SalanderSalanders Parfumblog

Die unangefochtene Nr. 1 der Kommunikation ist Rhetorik. Wir erzählen Geschichten, filtern unsere Gedanken und formulieren Sätze. Wir drücken uns aber auch über Gestik oder über Kleidung aus.

Das i-Tüpfelchen des täglichen Miteinanders ist die olfaktorische Wahrnehmung. Viele mögen erst gar nicht zum Parfüm greifen, weil ihre eigenen Sinneswahrnehmungen sehr sensibel sind, manche werden von Allergien – von eigenen Beschwerden oder von Familienmitgliedern – daran gehindert, sich zu beduften. Es gibt auch Menschen, die sich überhaupt nicht für die oberflächliche, unnütze und teuere Welt der Düfte interessieren - eine Seife reicht.

Wir hier bei Parfumo sind uns aber alle einig, Wohlgerüche sind wichtig und ausdrucksstark. Ein Parfüm kann Freude schenken, Gefühle versinnbildlichen, sexy wirken, uns den Rücken stärken, eine unsichtbare Mauer in Sekunden aufbauen oder einfach nur ein wohliger kuscheliger Kokon sein.

Es gibt Angelegenheiten, in denen wir uns nur für den "Eigenbedarf" parfümieren. Teilweise auch, wenn wir nicht alleine sind. Im zweiten Fall findet aber, gewollt oder ungewollt – es sei denn, die Einparfümierung ist sehr dezent - eine Kommunikation statt. Wir machen nicht nur mit unseren Worten, Taten, Gesten und Kleidern deutlich, welchen Platz wir in der Welt einnehmen wollen, sondern auch durch unsere Odeurs.

Anna Murphy, die Leiterin der Moderedaktion der Times schrieb einmal: „Zum Theater gehören Kostüme. Sie verraten, wen die Schauspieler darstellen und welche Ziele oder Anliegen die dargestellten Personen haben. Dasselbe gilt für unsere Alltagskostüme“. Auch wenn sie an dieser Stelle ganz eindeutig über Mode spricht, kann man ihre Aussage auf Parfüm übertragen.

Mit verschiedenen Düften können wir unterschiedliche Situationen meistern. Ob wir maskulin, feminin, sinnlich, frisch, gut gelaunt, smart oder abgrenzend wahrgenommen werden wollen, das liegt in unserer Hand und im jeweiligen Sprühkopf.

Bei Parfumo liest man häufig, dass sich Mitglieder nur für sich selber beduften. Es gab mehrmals schon Anfragen im Forum nach Düften mit „Monster-Sillage“. Sobald jemand kein Eremitendasein in einer eigenen Höhle oder alternativ Immobilie führt, sind diese Verhaltensweisen ein wenig ignorant oder provokativ.

Wie bitte? Können wir mit einem für uns angenehm duftenden Parfüm etwas falsch machen? Auf die Frage gibt uns die Psychologin Bettina Pause eine plausible Antwort: „Gerüche haben einen direkten Einfluss auf unsere Gefühle, und die sind nichts anderes als Auftaktgeber für bestimmtes Verhalten. Wenn ich fröhlich bin, nähere ich mich jemandem an, wenn ich ängstlich bin, bleibe ich auf Abstand. Wenn ich etwas eklig finde, will ich die Ursache loswerden. Geruch ist verhaltensrelevant. Er sagt uns automatisch, was gut ist oder schlecht“. Natürlich geht es hier nicht nur um die Duftwolken aus einem Flakon, sondern um die biologischen Signale der Duftmoleküle. Und doch, auch hier sind Parallele nicht von der Hand zu weisen. Das, was jemand unwiderstehlich findet, könnte dem Gegenüber gehörig „auf die Duftrezeptoren gehen“.

Daniela Andrier, eine der bekanntesten Parfümeurinnen in Frankreich, sagte Mal den folgenden Satz: "Gerüchen ist man hilflos ausgeliefert, man kann sich nicht schützen vor den Emotionen und Erinnerungen, die sie hervorrufen." Das muss natürlich nicht schlimm sein. Es wäre unsinnig immer erraten zu wollen, was gut in der Aussenwelt oder beim Gegenüber ankommt. Bei kontrovers diskutieren Düften ist aber Vorsicht geboten. Mit ein wenig Feingefühl sind Orte und Menschen leicht zu lokalisieren, wo bzw. bei deinen z.B. Kirchenweihrauch oder Oud absolut fehl am Platz ist.

