterparfumier auf deutscher Seite, die sich zuerst diesen Streich ausdachte, war Fritz Haber, jüdischstämmiger (sic!) Chemiker und aufgrund seiner tollen Kreationen bald trotz seiner Herkunft (auch im Kaiserreich war es Juden nicht einfach so möglich, Offizier zu werden) in der Armee emporstieg (er wurde als reiner Forscher immerhin Hauptmann).
Die Kreationen umfassten Phosgen, Chlorgas, hinterher auch noch Senfgas und die Franzosen ließen sich natürlich nicht lange lumpen und haben sich artig mit eigenen Neuerungen bedankt...
Nach dem Ende des Krieges wollte man Haber zuerst wegen Kriegsverbrechen anklagen, satt dessen erhielt aber dann doch den Nobelpreis.

So viel zum Prolog.
Nun zu Boris Becker:
Bobbele war viele Jahre lang der Sportliebling der Nation. Sein erster Wimbledonerfolg ist unvergessen, man litt mit seinen Verletzungen mit und hoffte immer wieder, dass er auf Rasen noch einmal großartiges vollbringen könne.
Mittlerweile ist er eher durch seine verunglückten Frauengeschichten, Scheidungen, Besenkammer, Zickenterror mit der Ex und deren neuen Oberholzkopf und anderen Peinlichkeiten in den Medien. Der große Spieler und Kämpfer zeigte sich immer wieder als weniger großer Denker, der weder viel Plan noch Fingerspitzengefühl für die eigene Lebensführung innehat.
Er macht nun Werbung fürs Pokern und entspricht doch dem Typus des Möchtegern-auch-mal-cool-mit-Pokerspielers, den die Profis, die davon leben (kenne einige von der Sorte, die nach dem Studium nur noch Pokern und nicht wissen, wohin mit dem Geld), langfristig um sein Geld bringen...
Eine seiner Glanzleistungen war (oder war das wieder mangelhaftes Management im Hintergrund, das auch schon dafür verantwortlich war, dass der arme Kerl unwissend wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde), sich im Jahr 2007 dafür zu entscheiden, ein Parfum auf den Markt bringen zu lassen.
Wie sollte man das gestalten?!
Vielleicht muss man sich mal vergegenwärtigen, wie es im Hause Becker zu jener Zeit aussah:
er hatte gerade viele Kurzzeitbeziehungen hinter sich und wollte wohl mal ein bisschen Pause machen; da dachte man sich bei LR, es wäre doch eine gute Idee, etwas zu kreieren, mit dem man weitere stressige Kandidatinnen abschrecken könnte. Becker war sofort begeistert und stimmt zu.
Nun mussten nur noch die offiziellen Duftnoten gefunden werden: das Ding wurde letztlich eine Art Gucci Guilty-Klon (obwohl das erst Jahre später rauskam), ob es damals schon sowas in der Richtung gab weiß ich nicht (eigentlich wird ja jeder Duft abgekupfert)...
Nur dass er sich im Unterschied zu Guilty (siehe dortige Rezension) nicht zum Rasenmähen eignen dürfe, weil man ja erstens als BB nicht mehr Rasen mähen muss und zweitens auch da die bösen Samenräuberinnen abschrecken können muss. Ich hab es schon verraten: man sollte BB nicht einmal zum Rasenmähen tragen, weil die Gefahr sonst zu groß wäre, sich panikartig absichtlich die Hände abzumähen...
LR hatte nämlich den genialen Einfall, wie man kostengünstig den Duft herstellen könnte – bei einer Versteigerung von alten IG Farben-Beständen konnte man günstig rare Restmengen von Habers Forschungen aus der Weltkriegszeit erwerben. Nun musste man nur noch das billige Lavendeldingsbums zum zitrischen Chemiedreck und Pseudoholz kippen, kräftig umrühren und mit Habers Erbe aufpimpen: fertig war die Kreation, auf die auch Frankenstein nicht Stolz gewesen wäre.
Becker selbst trug diesen Duft übrigens ein Jahr regelmäßig und erst als er einmal aus Versehen ohne aus dem Haus ging, blieb ihm die olle Sandy hängen und das Schicksal nahm seitdem wieder seinen Lauf...
Ich werde ihn nie wieder tragen, schon kurz nach dem Aufsprühen bekommt man Kopfschmerzen, es wird einem schwindlig, die Augen tränen, das ganze stinkt dabei widerlich und man möchte es einfach nur abwaschen – leider hatte ich grade kein Speick Preshave (Tipp von Apicius) da und musste es sonstwie probieren, was aber nicht so toll gelang, sodass der Mist bis zum nächsten Tag anhielt... :-/
Ich weiß ja jetzt, was mich erwartet ;-)
Die Bewertung von 3 % bei 3 Bewertungen (einer hatte wohl seinen sozialen Tag) spricht wohl für sich...
42 Antworten

Monsieur vor 11 Jahren 14
5
Duft
7.5
Haltbarkeit
5
Flakon

abgekupfertes Platin oder warum Ralf Moeller als Egoist in der Gegend rumläuft
Teil 4 der LR-Serie:
Heute haben wir es mit einem weiteren Schauspieler zu tun, dem deutschen Pendant zu Bruce Willis: Ralf Moeller, den Zigarre rauchenden coolen Muskelprotz, der Filme mit Action statt NiWo macht, beim Superbowl im German television bissel klug daherreden darf (was ihn mit der nächsten Rezension – Boris Becker – verbindet) und auch schon fast amerikanisch in seiner Muttersprache rumknödelt...
Ich könnte an dieser Stelle noch einmal rhetorisch fragen, ob die einen Duft kreiert haben, der seiner Persönlichkeit nahe kommt, individuell und kraftstrotzend ist; aber Ihr wisst ja eh, dass dem nicht so sein wird... ;-)
Was haben sie dieses Mal kopiert (bzw. versucht zu kopieren)? -> Platinum Égoïste
Das Original mag und hab ich, auf die elenden Diskussionen zum Thema Chanel-Herren-Sortiment seit dem ersten Égoïste lasse ich mich hier überhaupt nicht ein.
Für Herrn Moeller hat man eine Kopie kreiert, die anfangs OK ist, dann LR-typisch auseinanderfällt und zum Irgendwas wird, wobei sich der Unterschied der Ingredienzen zu Chanel brutal offen zeigt...
Er ist aber weder penetrant noch nervig wie andere LR und daher für Herrn 0815 doch irgendwie tragbar.
13 Antworten

Monsieur vor 11 Jahren 22
4
Duft
7.5
Haltbarkeit
5
Flakon

Terre d'Hermès zum Haareausraufen - oder wie glatzköpfige Leinwandraufbolde keinen Geruch haben und sich das Original leisten können
So, weiter geht es mit der LR-Serie:
heute wollte ich mich eigentlich dem mysteriösen Agenten XY widmen, aber der ist hier gar nicht gelistet und ich hab mir also umsonst den rechten Unterarm verstümmelt... :-/

Also weiter mit den bewertbaren und zwar Bruce Willis:
Was ist Bruce Willis? Ein selbstständiger Duft, für den Hollywood-Star individuell kreiert?! Neee, das hat hoffentlich keiner von Euch hier gedacht oder!?
Was ist es dann? Schaut mal bisschen in die Pyramide rein! - richtig: eine weitere Terre d'Hermès-Kopie. 100 Punkte.
Ich muss dazu sagen, dass mir nur das Bodyspray zur Verfügung steht, aber das ist intensiv genug...
Der BW ist ein typischer LR-Klon: startet noch einigermaßen passabel und nah am Vorbild, um dann im Duftverlauf seine „hochwertigen“ Inhaltsstoffe erst richtig preiszugeben und im Vergleich zum Original immer weiter abzudriften und regelrecht auseinanderzufallen...

Vielleicht noch einige allgemeine Worte zu meinen Bewertungen in dieser Serie hier: da das Zeug quasi nichts kostet und etliche für viele Laien ganz passabel sein könnten mache ich es punktemäßig nicht total nieder (Ausnahme kommt noch), würde aber den Teufel tun und das öffentlich tragen – und auch nicht mal zum Rasenmähen, meinem Opa, mir, den Nachbarn und dem Rasen zuliebe...
Eigentlich alle sind ziemlich billiger Synthetikkram, auf den man schon mal Kopfweh, Schwindel, gereizte Augen etc. kriegen kann, wenn man zum Testen ordentlich dosiert (aber Näheres in meiner angekündigten Boris Becker-Rezension, die diese Themenbereiche alle ausführlicher abdecken wird)
Der BW ist relativ nervig und bekommt daher auch nur 40 % (das Original mag ich übrigens recht gern, die schlechte Kopie braucht niemand), während man den Jungle oder Terminator wohl noch eher gebrauchen kann (als Düfte sind die nicht sooo schlecht, wenngleich auch alles andere als hochwertig)...

Die Hard Bruce Willis, bei dem Kram gehen einem ja die Haare aus...
9 Antworten

1 - 5 von 13