Es ist wichtig, sich mit den eigenen Vorlieben auseinander zu setzen. Es ist wichtig, offen für Neues zu sein aber dem ständigen Ruf verlockender Angebote auch Mal zu widersprechen. Extrem wichtig ist, den Spaß am Hobby nicht zu verlieren. Vielleicht ist es nicht verkehrt, Zuhause ein bisschen auszusortieren, damit wir uns morgens nicht eine halbe Stunde überlegen müssen, welchen Flakon wir heute den Vortritt gewähren. Düfte finden, die der eigenen Persönlichkeit schmeicheln, das Selbstbild zum Ausdruck bringen, zum Lebensstil passen und in geschlossenen Räumen trotzdem von anderen „ohne Atemschutzfilter ausgehalten“ werden können.

In der ersten Linie sollte natürlich jede/r an sich selber denken. Wenn wir dabei die eigene Umwelt nicht ganz aus den Augen verlieren, berücksichtigen wir eine wichtige Regel angenehmer Kommunikation - Empathie. Und ganz nebenbei bevölkern wir den Duftschrank mit Prinzen, denn Frösche müssen ab sofort draußen bleiben.


Quellen: Die Zeit, Fritz Habekuß - "Unsere Nase liest die Welt" // Die Zeit, Estelle Marandon - "Der Duft der Erinnerung" // DK Verlag, Anna Murphy - "Perfekt gestylt"


19 Antworten
Vor 2 Jahren
36 Auszeichnungen

Und da war dieser Duft, so schön. Erinnerst du dich? Die Frühlingsblüten, gemischt mit dem Geruch der feuchten Erde, der aufsteigende warme Wind, der etwas Grünes, Trockenes beigemischt hat. Ich weiß noch, ich fand diese Mischung aus Landschaft und Aromen so schön, dass ich mich kurz setzen musste. Es war ein kleines Glück, ebenso einzigartig wie flüchtig.

Es dauert nur einen Wimperschlag und ich bin in Gedanken wieder in Umbrien. Ich kann die Hügel um mich herum sehen, wenn ich die Augen schließe. Die Obstbäume stehen auf der einen, die Wiese grünt auf der anderen Seite. Fast kitschig ist schon, dass das Bild von einigen Schäfchen vervollständigt wird. Keine hat sie bestellt, alles vom Zufall inszeniert. Ich spüre das warme Gefühl, das ich damals fühlte. Nur meine Nase bleibt seltsam taub.

Wie schade, dass wir keine Dufterinnerungen reproduzieren können. Auch wenn diese nach einer Weile verblassen oder in diesem Fall eher "verduften" würden, möchte ich das Gesamtpaket in meinen Rezeptoren archivieren.

Andererseits, wenn einer der menschlichen Sinne stimuliert wird, kann auch eine Erinnerung aktiviert werden. Sicherlich kennen alle das Phänomen, dass wir Düfte, die wir ewig nicht mehr gerochen haben, plötzlich wieder erkennen. So ging es mir mit dem Rasierwasser von meinem Großvater.

Als ich noch ein Kind war, hat er sich an einem Lavoir rasiert. Ich liebte es, wie er seine Utensilien ausbreitete, mit Hilfe eines Pinsels und seiner Lavendelseife Schaum aufschlug und nach dem gründlichen Auftragen der Lauge auf Kinn und Wangen minutenlang aussah, wie der Nikolaus. Er nahm sich Zeit. So viel, wie viel ich mir morgens in der Alltagshektik niemals gönnen würde. Er zelebrierte die Rasur und ich war fasziniert von dieser für mich gefährlichen Akt mit dem Rasiermesser und vom angenehmen Geruch. Den Duft von Lavendeln mag ich heute noch sehr. Aber als ich vor ein-zwei Jahren Guerlains Jicky aufgetragen habe, traf mich der sprichwörtliche Blitz. Es wurde mir gleichzeitig warm und kalt. Da war es wieder, diese einzigartige Note von Tati.

Wie seltsam. Bewusst können wir kein Odeur herbeizitieren, unser Gedächtnis ist aber in der Lage, verschüttete Erinnerungen wieder zu beleben, wenn wir einen Duftimpuls bekommen. Und so werden Düfte, mit denen wir ein schönes Ereignis verbinden, uns ein Leben lang auch daran erinnern.

Das ganze Spiel funktioniert selbstverständlich auch anders herum. Hast du dir jemals schon den Magen verdorben? Dann weißt du, was das bedeutet, wenn du den Übeltäter nur in Riechweite hast.

Wie formulierte es Jacques Rousseau vor mir schon sehr treffend:

„Der Geruchssinn ist der Sinn der Erinnerung und des Verlangens“

Aber wenn, dann muss ich dem zweiten Aspekt einen neuen Blog widmen...

9 Antworten

In meinem Kopf spuken seit längerem Fragen herum. Warum sammeln wir eigentlich? Wie kommen unsere "Habe ich"-s zusammen? Was setzen wir auf unsere Wunschlisten? Welche Düfte empfinden wir als angenehm, welche verabscheuen wir? Sind wir rein olfaktorisch gesteuert bei der Auswahl unserer Lieblinge oder spielen andere Faktoren auch eine Rolle? Und was sagen die Antworten auf diese Fragen über unsere Persönlichkeiten aus?

Aber etwas vorweg: Das was hier folgt ist keine wissenschaftliche Arbeit, vielmehr ein liebevolles Portrait unserer Communitiy. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar auf eine genaue Persönlichkeitsanalyse.

Die von mir hier beschriebenen Sammelprofile stellen einzelne Charakteristika "rein" dar. Die meisten von uns sind aber Mischtypen. Um die Beschreibung zu vereinfachen spreche ich vom Sammler oder von den Sammlern, meine aber damit natürlich auch alle Damen unter uns (ich bin schließlich selber eine).

Und jetzt zur der Frage: "Wer bin ich?" oder besser gesagt "Wer bist du?"


Der gewissenhafte Sammler:

Hier geschieht nichts zufällig, Impulskäufe sind diesem Typus fremd. Alles was er tut, muss "richtig" gemacht werden, nichts entgeht seiner Aufmerksamkeit. Er ordert Pröbchen, testet ausgiebig, wägt genau ab, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen ist, bevor ein neuer Duft in seine Sammlung aufgenommen wird. Bereits angeschaffte Düfte - egal ob Flakons, Abfüllungen oder Proben - werden ordentlich aufgehoben und katalogisiert, ggf. auch Listen über die Sammlung erstellt. Community-Mitglieder mit gewissenhaften Zügen sortieren nur sehr ungern etwas aus, das für sie Wert hatte oder vielleicht noch haben könnte, denn sie sind sparsam, vorsichtig und behutsam. Die Größen deren Sammlungen liegen eher im mittleren Bereich, alles andere wäre zu exzentrisch und unvernünftig für sie.



Der selbstbewusste Sammler:

"Licht aus, Spot an". Dieser Sammler ist extrovertiert, charismatisch, charmant und zieht andere Menschen regelrecht an. Er hat eine recht zupackende Art, wechselt Düfte schnell. Seine Sammlung wird deshalb meist nicht sehr groß, was nicht mehr gefällt, wird auch losgelassen. Er führt gerne, d.h. unter den Rezensenten ist er als Meinungsbildner anzutreffen. Komplimente, Lob und Bewunderung nimmt er gerne aber gelassen entgegen. Enttäuscht darf keiner sein, wenn dieser Typus seinem Gegenüber trotz "Süßholzraspelei" keine Aufmerksamkeit schenkt. Erfolg ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Er avisiert meist hohe Ziele, ist Ehrgeizig und erwartet das Beste für sich. In seiner Sammlung befinden sich meistens auch absolute Raritäten.


Der loyale und hilfsbereite Sammler:

Der Charakter des loyalen Sammlers lässt sich am besten mit seinem Tauschverhalten skizzieren. Dieser Stil ist gebend, umsichtig und hilfsbereit. Wenn er im Souk handelt, gibt er mehr, als er bekommt. „Schenken macht Freude“ stimmt in seinem Fall ganz besonders und kommt vom Herzen. Wenn er sich allerdings ausgenutzt fühlt, zieht er sich zurück. Dieser Typus kommt gerne zu persönlichen Treffen mit Community-Mitgliedern, hört gerne auf deren Rat beim Kauf, ist gesellig, harmonisch ausgleichend und sehr nett. Bezeichnend sind auch die Loyalität zu einzelnen Marken in deren Sammlung und die Idealisierung, ja ein wenig die Verehrung, von berühmten Persönlichkeiten und/oder Zeitepochen. All das wird dann im Fotoalbum des Sammlers meist kultiviert.


Der dramatische Sammler:

Hat euch schon jemand mit seinem Auftreten, Lachen und nicht zuletzt verführerischem Duft den Kopf schon Mal gehörig verdreht? Jemand, der vielleicht nicht der attraktivster auf der Party war aber die Gabe und das Esprit besaß, die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen komplett auf sich zu ziehen? „Der Dramatiker“ lebt und duftet intensiv. Geführt von seiner überschwänglichen, emotionalen Persönlichkeit neigt er zum Teil zu sündteueren, spontanen Impulskäufen aus der Laune heraus. Er ist ein leidenschaftlicher und sinnlicher Sammler, betrachtet Düfte als Ausdruck seines Selbst, versetzt sich mit Hilfe deren in Stimmungen, bringt andere gerne mit seinem Odeur ein bisschen „durcheinander“ und benutzt Wohlgerüche um zu verführen. Da diese Menschen sehr viel Wert auf Äußeres legen und Stil, Ästhetik sowie auch Kreativität lieben, sammeln sie auch meistens kostbare, feine Düfte. Die „Habe ich“ Listen dieser Mitglieder lesen sich wie das „Who is Who“ in der Parfümwelt, immer wieder untermalt mit besonderen Kostbarkeiten. Und noch etwas: Wenn der dramatischer Sammler Kommentare schreibt, dann anekdotenhafte und amüsante, denn er ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Wenn er fotografiert, dann höchst kreativ.


Der wachsame Sammler:

Dieser Typus braucht keine Pinnwandbestätigungen, Anerkennung, Schenkungen von außen, nie würde er auf die Idee kommen, sich von der Community beraten oder von einen „Duftexperten“ zum Kauf verleiten zu lassen. Hier herrscht Autonomie in ihrer reinsten Form. Gekauft wird nur das, was dem wachsamen Sammler selber wirklich gefällt, Impulskäufe sind ihm fremd. Wenn sich Menschen mit der obigen Tendenz bei Parfumo überhaupt anmelden, dann damit sie sich informieren können. Der wachsame Sammler agiert rational, gibt sehr wenig von sich Preis, legt höchstens seine Sammlungen an, recherchiert und kauft/verkauft im Souk ein paar Kleinigkeiten. Er ist übrigens seiner Umwelt völlig bewusst, achtet darauf, ob ein Produkt „politisch korrekt“ und ohne Tierversuche hergestellt wurde. „Falschspieler„ werden naturgemäß sofort entlarvt, „Verdächtiges“ kommt erst gar nicht auf die Merkliste.


Der sensible Sammler:

Seine Sammlung ist mit sehr viel Sachverstand zusammengestellt. Er geht sensibel „an die Arbeit“, testet viel, stellt zusammen, verändert, bevölkert mit viel Phantasie seine Vitrine mit schönen Flakons. Diese Sammler sind alles andere als Dilettanten, Verstand, Kreativität und Zurückhaltung in zwischenmenschlichen Bereichen sind ihre wichtigsten Charakteristika. Es gibt ihnen Sicherheit, wenn sie immer mehr Details zu für sie interessanten Themen kennen, weil sie damit eine kleine vertraute Welt für sich aufbauen. Am liebsten machen sie Ihre Erkundungen aus dem eigenen Sessel heraus, hier kommt denen das Internet und damit Parfumo entgegen. Zu engen Vertrauten – in diesem Fall meine ich Signaturdüfte – pflegen sensible Sammler eine lebenslange Bindung. Sie bunkern gewissenhaft Flakons, falls ein Hersteller ankündigt, ihre Lieblinge aus dem Programm zu nehmen. Apropos Lieblinge, diese sind meist ätherisch und körpernah. Ihre Kommentare und Bilder haben eine literarische, künstlerische Anmutung, mit viel Sorgfalt erstellt bzw. ausgeführt.


Der exzentrische Sammler:

Der exzentrische Sammler besitzt kein einziges Duftwässerchen, das trendy ist. Selbstbestimmt und unabhängig sucht diese Spezies Parfüm aus, das sehr viel Charakter besitzt und wie ein Markenzeichen wirkt. Mainstream? Nein danke! Nische? Vielleicht, wenn der Duft interessant, unüblich, ausgefallen, sogar abstrakt ist. Hier wird Parfüm zur Kunst auf hohem Niveau, das Wässerchen muss auf intellektueller, spiritueller und emotionaler Ebene gleichermaßen gefallen. Wenn schon eine Marke, dann eher Etat Libre d'Orange und auf keinen Fall Guerlain. Exzentrische Menschen schreiben kreative Kommentare, die konventionelle Zeitgenossen in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich finden, provokante Formulierungen sind ihnen nicht fremd.


Und? Erkennst du dich?


(Die Beschreibungen basieren auf dem Buch „Ihr Persönlichkeitsporträit“ von Jon M. Oldham und Lois B. Morris. Einige Stile können aus meiner Sicht bei einem Sammlerprofil durchaus vernachlässigt werden, – wie z.B. der ungesellige o. aggressive Typ – deshalb habe ich diese hier auch nicht berücksichtigt).

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